DIG Hochschulgruppe kritisiert SPD-Politiker Nieszery: Geschichtsrevisionismus ist flächendeckend zu ächten!

DIG Hochschulgruppe kritisiert SPD-Politiker Nieszery:

Geschichtsrevisionismus ist flächendeckend zu ächten!

Erklärung der DIG Hochschulgruppe Rostock zu einer Rede von SPD-Politiker Nieszery und deren unkritischer Dokumentation auf dem Blog `Endstation Rechts´:

`Mit einigem Befremden hat die DIG-Hochschulgruppe Rostock zur Kenntnis nehmen müssen, dass zum Jahrestag der Bombardierung Dresdens am 13. Februar dieses Jahres eine Rede von MdL Dr. Norbert Nieszery aus dem Jahr 2010 erneut in dem Weblog „Endstation Rechts“ dokumentiert wurde.

Die (erneute) Dokumentation dieser Rede sowie insbesondere das Fehlen jedweder kritischen Kommentierung durch die Redaktion steht unserer Auffassung nach in einem krassen Gegensatz zum Selbstverständnis des Projekts „Endstation Rechts“. Dieses präsentiert sich gern als eine Plattform, die über rechtsextreme Tendenzen in- und außerhalb der NPD aufklärt.

Unserer Auffassung nach gehörte zu einer solchen Bildungsarbeit auch eine kritische Auseinandersetzung mit geschichtsrevisionistischen Angriffen auf das Gedenken an die Opfer des Hitlerfaschismus.

Daher halten wir es für nicht rechtfertigbar, geschichtsrevisionistische Positionen unkritisch und unreflektiert zu übernehmen und als dem demokratischen Lager kompatibel zu verkaufen.

Bei Nieszery liest sich das so:

„Durch die mehr als 40.000 Toten und die nahezu vollständige Zerstörung der Stadt ist der Angriff zum tragischen Symbol der rücksichtslosen alliierten Flächenbombardierungen geworden, denen zwischen 1940 und 1945 weit mehr als 600.000 Zivilisten (darunter mindestens 65.000 Kinder) zum Opfer fielen. Ein Trauma der Deutschen, das jahrzehntelang eher verdrängt wurde, weil es richtiger Weise zunächst erst einmal darum gehen musste, die von Deutschland ausgehenden Folgen des totalen Krieges aufzuarbeiten, der europaweit Millionen Tote und unendliche Zerstörung, aber auch die Schande der staatlich organisierten Massenvernichtung von Zivilpersonen gebracht hatte.“ Und: „Erst in den letzten Jahren rücken die Themen Bombenkrieg und Vertreibung zunehmend in den Fokus der internationalen Geschichtsforschung und gestatten, aus der Distanz der zweiten Nachkriegsgeneration, einen wesentlich objektiveren Blick auch auf die Recht- und Zweckmäßigkeit der alliierten Kriegsführung gegen Deutschland.“

Bei der Unterstellung, die alliierten Bombardements oder die „Vertreibung“ seien in der Bundesrepublik und in der DDR jahrzehntelang „verdrängt“ worden, handelt es sich um eine plumpe Geschichtsfälschung. Diese ist Wasser auf die Mühlen der Rechtsextremisten, welche die offiziösen Geschichtsbilder in den beiden deutschen Staaten gern als Ausdruck eines Kniefalls vor den „Siegern“ diffamieren. Nieszery blendet dabei völlig aus, dass es in der Bundesrepublik bis in die 1960er Jahre hinein einen revanchistischen „vertriebenenpolitischen“ Konsens gab, und dass in der DDR im Zusammenhang mit Dresden von einer imperialistischen Barbarei  - nicht der Nazis, sondern der Alliierten gesprochen wurde.

Im Zentrum von Nieszerys Rede steht jedoch die Diffamierung des alliierten Kriegseinsatzes gegen Hitlerdeutschland.

An der Rechtmäßigkeit der Kriegshandlungen der Anti-Hitler-Koalition dürften tatsächlich keine Zweifel bestehen, selbst wenn Nieszery sie gern einer „objektiven“ Überprüfung unterziehen würde – womit er letztlich einer Art virtuellem Anti-„Nürnberg“ das Wort redet.

Die Quintessenz von Nieszerys Interpretation des Krieges der Anti-Hitler-Koalition findet sich im

letzten Absatz seiner Rede:

„Nach einem zeitlichen Abstand von 65 Jahren wäre es zum einen für eine weitere Aussöhnung der Völker und zur gemeinsamen Gestaltung eines friedlichen Europa, zum anderen aber auch zur Vermeidung von rechtsextremer Mythisierung der Opfer ausgesprochen wichtig, das Unrecht, das im Verlauf des letzten Krieges begangen wurde, offen einzugestehen. Ich denke, die deutschen Nachkriegsgenerationen haben dazu Beachtliches geleistet. Für eine ehrliche Bewertung der alliierten Kriegführung im Hinblick auf die Flächenbombardierungen möchte ich mich abschließend der Aufforderung C.A. Graylings anschließen: ‚Es war ein gerechter Krieg gegen verbrecherische Feinde, in dem die späteren Sieger in einigen wichtigen Aspekten moralisch genauso tief sanken wie ihre Gegner, eine Tatsache, die inständig und offen bereut werden sollte.‘“

Selbstverständlich wird in allen vom Terror Hitlerdeutschlands und seiner Verbündeten heimgesuchten Ländern – nicht zuletzt in Großbritannien – Nieszerys Anliegen, die Gesellschaften dieser Länder zu einer „Bewältigung“ ihrer eigenen Vergangenheit anzumahnen, zu Recht auf eine breite Ablehnung stoßen. Erst recht, wenn das Anliegen in einem Gestus der moralischen Überlegenheit vorgetragen wird, bei der sich die Frage aufdrängt, inwieweit gerade im Land Mecklenburg-Vorpommern bildungspolitisch „Beachtliches“ im Hinblick auf die Bekämpfung offenen Neonazismus‘ geleistet wurde!

Unserer Beobachtung nach ist ein führender Bildungspolitiker dieses Landes in „beachtlicher“ Weise etwa durch die Würdigung Leni Riefenstahls und Arno Brekers als „großer Künstler“ (Mathias Brodkorb) hervorgetreten, mithin der indirekten Würdigung Nazi-Deutschlands als eines Kulturstaates.

Als eine der deutsch-israelischen Freundschaft verpflichtete Hochschulgruppe legen wir Wert darauf, dass wir geschichtspolitische Provokationen solcher Art als nicht hinnehmbar betrachten.

Daher fordern wir die Redaktion von „Endstation Rechts“ zu einer Stellungnahme zu den in Rede stehenden Äußerungen Nieszerys auf.´

 

Isaak Rohde. Daniel Leon Schikora


29.02.2012




1 Hans Hans

Datum: 01.03.2012 - 12:09

Die Deutschen versuchen sich, mittlerweile recht erfolgreich, als Opfer des Krieges darzustellen, der von den NAZIS (Außerirdische?) verursacht wurde. Es wird immer übersehen, dass die Deutschen, um dem Tod zu entrinnen, nur die Hände hätten hoch nehmen müssen. Juden,  Roma & Sinti, Kommunisten und die andere Opfer der Deutschen haben diese Chance nie gehabt. Hätten sie die Hände hoch genommen, wären sie um so leichter von den Deutschen ermordet worden.