Palästinenser: Christliche Geschichte wird ausgelöscht

Palästinenser: Christliche Geschichte wird ausgelöscht


Palästinensische Christen sind außer sich vor Wut über die Zerstörung der Überreste einer antiken byzantinischen Kirche, die erst kürzlich in Gaza-Stadt entdeckt worden waren.

von Khaled Abu Toameh, Gatestone Institute

 

  • Aus der Sicht palästinensischer Christen ist die Zerstörung der Kirchenruine ein weiterer Versuch der palästinensischen muslimischen Führer, sowohl die christliche Geschichte als auch alle Zeichen einer christlichen Präsenz im Westjordanland und dem Gazastreifen auszulöschen, im einen Fall unter der Palästinensischen Autonomiebehörde, im anderen unter der Hamas. Immer mehr Christen haben das Gefühl, sowohl von der PA als auch der Hamas systematisch ins Visier genommen zu werden, nur, weil sie Christen sind.
  • Bulldozer wurden eingesetzt, um einige der archäologischen Überreste der Kirche zu zerstören. Einige palästinensische Christen beschuldigen sowohl die Hamas als auch die PA, mit der Zerstörung historischer Stätten die Taktik des IS zu kopieren.
  • "Wo sind die Führer der Kirchen in Jerusalem und der Welt? ... Wo sind der Vatikan und die UNESCO? Wo sind die Führer und Politiker, die immer über nationale Einheit und den Schutz heiliger Stätten reden, reden, reden? Oder ist dies eine kollektive Verschwörung, um unsere Existenz und Geschichte im Osten zu beenden?", fragt Sami Khalil, ein Christ aus Nablus.
  • Das Schicksal der palästinensischen Christen interessiert die internationale Gemeinschaft nicht. Das liegt daran, dass man Israel nicht die Schuld an der Zerstörung der antiken Schätze geben kann. Wenn sich die derzeitige Politik fortsetzt, dann wird der Tag kommen, an dem es in Bethlehem keine Christen mehr geben wird.

 

Von der internationalen Gemeinschaft aber wurde dieser Protest nicht wahrgenommen – insbesondere nicht von UN-Agenturen wie der UNESCO, deren Zielsetzung es doch ist, das Weltkultur- und Naturerbe zu bewahren.

 

Die Überreste der 1.800 Jahre alten Kirche waren unter dem Palästina-Platz im Al-Daraj-Viertel von Gaza-Stadt entdeckt worden, wo die Hamas ein Einkaufszentrum plant. Die dramatischeEntdeckung dieses antiken Schatzes machte auf die Bauarbeiter offenbar keinen Eindruck: Sie räumten die Artefakte beiseite und setzten ihre Arbeit auf der Baustelle fort.

 

Man kann es kaum glauben: Bulldozer wurden eingesetzt, um einige der archäologischen Überreste der Kirche zu zerstören. Dies führte zu scharfer Kritik vonseiten palästinensischer Christen, von denen einige sowohl die Hamas als auch die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) bezichtigen, mit der Zerstörung historischer Stätten die Taktik des IS zu kopieren.

 

Aus Sicht von palästinensischen Christen ist die Zerstörung der Kirchenruine ein weiterer Versuch der palästinensischen muslimischen Führer, sowohl die christliche Geschichte als auch alle Zeichen einer christlichen Präsenz in den palästinensischen Gebieten auszulöschen.

 

Die Anschuldigungen zeigen die Verbitterung palästinensischer Christen gegenüber ihren Führern im Westjordanland und dem Gazastreifen. Zudem spiegelt sich in den Klagen das Gefühl der Ausgrenzung und Verfolgung wider, das unter Christen, die unter der Palästinensischen Autonomiebehörde und der Hamas zu leben haben, immer stärker wird.

 

Enttäuscht sind die palästinensischen Christen auch davon, dass die internationale Gemeinschaft – darunter der Vatikan und christliche Gemeinden überall auf der Welt – kein Interesse an dem Fall zeigt, der aus ihrer Sicht ein Angriff auf ihr Erbe und ihre heiligen Stätten ist.

 

Die Hamas behauptet, sie habe nicht die Mittel, um die antike Kirchenstätte zu erhalten. Dafür, so sagen ihre Vertreter, würde man Millionen Dollar und Hunderte von Arbeitern benötigen, zu einer Zeit, wo die islamistische Bewegung aufgrund der "Blockade" des Gazastreifens finanziell in der Klemme steckt.

 

Die Palästinensische Autonomiebehörde wiederum sagt, sie habe keine Kontrolle über den Gazastreifen und könne die Zerstörung antiker Kulturgüter nicht verhindern. Jedoch hat die PA-Führung im Westjordanland die Zerstörung auch nicht öffentlich verurteilt. Wir reden hier von derselben PA, die die Messer- und Auto-"Intifada" gegen die Juden anheizt, von denen sie behauptet, sie würden die Al-Aksa-Moschee "entweihen", indem sie unter Polizeischutz den Tempelberg besichtigen.

 

Geht es nach der Palästinensischen Autonomiebehörde, dann sind Besuche von Juden auf dem Tempelberg viel schlimmer als die Zerstörung wichtiger christlicher Stätten im Gazastreifen. Statt selbst die Taten der Hamas zu verurteilen, brachte Wafa, die offizielle Nachrichtenagentur der PA, lediglich einen Bericht, in dem palästinensische Archäologen und Historiker zitiert wurden, die sich empört über die Zerstörung der christlichen Stätte äußerten..

 

Pater Ibrahim Nairouz, ein Führer der christlichen Gemeinschaft im Westjordanland, hat einenwütenden Brief an den Ministerpräsidenten der PA, Rami Hamdallah, geschrieben, in dem er sich über die mutwillige Misshandlung der Kirchenruine beschwert. Er fragt: "Hätten Sie die Angelegenheit auf die gleiche Art geregelt, wenn die Überreste zu einer Moschee oder Synagoge gehören würden?"

 

Er kündigte an, aus Protest gegen die Zerstörung der Kirchenruine einen Besuch des palästinensischen Ministerpräsidenten in Bethlehem und Hebron zu boykottieren.

 

Viele zornige palästinensische Christen – und einige Muslime – schlossen sich Pater Nairouz' Protest an und äußerten ihren Abscheu vor diesem Vandalismus.

 

Sami Khalil, ein Christ aus Nablus, schreibt:

 

"Ich finde, das Schweigen darüber grenzt an eine Verschwörung. Doch die Frage ist: Wo sind die Künstler, wenn es darum geht, unser christliches Erbe zu bewahren? Wo sind die Führer der Kirchen in Jerusalem und der Welt? Wo sind die Bischöfe? Wo sind der Vatikan und die UNESCO? Wo sind die Führer und Politiker, die immer über nationale Einheit und den Schutz heiliger Stätten reden, reden, reden? Oder ist dies eine kollektive Verschwörung, um unsere Existenz und Geschichte im Osten zu beenden?"

Ein Christ namens Anton Kamil Nasser kommentiert: "Egal, ob es sich um eine Kirche oder etwas anderes handelt, dies ist eine form des intellektuellen Terrorismus und des Niedergangs."

 

Abdullah Kamal, ein Mitarbeiter der Al-Quds-Universität in Jerusalem, sagt: "Bedauerlicherweise muss man sagen, dass das Schweigen über die Zerstörung dieser historischen Stätte und dieses Erbes in unserem Land gleichbedeutend mit einem Verbrechen ist."

 

Eine Christin aus Ostjerusalem merkt an: "Schande über uns. Wenn das bei den Juden passiert wäre, hätten sie die Stätte zu einem Museum gemacht."

 

Wohl wahr: Unter der Palästinensischen Autonomiebehörde und der Hamas ist nicht alles gut für die christliche Minderheit.

 

Es ist kein Geheimnis, dass immer mehr Christen im Westjordanland und dem Gazastreifen das Gefühl haben, sowohl von der PA als auch der Hamas systematisch ins Visier genommen zu werden, nur, weil sie Christen sind.

Die Verwüstung der antiken byzantinischen Kirche in Gaza ist lediglich ein Beispiel für die Verachtung, mit der die Palästinensische Autonomiebehörde und die Hamas mit ihren christlichen Einwohnern umgehen.

 

Ein anderer Vorfall, der die Christen in Wut versetzt hat, war die Verhaftung von Raja Elias Freij, einem prominenten christlichen Geschäftsmann, durch die Polizei der PA letzte Woche.

 

Die Palästinensische Autonomiebehörde behauptet, dass Freij verhaftet worden sei, weil er einen Händler aus Bethlehem bedroht hätte – ein Vorwurf, den er, seine Familie und viele andere Christen energisch zurückweisen. Letztes Wochenende protestierten zahlreiche Christen auf dem Krippenplatz in Bethlehem für Freijs Freilassung und beschuldigten die PA der religiösen Diskriminierung gegen ihn.

 

Das Schicksal der palästinensischen Christen interessiert die internationale Gemeinschaft nicht. Das liegt daran, dass man Israel nicht die Schuld an der Zerstörung der antiken Schätze geben kann. Wenn sich die derzeitige Politik gegen Christen fortsetzt, dann wird der Tag kommen, an dem kein Christ mehr in Bethlehem übriggeblieben sein wird und Pilger, die die Stadt besuchen, ihre eigenen Priester werden mitbringen müssen, um Messen abzuhalten.

 

 

Khaled Abu Toameh ist ein preisgekrönter Journalist mit Sitz in Jerusalem. Übersetzt von Stefan Frank / Foto: Auch in London machen Islamisten deutlich, wie sie "Religionsfreiheit" definieren


Autor:
Bild Quelle:


Sonntag, 17 April 2016