Causa mea - die Spiegel-Relotionade, unser Selbstbild und die Fallhöhe beim Spiegel

Causa mea - die Spiegel-Relotionade, unser Selbstbild und die Fallhöhe beim Spiegel


Das Problem von einem 33 jährigen? Ich blättere den Spiegel auch gern mal durch, etwa am Bahnhof. Meist bekomme ich ihn von Freunden, die ihn nicht mehr haben wollen. Das erklärt die Reichweite von 1,6 Lesern (angegeben sind mehr). Wir erklären die Katastrophe im Rückspiegel.

Von Torsten Kurschus

Der Spiegel hat jetzt seine Hitlertagebücher.

Das ist eigentlich nicht schlimm und kommt vor. Obwohl diese fast "Affäre" 1983 damals den Stern - ernstzunehmender Konkurrent des Spiegel und noch im gefühlten Duell: Augstein-Nannen, das Blatt beinahe seine Existenz gekostet hätte. Heute ist es wenig mehr als eine Illustrierte. Der alte Anspruch kam nie wieder. Vielleicht kann das dem Spiegel auch passieren? Bestimmt.
Könnte das britischen oder amerikanischen Leitmedien wie The Times oder Guardian und The New York Times oder The Washington auch passieren? Bestimmt nicht.

Bevor ich das erörtere, einen Blick auf die Selbstregie des Spiegels - erhellt.
Der Spiegel sieht sich als ungekrönter Staatsaufpasser, Staatserklärer und würde gern als Marktschreier der vierten Gewalt auch gern Staatslenker sein.
Die Krönung brauchte er nicht, denn die hatte er sich seit spätestens seit dem Strauß-Blow von 1962, ein Jahr vor meiner Geburt selbst aufgesetzt wie einst Napoleon. Seit dem Tagebücher-Sternensturz von vor 35 Jahren sah sich Der Spiegel im journalistischen Elysium und nachdem der 1993 bei Burda gegründete Focus seinen eigenen Anspruch auch nicht durchhalten konnte und die alten Stammblätter mehr und mehr an Substanz verloren, galt die mediale Welt auch in podcasts und eigenen Beiträgen als erobert.
Ja auch Die Zeit hatte harte Zeiten und als 2004 Giovanni di Lorenzo das Amt der Zeit übernahm, schien der march triumphalem des Spiegels ungebrochen. Seitdem rezensierte, kommentierte, erklärte und spiegelte er die Gesellschaft oft auch ein bisschen mehr, bis zur Zensur seiner eigenen Meinungsvielfalt.

Nun mit dem überraschenden Fall "Relotius", einem 33 jährigen Möchtegernredakteur mit tatsächlichen Begabungen, der nur nicht den Unterschied zwischen Sache und Tatsache begriffen hatte, der einfach nur ausschmückte, was alle hören und lesen wollten gibt sich der Spiegel selbst die Blöße. Das ist nicht verrewerflich, das machen viele andere auch, aber das kann dem Anspruch des 'höchsten deuten Leitmediums' nicht genügen, mir jedenfalls nicht - oder ging es doch nur um Meinungen? Es ist, als würde die Redaktion in diesen hineinsehen und ... nur sich nicht.

Ja, Redakteur sein, ist hartes Brot. Man arbeitet an etwas, überzeugt die Chefs oder auch nicht und wird in der Regel nicht einmal annähern entsprechend bezahlt, das Budget reicht nie. Manchmal, ach was sage ich, oft auch beides gar nicht.

Wir haben diesen Weg gewählt
Das ist nicht neu, wenn auch aus meist sehr verschiedene Gründen dahinter liegen. Das ist auch nicht schlimm.
Die Schlimmheit ist eine andere. Wenn etwa Staatsredakteur Dirk Kurbjuweit, nicht bekannt für konstruktive, aber stets für hoch kritische Beiträge die Regierung betreffend und die allgemeinen Allgemeinen Situationen, wo jeder eh weis, was los ist, wo der Zeigefinder des gefühlten medialen Olymps die Aufarbeitung ersetzt, wo die Sprache die Klasse macht, die eh in allen Dimensionen schon klar gelegt und erkannt ist.
Da hören wir die Stimme des Der Spiegel aus dem PC von Dirk Kurbjuweit.
Liebe Freunde (ja, das schreibt man sonst zu Anfang), ich kann nicht annährernd erklären, was ihr selbst erleben müsst, um dieses Dilemma zu verstehen. Unten ist der Link zu Kurbjuweits Apologetik. (bitte Lesen)

Schaut auf die Sprache
Schaut auf den Gestus einer weinerlichen Selbstevidenz. Hört Euch die Unterwürfigkeit einer der Spiegel-Ikonen an, wie er erbärmlich versucht, zu rechtfertigen und mit Allgemeinplätzen zu erklären versucht, was er sich selbst nicht erklären kann - seine eigene Abgehobenheit. Britischen und Amerikanischen Qualitätmedien würde so etwas nicht passieren können.
Hier liegt der Focus auf Klarheit und Unbestechlickeit, das bringt den harten Verkauf dort. Deren Währung ist absolute Glaubwürdigkeit, während es hier anders aussieht.
Dort denkt und schreibt man sehr faktisch, während hier Idealisten das Metier beherrschen und die Stuben der Chefredaktionen und Herausgeber soetwas gern sehen, wenn sich die Eleven in ihrem Fahrwasser ihrer eigenen Stromlinienform annährern. Ein Schelm, wer jetzt an den Marsch durch die Institutionden denkt. Aber der Stil ist ein anderer. Neuerdings hängen Behauptungen stärker als Fakten, denn auch oder vielleicht gerade die ersteren fnden geneigtere Leser.

Ja, auch ich habe diese Anwandlungen von versuchten Entschuldigungen, von konjunktiven Erklärungen, aber die hat mir ein gutes Team in Härte und Freundschaft weitestgehend abgewöhnt.
Nach Kurbjuweit, den ich immer lese, während ich nur noch das Gefühl habe genervt zu sein, vollzieht sich hier ein Trauerakt, nein, der einer selbstgewussten Staatstrauer. Das ist aber nur eine um sich selbst. Sie vollzieht sich nach dem Motto: Eigentlich machen wir ja alles richtig. Das kenne ich aus dem Honecker-Land und nicht wenige, die heute noch so denken in Ost und West. Peinlich, denn es klingt wie ein Abgesang. Da würde ich sagen, der wäre berechtigt.

Wie schlimm ist das nun? Gar nicht bis doch. Nicht schlimm ist es, weil sich kaum einer für Details interessiert und daraus kaum ein anderes Bild entsteht.
Schlimm ist es, weil wir verläßliche Fakten brauchen und keine Literatur. Eine politische Reportage darf eben kein Reisebericht sein.
Schlimm ist die Fallhöhe des Spiegels, des selbstgesehen unabdingbar Einzigen seiner selbst.
Das ist sie, nicht nur für den Spiegel, denn wenn Medien nicht mehr verlässlich in koordinierten Maßstäben sind, sind sie, wie Tomas Spahn heute sagte: Groschenromane, denn die sind auch nur gut, wenn was Wahres dran ist.

Da übersteigen leere Sprachhülsen das Faktische, da linguiert lamentöses Getörse (nur ein Beispiel von mir) zum Effekt der Öffentlichkeit. Hannah Ahrendt würde sich im Grab umdrehen, ich tue es heute Nacht bestimmt mehrfach für sie. Mehr nicht, denn mehr ist nicht drin. Mein Freund und ewiger Chef Tomas Spahn würde mich bestimmt erschlagen, würde ich bei solch einer Farce mitmachen oder mich so arrangieren.
Eine Frage bleibt:

Wollt Ihr Euch von solch einem Leitmedium leiten lassen?
Wenn nicht, interressiert mich die Antwort

 

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Autor: Torsten Kurschus
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Sonntag, 23 Dezember 2018









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