Linker Antisemitismus: Chavez‘ feindselige Haltung gegenüber Israel und den Juden

Linker Antisemitismus:

Chavez‘ feindselige Haltung gegenüber Israel und den Juden




Dr. Manfred Gerstenfeld interviewt Sammy Eppel

Als Hugo Chavez 1998 zum Präsidenten von Venezuela gewählt wurde, gab es im Land etwa 25.000 Juden, einschließlich derer, die keine Gemeindemitglieder waren. Derzeit ist die jüdische Gemeinschaft auf 9.000 Personen gesunken.

Die starke Auswanderung der Juden im Verlauf dieser Jahre ist zum Teil eine Reaktion auf den Antisemitismus und Antiisraelismus von Chavez‘ Regime. Juden haben das Land in erster Linie in Richtung USA verlassen. Andere sind nach Kolumbien, Panama, Costa Rica, Mexiko und Israel gezogen.

Sammy Eppel ist Mitglied des Dachverbandes der venezolanischen jüdischen Gemeinschaft (CAIV). Er ist geschäftsführender Direktor der Menschenrechtskommission des B‘nai Brith in Venezuela.

Er fährt fort: Chavez kam mit populistischer Rhetorik, Versprechen von Gleichheit, Zusicherung der Stärkung der demokratischen Institutionen und Kampf gegen Korruption an die Macht. Er berief eine Verfassung gebende Nationalversammlung ein, die einer neuen Verfassung zustimmte. Danach wurde diese Verfassung massiv verletzt.

Mit einem fortgesetzten, polarisierenden Diskurs vernichtete er alle demokratischen Institutionen. Chavez konzentrierte die Macht zunehmend in den eigenen Händen. Selbst legislative und juristische Kräfte folgten seinen Befehlen. Wahlen dienten hauptsächlich dazu die Welt glauben zu machen, er sei Demokrat. Die Wahlkommission sollte mit Unabhängigen besetzt sein, war aber mit Unterstützern der Regierung vollgestopft.

Die zügellose Korruption schuf eine große Anzahl neuer Millionäre. Paramilitärische Gruppen wurden ausgebildet und bewaffnet um „die Revolution zu verteidigen“. Die Verbrechensrate befindet sich auf Rekordhöhe. Caracas ist ein ernsthafter Konkurrent um den Titel der Welthauptstadt der Morde.

Chavez‘ Beziehungen zur jüdischen Gemeindschaft waren von Anfang an problematisch. Während des Wahlkampfs 1998 wurden alle Kandidaten eingeladen zur Gemeinde zu sprechen. Chavez wurde gebeten seine engen Beziehungen zum Antisemiten und Holocaustleugner Norberto Ceresole zu erklären, einem argentinischen Soziologen. Chavez antwortete, dass dieser ihn nur in Fragen zu Flüssen und Grenzen beraten habe.

Aber als Chavez Präsident wurde, veröffentlichte Ceresole eine „Bibel“ für alle Revolutionäre. Sie hieß „’Caudillo, Ejercito, Pueblo’ La Venezuela del comandante Chavez“, was in etwa heißt: „‘Boss, Armee und Volk‘: Das Venezuela des Kommandanten Chavez“. Das erste Kapitel begann mit „dem jüdischen Problem“. Infolge seines antisemitischen Charakters wurde es nur einmal aufgelegt. Doch der Text blieb bis 2009 auf von der Regierung gesponserten Internetseiten verfügbar. Er wurde Hunderttausende Male von Chavez‘ Anhängern heruntergeladen. Es überrascht daher nicht, dass die Beziehungen zwischen der jüdischen Gemeinde und der Regierung Chavez immer schwierig blieb.

Es gab auch antisemitische Vorfälle, die in der Geschichte Venezuelas einzigartig waren. 2004 führte die Polizei eine Razzia in der jüdischen Schule von Caracas und dem Gemeindezentrum „Hebraica“ durch; sie suchte nach Waffen und Sprengstoff. Es wurde nichts gefunden. Der damalige Innenminister Chacon erklärte, die Aktion sei aufgrund eines anonymen Tipps per Telefon erfolgt. Die Razzia ließ die örtlichen Juden anfangen über Auswanderung nachzudenken. Eine ähnliche Razzia fand 2007 noch einmal statt.

2009 drang eine hauptsächlich aus Polizisten bestehende Bande in die älteste Synagoge von Caracas, Tiferet Israel, ein. Hierarchisch waren sie vom damaligen Innenminister Tarek Al-Aissami abhängig. Es gibt in diesem Land, in dem es historisch wenig Antisemitismus gegeben hat, keine Aufzeichnung von Gewalt gegen Juden auf der Straße. Durch die Beschuldigungen nach Chavez‘ Tod, er sei von seinen „Feinden“ vergiftet worden, gibt es in der jüdischen Gemeinde Angst, dass radikale Elemente oder gar ein einzelner Verrückter den Tod des Kommandanten „rächen“ könnte, indem Juden angegriffen werden. Graffiti in dieser Richtung hat es bereits gegeben.

Das Regime kontrolliert mehr als 700 Medienorgane in Venezuela, einschließlich Fernseh- und Radiosendern, Printpresse und Internet. Seit 2004 schossen die Medien ein ständiges Sperrfeuer an erfundenen Vorwürfen, Einschüchterung und Hetze gegen Juden. Die jüdische Gemeinde stellte vier Personen ein, die diese Angriffe professionell beobachteten und dokumentierten. Die berichteten tausenden Medienangriffe waren nur ein kleiner Teil des gesamten Bombardements, was wegen der beschränkten Beobachtungsmöglichkeiten nicht vollständiger erfasst werden kann.

Venezuela brach 2009 die diplomatischen Beziehungen zu Israel ab. Chavez‘ Antisemitismus war im Wesentlichen politischer Natur. Er verstärkte seine enge Beziehung zum Iran, indem er Israel, den Zionismus und die Juden attackierte. Diese Gesinnung wurde nach Bolivien und Nicaragua exportiert. Er sponserte außerdem einen die Welt umspannenden Kreis „Intellektueller“, Medien und Politiker, die einen antiisraelischen Diskurs fördern.

Chavez öffnete auch die Türen Lateinamerikas für einige der schlimmsten Menschenrechtsverletzer der Welt. Zusätzlich zu den Iranern und ihren terroristischen Handlungsbevollmächtigten gehören dazu Sudans Omar Al-Bashir, Gaddafi, Mugabe, Saddam Hussein und die Familie Assad. Venezuela ist außerdem zu einem Zentrum des internationalen Drogenhandels geworden.

Die jüdische Gemeinde in Venezuela war Israel immer zugetan. Nach 2009 gab es Visa-Einschränkungen für Inhaber israelischer Reisepässe, die Familientreffen mit Israelis schwierig machte. Das wurde zu einem weiteren Anreiz für jüdische Auswanderung.

Die älteste jüdische Schule musste geschlossen werden. Alle Schüler sind jetzt in einer Einrichtung konzentriert. Die ursprünglich zwei Hauptsynagogen befinden sich in hoch kriminellen Gebieten und haben kaum ausreichend Besucher, um die Gottesdienste abzuhalten. Als die venezolanischen Juden eine zahlreiche und wohlhabende Gemeinde waren, bauten wir wichtige Institutionen wie Schulen, Synagogen, Altersheime, Gemeindezentren, Friedhöfe und sogar ein medizinisches Zentrum. Heute ist die Erhaltung der bestehenden jüdischen Einrichtungen sehr schwierig geworden.

 

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war - Erstveröffentlicht bei unserem Partnerblog Heplev / Foto: Innige Männerliebe - Chavez und Achmadinedchad

 

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Dienstag, 09 April 2013