Britische Polizeivereinigung unter Druck, während Judenhass in London stark zunimmtBritische Polizeivereinigung unter Druck, während Judenhass in London stark zunimmt
Eine muslimische Polizeivereinigung soll Israel als „zionistische Terrorgruppe“ bezeichnet und Hamas relativiert haben. Der Fall trifft Großbritannien in einer Lage, in der jüdische Bürger immer mehr Schutz brauchen.

Bildnachweis: Symbolbild
In London steigt der Druck auf jüdische Gemeinden, und genau in diesem Moment gerät eine polizeinahe muslimische Vereinigung wegen eines schwer belastenden Dokuments in die Kritik. Nach Berichten von Ynet, The Spectator, Jewish News und JNS soll die National Association of Muslim Police in Großbritannien ein Papier veröffentlicht haben, in dem IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen beziehungsweise die israelischen Streitkräfte als „zionistische Terrorgruppe“ bezeichnet wurden. Das Dokument soll inzwischen von der Internetseite der Vereinigung entfernt worden sein. Laut den Berichten stellte das Papier ZionismusZionismus: Das Recht der Juden auf SelbstbestimmungZionismus bezeichnet die jüdische Nationalbewegung, die für die Rückkehr des jüdischen Volkes in seine historische Heimat und für jüdische Selbstbestimmung im Land Israel eintrat. Der moderne Zionismus entstand im 19. Jahrhundert als Antwort auf Antisemitismus, Verfolgung und Entrechtung.Mehr lesen als eine Erscheinungsform antimuslimischen Hasses dar und sprach im Zusammenhang mit den HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Verbrechen vom 7. Oktober von „unbestätigten Geschichten“ über Gewalttaten. Damit steht nicht nur eine einzelne Formulierung zur Debatte, sondern die Frage, wie ein solches Papier im Umfeld britischer Polizeistrukturen überhaupt entstehen und öffentlich verbreitet werden konnte.
Der Vorgang wäre schon für sich genommen schwerwiegend. Noch brisanter wird er durch die aktuelle Sicherheitslage in London. Nach Zahlen der Metropolitan Police, über die The Independent, Jewish News und Ynet berichten, wurden im Mai 255 antisemitische Hassdelikte in London registriert. Im April waren es 148. Das entspricht einem Anstieg um 72 Prozent und gilt als der stärkste monatliche Sprung seit Ende 2023. Besonders betroffen war Barnet im Norden Londons, zu dem unter anderem Golders Green, Hendon und Finchley gehören. Dort leben große jüdische Gemeinden. Allein in Barnet wurden 76 antisemitische Vorfälle gezählt, also rund 30 Prozent aller in London registrierten Fälle. Weitere Vorfälle wurden unter anderem in Hackney, Westminster, Camden, Haringey und Tower Hamlets gemeldet.
Zu den besonders erschütternden Fällen im Mai gehörten nach den Berichten ein Brandanschlag auf eine frühere Synagoge in Whitechapel am 5. Mai sowie ein Video, in dem ein Mann drohte, Juden würden „enthauptet“. Die Polizei griff in Tower Hamlets ein. Gleichzeitig stiegen auch islamfeindliche Straftaten in London deutlich: Im Mai wurden 179 islamfeindliche Vorfälle registriert, ein Plus von 33 Prozent gegenüber April. Diese Zahlen zeigen, dass London insgesamt ein massives Problem mit Hasskriminalität hat. Doch der Fall der National Association of Muslim Police trifft einen besonders empfindlichen Punkt: Ausgerechnet in einer Zeit, in der Juden mehr Schutz durch die Polizei benötigen, wird eine Polizeivereinigung mit einem Papier in Verbindung gebracht, das Israel dämonisiert und Hamas sprachlich entlastet.
Die Hamas ist in Großbritannien als Terrororganisation verboten. Das ist keine politische Meinung, sondern rechtliche Realität. Seit November 2021 ist die Hamas in ihrer Gesamtheit auf der britischen Liste verbotener Terrororganisationen geführt. Vor diesem Hintergrund ist es besonders problematisch, wenn ein Dokument einer polizeinahen Vereinigung nach den vorliegenden Berichten den Eindruck erweckt, die Gräueltaten vom 7. Oktober seien vor allem eine Frage unbestätigter israelischer Erzählungen. Am 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen ermordeten Hamas-Terroristen in Israel Zivilisten, verübten Massaker, verschleppten Geiseln und griffen den jüdischen Staat in einer bis dahin beispiellosen Brutalität an. Wer diese Verbrechen sprachlich in den Bereich bloßer „Geschichten“ verschiebt, verharmlost nicht nur Gewalt. Er beschädigt die Grundlage, auf der jüdische Opfer und ihre Angehörigen überhaupt ernst genommen werden.
Jüdische Organisationen in Großbritannien reagieren entsprechend scharf. Die Campaign Against Antisemitism fordert eine offizielle Untersuchung. Stephen Silverman, Direktor für Ermittlungen und Durchsetzung der Organisation, sprach gegenüber der Daily Mail von einem extremistischen Text und verlangte, Verantwortliche müssten durch die zuständigen Stellen innerhalb der Polizeibehörden untersucht werden. Auch das Board of Deputies of British Jews äußerte schwere Bedenken. Die Organisation erklärte, das Dokument enthalte falsche Darstellungen über jüdische Identität, jüdische Geschichte und AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen. Sollte ein solches Papier unter Polizeibeamten verbreitet worden sein, stelle dies eine direkte Herausforderung für die Integrität der Polizeiarbeit dar.
Dabei geht es nicht darum, muslimische Polizisten unter Generalverdacht zu stellen. Das wäre falsch und würde dem Problem nicht gerecht. Es geht um institutionelle Verantwortung. Eine Polizei muss allen Bürgern gleichermaßen Sicherheit bieten. Sie muss jüdische Gemeinden schützen können, ohne in Teilen ihres eigenen Umfeldes Begriffe zu dulden, die jüdische Selbstbestimmung delegitimieren. Sie muss antimuslimischen Hass bekämpfen, ohne IsraelhassAnti-Zionismus: Wenn Israelhass als Politik getarnt wirdAnti-Zionismus bezeichnet die Ablehnung des Zionismus und damit häufig die Ablehnung jüdischer Selbstbestimmung im Staat Israel. Nicht jede Kritik an israelischer Politik ist antisemitisch. Anti-Zionismus wird jedoch dort antisemitisch, wo Israel delegitimiert, dämonisiert oder mit doppelten Maßstäben behandelt wird.Mehr lesen als Antirassismus zu verpacken. Und sie muss klar unterscheiden zwischen legitimer Kritik an israelischer Politik und der Dämonisierung des jüdischen Staates.
Gerade diese Grenze scheint in dem berichteten NAMP-Papier überschritten worden zu sein. Zionismus pauschal als Erscheinungsform antimuslimischen Hasses darzustellen, trifft nicht nur eine politische Position. Es trifft den Kern jüdischer nationaler Selbstbestimmung. Der Zionismus ist die Bewegung für das Selbstbestimmungsrecht des jüdischen Volkes in seiner historischen Heimat. Wer ihn pauschal als Hassideologie markiert, verschiebt jüdische Existenz in die Rolle eines Problems. Wenn dieselbe Logik dann auch noch mit einer Relativierung der Hamas-Verbrechen vom 7. Oktober verbunden wird, entsteht ein gefährliches Muster: Israel wird zum Täter erklärt, Hamas wird sprachlich entlastet, jüdische Sicherheitsinteressen erscheinen als Zumutung.
Das alles geschieht nicht im luftleeren Raum. Bereits im Mai richtete die Metropolitan Police eine spezialisierte Einheit mit rund 100 Beamten zum Schutz jüdischer Gemeinden in London ein. Reuters berichtete, die Einheit solle unter anderem Nachbarschaftspolizei, Schutzaufgaben und Terrorabwehr stärker bündeln. Hintergrund waren mehrere antisemitische Angriffe, darunter ein Messerangriff im jüdisch geprägten Golders Green, Brandanschläge und weitere Bedrohungen. Der damalige öffentliche Druck war so hoch, dass selbst hohe Polizeivertreter einräumten, jüdische Bürger seien in London aktuell nicht ausreichend sicher.
Auch außerhalb der Polizei wächst der Befund, dass Antisemitismus in britischen Institutionen nicht als Randproblem behandelt werden kann. Der Anfang Juni veröffentlichte Bericht von Lord John Mann zum Antisemitismus und anderen Formen von Rassismus im britischen Gesundheitswesen beschreibt ernsthafte Probleme im NHS. Nach Angaben der britischen Regierung wurden die Empfehlungen des Berichts angenommen. Der Guardian berichtete über jüdische Patienten und Mitarbeiter, die Ausgrenzung, Einschüchterung und Missbrauch erfahren hätten. Manche jüdische Patienten hätten Behandlungen verzögert oder vermieden, weil sie Diskriminierung befürchteten. Das ist ein alarmierender Befund für ein Land, das sich gern als liberale Demokratie mit starken Institutionen versteht.
Damit ergibt sich ein Gesamtbild, das man nicht kleinreden darf: In London steigen antisemitische Straftaten deutlich. Jüdische Gemeinden brauchen zusätzliche Polizeieinheiten. Im Gesundheitswesen wird Antisemitismus als ernstes institutionelles Problem benannt. Und gleichzeitig steht eine muslimische Polizeivereinigung wegen eines Dokuments unter Druck, das nach mehreren Berichten Israel als terroristisch bezeichnet, Zionismus verzerrt und Hamas relativiert haben soll. Das ist kein isolierter Betriebsunfall. Es ist ein Vertrauensproblem.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, ob das Dokument gelöscht wurde. Löschen ist keine Aufklärung. Die Behörden müssen klären, wer das Papier verfasst hat, wer es geprüft hat, wer es freigegeben hat, wie lange es öffentlich war und ob es in Schulungen, internen Netzwerken oder polizeilichen Zusammenhängen verwendet wurde. Ebenso wichtig ist eine klare inhaltliche Distanzierung. Nicht nur von einzelnen Begriffen, sondern von der gesamten Logik dahinter: Israel als „terroristisch“ zu bezeichnen, während Hamas relativiert wird, ist keine Bekämpfung von Rassismus. Es ist eine Verdrehung, die jüdische Bürger in einem ohnehin gefährlichen Klima zusätzlich verunsichert.
Ein Rechtsstaat lebt vom Vertrauen seiner Bürger. Für jüdische Bürger in London ist dieses Vertrauen derzeit besonders verletzlich. Wenn sie erleben, dass antisemitische Vorfälle stark steigen, dass Schutzmaßnahmen ausgebaut werden müssen und dass zugleich aus dem Umfeld einer Polizeivereinigung solche Narrative bekannt werden, dann ist Misstrauen keine Überempfindlichkeit. Es ist eine nachvollziehbare Reaktion auf eine reale Lage.
Großbritannien steht deshalb vor einer klaren Aufgabe. Antisemitismus darf nicht erst dann ernst genommen werden, wenn Synagogen brennen, Menschen bedroht werden oder Polizeieinheiten nachgerüstet werden müssen. Er muss dort bekämpft werden, wo er sich als Sprache der Gerechtigkeit tarnt, als Antirassismus auftritt und am Ende doch wieder Juden, Israel und jüdische Selbstbestimmung zum Problem erklärt. Gerade Polizeistrukturen müssen hier besonders sauber sein. Wer Sicherheit garantieren soll, darf nicht den Eindruck erwecken, bei jüdischer Sicherheit mit zweierlei Maß zu messen.
Der Fall NAMP ist deshalb mehr als eine peinliche Verbandsaffäre. Er ist ein Test für die britische Polizei, für die Regierung und für den Umgang mit Antisemitismus in öffentlichen Institutionen. Jüdische Bürger müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Sicherheit nicht von politischen Stimmungen abhängt. Und sie müssen sich darauf verlassen können, dass ausgerechnet jene, die sie schützen sollen, Hamas-Verharmlosung und Israel-Dämonisierung nicht als legitimen Beitrag zur Antirassismusarbeit behandeln.
Autor: Redaktion
Dienstag, 09 Juni 2026