Judas Iskariot aus jüdischer Sicht

Judas Iskariot aus jüdischer Sicht


uda (Judas, יְהוּדָה) wird erstmals in Genesis 29,35 erwähnt, als seine Mutter Lea ihn als vierten Sohn gebiert.

von Dr. Nathan Warszawski

 

Lea nennt ihr viertes (und letztes) Kind „Juda“, weil sie Gott für den Sohn und für die Liebe ihres Mannes Jakob dankt (hebr.: odeh). Ob nun der Männername „Juda“ vom Landesnamen „Judäa“ abgeleitet ist oder umgekehrt, ist bisher nicht eindeutig geklärt. Fest steht, dass Juda später der mächtigste Stamm Israels im Land Judäa wird mit Jerusalem als Zentrum und Hauptstadt. Nach dem Bar-Kokhba-Aufstand im 2.

Jahrhundert tilgen die römischen Besatzer den Namen „Judäa“ aus und nennen es nach der Vereinigung mit Syrien in „Syrien-Palästina“ um. Einige Jahrzehnte später wird Syria Palaestina aufgeteilt, das ehemalige Judäa erhält den Namen „Palaestina“ (Philisterland). Jerusalem heißt nun bis zur arabischen Eroberung im 7. Jahrhundert Aelia Capitolina.

 

Judas Iskariot ist einer der 12 Jünger oder 12 Apostel Jesus. „Isch Keriot (hebr.)“ bedeutet der „Mann aus Keriot“, welches damals in Judäa unweit Jerusalem liegen soll. Der Mann aus Keriot ist Besitzer von Ländereien und gilt als reich. Ihm vertraut deshalb Rabbi Joschua die Gemeinschaftskasse an. Mit seinem Vermögen und finanziellem Geschick ermöglicht Juda Jesus und den Aposteln das Überleben.

 

Somit ist Judas der einzige Jünger, der nicht aus Jesus Heimat Galiläa stammt, welches nördlich von Judäa liegt. Während die Galiläer in den Augen der Judäer als ungebildete Fischer und einfache Handwerker gelten, wird Judas als gewandt und weltmännisch betrachtet. In den Augen der Römer sind alle Bewohner der Levante Provinzler.

 

Mit der Vernichtung des Jüdischen Staates durch die Römer und der Vertreibung ihrer Bewohner in alle Himmelrichtungen wird aus Juda dem Judäer, Juda der Jude. Im Neuen Testament wird deshalb Judas, der Apostel mit dem Namen „Jude“, als Verräter an seinem Herrn hingestellt. Mit diesem schriftlich fixierten Narrativ beginnt der christliche Antijudaismus, der sich Jahrhunderte später zum christlichem und säkularem Antisemitismus fortentwickelt und derzeit als Antizionismus und Israelkritik eine kurze Verschnaufpause einlegt.

 

Amos Oz beschreibt in seinem Roman „Judas“ die jüdische Sicht auf Judas, die einfach und logisch nachvollziehbar ist. Alle 12 oder mehr Jünger inklusive Rabbi Jesus sind Juden. Der eigentliche Jesus-Verräter ist der Jude Petrus, der seinen Herrn in einer einzigen Nacht dreimal verleugnet. Statt als Verräter in die christliche Geschichte einzugehen, wird Petrus zum Heiligen der Kirche erhoben. Kein Jünger ist bei der Kreuzigung zugegen mit Ausnahme von Judas (aus jüdischer Sicht), der fest daran glaubt, dass der Gekreuzigte zum Beweis seiner Göttlichkeit lebend und unverwundet vom Kreuz herabsteigen wird. Judas will es, damit alle Welt und alle Juden Jesus als Messias oder mehr anerkennen. Als ihm dies nicht gelingt, weil sich Jesus weigert, bringt Judas sich wie Jesus um.

 

Die anderen kleinen Ungereimtheiten sind schnell aufgeführt. Der „Judas-Kuss“ ist kein Zeichen des Verrates, weil Jesus sich tagsüber äußerst auffällig und bei gewissen Kreisen, wie den Geldwechslern am Jüdischen Tempel, sehr unbeliebt macht. Ein „Judas-Kuss“ ist nicht nötig, um Jesus zu identifizieren und abzuführen. 30 Silberlinge sind für den reichen Landbesitzer Juda Iskariot kein ausreichender Grund, seinen geliebten Rabbiner zu verraten.

 

Dieses Judas-Narrativ oder Hasspamphlet kann nicht aus dem Neuen Testament herausgeschnitten werden, da ansonsten das gesamte christliche Narrativ in sich zusammenbricht. Letztendlich bedeutet die Erkenntnis, dass der Jude kein Jesus-Verräter und somit kein Gottesmörder ist, das Ende des Christentums, wie es sich seit beinahe 2.000 Jahren gibt. Der Untergang des christlichen Abendlandes durch muslimische Flüchtlinge ist ein modernes Narrativ, welches nicht nur den Christen die Hoffnung einflößen soll, durch bestimmte Abwehrmaßnahmen das überkommene abendländische Christentum aufrecht erhalten zu können.

 

Jesus ist beileibe nicht der einzige Wanderprediger und Wundertäter in den jüdischen Landen vor 2.000 Jahren. Zu Zeiten der Unterdrückung durch die römischen Heiden sehnen viele Juden die Erlösung herbei. Ohne Judas wäre Jesus wie viele andere Wanderprediger der Region in Vergessenheit geraten. Mit Hilfe des Judas-Narrativ hat sich die Jesus-Religion als größte Religion weltweit gemausert. Antijudaismus,

Antisemitismus und Antizionismus sind unabdingbare Bestandteile der großen Religion, die Juden erschaffen und anfänglich verbreitet haben.

 

Amos OZ: Judas
Suhrkamp Verlag 2014
Erste Auflage Suhrkamp Taschenbuch 2016 (12 €)
ISBN 978-3-518-46670-4

 

 

 

Numeri 24 : 9


Montag, 12 Dezember 2016





Zu diesem Artikel gäbe es sehr viel zu sagen, trotzdem werde ich mich auf zwei Dinge beschränken: 1. Wie kann man Jesus Christus nur als ein Wanderprediger unter vielen bezeichnen, obwohl die Prophetie im alten Testament ganz klar auf Ihn als Messias hinweist? 2. Wie kann man uns Christen (nicht der katholischen oder sonst irgendeiner kirchlichen Institution ) vorwefen, Antisemiten zu sein, wo wir doch zu Gottes Sohn, einem Juden (!), beten?

Welch nette einseitige Sicht auf die Geschichte. Kein Platz für die vielen Juden, die nach Jesu Tod an ihn glaubten oder an die Juden, die nach seinem Tod durch Juden verfolgt wurden. Die Gründungsväter der heutigen "Christlichen Kirche" waren allesamt Juden, erst später kamen Nichtjuden dazu und dann erst fing auch unter den "Christen" der Kampf um die Macht an und Martin L. ist ja nicht der Einzige Judenverfolger, katholische und jprotestantische Kirche haben dazu viel beigetragen aber das ist kein Grund eine Religion zu verunglimpfen (Narrativ), denn eines ist sicher, in der Thora stehen genug Hinweise auf Jesus und wieso sollte keiner seiner Jünger am Ende bei ihm gewesen sein? Siehe folgende Verse: Siehe Sohn, Deine Mutter, siehe Mutter, Dein Sohn. Das sagte Jesus am Kreuz und da war der Jünger, den er liebte bei ihm! Warum tun sich die Juden nur so schwer zu akzeptieren, dass Jesus einer der bedeutensten Juden war, mal abgesehen davon, dass er Gottes Sohn war. Zumindest das Erste sollte doch kein Problem sein.