Der kranke Nahe Osten

Der kranke Nahe Osten


Der kranke Nahe Osten

von Prof. Daniel Pipes, National Review Online

Dass gerade Fallujah im Irak an mit der Al-Qaida verbundene Gruppen gefallen ist, bietet eine nicht willkommene Erinnerung an die amerikanischen Ressourcen und Leben, die 2004 und 2007 zur Kontrolle der Stadt geopfert wurden - für all die Mühen, die das gekostet hat, gibt es jetzt nichts vorzuweisen. Gleichermaßen verhinderten Hunderte Milliarden Dollar Investitionen zur Modernisierung Afghanistans nicht die Freilassung von 72 Häftlingen, die Amerikaner angegriffen haben.

Diese beiden Beispiele deuten auf einen weitreichenden Schluss: Es gibt Krankheiten, die im Nahen Osten (mit der Ausnahme des bemerkenswerten Israel) derart tief verwurzelt sind, dass Mächte von außen sie nicht abstellen können. Hier eine kurze Zusammenfassung:

Das Wasser geht aus. Ein Damm, der am Blauen Nil in Äthiopien gebaut wird, droht Ägyptens Hauptwasserquelle auf Jahre hinaus um verheerende Mengen zu reduzieren. Syrien und der Irak leiden unter Wasserkrisen, weil die Flüsse Euphrat und Tigris austrocknen. Die Züchtung der Narkotik-Pflanze Qat verschlingt einen Großteil der begrenzten Wasservorräte des Jemen, was Sana´a zur ersten modernen Hauptstadt machen könnte, die wegen Dürre aufgegeben wird. Unüberlegte Weizenanbau-Pläne in Saudi-Arabien haben die Grundwasserschichten erschöpft.

Die Kehrseite: Der schlecht gebaute Mossul-Damm im Irak könnte kollabieren und eine halbe Million Menschen sofort ertränken sowie viele weitere ohne Strom und Lebensmittel hilflos zurücklassen. Im Gazastreifen läuft Abwasser durch die Straßen. Viele Länder leiden unter Stromausfällen, besonders in der drückenden Sommerhitze, die regelmäßig fast 50° Celsius erreicht.

Auch die Menschen bleiben weg. Nach der Erfahrung einer riesigen und zerstörerischen Zunahme der Jugend bricht die Geburtenrate der Region zusammen. Der Iran z.B. hat die steilste Abnahme der Neugeborenen aller je aufgezeichneten Länder durchgemacht, die von 6.6 Geburten pro Frau im Jahr 1977 auf 1,6 Geburten 2012 fiel. Das hat etwas geschaffen, das ein Analyst als eine "apokalyptische Panik" bezeichnet, die Teherans Aggression antreibt.

Schlechte Schulen, repressive Regierungen und archaische soziale Gebräuche stellen grottenschlechte Wirtschaftswachstumsraten sicher. Hungersnot sucht Ägypten, Syrien, den Jemen und Afghanistan heim.

Riesige Öl- und Gasvorkommen haben fast jeden Aspekt des Lebens entstellt. Mittelalterliche Mini- Monarchien wie Qatar wurden zu surrealen Weltmächten, die in den Kriegen in Libyen und Syrien mitmischen, gleichgültig dem von ihnen gebrochenen Leben gegenüber, während eine gewaltige Unterklasse unterdrückter Gastarbeiter sich abmüht und eine Prinzessin das größte Budget für Kunstkäufe in der Menschheitsgeschichte nutzt. Die Privilegierten können ihren grausamen Trieben nachgehen, geschützt von Verbindungen und Geld. Sextourismus in arme Länder wie Indien blüht.

Bemühungen zur Einführung von Demokratie und politischer Partizipation verkümmern entweder oder bringen Fanatiker an die Macht, die, wie in der Türkei, ihre Absichten clever tarnen. Anstrengungen habgierige Tyrannen zu stürzen führen zu noch schlimmeren ideologischen Tyrannen (wie im Iran 1979) oder zu Anarchie (wie in Libyen und dem Jemen). Allgemein wünscht man sich gewöhnlich, dass beide Seiten verlieren. Rechtsstaatlichkeit bleibt eine Fata Morgana.

Der Islamismus, derzeit die dynamischste und bedrohlichste politische Ideologie, wird in einer morbiden Erklärung der Hamas an die Israelis zusammengefasst: "Wir lieben den Tod mehr als ihr das Leben liebt." Vielweiberei, Burkas, Genitalverstümmelung und Ehrenmorde machen Frauen des Nahen Ostens zu den am stärksten Unterdrückten der Welt.

Das Leben im Nahen Osten leidet unter akuten - oft offiziellen - Voreingenommenheiten aufgrund von Religion, Konfession, Ethnie, Stamm, Hautfarbe, Nationalität, Geschlecht, sexueller Orientierung, Alter, Staatsbürgerschaft, Arbeit und Behinderung. Sklaverei bleibt eine Geißel.

Verschwörungstheorien, politischer Fanatismus, Missgunst, Unterdrückung, Anarchie und Aggression beherrschen die Politik der Region. Moderne Vorstellungen vom Individuum bleiben in Gesellschaften schwach, in denen die Urbande von Familie, Stamm und Clan weiter dominieren.

Der Nahe Osten leidet unter dem Drang ganze Länder auszulöschen. Israel ist das bekannteste potenzielle Opfer, aber Kuwait verschwand tatsächlich ein halbes Jahr, während der Libanon, Jordanien und Bahrain jederzeit geschluckt werden könnten.

Nahost-Staaten geben übermäßige Mengen ihres Reichtums für Geheimdienste und Militär aus; damit schaffen sie überflüssige Kräfte, die einander unter Kontrolle halten sollen. Sie gehen ins Ausland, um dort ihre Spielzeuge in Form von Panzern, Schiffen und Flugzeugen zu kaufen. Sie widmen unmäßige viele Ressourcen chemischen, biologischen und Atomwaffen und den zur Anwendung nötigen Plattformen. Selbst Terrorgruppen wie die Al-Qaida planen insgeheim den Erwerb von Massenvernichtungswaffen. Im Nahen Osten entwickeln sich innovative Terrormethoden.

Wirtschaftliches und politisches Versagen schafft große Mengen an Flüchtlingen; Afghanen haben seit 1980-er Jahren den größten Anteil der Flüchtlingsbevölkerung gestellt; jetzt drohen die Syrer sie zu überholen und sähen in ihren Fluchtländern Armut und Chaos. Verzweifelte versuchen die Region komplett in Richtung westliche Länder zu verlassen, wobei mehr als ein paar wenige unterwegs sterben.

Diplomaten des 19. Jahrhunderts titulierten das ottomanische Reich als "den kranken Mann am Bosporus". Heute nominiere ich den gesamten Nahen Osten als den kranken Mann der Welt. Der Hass, der Extremismus, die Gewalt und der Despotismus der Region erfordern den Einsatz von Abhilfe über viele Jahrzehnte.

Während dieser Prozess vielleicht stattfindet, besteht der Rat für die Welt draußen darin, dass es am besten ist kein Blut und keine Kostbarkeiten zur Rettung des Nahen Ostens - einer hoffnungslosen Aufgabe - auszugeben, sondern sich vor den vielfältigen Bedrohungen aus der Region zu schützen, vom MERS-Coronavirus und Harems über Mega-Terrorismus bis zu Angriffen mit EMP-Waffen.

 

Übersetzt von H. Eiteneier 

 

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Autor: fischerde
Bild Quelle:


Montag, 03 Februar 2014