Liebesgrüße nach Teheran (II): MdBs auf Bildungsurlaub: Küsst sie!

Liebesgrüße nach Teheran (II):

MdBs auf Bildungsurlaub: Küsst sie!




Peter Gauweiler, Claudia Roth, Günther Gloser, Luc Jochimsen und Monika Grütters (CDU) – das liest sich wie das Personal für einen Witz mit der ganz besonders lustigen Pointe. Es ist aber bloß die einstimmig-parteiübergreifende Reisegruppe des Deutschen Bundestags, die sich gerade einen sechs-tägigen Betriebsausflug nach Teheran gönnt, in die Islamische Republik Iran.

 

von Gerrit Liskow

 

Die FDP hat auf ihre Teilnahme bereits im Vorwege verzichtet. Vielleicht, um ihre politische raison d‘être nicht auch noch durch business as usual mit den Mullahs in Verruf zu bringen; mehr, als durch den abstrakten Sachzwang des kapitalistischen Regelvollzugs ohnehin unvermeidlich ist, indem sich auf ein weiteres bewiese, dass „Hunger kein Grund zur Produktion“ (Max Horkheimer) ist - als ob es eines weiteren Beweises noch bedürfte.

Nun sind einstimmige deutsche Allparteienallianzen nicht erst erfolgreich, seit es darum geht, eine „Gaza-Flottille“ als legitimes Mittel deutscher Außenpolitik durch einen Deutschen Bundestag zu winken, den man trotz seiner Einstimmigkeit in der Juden-Frage, pardon: in der Israel-Frage, noch nicht wieder Krolloper nennen darf.

Und gerade so, wie der Kaiser namens Wilhelm II zu seiner Zeit keine Parteien, sondern nur noch Deutsche kannte, hat der parlamentarische Regelvollzug der BRD nun seinen Burgfrieden mit der Nation geschlossen – der deutschen und der islamischen Republik im selben Aufwasch – und erzeugt sich seine Einstimmigkeit, ohne dass es dazu eines Kaisers bedürfe, in vorauseilendem Gehorsam gegenüber jenem abstrakten Sachzwang, aus einem Euro zwei zu machen, oder drei.

In dem Maß, in dem die Öffentlichkeit das als Fortschritt versteht, darf man den Deutschen Bundestag zwar auch weiterhin nicht Krolloper nenne - aber vielleicht Kroll’scher Wintergarten, das Varieté-Theater, das ihr Vorgänger war?

Es sprach anscheinend nichts dagegen, dass der einmal eingerichtete Email-Verteiler, der schon beim sogenannten Flottillen-Beschluss vorzüglich funktionierte, noch einmal zum Einsatz kam. Als es nämlich darum ging, sich einen kleinen Bildungsurlaub zu erlauben, auf den schließlich alle in Deutschland lohnabhängig Beschäftigten einen Rechtsanspruch haben - nach Teheran, hurra!

In parlamentarischer Funktion zu den Mullahs zu fahren, ist indes nicht der Skandal, als der es einem Bewusstsein, dass die letzten Reste von Ethik und Moral noch nicht gegen die Chimäre „politischer und wirtschaftliche Beziehungen“ ausgetauscht hat, erscheint.

Es ist die Bildungsreise des Deutschen Bundestags vielmehr die Fort- und Festschreibung jenes gesellschaftlichen Normalzustandes, der sich der Anfechtung durch den Zweifel entledigen möchte, indem er die Zweifelnden beseitigt - und nicht etwa den Grund für Zweifel. Einstimmigkeit ist dabei unerlässlich, gerade im Bewusstsein der Schwierigkeit der eigenen Geschichte.

Einstimmigkeit war und ist das zentrale Dogma jeder stalinistischen Kaderpartei, und wo sie sich mit größtem diskursiven Aufwand und allen erdenklichen ideologischen Verrenkungen nicht mehr herstellen ließ oder lässt, tritt das Redeverbot in Kraft, wie es sich jetzt wieder bei der „Links“-Partei und ihrem zum Tabu veredelten Antisemitismus, pardon: Antizionismus, studieren lässt.

„Die Grünen“ haben – zum Zweck der Einstimmigkeit – etwas entwickelt, das mit vergleichsweise wenig Gehirnschmalz auszukommen scheint: Betroffenheit und Bauchgefühl. Formelhafte Diskurschimären einer esoterischen Konsensdiktatur, die sans parole funktionieren und „basisdemokratisch“ ausagiert werden: eine Ideologie, die zwar nicht ohne Worte, aber ohne Arbeit am Begriff auskommt, die auf jedes nicht-utilitaristische Denken von vornherein verzichtet und sich jeder Anfechtung durch den Intellekt entzieht um sich stattdessen lieber in eine Region jenseits der Ratio zu transferieren, wo die sagenhafte „Basis“ sich besser „aufgehoben“ fühlt: „Grün“ ist Magie mit modernen Mitteln.

Die sogenannten Volksparteien schließlich berufen sich zum Zweck der Einstimmigkeit aufs sozial Gesunde; als ein solches erscheint ihnen mal um mal das sogenannte Volksempfinden oder der Menschenverstand. Da sie also bereits in ihrer Rhetorik dem denkenden Menschen eine Abfuhr erteilen, verdient ihre Theorie keine Kritik; kurz bevor aber ihre Ideologie zu sich kommt, wenn eine ihren Begriffen angemessene soziale Praxis in Deutschland gerade wieder offensichtlich und vorherrschend zu werden beginnt, geht ein wohliger Schauer durch die Sülze, die sich öffentliche Meinung nennt, wie zuletzt beim Sarrazin, und bislang hörte der Spuk dann noch jedes Mal wieder auf.

Anders als bei der „Links“-Partei und bei den „Grünen“ musste Einstimmigkeit den Volksparteien im selben Maß nicht erst zur zweiten Natur werden, in dem diese von ihnen für ihre erste und einzige Natur gehalten wird. Insofern sie von ihrer ersten nichts mehr wissen, kann weder die erste noch die zweite Natur, vor allem aber nicht die Beziehung zwischen beiden, gesellschaftlich nicht befragt und somit nicht erkannt werden.

Noch vor Flottillen-Beschluss und Burgfrieden war Einstimmigkeit bekanntlich die Losung, die die Reichsgründung völkisch verbrämte. Nachdem der preußische Krieg gegen Frankreich glaubhafte „äußere“ Feinde zur Mangelware gemacht hatte, sorgte die akademisch verblödete Elite des frischgebackenen Deutschen Reichs eben dafür, dass es wenigstens genügend „Feinde im Innern“ gab – und brach nicht nur Sozialistengesetze, sondern auch das vom Zaun, was als Berliner Antisemitismus-Streit in die autochthone Geschichte eingegangen ist.

Ein Streit, dessen „moderate“ Position – daran sei erinnert – sich dadurch auszeichnete, „Die Juden“ mögen doch aus Nettigkeit, im Tausch gegen die ihnen gnädig gewährten staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten, ihren deutschen Vormunden und Bewährungshelfern gefälligst nicht weiter durch Dasein und Sosein, durch Sichtbarkeit und Existenz, auf den Wecker gehen. Stattdessen mögen „Die Juden“ den Deutschinnen und Deutschen den Gefallen tun, wenn schon nicht aus dem Leben, so doch zumindest aus der Öffentlichkeit zu scheiden, zu verschwinden.

Die Forderung nach Integration war damals liberal und ist es heute noch; ein mögliches Fazit des Berliner Antisemitismus-Streits könnte es sein, dass der Nationalsozialismus sich zwei Generationen später daran machte, die vom Deutschen Reich angeblich unmissverständlich in Rechnung gestellte Forderung nach dem symbolischen Verschwinden der Juden zu konkretisieren und gewaltsam einzutreiben: als Völkermord, mithilfe der deutschen Volksgenossen und ihrer Freundinnen und Freunde in aller Welt, als faschistisches Inkasso am lebendigen Leib.

Dabei war die deutsche „Endlösung der Judenfrage“ bekanntlich von Anfang an so angelegt, dass sie das „Weltjudentum“ zerstören sollte, also auch die bereits emigrierten und geflohenen Jüdinnen und Juden „ausrotten“ sollte; sogar die Invasion der USA wurde schon mal angedacht. Dass die in Athen stationierte SS-Einsatzgruppe während des Zweiten Weltkriegs nicht auch im Britischen Mandat Palästina tätig wurde, verhinderten die Jewish Brigade und Montgomerys Sieg bei El-Alamein.

Davon, was es unter ganz bestimmten historisch-politischen Bedingungen bedeuten kann, wenn „am deutschen Wesen / die Welt genesen“ soll, können vielleicht auch die Mitglieder des iranischen Widerstands ein Lied singen, die im April 2000 an einer Konferenz der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin teilnahmen. Freilich nur, sofern ihnen nach der Rückkehr in die Islamische Republik Iran und ihrer unverzüglichen Verurteilung zu langen Zuchthausstrafen nach singen noch zumute war; eine Geschichte, die man im Hauptquartier der „Grünen“ inzwischen aktiv zu ignorieren gelernt hat.

Nun ist es das eine, wenn der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer sich einst, nämlich 1979, anlässlich des von ihm herbeigesehnten großen Kladderadatsch öffentlich zu seinen feuchten Träumen bekannte und im Fanzine „Pflasterstrand“ davon fabulierte, die „Islamische Revolution“ träfe „ins Herz des westlichen Fortschrittsglaubens“; so billig war und ist die Aufhebung der negativen Totalität außer beim Großen Vorsitzenden der Grünen zwar auch beim völkischen Antikapitalismus zu haben, die Öffentlichkeit wäre aber dennoch gut beraten, derlei nicht mit der versöhnten Gesellschaft oder dem Zustand der Versöhnung zu verwechseln.

Es ist jedoch noch mal ganz etwas anderes, wenn man bei den „Grünen“ offensichtlich lernunwillig ist, wenn Leute, die es besser wissen müssten, wie etwa „das Blitzmädel“ (Clemens Nachtmann), der Öffentlichkeit nun glaubhaft zu machen versuchen, sie wären jung und bräuchten das Geld, während sie auf Fischers ausgelatschten politischen Pfaden in Teheran schlafwandeln; und nachdem sie als Friedensengel in Gestalt der Iran-Konferenz bei der Heinrich-Böll-Stiftung erschienen war, kehrt die „Ästhetik des Widerstands“ (Peter Weiss) nun im Schatten ihrer selbst zurück, als Todesengel in Gestalt von Claudia Roth.

Um sich öffentlich und diskursiv wenigstens einen Rest an Selbstachtung zu bewahren, wedelt die übrige deutsche Parlamentarier-Delegation wichtigtuerisch mit einem Terminplan herum, in dem während ihrer Teheran-Reise auch Treffen mit „Oppositionellen“ eingetragen sind. Die handverlesenen „Oppositionellen“, derer die Mullahs zu diesem Zwecke habhaft werden konnten, sind bestimmt von allerfeinster Qualität.

Es sind in der iranischen „Opposition“ durchaus Positionen geläufig, die sich zur Fortsetzung von Achmadinedschad mit anderen Mitteln bekennen (was auf den dortigen Widerstand eher nicht zutrifft), aber als MdB muss man Termine mit derlei „oppositionellen“ Jubelpersern allein schon deshalb machen, damit man sich hinterher nicht wieder nachsagen lassen kann, von nichts gewusst zu haben.

Wer würde indes glauben, die Interessen der „Oppositionellen“ seien es, die den Besuch der deutschen Parlamentarier rechtfertigten? Eher scheint es so zu sein, dass deren Besuch selbst der Rechtfertigung bedurfte, weshalb die Mullahs flugs ein paar „Oppositionelle“ aus dem Turban gezaubert haben.

Schien der redliche Konsens und sozialpädagogische Imperativ, „mit Faschisten spricht man nicht“, bis vor einigen Jahren durchaus noch zu halten, löst sich der Parlamentarier-Clique aus Berlin schon vor der Abfahrt die Zunge, und sie bekundet, es würde der Besuch das Mullah-Regime in Teheran keineswegs aufwerten.

„Me thinks thou doest protest too much”, ließe, mit William Shakespeare, dazu sich sagen.

„Küsst die Faschisten, wenn ihr sie trefft“, schlägt Kurt Tucholsky vor.

Im gegebenen Fall sollte man zusätzlich auch dieser einstimmig-parteiübergreifenden Reisegruppe ein herziges Bussi fest auf Mund und Nase drücken, dafür, dass sie das Mullah-Regime in Deutschland salonfähig macht – die Zeiten ändern sich, indem sie sich gleichen, und ich freue mich schon heute auf den nächsten „Schah-Besuch“: Sicherheitssperren, von denen aus irgendein Achmadinedschad dann telegen seine Steinchen auf jüdische Einrichtungen werfen kann, gibt es schließlich auch in Deutschland.

Hätten „Die Grünen“, die institutionalisierte Furcht vor dem Zweifel, ihre Köpfe nicht bis zu den Knien im Mustopf von Bauchgefühl und Betroffenheit vergraben, hätten sie sich wenigstens einen Rest von Ironie bewahrt - sie müssten sich angesichts ihres politischen Position vorkommen wie ihre eigene Parodie.

Frau Roths Sprecher Ali Mahdjoubi nämlich versuchte die Kritik an der deutschen Parlamentsvisite in Teheran zu diffamieren, indem er sich über die internationalen Anstrengungen zur Isolation des Mullah-Regimes lustig machte. Das Mullah-Regime, das nach der Atombombe strebt um Israel mit der Vernichtung zu drohen und dem Westen die Knarre an den Kopf zu halten, entspricht indes nicht meinem Sinn für Komik.

Der „Erfolg“ gibt beiden gleichermaßen recht: dem Mullah-Regime und Frau Roths Sprecher Ali Mahdjoubi – über eine gesellschaftliche Wirklichkeit, in deren Mainstream die Islamische Republik Iran und Claudia Roth gemeinsam schippern, sagt das einiges aus: politisch korrekter Mullah-Faschismus.

 

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Autor: haolam.de
Bild Quelle:


Sonntag, 24 Oktober 2010






Tja- da merkt man wieder, wie Deutschland angetan ist, von Diktaturen! Besonders von Faschistischen..:-((( Erst China, jetzt der Iran usw. usw. Ich wage es sogar zu behaupten, dass die Welt ein Stück besser wäre, wenn es Deutschland nicht mehr geben würde. Man hätte nach dem 2. Weltkrieg einen Schnitt machen sollen....



Typisch Antideutscher...

Die Parole "nie wieder Deutschland" ist ungefähr so sinnfrei wie "nie wieder Winter" oder "nie wieder Mount Everest".



erzähl nicht so ein quatsch, die breite der welt bevölkerung würde sagen wenn nicht zum staat israel gekommen wäre, wäre die welt um einiges viel sicherer und so schlimm ist deutschland garnicht da israel einen großen einfluß hat auf die deutschland ja ich würde sagen über europa über den übersee usa (backdoor) hintenrum.



 @ GuMo

Ja ja, "die Juden" beherrschen "die WQelt", "die Ostküstel" *grusel* ... sonst noch was, du alter Jammerlappen?

 

@ Joker:

Zum ersten Mal schreiben Sie was halbwegs vernünftiges. Aber die Antideutschen kommen doch aus ihrer linksroten Ecke ....