Wie ein Hammer auf den Stein

Wie ein Hammer auf den Stein


Ende letzter Woche wurde der Achse eine große Ehre zuteil. In einem vierseitigen Artikel über den amerikanischen Botschafter in Berlin, Rick Grenell, waren wir, die Achse, das Grand Finale.

Von Henryk M. Broder

Der Artikel selbst ist ebenfalls lesenswert, zeigt er doch, dass trotz der Entlassung von Claas Relotius der Geist des gefeierten Reporters immer noch im Haus an der Ericusspitze spukt. 

Da der Botschafter zu einem Gespräch „nicht bereit“ war, konzentrierte sich „die Recherche auf Interviews mit mehr als 30 Informanten, die Grenell in den vergangenen Monaten erlebt und getroffen haben“, unter ihnen „viele amerikanische und deutsche Diplomaten, Kabinettsmitglieder, Abgeordnete, hohe Beamte, Lobbyisten und Angehörige von Thinktanks“. Sie alle waren „bereit, offen zu reden“, wollten sich „aber nicht zitieren lassen“, schreibt Konstantin von Hammerstein.

Wovor hatten die „Informanten“ Angst? Dass ihnen die Pall-Mall-Rationen gekürzt werden? Dass sie zur Strafe Grenells Hund „Lola“ Gassi führen müssen? Dass man ihnen das Wasser, den Strom und CNN abdreht? Jedenfalls waren sich die „Informanten“ erstaunlich einig. „Das Bild, das fast alle Informanten von dem Botschafter zeichnen, ist wenig schmeichelhaft, und es ähnelt erstaunlich dem Mann, der Grenell nach Berlin geschickt hat: Donald Trump.“ Jo mei, wer sonst soll Grenell nach Berlin geschickt haben, wenn nicht der amtierende Präsident?

Wie gesagt, es lohnt sich, diese preisverdächtige Hintergrundgeschichte zu lesen, die zu 90 Prozent aus Mutmaßungen, Unterstellungen und namenlosen Quotes besteht. Der Rest ist Kaffeesatz. „Es sieht nicht so aus, als würde er jemals Nein sagen, wenn Fox News anruft.“

Wie in jeder guten Geschichte kommt das Beste zum Schluss. „Grenell manövriert sich damit immer weiter ins politische Aus. Ende Oktober bittet er in seine Residenz im feinen Villenviertel Dahlem zur Halloweenparty, das Motto: „Superheroes“. Grenell lädt die Berliner Politprominenz ein, doch viele Politiker sagen ab. Wer zusagt, ist Henryk M. Broder von der „Achse des Guten“. Der Islamkritiker gehört bei Grenells Fest zu den prominentesten Gästen. Er kommt verkleidet als Burkafrau.“

Da hat der Kollege knallhart recherchiert. Soll heißen, die Kolumne „Geschlossene Gesellschaft“ in der BILD vom 29.10.2018 gelesen. Und da war auch ein Foto von mir als Burkafrau und der bezaubernden Sawsan Chebli, Staatssekretärin für Bürgerliches Engagement im Berliner Senat, als Köngin von Saba (siehe oben). Seitdem sind wir ziemlich beste Freunde und lesen uns gegenseitig Hammersteins Geschichten aus dem SPIEGEL vor.

Lesen Sie auch: Achse-Autorin Orit Arfa im Jewish Journal über Richard Grenell, den Spiegel und die Deutsche Märchenstraße.

 

Erstveröffentlicht bei der Achse des Guten - Zweitveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.


Autor: Henryk M. Broder
Bild Quelle:


Freitag, 18 Januar 2019






Kommentieren geht wieder? Wunderbar. Die Kritik aus dem deutschen Lager an Grenell (wie auch das Dauergetöse gegen Trump) ist ein untrügliches Zeichen für mangelnde Reife innerhalb des deutschen Medien- und Politzirkus. Über Jahrzehnte hinweg wird aus deutschen Landen mit dem Finger auf die USA gezeigt und wegen jedem noch so kleinen Vorfall die Keule ausgepackt. Dass man in weiten Teilen überhaupt zu solcher Kritik fähig ist, verdienen wir aber dem über Jahrzehnte andauernden Engagement der Amerikaner in Europa. Hätten sich die Amerikaner nicht gegen den Ostblock gestellt, wären wir längst Geschichte. Dass so ein Engagement Eigeninitiative erfordert, ist den über Jahrzehnte hinweg fremdgesteuerten Deutschen natürlich nicht klar. Nun ist die Fremdsteuerung aber seit Mauerfall langsam aber sicher dahingeschwunden, was viele bei uns noch gar nicht bemerkt haben, und wir müssen uns damit abfinden, dass nicht nur wir die Amerikaner kritisieren dürfen, sondern diese uns auch. Daran ist nichts verwerflich und es sollte selbstbewussten und selbstverantwortlichen Menschen auch nicht die Tränen in die Augen treiben. Im Gegenteil, stehen wir zu unserer wiedergewonnen Freiheit und gehen damit verantwortungsbewusst um. Die Zeit der knatschigen Schneeflocken ist vorbei. Endgültig.