Israelbashing an der Hochschule Hildesheim: Inkonsequenz

Israelbashing an der Hochschule Hildesheim:

Inkonsequenz


In der Kontroverse um ein antisemitisches Seminarangebot an der Hildesheimer Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) hat sich die Leitung der Bildungseinrichtung entschlossen, die umstrittene Veranstaltung zu streichen, und für das bereits in wenigen Wochen beginnende Wintersemester 2016/17 freilich ein gleichwertiges Ersatzangebot angekündigt.

Zugleich trafen sich am letzten Dienstag auf Einladung der niedersächsischen Ministerin für Wisseschaft und Kultur Gabriele Heinen-Kljajic Christiane Dienel, die Präsidentin der HAWK, Yazid Shammout, der Vorsitzende der »Palästinensischen Gemeinde« Hannover, Michael Fürst, der Vorsitzende des jüdischen Gemeindeverbands Niedersachsen, zu einem Gedankenaustausch.

 

Die Runde verständigte sich darauf, das Zentrum für Antisemitismusforschung (ZfA) an der Technischen Universität Berlin mit der Anfertigung eines weiteren Gutachtens über das Seminar »Zur sozialen Lage der Jugendlichen in Palästina« und das darin genutzte Lehrmaterial sowie dessen didaktische Aufbereitung zu betrauen, und zeigte sich auch sonst um Entspannung bemüht.

 

HAWK-Präsidentin Christiane Dienel konnte erklären, »Antisemitismus hat an unserer Hochschule keinen Platz«, während Michael Fürst betonte, »nicht alles, was Israel-kritisch ist, ist auch antisemitisch [sic!]« und der HAWK bescheinigte, »der Begriff Hass-Fabrik«, den das israelische Außenministerium in einer Stellungnahmeverwendet hatte, »ist so dumm wie das Seminar«.

 

Doch ist mit dem großen Konsens der vier Teilnehmer der Gesprächsrunde alles wieder gut oder wenigstens besser? Daran zu glauben, das fällt zumindest schwer. Denn tatsächlich hat man sich mit der Beauftragung eines neuerlichen Gutachtens vor klaren Bekenntnissen und Konsequenzen gedrückt, sich auf ein paar Gemeinplätze geeinigt und die Kompetenz bisher Beteiligter bestritten.

 

Es ist wenig wahrscheinlich, daß das ZfA zu anderen Bewertungen kommt als der für die Amadeu Antonio Stiftung tätige Experte Jan Riebe, der geurteilt hatte, das verwendete Lehrmaterial erwecke »nicht einmal den Anschein von Wissenschaftlichkeit« und sei darauf aus, »Israel zu dämonisieren und in die Nähe der südafrikanischen Apartheidszeit oder gar des Nationalsozialismus« zu rücken.

 

Seriös jedenfalls ist vom ZfA keine Zurückweisung der Vorwürfe, denen sich das Simon Wiesenthal Center und der Zentralrat der Juden in Deutschland angeschlossen hatten, zu erwarten. Und so bleibt die Frage, weshalb allfällige Konsequenzen nur hinausgeschoben wurden und Michael Fürst die Gelegenheit geboten werden mußte, sich anbiedernd um Kopf um Kragen zu quatschen.

 

 

tw_24


Montag, 15 August 2016





Eigentlich hätte Michael Fürst wissen können, dass er an dieser Stelle ziemlich allein steht, da kann nicht viel Gutes bei herauskommen.