Wo ist die Empörung wegen ermordeter Juden?

Wo ist die Empörung wegen ermordeter Juden?




von David Harris, The Algemeiner, 2. Juni 2015

Neulich hatte ich die Gelegenheit wieder einmal die großartige Rede des französischen Premierminister Manuel Valls an die Nationalversammlung in Paris an zu sehen, die er im Januar, direkt nach den tödlichen Angriffen in Paris hielt.

Seine leidenschaftlichen Ausführungen über den Anstieg des Antisemitismus und die Gefahr die dieser für Frankreich mit sich bringt, sollten regelmäßig angesehen werden. Ein Satz hat mich besonders bewegt. „Wir haben nicht genug Empörung gezeigt!“, verkündete der erste Mann Frankreichs.

Diese Aussage war an die politische Klasse Frankreichs und an das gesamte Publikum gerichtet. Aber aus meiner Erfahrung heraus könnte man diese Worte auch an einige Juden, vor allem in Amerika, richten. Natürlich sind sich die meisten der Entwicklung bewusst und besorgt. Doch gleichzeitig ist die jüdische Antwort auf die Gefahren wie immer ziemlich verzwickt.

Da sind die Juden, die versuchen, die Gefahr herunterzuspielen oder sie gleich ganz verleugnen. Andere überzeugen sich selbst, dass all das nicht gegen sie persönlich gerichtet ist; oder ihr spezifischer Platz im Leben sie vor all dem schützt, beziehungsweise sie glauben, als eine Variante des Stockholm-Syndroms, all das könnte irgendwie gerechtfertigt werden und es bräuchte, natürlich, nur eine Verhaltensänderung der (anderen) Juden. Andere hoffen, wenn sie nur der Welt erzählen, wie viel die Juden in den Wissenschaften, der Medizin, Kultur und Philanthropie für jeden tun, würden die Antisemiten ihre Gesinnung ändern. Andere lehnen die jüdische Ansicht ab, dass „alle Juden füreinander verantwortlich sind“ und so ist das, was in Paris oder Brüssel passiert absolut irrelevant für das Leben auf der anderen Seite des Ozeans oder sie beschwören das WdnI-Syndrom – „Wenn doch nur Israel“ anders handeln würde, dann wäre alles in Butter.

Es ist für uns, so glaube ich, allerhöchste Zeit mehr Empörung über einige Dinge die passieren zu zeigen.

Es ist inakzeptabel, dass die Juden in einigen europäischen Ländern sich darum sorgen, ob sie eine Zukunft dort haben, denn es ist nicht länger klar, ob die Regierungen, so sehr die das vielleicht möchten, sie schützen können.

Es ist inakzeptabel dass wir mörderische Angriffe auf Juden in Toulouse, Burgas, Paris, Brüssel und Kopenhagen, alle von Islamisten, erleben müssen.

Es ist inakzeptabel, dass Gläubige in der Pariser Synagoge Don Isaak Abravanel im letzten Sommer von einem tobenden Anti-Israel-Mob, der „Hitler hatte Recht“ und „Schlachtet die Juden“ grölte, umzingelt wurden und einige mutige jüdische Hilfskräfte und Polizisten sie daran hinderten, schwere Zerstörungen anzurichten.

Es ist inakzeptabel, dass sich jüdische Eltern in Frankreich, Belgien oder sonst wo fragen, ob sie es verantworten können, ihre Kinder in eine jüdische Schule zu schicken, welche eines Tages ins Fadenkreuz der Terroristen geraten könnte, ganz so wie die Ozar Ha Thora Schule in Toulouse.

Es ist inakzeptabel, dass, wie im letzten Jahr, die Synagoge der deutschen Stadt Wuppertal mit Brandbomben attackiert wird, derweil mit Keffiyehs vermummte Jugendliche in den Straßen von Berlin skandieren: „Jude, Jude, feiges Schwein! Komm heraus und kämpf allein“.

Es ist inakzeptabel, dass die Fans des holländischen Fußballvereins FC Utrecht „Hamas, Hamas – Juden ins Gas“ singen, um damit Fans eines anderen Fußballvereins, Ajax Amsterdam, welcher traditionell von der jüdischen Gemeinschaft unterstützt wird, zu beleidigen.

Es ist inakzeptabel, dass ein als Jude verkleideter Journalist in Malmö belästigt, verhöhnt und bedroht wird, während er durch die Straßen der drittgrößten Stadt Schwedens geht.

Es ist inakzeptabel, dass die offensichtliche Neo-Nazi Partei „Goldene Morgenröte“ im griechischen Parlament sitzt und jede nur denkbare Verschwörungstheorie gegen Juden verbreitet.

Es ist inakzeptabel, dass der Sprecher der fremdenfeindlichen Partei Jobbik im ungarischen Parlament dazu aufruft alle Juden zu registrieren, um damit in der Lage zu sein, festzustellen wer und wo jeder Jude ist.

Es ist inakzeptabel, dass die einzige jüdische Nation, Israel, das einzige Land ist welches das Ziel einer Vernichtung durch ein anderes Land, Iran, während Teheran dafür nicht nur durch die UN ungestraft davonkommt, sondern auch noch den 120 blockfreien Staaten vorsitzt.

Es ist inakzeptabel, dass Israel das einzige Land auf der Welt ist, dessen Existenzrecht täglich auf dem Prüfstand steht, während keine andere Nation Zielscheibe einer derartigen Delegitimierung ist.

Es ist inakzeptabel, dass Israel, die einzige liberale Demokratie im Nahen Osten, die einzige Nation auf der Erde ist, die von einer BDS-Bewegung angegriffen wird.

Es ist inakzeptabel, dass Israel, welches bei vielen Gelegenheiten versucht hat eine Zweistaaten-Lösung mit den Palästinensern zu finden, nur um jedes Mal zurückgewiesen zu werden, jetzt von vielen Regierungen, den Medien und der gelehrten Welt als „Haupthindernis“ für den Frieden dargestellt wird.

Es ist inakzeptabel, dass das Menschenrechtsgremium der UNO über 50% seiner landesspezifischen Resolutionen Israel widmet – eine Nation, die vom Recht regiert wird, das von forschenden Medien überwacht wird und das eine starke, lebendige Zivilgesellschaft hat – während andere Länder deren Menschenrechte haarsträubend und mehr sind, ungeschoren davonkommen.

Es ist inakzeptabel, dass das einzige Land, für das das Menschenrechtsgremium der UN eine eigene Agenda hat, nicht Syrien, Libyen, Sudan, Iran oder Nord-Korea ist, sondern Israel.

Es ist inakzeptabel, dass während des letzten Kriegs im Sommer, ausgelöst durch die Raketen aus dem von der Hamas kontrollierten Gazastreifen und der Ermordung der drei jungen Israelis, das gleiche Menschenrechtsgremium Israel mit einer Votierung von 29 zu 1 (Vereinigte Staaten) und 17 Enthaltungen kritisierte, während es ungeniert die Verantwortung der Hamas ignorierte.

Es ist inakzeptabel, dass fünf südamerikanische Länder, einschließlich Brasilien, Chile und Peru, ihre Botschafter im letzten Sommer abberiefen, wohingegen sich niemand daran erinnern kann, wann genau diese Länder eine solche diplomatische Aktivität irgendwo auf der Welt gezeigt hätten, trotz der Flut von Kriegen und Krisen.

Es ist inakzeptabel, dass die Präsidenten der Türkei und Venezuelas versuchten die örtlichen jüdischen Gemeinden dazu zu zwingen Israel zu verurteilen.

Es ist inakzeptabel, dass zwei UCLA-Studenten über Monate schikaniert und vor ein studentisches Gericht gezerrt wurden, weil sie Israel besucht hatten, womit sie sich für einige an der Teilnahme einer Abstimmung über BDS in der studentischen Verwaltung disqualifiziert hatten.

Es ist inakzeptabel, dass zwei Studenten an der UCLA und in Stanford darüber befragt wurden, ob die Tatsache, dass sie Juden sind, wesentlich dafür ist, dass sie sich um ein Amt auf dem Campus bewarben.

Und es ist absolut inakzeptabel, dass die Überlebenden des Holocausts, die sich nichts mehr wünschen, als dass die Welt von dem, was sie erleben mussten, etwas daraus gelernt habe, nun ihre restlichen Tage in der Angst verbringen müssen, dass die Juden wieder in Gefahr sind.

Wenn wir nicht empört sind, warum nicht?

Wenn wir jetzt nicht zur Tat schreiten, wie viel muss noch passieren?

 

Übersetzt von Heplev

 

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Autor: joerg
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Mittwoch, 01 Juli 2015






"„Jude, Jude, feiges Schwein! Komm heraus und kämpf allein“." Einer der bescheuertsten Sprüche* von den "Keffiyehs". Weiß man doch von ihren Rudelauftritten. *schon mal was anderes gehört? ich nich...

Solange jeder Politiker, Journalist oder sonstiger Medienschaffender als ersten Satz "Der Islam ist friedlich" sagt, wie kann er im 2. Satz sagen, dass die Ungerechtigkeit durch Moslems ausgeübt wird? Zehntausende Tote würden das unterstützen aber Tote können nicht reden, sie können sich auch nicht mehr empören, weder über Unrecht noch über Gleichgültigkeit noch dass sie umgebracht wurden, das können nur wir.




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