Statement des Berliner Linken-Vorsitzenden zu den antisemitischen Hassdemonstrationen

Statement des Berliner Linken-Vorsitzenden zu den antisemitischen Hassdemonstrationen




Auch wenn man - was unter Demokraten nichts unübliches ist - vielleicht nicht jede Formulierung oder Einschätzung teilt, so ist festzuhalten, das der Berliner Landesvorsitzende der Linkspartei, Dr. Klaus Lederer, mit sehr klaren und eindeutigen Worten die seit Tagen anhaltenden antisemitischen Hassdemonstrationen, an denen sich teilweise auch westdeutsche Funktionäre und Parlamentarierer der Linkspartei beteiligen, verurteilt. Nachfolgend das Statement, das Dr. Lederer gestern über Facebook verbreitete:

Eigentlich hätte eine Linke in Deutschland genug zu tun. Eigentlich habe auch ich genug zu tun. Aber ich habe in den vergangenen Tagen viel mit Genoss*innen und mit Bekannten gesprochen, die mich gefragt haben: ist das noch meine Partei? oder: was ist bei euch los? Ich hatte keine Antworten, nur schlechten Schlaf und ans Eingemachte gehende Zweifel. Mein Mitgefühl gehört - auch aus persönlicher Verbundenheit -

Menschen in Israel und in den besetzten Gebieten, den Familien und Kindern, die aber nicht aus Mordlust abgeschlachtet werden, sondern Opfer in einer bitteren und brutalen Auseinandersetzung sind, die gerade auch die Hamas taktisch sehr klug inszeniert. Gerade aus Sympathie mit der Schaffung einer Heimstatt für jüdische Menschen nach dem Holocaust macht mir die Politik der Netanjahu-Lieberman-Regierung Sorgen, große Sorgen. Gegenüber der Hamas kommt bei mir keine Sympathie auf. Ich glaube kaum, dass die Menschen in den besetzten Gebieten diese fundamentalistisch-religiöse Terrortruppe als "nationale Befreiungsbewegung" empfinden können. Das bringen offenbar nur deutsche Linke fertig. Mein einziges Interesse gilt einer Friedenslösung - und ich weiß, dass auf beiden Seiten Akteure daran arbeiten, dass es nicht zu einer kommt. Der Konflikt ist aber auch verdammt verzwickt und festgefahren. Und nun sage ich, und das meine ich ganz ernst: die Vorstellung, dass Mitgliedern meiner Partei die Wiederaufführung des einfachen Kalter-Krieg-Weltbilds mehr Wert ist als die Sorge um das Wohl von jüdischen Menschen in Deutschland, die jedes Recht haben, Israel in besonderer Weise verbunden zu sein: das ist für mich unerträglich. Und das ist so links wie ein Sägefisch hobelt. Das lässt sich mit Friedenssehnsucht schon überhaupt nicht rechtfertigen, weil sie in diesem "ungerechten Krieg" die Hamas "benachteiligt" sehen oder Kassam-Raketen für Baumarkt-Spielzeug halten. Eine solch absurde These müsste ja in der Forderung münden, dass Israel den Schutz der Zivilbevölkerung mittels Iron-Dome einstellt. Geht es offenkundiger zynisch? Bleibt mir vom Hals und nehmt mich nicht in Mithaftung für diese kruden Argumentationen. Und

ihr könnt euch nicht einfach freisprechen für die Hasstaten, die aus diesen Demonstrationen in den vergangenen Tagen geschehen sind. Wer Antisemiten nicht erkennt, wenn sie vor ihnen stehen - wie ist solchen Leuten noch zu helfen?


Autor: fischerde
Bild Quelle:


Sonntag, 20 Juli 2014