`Martin Schulz ist kein Diplomat!´

`Martin Schulz ist kein Diplomat!´


In einem Bericht vom 24. Januar 2017 über den Kanzlerkandidaten der SPD für den Bundestagswahlkampf 2017, Martin Schulz, präsentierte das Magazin ZDF heute eine Nachricht etwas alternativ. Dort hieß es:

von Gerd Buurmann

 

„Schulz ist außenpolitisch erfahren. Ein Diplomat ist er nicht. Bei einem Besuch in der Knesset 2014 provozierte er israelische Siedler. Empörung im Saal.“

 

Herr Schulz provozierte also in der Knesset. Leider unterließ es das ZDF zu erklären, womit er provoziert hatte, nämlich mit einer knallharten Lüge. Das hätte die „israelischen Siedler“ allerdings ins Recht versetzt und das konnte des ZDF vermutlich nicht zulassen. Im Jahr 2014 provozierte Martin Schulz in der Knesset, indem er folgende Frage in den Raum stellte:

 

„Wie kann es sein, dass Israelis 70 Liter Wasser am Tag benutzen dürfen und Palästinenser nur 17?“

Die Frage sorgte bei so manchem israelischen Parlamentarier für Unmut, denn er suggerierte damit, dass die Palästinenser auf dem Trockenen säßen, während den Israelis genügend Wasser zur Verfügung hätten. Die Zahlen waren jedoch nicht nur falsch, sie ließen auch völlig außer acht, dass die Gebiete Judäa und Samaria (Westjordanland) erst durch Israel eine vernünftige und ausreichende Wasserversorgung bekamen.

Als Israel nach dem Sechstagekrieg im Juni 1967 die Kontrolle über das Westjordanland übernahm, ließ die Regierung ein Wassernetz bauen, dass bis 1972 die Wasserversorgung der Palästinenser um 50 Prozent erhöhte. Als immer mehr israelische Siedlungen gebaut und durch Pipelines verbunden wurden, schloss man die palästinensischen Städte und Dörfer entlang dieser Pipelines ebenfalls an fließendes Wasser an. Die Wassermenge stieg bis 1995 kontinulierlich an und die Zahl der Orte mit fließendem Wasser erhöhte sich von vier auf 309.

 

Das erste Osloer Abkommen 1994 sah vor, dass Israel die Kontrolle über die palästinensische Wasserversorgung in Gaza an die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) abgibt und zudem eine Wassermenge von fünf Millionen Kubikmeter pro Jahr nach Gaza liefert. Israel akzeptierte dies und half gerne bei der Gewinnung von Wasser. Es wurde ein Joint Water Committee (JWC) mit gemeinsamen israelisch-palästinensischen Teams ins Leben gerufen, um die Wasserversorgung in den palästinensischen Gebieten zu verbessern. Die Wassermenge stieg so weiter kontinuierlich an. Im Jahr 1995 gab es dann schon 708 Orte mit fließendem Wasser. Alles nur Dank Israel!

 

Hinsichtlich des Wasserverbrauchs von Israelis und Palästinensern bestand somit vor 1967 ein erheblicher Unterschied, aber vierzig Jahre später und Dank der Hilfe Israels sieht das heute ganz anders aus. Heute verbraucht Israel laut einer Recherche von Alex Feuerherdt 150 Kubikmeter pro Kopf und Jahr und in der palästinensichen Autonomie sind es 140. Die Menge, die Martin Schulz in der Knesset angab, war somit falsch. Er hatte sie von einem jungen Palästinser ungeprüft übernommen, wie er später einräumen musste.

Die Rede löste im Jahr 2014 eine hitzige Debatte aus. Leider ging es bei der Debatte nur um die Wasserfrage. Der Rede wohnt jedoch ein Eklat inne, der zwar viel skandalöser war als die Tatsache, dass Martin Schulz sich mit der Litermenge von Wasser vertan hatte, sie wurde aber nicht groß thematisiert. Martin Schulz gab Israel damals indirekt und höchstwahrscheinloch ungewollt die Empfehlung, den Gazastreifen flächendeckend zu bombardieren! Er sagte nämlich:

 

„Die Generation meiner Großeltern hätte die Aussöhnung mit dem Erzfeind Frankreich nicht für möglich gehalten. Doch es gelang, durch die Einsicht in die Notwendigkeit, dass wir, wenn wir uns in Europa nicht in immer neuen Kriegen selbst zerfleischen wollen, gar keine andere Wahl haben, als Frieden zu schließen und zusammenarbeiten und ich glaube auch für Israelis und Palästinenser trifft der Satz zu: „a peace of no choice“. Es gelang durch die Bereitschaft unserer Nachbarn, dem Kriegsschuldigen Deutschland die Hand zur Versöhnung zu reichen. So konnte Deutschland in die internationale Gemeinschaft zurückkehren und eine stabile Demokratie werden.“

 

Das waren die Worte von Martin Schulz. Er schlug vor, Israel solle sich an Europa ein Beispiel nehmen und den Nahostkonflikt europäisch lösen. Bis heute ist das der brutalste Vorschlag, den ich je im Umfeld des Nahostkonflikts gehört habe, wenn auch der effektivste Vorschlag. Wir wissen schließlich alle, was der „Hand der Versöhnung“ vorausging. Es ist kein Geheimnis, was nötig war, dem „Kriegsschuldigen Deutschland“ die „Einsicht in die Notwendigkeit“ des Friedens zu geben, nämlich die bedingungslose Kapitulation Deutschlands.

 

Deutschland hatte sich so sehr von der menschlichen Wertegemeinschaft verabschiedet und war derart vom Hass zerfressen, dass für die Alliierten nur noch eine physische Zerstörung Deutschlands geboten schien. Die Alliierten beschlossen, nicht mehr zu verhandeln und stattdessen dem deutschen Volk das Genick zu brechen. Sie bombten Städte wie Dresden, Mannheim, Köln und Berlin in Grund und Boden. Erst als die Nazis am Boden lagen, als der deutsche Stolz in den feurigen Staub des Zweiten Weltkriegs gedrückt worden war, gelang das deutsche Volk zur „Einsicht in die Notwendigkeit“ des Friedens.

 

Im Jahr 2014 bemühnte Martin Schulz in der Knesset die europäische Geschichte als Beispiel für gelungene Konfliktlösung, wohlwissend, dass er bei diesem Vergleich einer Seite die Rolle der Deutschen zuweisen musste und es waren ganz klar nicht die Israelis. Er sprach:

 

„Israel ist die Realität gewordene Hoffnung eines Volkes, frei in seinem Heimatland zu leben. Israel ist ein durch die Taten mutiger Menschen wahr gewordener Menschheitstraum. Sich von den Fesseln der Vorurteile und Verfolgung zu befreien, um in Freiheit und Würde zu leben, diese Sehnsucht teilen Menschen auf der ganzen Welt. Israel ist heute eine starke Demokratie, eine pulsierende, offene Gesellschaft mit all ihren Konflikten und einer modernen Wirtschaft. Dort, wo Kibbuze einst die Wüste zum Blühen brachten, stehen heute hunderte Start-ups und High-Tech-Forschungszentren, in denen die Erfindungen der Zukunft erdacht werden: die kleinsten Mikrochips und Roboter, Computertomographen und Ultraschall-Scanner. Israelische Forschung ist Weltführer in vielen Bereichen: bei acht Millionen Einwohnern sieben große

Forschungsuniversitäten, darunter das Technion in Haifa und das Weizmann-Institut in Revlion, außerdem 12 Nobelpreisträger. Israel hat eine Gesellschaft auf den Werten der Freiheit, Demokratie und Rechtstaatlichkeit gebaut.“

 

Das klingt nicht wie eine Beschreibung von Nazideutschland! Wer in Martin Schulz‘ Vergleich des Nahostkonfliktes mit dem Zweiten Weltkrieg die Nazis sind, ist mehr als deutlich:

 

Die Nazis haben Juden zu Bakterien erklärt und ihre Vernichtung gefordert, wie die Hamas heute. Die Nazis haben ihre Kinder zum Judenhass erzogen und eine Lust am Judenmord erzeugt, wie die Hamas heute. Die Nazis wollten Deutschland „judenrein“ haben. Manche arabische Staaten haben dies erreicht! Die Nazis haben in ihrem Programm zur Verfolgung der Juden aufgerufen. Die Charta der Hamas fordert die Vernichtung aller Juden. Nicht zufällig ist der Gruß der Hisbollah und der Hamas daher der Hitlergruß.

 

Israel hat bisher nicht so gehandelt wie die europäischen Alliierten im Zweiten Weltkrieg. Statt die Menschen flächendeckend zu bombardieren, die die Vernichtung aller Juden per Verfassung fordern, baut Israel lieber einen Zaun, um bei den Grenzkontrollen unterscheiden zu können zwischen mörderischen Judenhassern, die dann nicht ins Land gelassen werden, und friedfertigen Bürgerinnen und Bürger des Gazastreifens, die Israel betreten dürfen, obwohl es im Gegenzug dazu im Gazastreifen verboten ist, dass ein Jude das Land betritt. Israel könnte Bomben werfen, tut es aber nicht. Bomben treffen nämlich alle, auch die Unschuldigen! Israel baut einen Zaun und unterscheidet, wer gut und böse ist. Der israelische Zaun ist somit ein Schutz der unschuldiger Araber! Einen humaneren Umgang mit Feinden in Zeiten eines Krieges hat es in der Geschichte der Menschheit vorher noch nie gegeben! Israel erträgt das Leid seiner Feinde nicht.

 

Israel könnte den Blick abwenden von seinen Feinden und sie ihrem Schicksal überlassen. Israel könnte die Grenze dicht machen für sämtliche Güter. Stattdessen lässt Israel ständig medizinische Güter die Grenze passieren und behandelt Araber in israelischen Hospitälern. Israel könnte zusehen, wie die Menschen in den autonomen „palästinensischen“ Gebieten verdursten. Stattdessen verhandelt Israel mit seinen Feinden über die Menge an Wasser, die das befeindete Volk angibt, von Israel zu benötigen. Wenn dann die Menge an Wasser verhandelt wurde, liefert Israel mehr!

 

Wer Juden hasst, ist jedoch mit nichts zufrieden, was Juden machen. Selbst wenn Juden das Volk, dessen politischen Führer den Judenmord predigen, mit Wasser versorgen, ist es dem Judenhasser nicht genug. Martin Schulz sagte vor der Knesset:

 

„In Europa können wir uns nur schwer vorstellen, welche körperlichen und seelischen Wunden der Terrorismus hinterlässt, was es für Eltern in Sederot und Ashkelon bedeutet, jeden Tag Angst haben zu müssen, dass ihre Kinder bei einem Raketenangriff auf dem Schulweg oder in der Schule ums Leben kommen könnten. Deshalb: Israel hat das Recht, seine Menschen zu schützen.“

 

Wie Hitler einst besiegt wurde, wie der Friede Einzug hielt in Europa, wissen wir heute. Im Jahr 2014 schlug Martin Schulz diese Lösung indirekt Israel vor. Ich möchte mal sagen, da hat Martin Schulz wirklich bewiesen, dass er kein Dilpomat ist.

 

 

Tapfer im Nirgendwo - Foto: Nartin Schulz (Foto: von Martin_Schulz_2009.jpg: Mettmann derivative work: Daffy123 (Diskussion) (Martin_Schulz_2009.jpg) [CC BY 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], via Wikimedia Commons)


Mittwoch, 25 Januar 2017