Provinz-Possen

Provinz-Possen


Die Wellness-Experten haben es uns Monatelang um die Ohren gebügelt: Daheim bleiben kann so cool und sexy sein!

Provinz-Possen

von Shanto Trdic  

Wohnzimmer – und Freiluftkonzerte via Internet, ein analoges Ständchen vor dem Altenheim, der gemütliche Balkon als nachbarschaftliche Kommunikationsaustauschzentrale: geht locker, rockt fürchterlich: Was sind wir alle glücklich. Die mit viel krampfhafter Anstrengung verordnete gute Laune bestätigte all jene, die es sich aufgrund privater Verhältnisse auch wirklich leisten konnten, den Shutdown auf einer Backe abzusitzen. Entschleunigung funktioniert bestens, hat man genügend Auslauf im eigenen Garten, kann man im Home-Office klönen und morgens beim aufstehen auf den Lärm lästiger Mietgenossen verzichten, denen nebenan gerade wieder die Decke auf den Kopf fällt. Das Gros derer, die auch gern fröhlich sein wollten und infolge widriger Begleitumstände es doch nicht konnten, wird den medialen Wellness-Terror als anmaßend und herabsetzend empfunden haben.

Dieser Tage wird sehr deutlich, wie verlogen das Bild von der Krise als Chance tatsächlich war. Den Leuten hängt Corona zum Halse raus. Sie wollen jetzt, pünktlich zu den Sommerferien, verreisen und haben durchaus kein Verständnis mehr dafür, in den eigenen vier Wänden versauern zu müssen oder, ganz schlimm, statt nach Malle fliegen zu können, nur in den Park gegenüber gehen zu dürfen. Stichwort Gütersloh und Rheda. Dass bei Tönnies billige Saisonarbeiter wie Lohnsklaven gehalten werden und die Arbeitsbedingungen miserabel sind, das war seit Jahren bekannt, das kratzte die wenigsten. Jetzt ist ein echter Aufreger daraus geworden. Man kann nämlich nicht mehr, wie geplant, verreisen. Die ´Opfer´ fühlen sich gemobbt, diskriminiert und ihrer Grundrechte beraubt. Stellen wir uns einen Moment lang vor, besagter Hotspot läge nicht in der westfälischen Provinz sondern irgendwo am Meer, in einer dieser sattsam bekannten, meistenteils total überlaufenen Pauschalidyllen, inklusive Bootsverleih und Gastromeile. Denken wir uns nun die Provinz Bergamo in nächster Nähe zu diesem ´Urlaubsparadies´. Jenes Bergamo also, das im Frühling dieses Jahres wie eine ´Pest-Zentrale´ gehandelt wurde. Hand aufs Herz: Wer von den braven Güterslohern würde auch nur einem von denen erlauben, den heimischen Geschäftsbereich zu betreten? Sie hätten gar kein Verständnis dafür, dass auch diese Leute mal raus wollen, um ihre ganz banalen Bedürfnisse zu befriedigen: nach frischer Luft und schöner Umgebung, Auslauf und geselligem Trubel. Jeder ist und bleibt nun mal sich selbst der Nächste.

Angeblich steht aufgrund unsicherer Auslandsbuchungen den Urlaubsorten an Ost- und Nordsee ein gewaltiger Ansturm bevor. Ich kann mir das gut vorstellen. Es muss also auch weiterhin das gewohnte Ambiente sein, wie im letzten, wie in jedem Jahr. Malle zum Vorzugspreis oder Fehmarn mit Aufschlag. Die Leute rennen dort lieber den ganzen Tag bei sengender Hitze mit der verordneten Gesichtsmaske herum, statt in ihrer näheren Umgebung auf den Atemkiller zu verzichten um sich einfach nur zu erholen. Ob wir wirklich, wie so oft beteuert und behauptet worden ist, aus dieser Krise etwas gelernt haben?

Ihnen allen schöne und erholsame Sommerferien.


Autor: Dr. Nathan Warszawsk
Bild Quelle:


Freitag, 26 Juni 2020

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