Venezuelas Diktator: Bruder Maduros Freunde im Nahen Osten

Venezuelas Diktator:

Bruder Maduros Freunde im Nahen Osten


Im Kreis der Unterstützer des angeschlagenen venezolanischen Präsidenten Maduro tut sich einer im Augenblick ganz besonders hervor: sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan.

Von Thomas von der Osten-Sacken

Sogar als „Bruder“ bezeichnete er den lateinamerikanischen Despoten: „Mein Bruder Maduro! Stehe aufrecht, wir sind an Deiner Seite.“

Das mag auf den ersten Blick verwundern, war Venezuela bislang doch vor allem als enger Verbündeter Russlands und des Iran bekannt – wer erinnert sich nicht an die Freundschaft von Hugo Chavez und Mahmoud Ahmedinejad und die von ihnen geschmiedete Achse Teheran-Caracas? Zwar erklärt Erdogan momentan, wie gut und eng er mit Putin kann, so richtig glauben mag ihm das allerdings niemand. Als aufrechter Antiimperialist im russisch-chinesisch-iranischen Lager wirkt er noch immer nicht recht überzeugend.

Was also treibt ihn um, sich nun so engagiert auf die Seite Maduros zu schlagen? Die Haaretz glaubt, es seien auch ganz handfeste ökonomische Interessen, die auf dem Spiel stehen. Es gehe unter anderem um unter menschenunwürdigen Bedingungen abgebautes Gold, das in die Türkei geschafft und von dort aus weiter in den Iran gebracht werde:

„Die ökonomischen und politischen Beziehungen zwischen Ankara und Caracas sind enger geworden. Erdogan hat bei einem Staatsbesuch im vergangenen Monat die Sanktionen gegen Venezuela kritisiert, ohne dabei US-Präsidenten Trump direkt zu erwähnen.

Tonnen venezolanischen Goldes, das unter schrecklichen Arbeitsbedingungen und unter Aufsicht des Militärs abgebaut werden, werden zur weiteren Verarbeitung in die Türkei verschifft. Laut Bloomberg sagen US-Vertreter, ‚einiges davon könnte unter Verletzung der Sanktionen gegen die Islamische Republik einen Weg in den Iran finden‘.“

Andere Unterstützer Maduros, die dieser Tag zur „Solidarität mit Venezuela“ aufrufen, scheint es nicht weiter zu stören, plötzlich Seite an Seite mit dem türkischen Präsidenten zu stehen – auch wenn sie ihn, wie die Abgeordnete der deutschen Linkspartei Sevim Dagdelen, sonst als übelsten Diktator und Menschenschinder kritisieren.

Internationale Solidarität

Auch die Hisbollah versicherte derweil Maduro ihrer vollen Solidarität und verurteilte die „amerikanische Intervention“. Selbst wenn sie nicht im Goldgeschäft aktiv ist, spielen, neben aller ideologischen Nähe, Lateinamerika und vor allem Venezuela eine wichtige Rolle in ihrem Drogenhandel, mit dem sie unter anderem ihre Aufrüstung gegen Israel finanziert.

Wie der Miami Herald erinnert, war es ja auch Südamerika, wo die Partei Gottes zum ersten Mal mit Terroranschlägen als Akteur auf Weltbühne in Erscheinung trat: 1992 führte sie einen Bombenanschlag auf die israelische Botschaft in Buenos Aires aus, zwei Jahre später beging sie unter tätiger Mithilfe des Iran einen blutigen Anschlag auf das jüdische Gemeindezentrum in der argentinischen Hauptstadt, bei dem 87 Menschen getötet und über 100 verletzt wurden.

Sie haben also alle viele zu verlieren in Venezuela, die Despoten und Führer im Nahen Osten, und so kann sich Maduro ihrer Solidarität sicher sein. Derweil schickt Putin laut Guardian Söldner der Wagner-Gruppe nach Venezuela. Erst jüngst wurde bekannt, dass Wagner Milizionäre derzeit auch dem sudanesischen Präsidenten Omar al-Bashir bei der gewaltsamen Bekämpfung von Demonstranten helfen. In Venezuela kommen sie dann vermutlich bald Seite an Seite mit den gefürchteten Motoristas zum Einsatz, Schlägern auf Motorrädern, die, wie es heißt, von iranischen Revolutionsgardisten ausgebildet wurden. So sieht sie aus, diese Art der internationalen Solidarität.

 

MENA Watch


Autor: Thomas von der Osten
Bild Quelle: Tasnim News Agency [CC BY 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0)]


Samstag, 26 Januar 2019









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