Wer so alles Charlie ist

Wer so alles Charlie ist




von Thomas von der Osten-Sacken

ie spüren es auch im Nahen Osten, dass spätestens mit dem Auftreten des Islamischen Staates der Wind sich ein wenig gedreht hat, die Zeiten, als allgemein der Islam und ganz besonders alle Parteien, die in seinem Namen agieren, als irgendwie prima Gesprächs- und Dialogpartner in Europa gehandelt wurden, vorbei ist. Zumindest vorläufig. Vor ein paar Jahren noch, da konnte man auf’s Verständnis aus Europa setzen, als dänische Botschaften abgefackelt wurden, weil Jyllands Posten ein paar Mohammad Karikaturen veröffentlich hatte.

Heute gilt zwar weiter in fast allen Ländern der Region Blasphemie als schwerer Straftatbestand, die in Saudi Arabien und der Iran nur ganz konsequent und deshalb mit entsprechender Brutalität geandet wird, aber mit dem verständnisvollen Entgegenkommen aus dem Westen ist es heute so eine Sache. Und dann waren da noch all die Massendemonstrationen zwischen Rabat und Teheran, überhaupt mehren sich auch innerhalb der Region die Stimmen, die Klerus und die im Namen der Religion Herrschenden weit weniger Respekt entgegenbringen, als noch vor einer Dekade.

Und so reihen sich nun in die Schlange der Kondolierenden ganz brav Hamas und Hizbollah ein, ja mit zusammengebissenen Zähnen kommen sogar so etwas wie Verurteilungen aus Teheran und Riad, auch wenn sie gespickt sind mit relativierenden “Abers".

Ob vor ein paar Jahren die Hamas sich vorstellen konnte, dass sie eines Tages würde so ein Statement abgeben müssen?

A statement in French said Hamas “condemns the attack against Charlie Hebdo magazine and insists on the fact that differences of opinion and thought cannot justify murder.

(Den Anschlag auf einen jüdischen Supermarkt verurteile Hamas by the way selbstredend nicht.)

Hassan Nasrallah hatte auch ebenfalls wenig Freude, wenigstens aber noch den Trost, dass es die sunnitische Konkurrenz war:

“The behavior of the takfiri [jihadi] groups that claim to follow Islam have distorted Islam, the Quran and the Muslim nation more than Islam’s enemies … who insulted the prophet in films … or drew cartoons of the prophet,” Nasrallah said, according to Lebanon’s Daily Star.

Sie reden so, weil sie unter Druck stehen.

Aber in Europa, da wird es genügend Politiker, Journalisten und Akademiker geben, die, wenn bald die “Je suis Charlie"-Schildchen, die inzwischen jeder meint, sich umhängen zu müssen, in den Keller geräumt sind, solche Statements zitieren werden, um einmal mehr zu erklären, dass Organisationen wie Hamas und Hizbollah doch eigentlich ganz moderat seien und man dringend den Dialog mit ihnen vertiefen müsse. Schließlich hätten sie ja auch die Blutbäder von Paris verurteilt. Und das gerade zeige ja, dass sie keineswegs radikale Islamisten seien. Weshalb auch Gespräche und Entgegenkommen wichtiger denn je seien.

Und wer sonst alles noch dieser Tage so Charlie ist, von der Regierung Venezuelas bis zu Assas Regime, das dokumentiert pflichtschuldig die Junge Welt: https://www.jungewelt.de/2015/01-09/001.php

(Wird es beim nächsten Anschlag in Europa erneut nur wieder Juden und jüdische Einrichtungen treffen, sie werden alle hörbar aufatmen, irgendwelche Verrenkungen um die Meinungs- und Pressefreiheit und ähnliches sind dann nicht nötig, werden schließlich auch gar nicht erwartet.)

 

Erstveröffentlicht in der Wochenzeitung Jungle World, Zweitveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors - Foto:von Tim from Schönebeck, Germany (150111-160528) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

 

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Autor: joerg
Bild Quelle:


Mittwoch, 14 Januar 2015









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