Deutsche Außenpolitik und das "Wirtschaftswunder": Reden ist Silber

Deutsche Außenpolitik und das "Wirtschaftswunder":

Reden ist Silber




Die Bundesregierung freut sich, so sagt sie, über das robuste deutsche Wirtschaftswachstum, das mit 2,8% deutlich positiver ausfallen dürfte als prognostiziert.

 

von Gerrit Liskow

 

So in etwa lässt sich die Reaktion des offiziellen Berlin auf den Raketenangriff auf einen israelischen Schulbus gestern im Bezirk Sha’ar HaNegev zusammenfassen, bei dem ein 16-jähriger Junge so schwer verletzt wurde, dass nach wie vor unklar ist, in welchem Zustand er überleben wird.

Es soll von „unseren Freunden“ bloß keiner denken, dass die deutsche Regierung oder Frau Merkel selbst in dieser Sache, die sich zudem während eines Besuchs von Premierminister Benyamin Netanyahu in Berlin ereignete, etwas vorgebracht hätte, das auch nur im entferntesten an die unzweideutige und darum einzig angemessene Reaktion von Gaza-Guidos britischem Counter-Part William Hague erinnert hätte; vor allem keiner von „unseren Freunden“ in Teheran soll das denken, denn der Mullah-Staat finanziert das aktuelle deutsche „Wirtschaftswunder“ mit immerhin 5 Mrd. Euro pro Jahr; wenn Reden also Silber ist, dann ist beredtes Schweigen wohl Gold.

 

Als ob es das in der Geschichte der BRD nicht schon einmal gegeben hätte, dass der Stolz auf die „organische“ Einheit von Arbeit und Kapital plus dem „authentischen“ Opfer für Volk und Vaterland dazu angetan gewesen wäre, allzu krude Irritationen, die sich angesichts historischer Kontinuitäten unter Umständen vielleicht hätten einstellen können, abzulenken um von ihnen zu „entsorgen“.

 

In Punkto Bauchgefühl und/oder Gemütlichkeit steht Frau Merkels Mutti-Land dem rheinischen Kapitalismus, auch dem Wandlitzer Art, in nichts nach.

 

Jener nach seinem eigenen Bekunden seinerzeit wie heute einzig legitime Rechtsnachfolgers des Deutschen Reichs, der die Empfindung seines geradezu bestialischen, selbstgemachten moralischen Vakuums „nach dem Krieg“ in Strömen von Söhnlein-brillant und Henkell-trocken ersäufte um sich selbst den Persil-Schein auszustellen: Man wisse ja nicht, was man tut/getan habe – nur um „es“ in Zukunft umso überzeugter tun zu können, im Glauben, es wäre nichts gewesen, denn an irgendwas muss man ja glauben.

 

Daran hat sich nichts geändert, außer dass man heute billigen italienischen Schaumwein („Prosecco“) nimmt; „nach dem Krieg“ ist in Deutschland eben allemal „vor dem Krieg“ – besonders, wenn es um den „Frieden“ geht.

Reden ist Silber, und Schweigen ist Gold – das weiß die an Sprichwörtern reiche deutsche Nation, das weiß aber auch die Republik Argentinien, immerhin eine der potentesten Landwirtschaften der Erde, die ganz Südamerika allein ernähren könnte, das aber aus merkantilistischen Gründen nicht darf.

 

Abhilfe verspricht ein Deal mit den Mullahs in Teheran, die sich derzeit dringend etwas einfallen lassen müssen, um nicht – wie im Sommer 2009 – von einer demokratisch gemeinten Revolution an den Rand dessen, sondern von waschechten Hungeraufständen genau dort hinein befördert zu werden, wohin sie gehören: in den Knast.

 

Dass die Mullah-Regierung in Teheran ihrem Gegenstück in Buenos Aires dabei angeblich auch noch zur Bedingung machen wollte, das Attentat auf die israelische Botschaft und das Gebäude der AMIA, des argentinisch-israelitischen gegenseitigen Zusammenschlusses, mithin mehr als hundertvierzig Tote unter den Teppich gegenseitig guter Wirtschaftsbeziehungen zu kehren und die seit vierzehn Jahren andauernden Ermittlungen gegen Mitglieder der aktuellen Regierung der Islamischen Republik Iran gefälligst endlich einzustellen (das Ganze zudem eingefädelt bei einer argentinischen Stippvisite in Syrien vor knapp einem Jahr), war genug für ein auffallend schmallippiges Dementi der ansonsten um Worte nicht verlegenen argentinischen Staatskanzlei (cancillería, so heißt dort das Außenamt): Alles Lüge, sagt Herr Timmermann.

 

Ganz, ganz ähnlich sagt nun Mutti: Alles gar nicht wahr; die Presseberichte mit Quelle im Umkreis der Regierung in Jerusalem, wonach sie Bibi ihren Wildlederpumps in Größe 39 ins Genick gesetzt und ihn am Telefon derartig angeschnauzt habe, dass in Jerusalem die Friedenstauben aus den Bäumen fielen, weil Bibi – Zitat – „nichts, aber auch gar nichts für den Frieden getan“ habe; in welchem Zustand die deutsche Kanzlerin das zehnmonatige Wohnungsbau-Moratorium des Jahres 2010 verbrachte, ist nicht bekannt.

 

Jaja, so macht „es“ die von Jacques Palminger kongenial besungene „Deutsche Frau“ (zu sehen bei youtube), wenn sie grade keine Schaftstiefel (ein harmloser deutscher Trendartikel) dabei hat.

 

Zwischenfazit: Mutti hat zu dem Anschlag auf den israelischen Schulbus im Bezirk „Tor zur Negev“ nichts gesagt, was es in die veröffentlichte Meinung geschafft hätte; sie hat indes gesagt, dass sie etwas gesagt hat, dass sie jetzt niemals gesagt haben möchte und besteht auf die Richtigkeit ihrer Darstellung um den Preis, den israelischen Premierminister indirekt der Lüge zu bezichtigen; ganz entlang derselben Linie verlaufen einschlägige Dementis wie gesagt.

 

Lüge ist ein schweres Wort, denn es bezeichnet einen absoluten Zustand der Unwahrheit. Wer diesen Begriff verwendet, baut damit Wege zur Verständigung punktuell ab und zieht es vor, sich selbst ins Recht zu setzen, und sei es um den Preis, den anderen mehr oder weniger dauerhaft ins Unrecht zu setzen; man kann es auch als Machtspiel verstehen, denn so ist es schließlich gemeint.

Nun ist es bekanntlich möglich, aus guten Gründen die Wahrheit nicht sehr genau zu nehmen; die einzige, mit der Frau Merkel es offensichtlich gut meint, ist sie und die von ihr vertretene Regierung selbst und zumindest damit nimmt sie es sehr genau.

 

Wahrheit, das wissen wir seit Paul Watzlawicks provozierend pragmatischer Definition, beginnt bei zwei Leuten. Wenn einer von beiden behauptet, die Wahrheit zu sagen, wohingegen der andere lüge, dann möchte er (Timmermann) oder sie (Merkel) hier die Vertrauensfrage ans Publikum stellen und die Öffentlichkeit zum Schiedsrichter machen, noch dazu jene durchaus interessierte und wenn es um den jüdischen Staat geht, eindeutig abgeneigte deutsche Öffentlichkeit.

 

Ferner ließe sich denken, wenn schon von den Heimatschutz- und Betroffenheitsorganisationen des deutschen Gut- und Bessermenschentums (angefangen bei den Kirchen bis zu den Dreckecken der „Palästina-Solidarität“) keiner einen Terror-Anschlag auf Schulkinder verurteilen möchte – israelische Schulkinder, wohlgemerkt – wäre anzunehmen, die deutsche Bundesregierung sei bereit und in der Lage, ähnlich wie ihr britischer Amtskollege William Hague zumindest rhetorisch die humanistischen Mindeststandards in der Bewertung des aktuellen „politischen“ Geschehens einzuhalten.

 

Pustekuchen – wer darauf hofft, kann lange warten. Stattdessen war mal wieder zu erfahren, die „Spirale der Gewalt“ dürfe sich nicht weiter drehen, und „beide Seiten“ müssten „Hindernisse auf dem Weg zum Frieden“ abbauen, selbstverständlich angefangen bei den „religiösen Siedlern“; immerhin stand der Netanyahu-Besuch ganz offiziell im Zeichen des Wohnungsbaus.

Was das „Land-für-Frieden“-Mantra bewirkt hat, lässt sich anhand der Fakten studieren: Seit dem Rückzug aus dem Gaza-Streifen war es durch andauernden Raketen-Terror gegen des Süden schon einmal nötig geworden, etwas Grundsätzliches an der Bedingung seiner Möglichkeit zu ändern.

 

Aber um einzusehen, dass angesichts der real-existierenden Wirklichkeit an der selbstverliebten deutschen „Friedens“-Ideologie etwas Offensichtliches nicht ganz stimmt, müsste man sich auf diese Wirklichkeit zunächst mal einlassen.

 

Und zwar nicht in ihrer Funktion als Projektionsfläche für die Phantasie, sondern als Korrektiv aus der Empirie. Wenn jedoch die deutsche Gut- und Bessermenschheit etwas zu scheuen gelernt hat, dann die Dialektik von Theorie und Praxis.

 

Denn hey: Wenn endlich, endlich, die „Siedlungen“ auch der „säkularen Siedler“ – Jerusalem, Chaifa, Tel Aviv – geräumt sind, bricht endlich, endlich „Frieden“ aus, weiß ja auch Shalom achshav/Peace now – und die Erde ist eine Scheibe, die auf den Rücken von vier Schildkröten steht; sehr großen Schildkröten, versteht sich.

 

Spätestens angesichts einer Hizb’allah, die sich anlässlich der gestrigen Schulbus-Attacke in einer Art perversem betriebsinternen Wettbewerb gegenüber ihren Auftraggebern und Über-Mullahs in Teheran damit brüstete, jeden Tag mindestens einhundert – 100! - Raketen auf Tel Aviv abfeuern zu können, sollten sich die deutschen „Friedens“-Freundinnen und -Freunde schon mal jetzt den „Prosecco“ kalt stellen.

 

Womöglich werden die aufrechten Deutschinnen und Deutschen schon sehr bald die Wiederkehr des Verdrängten zu feiern haben, während über das deutsche Staatsfernsehen die neue Fortsetzung dieser hierzulande so beliebten Dauerwerbesendung für Täter-Opfer-Umkehr flimmert, bei ARD-Brennpunkt und/oder ZDF-heute.

 

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Autor: haolam.de
Bild Quelle:


Freitag, 08 April 2011






Wie üblich will Liskow seine pubertäre Bleiwüsten als Journalismus verkaufen - wieder mal vergeblich.

Auch ihm sollte ein israelischer Schulbus zur Verfügung gestellt werden.



ooooooooooooooch, linksmaniac, schon wieder eine einsame samstagnacht gehabt. woran das wohl liegen mag.  das mit dem fehlenden coöeus links und wohl auch  rechts  hatten sie sich doch wohl vorlesen lassen?

nun also möchten sie dem herrn liskow einen schulbus schenken, wie niedlich. um was damit zu tun? sie zum 2., 3, 12.  ...... bildungsweg zu chauffieren? na ja, wenns was bringt. hoffen darf man immer.