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Wirtschaft

Erfolgreiche Regierungspolitik schafft Investitionsperspektiven für Anleger

Israel – eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte

Der Nahe Osten wird in den Medien stets als Konfliktherd präsentiert. Israel ist mittendrin und die Ereignisse Ende Mai 2010 im Zusammenhang mit der Gaza-Flottille haben dem Land eine schlechte Presse gebracht. Im gleichen Zeitraum gingen die positiven Nachrichten vollkommen unter. So bezeichnete neulich der Nobelpreisträger Paul Krugman Israel als eine der wenigen volkswirtschaftlichen Erfolgsgeschichten dieser Zeit. Israel brauche keine fiskalpolitische Stimulierung und gehöre mit Kanada und Australien zu der Gruppe der entwickelten Länder, die die Krise gut überstanden haben. Insbesondere das „langweilige“ Bankensystem, in das „wilde“ Produkte keinen Einzug fanden, war ein Grund dafür, dass Israel die Krise leichter als andere überwinden konnte.

Tatsächlich spielen politische Ereignisse an der Aktienbörse in Tel Aviv (TASE) eine überraschend untergeordnete Rolle. Gerade das Beispiel der Gaza-Flottille verdeutlicht dies. Am Tag des Vorfalls verlor die Börse 1,6%. Schon einen Tag später hatte sie sich beruhigt. Am Ende der Woche schloss die Börse nicht nur positiv, sondern auch besser als die großen internationalen Indizes wie etwa der US-Index S&P 500. Fast zeitgleich wurde die israelische Börse vom Indexanbieter MSCI hochgestuft - vom Emerging Market zum entwickelten Markt.

Kurz zuvor wurde Israel in die OECD aufgenommen. Dafür musste sich das Land in 18 verschiedenen Kategorien bewerten lassen. Das Ergebnis spricht für sich. Die Staatsverschuldung blieb in der Krise nahezu unverändert, während sie in den westlichen Industrienationen dramatisch anstieg. Es wird erwartet, dass sich Israels Staatsschulden dank einer disziplinierten Fiskalpolitik in den nächsten Jahren auf 70% des BIP verringern werden. Bemerkenswert ist, dass die Inflationsrate in den letzten 10 Jahren um etwa 50% unter dem OECD-Durchschnitt gelegen hatte. Seit 2003 erwirtschaftet das Land Handelsüberschüsse, die Wachstumsrate lag in der Zeit von 2003 bis 2008 bei jahresdurchschnittlich 5,5%. Auch im Krisenjahr 2009 wuchs die israelische Wirtschaft um 0,5%-0,7%, die deutsche dagegen schrumpfte um 5%. Für das Jahr 2010 rechnet die Bank of Israel mit einem Wachstum von 3,7%, für 2011 mit 4%.

Eine kluge Wirtschaftspolitik

Die israelische Wirtschaftspolitik agierte während der Krise sehr überlegt und vorausschauend. Einzig in der Welt, führte das Land zweijährige Haushaltspläne als stabilisierende Maßnahmen ein. Israel hatte keine Rettungsaktionen oder Konjunkturprogramme nötig. Fast alle Branchen der israelischen Wirtschaft haben das Niveau der Vorkrisenzeit wieder erreicht und nicht selten sogar übertroffen. Laut World Competitiveness Yearbook des International Institute for Management Development (IMD) ist Israel weltweit die Nummer 1 in Sachen Widerstandsfähigkeit gegenüber Wirtschaftszyklen. In Bezug auf die Wettbewerbsfähigkeit sieht die Studie Israel auf dem 17. Platz. Zusammen mit Australien und Norwegen gehört Israel zu den ersten Ländern, die ihren Leitzins seit der Krise schon wieder erhöht haben. Die israelische Währung Shekel (NIS) ist stabil gegenüber den Weltwährungen. Israels Währungsreserven beliefen sich Ende 2009 auf USD 59,1 Mrd. Seitdem sind sie weiter angestiegen. Sie summieren sich auf 25% des BIP und decken die gesamte kurzfristige Auslandsverschuldung ab. Die Bank of Israel betrachtet Währungsreserven insbesondere in einer Wirtschaftskrise als eine wichtige Liquiditätsquellen.

Von der Erholung der Wirtschaft profitieren die Menschen in Israel spürbar. Israelis sind im Durchschnitt inzwischen fast so wohlhabend wie Italiener. In 2009 stieg die Zahl der Millionäre um 42,7%. Dies ist hinter Hong Kong und Indien die dritthöchste Zuwachsrate der Welt. Als Gründe gelten die um 40% gewachsene Marktkapitalisierung an der Tel Aviv Stock Exchange sowie die um 15,5% gestiegenen Immobilienpreise. Israel wird zunehmend attraktiv für Einwanderer. Im Jahr 2009 stieg die Anzahl der Einwanderer nach Israel um 17%. Insbesondere gab es einen dramatischen Anstieg an Einwanderern aus Nord-Amerika und West-Europa. Wie die Jewish Agency meint, spielt die schlechte wirtschaftliche Lage in diesen Regionen bei der Entscheidung zur Auswanderung nach Israel eine wichtige Rolle, da die Menschen bessere Chancen für sich in Israel sahen. Mit dem rasanten Wachstum kann allerdings nicht jeder mithalten. 20% der Menschen in Israel leben unterhalb der Armutsgrenze. Der Durchschnitt der OECD liegt nur bei 11%. Schätzungsweise 50% der israelischen Araber, 60% der Ultra-Orthodoxen sowie 23% der älteren Bevölkerung gelten als arm. Die Regierung hat das Problem erkannt und will den arabischen Teil der Bevölkerung sowie ultra-orthodoxe Juden besser in die Arbeitswelt integrieren. Die mangelhafte Beteiligung dieser Bevölkerungsgruppen am Wirtschaftsleben kostet viele Milliarden Shekel und könnte zukünftig eine Belastung für das Wirtschaftswachstum darstellen.

Forschung und Innovation

Israels Erfolge sind umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass der Boden trocken ist, das Wasser knapp, Rohstoffe kaum vorhanden und das Land von Nachbarn umgeben ist, mit denen kein Handel stattfindet.

Israel setzt daher auf Ideen und innovative Technologien, die Erfolg auf den Weltmärkten versprechen. 5% seines BIP investiert Israel in die Forschung, mehr als jedes andere Land der Welt. Mit rund 4.000 Unternehmen hat Israel die höchste Ansammlung an High-Tech-Firmen außerhalb von Silicon Valley. Ermöglicht wird dies nicht zuletzt durch das hervorragende Bildungssystem. Die Qualität der universitären Ausbildung belegt weltweit den zweiten Platz. Israelis halten pro Kopf die höchste Anzahl an Patenten. Prozentual gibt es in Israel mehr Ingenieure und Wissenschaftler als in jeder anderen Nation. Insbesondere der Sektor der Informations- und Kommunikationstechnologie war im Jahr 2009 für Israels gute Wirtschafts-Performance verantwortlich; er konnte ein Wachstum von 1,9% vorweisen. Der Sektor ist eine wichtige Stütze für die Wirtschaft des Landes: Sein Anteil an der Gesamtbeschäftigung und Exporten beträgt 7% bzw. 30%.

Am 01. Juli 2010 hat Israel den Vorsitz der europäischen Forschungs- und Entwicklungsinitiative EUREKA übernommen. Israelische Unternehmen sind mit insgesamt EUR 100 Mio. beteiligt und damit für etwa 10% der EUREKA-Projekte verantwortlich.

Die meisten israelischen Technologiefirmen haben die Dotcom-Krise gut übersanden und sich das Vertrauen der Risikokapitalgeber bewahrt. Mit 250 Dollar pro Einwohner zieht Israel mehr Risikokapital an als jedes andere Land. Dies kommt auch den Start-Ups zugute. In diesem Bereich belegt Israel weltweit den dritten Platz. Der kürzlich in Amerika erschienene Bestseller „Start-up Nation“ widmet sich ausschließlich diesem Bereich der israelischen Wirtschaft.

Innovationen gibt es insbesondere in den Bereichen Medizintechnik, Mikrochips, Biotechnologie, Bewässerung, Entsalzung, Spracherkennung und Sicherheitstechnik. Auch bei Generika rangieren israelische Firmen in der Spitzengruppe. Der allseits beliebte UBS-Stick, die in der Kardiologie eingesetzten Stents und auch die bei PCs unverzichtbare Instant Messenger Technologie wurden in Israel entwickelt. Das Know-How israelischer Ingenieure und Programmierer nutzen nicht nur israelische Unternehmen, sondern auch multinationale Konzerne wie SAP, Siemens, Cisco, IBM, Intel, Motorola und Sun, die in Israel allesamt mit Entwicklungszentren vertreten sind.

CNBC, die große amerikanische Nachrichtengruppe, hat eine Rangliste der 25 kreativsten europäischen Unternehmen veröffentlicht. Drei israelische Unternehmen befinden sich auf der Liste. Nano Retina entwickelt künstliche Netzhäute zur Wiederherstellung des Sehvermögens bei Erblindeten. Object Geometries entwickelt 3D-Druck-Technologie. Briefcam entwickelt Technologien zur effizienteren Speicherung von Videoaufnahmen bei Sicherheitskameras. Nur das Vereinigte Königreich und die Niederlande konnten mehr Firmen als Israel auf der Liste vorweisen.

Auf die folgenden Unternehmen, welche eine zentrale Stellung im Wirtschaftsleben des Landes einnehmen, sei nachfolgend näher eingegangen: Nice Systems, Teva Pharmaceutical, Perrigo, Bezeq oder auch Bank Hapoalim:

Nice Systems ist spezialisiert auf Hightech-Sicherheitssysteme und Sprachanalyse. Das Unternehmen kann derzeit ein Rekordniveau bei Auftragseingängen und Auftragsbestand vorweisen. Es hat 24.000 Kunden in mehr als 150 Staaten. 85 der 100 größten Unternehmen der Welt sind Kunden bei Nice Systems, so etwa die Bank of England, der Eiffelturm oder die Europäische Raumfahrtagentur ESA.

Teva Pharmaceuticals ist einer der 20 größten Pharmakonzerne der Welt und spezialisiert auf Generika. Das erste Quartal 2010 war ein Rekordquartal hinsichtlich EBIT und Nettoergebnis. TEVA übernahm im März für ca. 3,5 Mrd. Euro Ratiopharm, das Vorzeigeunternehmen der Holding der Familie Merckle. Mit Ratiopharm ist TEVA die Nummer 1 in Europa. TEVA plant bis 2015 eine Verdopplung des weltweiten Umsatzes.

Perrigo ist ein diversifiziertes und innovatives Pharmaunternehmen mit weiteren Standorten in der USA, UK, Mexiko, Deutschland und China. Rekordgewinne und eine Umsatzsteigerung von 6% wurden im ersten Quartal verzeichnet; mit einem Kursanstieg von 47,2% seit Jahresbeginn (Stand 5. Juli 2010) der stärkste Titel im TA-100 Index.

Bezeq ist Israels größtes Telekommunikationsunternehmen. Es bietet nationale und internationale Mobilfunkdienste, Breitband-Internet, Multikanalfernsehen sowie Business-Netzwerke an. In der Telekommunikationsbranche stehen große Umwälzungen bevor, weil das Ministerium für Kommunikation (MOC) die Verbindungskosten senken möchte. Dank seiner breiten Diversifikation wird erwartet, dass Bezeq als Gewinner aus diesen Strukturveränderungen hervorgehen wird.

Bank Hapoalim ist Israels größte Bank mit einer sehr starken internationalen Verflechtung. Sie bietet das gesamte Spektrum an Bankdienstleistungen an. Die weitere Durchdringung des Retailmarktes ist geplant. Die Regierung bemüht sich um eine Stimulierung der Kreditaufnahme der bislang gering verschuldeten privaten Haushalte. Bank Hapoalim könnte hiervon profitieren.

Vom Kibbuz zum freien Markt

Israel galt früher als armes Land. Bis weit in die 1980er Jahre herrschte ein korporatistisches Wirtschaftsleitbild vor. Im Kibbuz, stark agrarisch geprägt, wollte man dem Gemeinwohl dienen. Die staatliche Bürokratie erschwerte die Entwicklung des Landes zu einer offenen Marktwirtschaft mit freien Unternehmern. In den 1990er Jahren erfolgte ein Wandel. Die Zeiten wirtschaftspolitischer Dominanz der Regierung, basierend auf sozialistischen Ideen mit starker Fokussierung auf den Staatssektor, scheinen nun endgültig vorbei. Staatsfirmen wie Bank Leumi, Bezeq und die Fluglinie El Al wurden privatisiert. Der Staatsanteil an der wirtschaftlichen Gesamtleistung wurde deutlich zurückgefahren. Hinzu kamen viele Einwanderer aus Osteuropa, die den Kommunismus endgültig hinter sich lassen und sich eine Existenz erschaffen wollten.

Ein moderner Finanzmarkt wurde aufgebaut. Die Wertpapierbörse in Tel Aviv wurde zwar schon im Jahr 1953 gegründet, hat aber seitdem umfassende Modernisierungsprozesse durchlaufen. Inzwischen werden dort Aktien, Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Derivate und Indexprodukte wie Exchange Traded Funds (ETF) vollelektronisch gehandelt und über das börseneigene Clearinghaus abgerechnet und abgewickelt. Die Börse ist für die boomende Wirtschaft des Landes eine ergiebige Kapitalquelle. Kürzlich vollzog die Azrieli Group ihren IPO und erlöste hierbei ca. NIS 2,5 Mrd. ein. Insgesamt sind an der Börse Aktien von 609 Unternehmen notiert; die Marktkapitalisierung liegt bei rund 179 Mrd. US-Dollar. Auch an Auslandsbörsen sind israelische Firmen gelistet. Zu den Nasdaq-notierten Unternehmen steuert das kleine Land mehr Titel bei als Europa, Japan, China und Indien zusammen. Der israelische Aktienindex TA-100 stieg in den letzten 12 Monaten um ca. 22%, seit 5 Jahren um ca. 50%. Damit schneidet der TA-100 wesentlich besser ab als die wichtigsten internationalen Märkte.

Tabelle 1:

Performance des israelischen Aktienmarkts im internationalen Vergleich (Stand 01. Juli 2010)

  auf ein Jahr auf fünf Jahre
TA-100 21.50 % 50.30 %
DAX 19.40 % 26.90 %
S&P 500 11.30 % -14.00%
MSCI World   6.50 % -  9.70%
EURO STOXX 50   2,80 % - 21.50%

Trotz der schon vollzogenen Erholung sind israelische Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 noch moderat bewertet. Von der anhaltenden wirtschaftlichen Erholung können israelische Titel weiterhin profitieren. Nicht zu unterschätzen ist auch der Aspekt der sogenannten „Friedensdividende“. Ein Friedensschluss etwa mit den Palästinensern könnte die Strukturen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit in der ganzen Region grundlegend verändern und erhebliche zusätzliche Schubkraft für die israelische Wirtschaft – und die israelischen Unternehmen entfalten.

Valerio Jacobi

CEROS Vermögensverwaltung AG

Tel: +49-69-97570715

Fax: +49-69-740550

E-Mail:vj@ceros.de

Web: www.israelfonds.de


08.07.2010


Kommentare

Senta

Datum: 09.07.2010 - 01:34

Interessant. Ich fand verschiedene Meldungen schon aufschlußreich, das Israel sehr schnell aus der Weltwirtschaftskrise herausgekommen ist und die Euro-Krise kaum Auswirkungen hatte. Zweifellos ein Verdienst einer starken Wirtschaft, einer hochmodernen FRorschung und Technologie und einer sehr verantwortungsbewußten und kompetenten Regierung.

Peter-Michael Menzler

Datum: 09.07.2010 - 22:39

Wenn die Araber vernünftig mit Israel zusammenarbeiten würden, würde der ganze Nahe Osten profitieren. Statt dessen halten sie das seit über 60 Jahren das "Palästinenser-Problem" am Kochen.

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