Toulouse lost-in-translation: Die Rede von der `Schießerei´

Toulouse lost-in-translation:

Die Rede von der `Schießerei´




„Vor einer jüdischen Schule im südfranzösischen Toulouse hat es eine Schießerei gegeben.“, wussten tagesschau.de und viele andere deutsche Medien heute solange zu berichten, bis man sich dort eines besseren besann.

von Gerrit Liskow

Eine Schießerei setzt nämlich nach jeder herkömmlichen Definition einen Schusswechsel voraus; zumindest wenn man dem Duden glaubt. Der kennt das Wort Schießerei als einen „wiederholten Schusswechsel“ und ein Synonym für „Kugelwechsel“.

Und das Großwörterbuch Deutsch als Fremdsprache (2009 Farlex, Inc. and partners) schreibt im Sinne einer Definition“ Schie•ße•rei die; -, -en; eine Situation, in der zwei od. mehrere Personen aufeinander schießen.“

Was uns tagesschau.de mit ihrer Rede von einer angeblichen „Schießerei“ also hatte sagen wollen, bleibt das Geheimnis jener deutschen Staatsblogger, von denen einer als Nebentätigkeit übrigens die publikative.org betreibt, eine Art „NGO“ unter den pro-israelischen Websites.

Was die ausgesprochen bemerkenswerte Wortwahl anbelangt, die Rede von einer „Schießerei“, so ließ tagesschau.de es freiwillig-unfreiwillig offen, ob seitens der Opfer bloß „zurückgeschossen“, oder die Schießerei gar angefangen wurde.

Was insgesamt eher unwahrscheinlich wäre, aber eine großartige Neuigkeit ganz nach dem Gusto der deutschen Staatsblogger, Staatsfunker und ihres Millionenpublikums: Dass jetzt nämlich schon die drei- bzw.- sechsjährigen Juden Israelis, also die ganz Kleinen, Akte zionistischer Aggression verüben (schlafen ja bekanntlich alle mit einer Uzi zwischen den Zähnen).

Und so hätte der Ablauf der Schießerei dann aus Sicht der Tagesschau ausgesehen: Indem sie das Feuer auf einen unschuldigen Motorradfahrer eröffneten, der dann nicht anders konnte, als sich zu wehren und „zurückschießen“, kam es zu einer „Schießerei vor einer jüdischen Schule“, bei der nicht nur diese noch ganz kleinen Juden Zionisten ums Leben kamen, die mit der Schießerei „angefangen“ hatten, sondern auch deren Vater sowie die Tochter des Rabbis und Schulleiters.

Selbst schuld, wird man im aufrichtigen Deutschland sagen, hätten halt nicht anfangen dürfen, diese Juden Zionisten.

So was passiert, indem man Agenturmeldungen aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt und anschließend abtippt ohne zu bedenken, dass ein englisches „shooting“ ein deutsches Schießen, eine deutsche Erschießung, oder eine deutsche Schießerei sein kann.

Diese sprachliche Mehrdeutigkeit wurde bei tagesschau.de aber lieber zunächst einmal in Kauf genommen, statt ebenso so zutreffend wie unmissverständlich von einem Attentat zu sprechen; etwas Anderes wäre für ein Produkt deutscher Ideologie auch wirklich überraschend gewesen.


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Montag, 19 März 2012






"Was uns tagesschau.de mit ihrer Rede von einer angeblichen „Schießerei“ also hatte sagen wollen, bleibt das Geheimnis jener deutschen Staatsblogger, von denen einer als Nebentätigkeit übrigens die publikative.org betreibt, eine Art „NGO“ unter den pro-israelischen Websites."


Was wollt ihr mit dem Satz sagen? Ich verstehe es leider nicht... Ist das jetzt ein Diss gegen die Publikative?



Diese sprachliche Schlamperei wird doch permanent und gezielt eingesetzt.

Das ist für die MSM absolut typisch!

zB. wird grundsätzlich wenn wieder einer abgestochen wird von einer "Messerstecherei" geschrieben.

Wenn wieder einer fast totgeprügelt wird heist es "Streit" siehe 20cent Mörder.

Es gibt nur eine Ausnahme: wenn ein Neonazi oder "Rechter" eine Tat begeht, dann wird mehr als präzise geschrieben.



Das ist der Klassiker des rotrotgrünen Dudelfunks. Das in bestimmten Kreisen beliebte Kopftreten ist stets eine "Schlägerei", aus einer Demonstration von Links- oder Ökofaschisten "fliegen Steine" grundsätzlich von selbst, und der sich zunehmender Beliebtheit erfreuende "Ehren"mord ist nichts weiter als ein "Familiendrama". Das ist kein Zufall, sondern Sprachregelung, von "ganz oben" verordnet, und schließt sich nahtlos an die Agitprop-Diktion der 70er Jahre an, als es in bestimmten Journaillistenkreisen (sic!) als "chic" galt, die Baader-Meinhof-Terroristen nicht als "Bande", sondern als "Gruppe" zu bezeichnen.



@ Hue:

Ich würde sagen, andersrum wird ein Schuh draus: Bei den tagesschau.de-Autoren ist auch einer, der privat einen pro-israelischen Blog schreibt, also müssten oder könnten sie es eigentlich besser wissen. Da nicht, könnte der betreffende Blogger ja seinen Kollegen ein wenig Nachhilfe geben ...



@brian:

Danke für die Aufklärung :-)