Gedenkfeier anlässlich des 71. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau

Gedenkfeier anlässlich des 71. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau


--Wir brauchen eine nachhaltige Kultur des Erinnerns - es geht um das Selbstverständnis unseres Landes!-

Anlässlich des 71. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau hat Dr. h.c. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde  München und Oberbayern bei der Gedenkfeier in der KZ-Gedenkstätte Dachau eine nachhaltige Kultur des Erinnerns gefordert: „Es geht um eine nachhaltige, umfassende Kultur des Erinnerns, die das Bewusstsein für das Werte-Fundament unseres demokratischen Staates – und für seine Verletzlichkeit schärft. Es geht um nicht weniger als um das Selbstverständnis unseres Landes.“

An der Schwelle zu einer Zeit ohne Zeitzeugen und vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen, insbesondere des Erstarkens von Rechtspopulisten, der Zunahme von rechtsextremer Gewalt und Antisemitismus betonte die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland: „Wir lassen nicht zu, dass Geschichtsvergessenheit neuem Unheil den Weg bahnt. Die Erinnerung darf nicht mit den Zeugen jenes Menschheitsverbrechens verstummen.“

Kein Verständnis habe sie für die Überlegungen, Hitlers „Mein Kampf“ im Unterricht zu behandeln: „Wer wissen will, wozu rasender, mit staatlicher Macht durchgesetzter Antisemitismus führte und welchen bleibenden Schaden er unserem Land, ja einem ganzen Kontinent zufügte – der soll sich zuallererst mit den Schicksalen der Opfer beschäftigen. Deutsche Jugendliche wissen viel zu wenig, ehrlich gesagt: fast nichts! über die heutige lebendige jüdische Kultur und Tradition, geschweige denn über die unzähligen jüdischen Persönlichkeiten, Wissenschaftler, Mediziner, Künstler und ihren wertvollen Beitrag, den sie vor dem Holocaust zur deutschen Gesellschaft geleistet haben. Das muss sich ändern! Gerade wenn wir fragen: Woher kommen wir? Was waren und sind unsere prägenden Werte?“

Erneut kritisierte Knobloch die AfD: „Erstmals seit 1945 hat sich eine Partei mit der gezielten Diffamierung und Ausgrenzung einer Gruppe von Menschen, mit hasserfüllten Feindbildern, die unsere Grundrechte verhöhnen, in unsere Parlamente katapultiert. Ich wiederhole sehr bewusst an diesem Ort: Die AfD bedroht unser freiheitlich-demokratisches Gemeinwesen im Kern."

 

 

Die Rede von Dr. Charlotte Knobloch finden Sie hier. / Foto: Tor KZ Dachau (Foto: von Renardo la vulpo (Selbst fotografiert) [CC0], via Wikimedia Commons)


Sonntag, 01 Mai 2016