Henryk M. Broder: Schweden, unser großes Vorbild

Henryk M. Broder:

Schweden, unser großes Vorbild

Schweden, unser großes Vorbild


Am 5. September erschien in der Augsburger Allgemeinen ein längeres Interview mit dem Pastor einer Freikirche, der einen Verein gegen Menschenhandel gegründet hatte.

Schweden, unser großes Vorbild

Von Henryk M. Broder

Die Überschrift lautete: „Pfarrer will Sex mit Prostituierten verbieten“. Gleich zu Anfang des Interviews stellte der Geistliche allerdings klar, er denke nicht an ein generelles Verbot der Prostitution, er wolle nur „etwas tun für Frauen, die in der Prostitution ausgenutzt und ausgebeutet“ würden. Prostitution funktioniere nur, „weil die Nachfrage da ist“, würde „die Nachfrage minimiert“, würde es auch „weniger Prostitution geben“. Deswegen müssten nicht die Prostituierten, sondern die Freier verfolgt werden, eine Idee, die in Schweden bereits praktiziert würde.

Interessant am „schwedischen Modell“ sei, dass „die Frauen, die auf dem Straßenstrich stehen, nicht dafür belangt werden. Sie dürfen da stehen. Wenn die Polizei aber sieht, dass ein Mann zu der Frau geht, dann wird dieser Mann für den versuchten Sexkauf belangt“.

Noch mindestens dreimal mehr erklärt der Augsburger Geistliche Schweden zum Vorbild. „In Schweden gibt es seit dem Verbot des Sexkaufs nicht mehr Vergewaltigungen, sondern eher weniger.“ - „In einem Land wie Schweden, wo Sexkauf verboten ist, ist eine Bewusstseinsänderung entstanden. Frauen sind keine Ware.“ – „Aber es gibt ja gute Vorbilder, allen voran waren es die Schweden, die vor mehr als zehn Jahren ein Gesetz eingeführt haben, das Sexkauf unter Strafe stellt.“

Jetzt kommen die Prostituierten zu den Freiern

Wie weit Schweden im Kampf gegen Prostitution und Vergewaltigungen als Vorbild taugt, darüber gehen die Ansichten und Berichte auseinander. Was Prostitution angeht, scheint es so zu sein, dass mehr Prostituierte zu den Freiern gehen als umgekeht. Die Pizza-Lieferdienste boomen, was nach der Zustellung passiert, kann die Polizei nicht kontrollieren. In der Vergewaltigungs-Statistik hält Schweden einen Spitzenplatz, was einige Experten damit erklären, dass „Vergewaltigung“ in Schweden strenger definiert wird als in anderen europäischen Ländern. Andere sehen einen Zusammenhang zwischen Zuwanderung und sexueller Gewalt. Hier, hier und hier. Wie immer kommt es darauf an, wie man eine Statistik erstellt und sie hinterher interpretiert.

Neugierig geworden, schrieb ich den Pastor an und bat ihn, mir eine „verlässliche Quelle“ für seine Behauptung zu nennen, in Schweden gebe es „seit dem Verbot des Sexkaufs nicht mehr Vergewaltgungen, sondern eher weniger“. Es dauerte eine Weile, bis ich eine Antwort bekam. Der Pastor zog erst einmal Erkundigungen über mich ein und schickte mir dann eine lange E-mail, in der er u.a. darüber räsonierte, „wie man das gängige Frauenbild in unserer Gesellschaft“ ändern könnte, „das Frauen zu einer Ware degradiert, die man kaufen und verkaufen darf, wie man will.“ – „Außer der Idee eines Sexkaufverbotes, wie es in Schweden seit 1999 existiert, ist mir bisher keine sinnvolle Alternative bekannt.“

Es gibt keine verlässliche Studie oder ähnliches

Auf meine konkrete Frage nach einer „verlässlichen Quelle“, teilte er mir mit: „Tatsächlich habe ich länger darüber nachgedacht, ob ich den Satz im Interview, in dem ich behaupte, dass es in Schweden „seit dem Verbot des Sexkaufs nicht mehr Vergewaltigungen, sondern eher weniger“ gibt, streichen lassen soll. Denn ich habe dazu keine verlässliche Studie oder ähnliches. Nur die Einschätzung eines Partners in Schweden, mit dem wir im Gespräch sind. Die Studien, die es zum Thema Vergewaltigungen gibt, beziehen sich fast immer auf angezeigte Vergewaltigungen. Damit ist aber nichts zur Dunkelziffer und zur tatsächlichen Zahl der Vergewaltigungen gesagt. Ich habe mich letztlich doch entschieden, den Satz im Interview zu belassen, um dadurch zu provozieren und Menschen ins Nachdenken zu bringen und sie zu motivieren, selbst zu dem Thema zu recherchieren.“

Ein toller religionspädgogischer Ansatz. Man behauptet etwas, für das es keinen Beleg gibt, und sagt hinterher, man habe „Menschen ins Nachdenken... bringen“ und sie motivieren wollen, „selbst zu dem Thema zu recherchieren“.

Das Modell ist ausbaufähig. Wie wäre es damit: Ich behaupte, die Erde ist rund, aber flach wie eine Karlsbader Oblate und fordere Sie auf, selbst zu dem Thema zu recherchieren. Sollten Sie Hilfe brauchen, wenden Sie sich an einen Pfarrer ihres Vertrauens.

 

Erstveröffentlicht bei der Achse des Guten - Zweitveröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Autors.


Autor: Henryk M. Broder:
Bild Quelle: Malene Tyssen) CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons


Montag, 11 März 2019






Auch ein falscher Ansatz kann zu einem positivem Ergebnis führen, ob das aber in diesem Fall wirklich greift würde ich genauso bezweifeln. Persönliche Einschränkungen und Aberkennungen von Menschenrechten brauchen nicht nur ein Verbot sondern auch Menschen die sich daran halten, das kann ich bei den Männern nicht erkennen. Statistischer Nachweis: Von der Urzeit bis Heute waren die Frauen immer die Ausgebeuteten und Opfer jedes Krieges. Momentaner Nachweis: Die Messeropfer sind in der Mehrzahl Frauen.


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