Raketen verschießende Tunnelbauer und Gazas humanitäre Krise

Raketen verschießende Tunnelbauer und Gazas humanitäre Krise




John Lyon vom Australian will die humanitäre Situation in Gaza persönlich untersuchen und macht eine höchst aufschlussreiche Entdeckung:

Die Tunnelbauer haben ein sehr nachvollziehbares Interesse an einer Aufrechterhaltung der Blockade: sie laufen nämlich Gefahr, bei einem Ende des Embargos Abermillionen Dollar Verlust zu machen. Ein europäischer Offizieller, der Gaza so kennt wie sonst kaum jemand, erklärt mir, dass das, was er anspricht, eine der großen ungeschriebenen Geschichten über Gaza ist: Die Tunnelbauer schießen die Raketen ab….

Das Argument dieses Europäers, dass die Tunnelbauer (erhalten ihre Genehmigung übrigens von der Hamas), bei einer Aufhebung des Embargos die größten Verlierer wären, ist überzeugend.

Und ein Verhaltensmuster passt zweifellos zu dieser Annahme: fast immer, wenn Israel über eine Phase der Entspannung mit Gaza verhandelt oder es wegen der Blockade politisch unter Druck gesetzt wird, werden Raketen abgefeuert.

Derweil sieht sich auch die LA Times in Gaza um. Stellen sie sich das mal vor: Hilfskräfte vor Ort vergewissern sich über den Zustand der „Krise“ in Gaza.“

Auch wenn es zuträfe, dass es keinen Hunger und keine Epidemien gibt, verstoße die Situation in Gaza gegen allgemeine Standards, so ein Helfer.

„Klar, das hier ist nicht die südliche Sahara“, sagte Chris Gunness, Sprecher der UNRWA, die palästinensische Flüchtlinge unterstützt. „Wir sprechen nicht über eine Naturkatastrophe oder eine Hungersnot wegen ausbleibenden Regens. Aber Gaza ist eine politische Krise mit schwerwiegenden humanitären Konsequenzen….

„Hier handelt es sich nicht um eine Katastrophe, wie sie andernorts stattfindet“, so Mahmud Daher, Leiter des WHO-Büros in Gaza Stadt. Aber wir befinden uns immer am Rand einer Krise. Und ohne die Hilfe der internationalen Gemeinschaft, würde es zur Krise kommen“…..

Die Lager sind voll mit Nahrung, Elektronikartikeln, Möbel und Bekleidungsstücken, vieles davon durch die illegalen Tunnel an der ägyptischen Grenze geschmuggelt. Cafes bieten Espressos und Croissants an. Kürzlich traf eine Lieferung Hyundai-Limousinen neuester Bauart ein. Nun, da die Sommerferien angebrochen sind, strömen die Familien in Scharen zum Strand, um Eiscreme zu essen und zu grillen.

Gazas Lage ist kompliziert, und ich würde dort sicher nicht leben wollen. Wenn aber die Mainstream-Medien dauernd das Wort „Gaza-Krise“ im Mund tragen, wird es langsam Zeit zu fragen, ob das Wort „Krise“ nicht allein dazu missbraucht wird, schreiende Schlagzeilen zu fabrizieren.

Kürzlich erst empfahl die Pressestelle der israelischen Regierung (GPO) den Reportern das vornehme Restaurant Roots in Gaza Stadt. Obgleich das GPO sein Bedauern äußerte, rochen Lyon und Sanders eine Story und nahmen Fährte auf.

Raketen verschießende Tunnelbauer sind ein echter Aufreißer. Würde mich sehr interessieren, was die Mainstream-Medien fänden, so sie denn wirklich graben wollten.

Bernd Dahlenburg 15.06.2010 / Foto: Bäckerei in Gaza

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Autor: haolam.de
Bild Quelle:


Dienstag, 15 Juni 2010