Christian Drosten - Ein Mann für alle Fälle

Christian Drosten - Ein Mann für alle Fälle


Im März äußerte sich Christian Drosten noch sehr beschwichtigend über die Corona-Pandemie. Zugleich beschrieb er bereits damals die psychologische Wichtigkeit des Tragens von Masken, die es „unsozial“ mache, ohne herumzulaufen.

Christian Drosten - Ein Mann für alle Fälle

Von Uwe Jochum.

Es gehört zu den interessantesten Zügen der Geschichte, dass das, was am Anfang einer Entwicklung noch als Grundlage bewusster Entscheidungen diente, alsbald ins Unterbewusstsein rutscht und von dort aus den weiteren Verlauf der Entwicklung als Stimmung und Atmosphäre prägt. Wer in dieser Stimmungsphase mit guten Gründen den getroffenen Entscheidungen widerspricht, hat keine Chance, denn er erreicht mit seinen Gründen die Stimmungsebene nicht. Wo sich alle in der wohligen Atmosphäre einer von allen für gut befundenen Tendenz eingerichtet haben, ist das abweichende Argument, so richtig es auch sein mag, nichts weiter als ein Stimmungsverderber, auf den man mit Aversion und Aggression reagiert. Erst wenn sich die allgemeine Stimmung auszuschwingen beginnt und man im allmählichen Aufwachen bemerkt, dass der Gemeinschaftsrausch zu einem mächtigen Kater führen wird, treten die ursprünglichen Gründe wieder zutage. Dann wird man schlagartig nüchtern und sieht erstaunt, dass man sich einmal im Kreis gedreht hat und wieder am Anfang steht. Nur eben mit Kater und kaputt.

So ist es ja ganz erstaunlich, mit welcher Klarheit der Virologe Christian Drosten in der Bundespressekonferenz vom 2. März 2020 (anzuschauen hier) „Corona“ und seine Gefährlichkeit charakterisiert hat:

„Wir haben viele milde Fälle. Diese Erkrankung ist eine milde Erkrankung; es ist eine Erkältung in erster Linie, eine Erkältung, die mehr so die unteren Atemwege betrifft. Die ist im Prinzip für den einzelnen gar kein Problem.“ (Minute 3:50–4:10) Und eine Woche später erklärte Jens Spahn amtlich als Gesundheitsminister (siehe hier):

„Nach jetzigem Wissensstand verläuft eine Infektion mit dem Coronavirus für 80 Prozent der Infizierten milde oder sogar symptomfrei. Für Menschen unter 50 ist das Risiko vergleichsweise sehr gering. Alle bisher bekannten Symptome – Schnupfen, Niesen, Fieber, Husten, Atemnot – werden jeden Tag vielfach im deutschen Gesundheitswesen behandelt. […] Die Erkrankung verläuft in seltenen Fällen schwer, mit einer Lungenentzündung, die eine Behandlung auf der Intensivstation erforderlich macht. Das größte Risiko für diese schwereren Verläufe haben Menschen über 65 Jahre und chronisch Kranke.“

Es spricht nichts für eine Beibehaltung der Maskenpflicht

Im September 2020 klingen diese im März geäußerten Sätze wie das längst fällige Fazit der „Corona-Pandemie“: Am Ende sind wir so klug, wie wir am Anfang schon waren. Und das heißt, dass wir in dem sich ankündigenden gesellschaftlichen Massenkater, verursacht vom billigen Panik-Fusel, wie ihn vor allem die staatlich administrierten Massenmedien lieferten, wieder mit einer Welt zurechtkommen müssen, in der die neuen Infektionskrankheiten exakt so aussehen wie die alten, Impfungen wie früher schon als ultimatives Heilsversprechen gehandelt werden und alle auf das nächste Panik-Event warten.

Die Welt, so scheint es, hat sich insgesamt gar nicht verändert. Aber so scheint es nur. Denn zwei Veränderungen lassen sich auch bei allerbester Veränderungsresilienz nicht übersehen: Zum einen haben vor allem die westlichen Industriestaaten ihre Wirtschaft an die Wand gefahren, und zum anderen trägt alle Welt jetzt „Masken“. In ihnen verdichtet sich symbolisch, wohin die Reise in den vergangenen Monaten gegangen ist und wohin sie weiter gehen wird, wenn wir uns jetzt, am Ende des massenpsychotischen Katers, nicht endlich Rechenschaft darüber ablegen, warum wir begonnen haben, Masken zu tragen.

Diese Rechenschaftslegung führt uns zunächst darauf, dass die seit Monaten verfügbaren Test-, Infektions- und Sterbezahlen keine Zweifel daran lassen, dass das Virus entweder längst mutiert oder längst Herdenimmunität erreicht ist (oder beides), weshalb nur noch sehr wenige Menschen an Corona erkranken und noch viel weniger Menschen an Corona sterben. Wenn das Virus aber keine gesellschaftliche Bedrohung mehr ist (und wir wissen ebenso längst: es war nie eine Bedrohung), dann ist das staatlich angeordnete Tragen einer Maske mit dem Gesundheitsschutz nicht mehr zu legitimieren. Und selbst wenn man – aus Gründen einer angesichts der realen Lage völlig überzogenen Vorsicht – die Maske beibehalten wollte, hätte man das zusätzliche Begründungsproblem, dass die Maske, die uns im Alltag überall als „Alltagsmaske“ begegnet, die Ausbreitung des Virus über Aerosole, die wir mit dem Atmen in die Umgebung schicken, nicht verhindern würde.

Denn das Virus geht im Gepäck der Aerosole nicht nur durch die Alltagsmaske glatt hindurch, sondern auch durch eine Vielzahl anderer Masken, mit denen uns eine findige Maskenindustrie inzwischen so reichlich versorgt. Wer das Thema in den letzten Monaten verfolgt hat und sich von dem Heidelberger Arzt Gunter Frank hier auf der „Achse“ auf den neuesten Stand hat bringen lassen, wird daher längst zu dem Schluss gekommen sein, dass bei einer gründlichen Abwägung der verfügbaren Studien nichts für eine Beibehaltung der Maskenpflicht spricht.

„Diese Schwäche der Masken gibt es eindeutig“

Nun ist es natürlich nicht jedermanns Sache, diese Debatte Woche für Woche zu verfolgen und die Dinge selber gründlich abzuwägen. Das überfordert uns schnell, und wir fühlen uns wohler, wenn wir von anerkannten Experten hören, wie es um die Sache bestellt ist. Das kürzt die Urteilsfindung ab: Der Experte hat für uns alle mitgedacht und – so dürfen wir vermuten – ein sachhaltiges Urteil gefällt. Das geht im Falle der Maske zunächst auch ganz fix, denn der anerkannte Virologe Christian Drosten hat sich zu diesem Thema in einer Fülle von Statements geäußert. So sagte er im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“, Folge 15 vom 17. März 2020:

„Also das Einatmen eines mittelgroßen Aerosols, das gerade in diesem Moment in der Luft steht, das wird wahrscheinlich durch diese Masken nicht abgehalten. Es ist tatsächlich in der Betrachtung so, also das ist das, was wir denken, dass dieses Einatmen durch diese Maske nicht verhindert wird.“

Und diese Erkenntnis vom März hat sich für Drosten und seine Podcast-Hörer nach einem halben Jahr nicht verändert („Coronavirus-Update“, Folge 54 vom 2. September):

„Beim Aerosol kann man sagen: Diese Tröpfchen in dieser ausgeatmeten Aerosol-Luft, die sind so fein, dass die sich nicht in dem Stoff einer schlechtsitzenden Maske fangen. Die atmet man also aus, an der Maske vorbei. Und die atmet man auch ein, an der Maske vorbei. Das muss man sich klarmachen. Diese Schwäche der Masken gibt es eindeutig. Darüber lässt sich nicht diskutieren. Das heißt, sowohl der Fremd- als auch der Selbstschutz ist nach dieser einfachen Überlegung zunächst mal eingeschränkt.“

Einfluss der Masken auf Virusgeschehen fraglich

Wer nun aber meint, dass damit für Drosten und seine Hörer in Öffentlichkeit und Politik das Maskenthema beendet ist, wird erstaunt feststellen, dass das nicht der Fall ist. Denn Drosten geht mit zwei Argumenten in die Verlängerung der Debatte. Das erste Argument lautet, eine Maske würde etwa beim Niesen die direkte Exposition des Gegenübers mit virusbeladenem Nasensekret (und bei Husten mit Hustensekret) erschweren:

„Wenn ich niese, dann verteile ich kleinste Tröpfchen. Und wenn ich ein Stück Tuch vor dem Mund habe, das kann entweder so ein Zellulose-Tuch sein wie bei einer gekauften Maske, oder es kann auch natürlich ein Schal sein oder irgendetwas, diese großen Tröpfchen werden dann abgefangen. Da lässt sich nichts dran diskutieren. Und das ist natürlich gut.“ (Coronavirus-Update, Folge 19 vom 23. März 2020)

Und das zweite Argument lautet, dass eine Maske die Ausbreitung des Virus behindere, weil beim Atmen mit Maske sich die von den Aerosolen mitgetragenen Viren in einem Raum langsamer ausbreiten würden; die Maske habe daher einen gewissen Wert als Fremdschutz und Ansteckungsverzögerer in Innenräumen.

Bleiben wir zunächst beim zweiten Argument. Es klingt zwar plausibel, aber bei näherem Hinschauen reicht diese Plausibilität nicht sehr weit. Denn je länger wir uns mit einer infizierten Person im selben Raum aufhalten, desto mehr füllt sich die Raumluft mit virustragenden Aerosolen, die wir auch mit Maske ein- und ausatmen: durch den Maskenstoff hindurch und am Maskenstoff vorbei. Die Frage ist daher die, ob die durch das Tragen von Masken verzögerte Ausbreitung des Virus in Innenräumen einen signifikanten Unterschied im Gesamtablauf des Virusgeschehens macht. Die Antwort darauf finden wir erstaunlicherweise nicht bei Drosten, sondern in den vielen Studien, die ebendieser Frage nachgegangen sind und von Gunter Frank (siehe oben) bündig zusammengefasst wurden: Es gibt keine wissenschaftliche Evidenz dafür, dass die Masken auf die Ausbreitung des Virus in einer Population einen Einfluss haben.

Sich blind auf Konventionen verlassen

Nicht viel besser steht es um das erste Argument: Wenn die Ausbreitung des Virus hauptsächlich über Aerosole stattfindet, wie es inzwischen herrschende Lehre ist, dann ist die gelegentliche direkte Übertagung des Virus durch Tröpfcheninfektion für die Ausbreitung des Virus insgesamt vernachlässigenswert. Sie fällt statistisch gesehen nicht ins Gewicht.

Dass beide Argumente in der öffentlichen Debatte dennoch funktionieren, liegt daran, dass sie einen ganz eigenen Charme haben, den keine epidemiologische Statistik jemals haben könnte. Es ist der Charme der Alltags- und Naherfahrung, die jeder von uns machen kann: Wir haben durch Erziehung und gemeinsame Erfahrung gelernt, dass beim Husten die Hand vor dem Mund und beim Niesen der Schal vorm Gesicht ein gutes Signal sind, um dem Gegenüber mitzuteilen, dass man es nicht ungeschützt mit Eigensekret überschütten möchte.

Wie hoch die Schutzwirkung solcher Gesten wirklich ist, haben wir gar nie gewusst, und es hat uns im Grunde auch nie interessiert, denn es kam viel eher darauf an, im Rahmen einer gesellschaftlichen Konvention zu bleiben, deren Sinn darin besteht, die Reibungsverluste, die beim Kontakt von Mensch zu Mensch entstehen, möglichst zu reduzieren. Wer eine gute Erziehung hatte und in der Gesellschaft seine Erfahrungen machen konnte, der weiß eben, was sich gehört und was nicht. Und er verlässt sich blind darauf, dass Konventionen schon irgendeinen Sinn machen.

„Es wird geradezu geächtet, ohne Maske rumzulaufen“

Man muss daher feststellen, dass die beiden zuletzt genannten und von Drosten ins Spiel gebrachten Argumente nun zwar mit der Expertise eines gewichtigen Virologen aufgeladen wurden und dabei den Schein erzeugten, die Sache habe virologisch Hand und Fuß. Aber bei näherem Hinsehen ist es eben nur ein Schein. Denn unbemerkt von den NDR-Podcasthörern – und wohl auch von Drosten selbst nicht bemerkt – sind wir von der Ebene der Wissenschaft auf die Ebene der Alltags- und Naherfahrung gesprungen. Auf dieser Ebene sind wir nicht nur allesamt gleich kompetent, sondern haben auch in einer gemeinsamen Geschichte Erfahrungen gesammelt, die uns unseren Alltag so zu leben gestatten, dass es nicht katastrophisch ausgeht. Man nennt das Bildung und Kultur, und dabei geht es am Ende darum, wer wir sind und sein wollen.

An dieser Stelle wird es nun freilich äußerst interessant. Denn nachdem wir verstanden haben, dass wir uns mit Drosten längst nicht mehr über Viren und ihre Gefahren unterhalten, sondern dass es um die Regulierung unseres Sozialverhaltens und einen darin einbeschlossenen gesellschaftlichen Zukunftsentwurf geht, stellt sich natürlich die Frage, wohin unsere Kultur durch das Tragen der Maske geführt werden soll. Das aber hat Drosten uns schon im März verraten:

„Man denkt immer, man schützt sich selbst mit der Maske. In Wirklichkeit aber schützt man andere. Das ist ein guter psychologischer Effekt eigentlich, wenn wirklich diese Masken in der Breite vorhanden sind. Und wenn dann, wie in asiatischen Ländern dieser Effekt einsetzt, dass jeder eine Maske tragen muss, weil er sonst einen Fehler macht. Egal, ob man nochmal drüber nachdenkt, egal, in welche Richtung dieser Fehler jetzt ist. Aber es ist falsch, ohne Maske rumzulaufen und es wird geradezu geächtet, ohne Maske rumzulaufen. Es ist unsozial, das zu tun. Dann fängt es an, sehr viel Sinn zu machen.“ („Coronavirus-Update“, Folge 15 vom 17. März 2020)

Maske als soziales Disziplinierungsmittel

Hier wird also kurzerhand eine asiatische Praxis für vorbildlich erklärt, ohne dass Drosten sich und seinen Hörern Rechenschaft darüber geben würde, inwiefern es Sinn macht, die Maske aus der asiatischen Schamkultur in die europäische Schuldkultur zu verpflanzen. Dort, in Ostasien, mag die Maske dazu dienen, dem Gegenüber den Anblick eines kranken Menschen, dessen Leiden sich im Ausdruck des Gesichts verdichtet, zu ersparen; und sie mag dazu dienen, gegenüber dem Kollektiv jene Scham zu verhindern, die unweigerlich einsetzen müsste, wenn man unwillentlich eine Infektion weitergegeben hätte.

Hier aber, in Europa und den von ihm geprägten Kulturen, wird aus der Maske ein Disziplinierungsmittel, das aus den Maskenverweigerern unsoziale Subjekte macht, die, weil sie die Ausbreitung des Virus scheinbar nicht verhindern (wollen), an der Gesellschaft schuldig werden. Das führt in Europa und seinem kulturellen Umkreis dazu, dass die Maske, sobald sie sich als soziales Disziplinierungsmittel bewährt hat, auch ohne jeden viralen Anlass immer weiter eingesetzt werden kann. Und von jedem dieser weiteren Einsatzgebiete kann man dann in perfekter Maskenlogik sagen: „Da fängt es an, sehr viel Sinn zu machen.“

Das erklärt, warum der Kampf um die Maske inzwischen zum entscheidenden Politikum der Merkel-Regierung geworden ist: Auf der einen Seite soll die Beibehaltung der Maskenpflicht das seit dem Frühjahr immer deutlicher zutage tretende Politikversagen dadurch maskieren, dass das Weitertragen der Maske das Weiterbestehen einer pandemischen Virusgefahr signalisiert, durch die alle getroffenen Entscheidungen sich legitimiert finden. Auf der anderen Seite soll durch das Ablegen der Maske das politische Versagen demaskiert werden, um einer gesellschaftliche Neuorientierung Raum zu geben.

Die Wahrheit und die Zeit arbeiten dabei gegen die Maske. Das liegt nicht nur daran, dass sich, je länger, desto weniger verheimlichen lässt, dass das Tragen von Masken auf die Ausbreitung des Virus keinerlei Einfluss hat. Es liegt vor allem daran, dass, je länger, desto mehr die Maske als Disziplinierungsmittel sichtbar wird. Denn immer mehr Menschen, die vor einem halben Jahr in einem lässlichen Fürsorgestaat und mit einem politischen Personal, das man gerne als „Mutti“ apostrophierte, in den Lockdown gegangen sind, finden sich nun am Ende der panikinduzierten Massenpsychose und am Anfang des Corona-Katers im Bett mit einer Domina wieder, deren Lederpeitsche der Experte war, mit dem sie uns die Lust auf die Freiheit auszutreiben begann. Und während die Domina schreit, sie wolle die Zügel anziehen, stehen wir noch etwas benommen vom Bett auf und schauen wie durch einen Nebel auf ein Land ohne Maske. Und dann drehen wir uns um und sagen ihr: „Es ist aus.“

 

Erstveröffentlicht bei der Achse des Guten


Autor: AchGut
Bild Quelle: Tagesschau/Screenshot


Freitag, 18 September 2020

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