Warum sie Paris hassen. Und was wir ­verteidigen müssen: Küsse, Freude, Campagner!

Warum sie Paris hassen. Und was wir ­verteidigen müssen:

Küsse, Freude, Campagner!


Die Hauptstadt des Lasters und der Unzucht htten die Kmpfer des Kalifats angegriffen, lie der Islamische Staat nach den Massakern von Paris verlautbaren. Wenn es in Europa irgendwo noch etwas gibt, das symbolisch fr ein besseres Leben steht, fr Ideen von einer freieren und schneren Welt nichts anderes meinen sie mit Laster und Unzucht , dann ist es in der Tat die franzsische Hauptstadt.

Kommentar von Thomas von der Osten-Sacken

Der Abscheu, den das Paris der Französischen Revolution, der civilisation, der freien Liebe und des savoir vivre hervorruft, ist auch in Europa nur zu wohlbekannt. Schon in all der antiwelschen Propaganda deutschvölkischer Provenienz im 19. Jahrhundert gegen die leichtlebige Marianne drückte sich ein ganz ähnliches antiemanzipatorisches und antimodernes Ressentiment aus. Wer immer den Tod und die Zerstörung mehr liebte als das Leben, vor allem jenes, das, zumindest in seinen Phantasien, an den Ufern der Seine gefeiert wurde, verzehrte sich im Hass auf Frankreich und seine Hauptstadt, in der auch noch die Juden, jene Inkarnation der Moderne, dank der Revolution als erste in Europa volle bürgerliche Rechte erhalten hatten.

Steht New York, die kosmopolitische Finanzmetropole, für die Moderne in den USA und wurde deshalb Ziel der Anschläge von 9/11, so ist Paris immer noch die Inkarnation eines Europas, das die Europäer längst verraten haben. Wenn der französischer Karikaturist Joann Sfar die Welt inständig bittet, nicht für seine Stadt zu beten, denn man bräuchte nicht noch mehr Religion, sondern Küsse, Freude, Leben und Champagner, so ist ein wenig von diesem Frankreich erfreulicherweise noch lebendig.

New York und Paris und damit die USA und Frankreich, die zwei Länder, die mit ihren Revolutionen einst allen Menschen Freiheit, Gleichheit und Glück versprachen, ohne diese Versprechen je einlösen zu können, sind die beiden westlichen Staaten, die die Islamisten am meisten hassen. Auch wenn vom revolutionären bürgerlichen Glücksversprechen wenig geblieben ist, in der Imagination der Jihadisten lebt es weiter. Und nicht nur in ihrer: Wer aus den nahöstlichen Depressionslandschaften flieht, den zieht es eben nach Europa. Hört man einige syrische Flüchtlinge heute in Interviews, wie sie von Freiheit und Menschenrechten sprechen, man könnte fast glauben, es wären polnische Exilanten, die im 19. Jahrhundert den sie rettenden französischen Boden betreten oder in Ellis Island vom Schiff steigen.

Auch wenn in den Pariser banlieues eine Sharia-Subkultur herrscht und damit Verhältnisse, die weit eher an Saudi-Arabien erinnern, so ist es doch auch Frankreich mit seinem laizistischen Verständnis von citoyenneté, in dem Millionen arabischstämmiger Einwanderer als assimilierte Bürger der Republik leben. Damit repräsentiert es ein, wenn auch im Verschwinden begriffenes, Gegenmodell zu allen kulturalistischen und par­tikularistischen Konzepten von Separation und Segregation von Ethnien und Konfessionen nach Herkunft, Glaube und Kultur und damit auch zum Kalifatssozialismus der Islamisten.

Paris, das ist die letzte Stadt in Europa, in der noch eine zahlenmäßig bedeutende jüdische Bevölkerung lebt, und gegen sie richten sich die islamistische Attentate immer auch ganz gezielt. Keineswegs Zufall ist es, wenn das größte Mas­saker im Bataclan stattfand, einem Club, den Antisemiten seit langem schon im Visier hatten.

New York und Paris galten und gelten schließlich allen Antisemiten als die kosmopolitischen Judenmetropolen, in denen Laster und Lebensfreude, Oberflächlichkeit und die Welt des schnellen Geldes regieren. Dagegen richtet sich die mörderische islamistische Raserei. Keineswegs nur gegen eine französische Regierung, die sich wenigstens halbherzig am Kampf gegen den Terror des »Islamischen Staates« beteiligt. Man sollte die Kämpfer des Kalifates und all ihre islamistischen Brüder also endlich ernst nehmen. Sie meinen, was sie sagen, auch wenn sie erklären, sie hätten mit Paris die Hauptstadt des Lasters angegriffen. Und wenn es in Europa irgendetwas zu verteidigen gäbe, dann sind es sicher nicht von Brüsseler Politkern ebenso monoton wie lustlos beschworenen Werte, von denen eh niemand mehr weiß, was sie eigentlich bedeuten, es ist sicher auch nicht eine deutsche Leitkultur, es sind die Ideen, die man mit dem Paris von Baudelaire, Benjamin und Zola verbindet. Diese Ideen wären nicht nur gegen die Islamisten zu verteidigen mit jener Militanz der barbusigen Marianne, die das Volk auf dem berühmten Bild von Delacroix auf die Barrikaden führt, sondern auch gegen ein Europa selbst, das sich, wie es dieser Tage leider scheint, aufgegeben hat und wenig mehr bietet als Besuche zum Dialog in Teheran, müde diplomatischen Floskeln und nationalistische Aufmärsche, die, finden sie in Paris statt, an eine andere, ganz ungute französische Tradition anknüpfen.

Es gälte nun, für ein Europa zu kämpfen, das so nur noch in den Phantasien und Projektionen ­islamistischer Krieger existiert.

 

Erstveröffentlicht in der Jungle World - Zweitveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors / Foto: Das jüdische Konzert- und Partyhaus Bataclan steht für Lebenslust und Freude - für all das laso, was die jihadistischen Barbaren hassen und vernichten wollen (Foto: von Alchemica (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons)

 

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Autor: joerg
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Donnerstag, 19 November 2015






Europa hatte schon viele Zeiten mit unglaublich dmmlichen Fhrungen. Wir kommen allerdings gerade aus einer Epoche - man nennt sie kalter Krieg - inder wir politisch unglaubliche Kompetenz und Verstndis fr einander vorgefunden haben. Trotz aller oberflchlicher Differenzen. Europa von Vladivostok bis Lissabon hat sich schon immer als ein Volk gefhlt. Und wenn in Zeiten von Gefhllosikkeit und Klte, so war man es dennoch immer noch und strebte wieder dort hin. Zugegeben, jeder auf seine Weise. Das sollte man nie vergessen. Warum gab/gibt es denn stets Schleraustausche? Was man die letzten 20 Jahre beobachten kann, ist eine immer schneller grer klaffende Lcke die Personen wie Helmut Schmidt, Peter Scholl-Latour durch ihr Ableben hinterlassen und welche nicht oder nur schwach wieder gefllt wird. Eine Gesellschaft hat immer Fhrungsfiguren. Die mssen nicht mal in der Poltik sein, um einen Impact auf eine Gesellschaft zu haben. Einstein z.B. war kein Poltiker - hatte aber einen Impact. Es ist eben eine groe Lge das Gesellschaften sich einfach so entwickeln und das ein einzelner Mensch keine Einfluss htte. Er hat es: Im positiven wie im negativen - wenn er nur will. Vermutlich das Wichtigste, was man Kindern berhaupt fr ihr Leben beibringen kann. "Vorbilder und Helden" darf es nicht mehr geben sagt aber die Fhrung dieser gegenwrtigen Gesellschaft. Interessant oder? ;-) Klingt ein wenig abgeschwiffen, aber ich denke das Europa genau hier "Krank" ist und eine ungewisse Prognose hat.

"Wenn der franzsischer Karikaturist Joann Sfar die Welt instndig bittet, nicht fr seine Stadt zu beten,..." Beispiel, warum: "Einst floh Fewzi Benhabib vor Algeriens Islamisten nach Saint-Denis. Heute sei die Stadt nicht wiederzuerkennen, schreibt er, Islamisten htten Straen und Geschfte erobert: Bericht eines Fassungslosen." enjoy it... http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/4869481/SaintDenis_Wie-meine-Stadt-islamistisch-wurde

@1 Hans Tja alles "eingegendert". Wenn es keine Mnner und Frauen mehr gibt und keine Helden dann haben wir die Einheitsmasse aus der Untergebene gemacht werden. Keine eigene Meinung, dann kann Politik und Verwaltung endlich tun was "richtig" ist.




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