Wahrnehmung der terroristischen Gefahr: Eins, zwei, drei - große Schweinerei

Wahrnehmung der terroristischen Gefahr:

Eins, zwei, drei - große Schweinerei


Wenn sich binnen einer Woche drei (mehr oder minder schwere) Anschläge ereignen, lässt das keinen von uns kalt. Umso zügiger verdrängt die breite Masse dann das, was im kollektiven Unterbewusstsein fortwirkt und das gesellschaftliche Miteinander irreversibel stört.

Von Shanto Trdic

Die Taten von Christchurch, Lüttich oder San Donato Milanese markieren auf je eigene Weise den Irrsinn einer Entwicklung, deren himmelschreiende Auswüchse vermeidbar gewesen wären. Sie sind hausgemacht, sowohl en Detail als auch im Blick auf jene globale Verwerfungen, ohne die das Phänomen in seiner Breite gar nicht zu begreifen wäre. Was auch immer in den nächsten Tagen an möglichen oder vermeintlichen Hintergründen über jeweilige Taten publik werden wird: auf der Strecke bleibt dabei schon jetzt der gute alte Qualitätsjournalismus, den Hajo Friedrichs einst so salopp wie einleuchtend anmahnte: Mach dich nie gemein mit einer Sache, auch keiner guten; sei überall dabei – ohne dazu gehören zu wollen. Einer solchen Haltung freilich ergab sich schon zu Lebzeiten des großen Berichterstatters keiner seiner KollegInnen mehr in Reinkultur. Ob das überhaupt je der Fall gewesen ist? Es wird auch jetzt nicht an gezielten Vertuschungen oder Verdrehungen mangeln, an bewusster Irreführung, und gewisse Verstrickungen – leicht als Verschwörungstheorien abgetan – werden solange von den üblichen Verdächtigen bearbeitet werden, bis sie am Ende dem Wahnsinn gleichen, der mit ihnen heraufbeschworen wurde. Zeitgleich zur Aufarbeitung der Fakten erfolgt die weltanschauliche Einordnung der ´Fälle´ – meist unverhohlen tendenziös.

Dort möchte ich gern ansetzen. Wie werden die Terroranschläge von den Medienmachern wahrgenommen, eingeordnet – abgetan? Welche Phrasen bemühen sie, und was wird damit bezweckt? Mein Anspruch zielt kaum auf Vollständigkeit, und der tagaktive Wettstreit um diverse ´Enthüllungen´ soll meine Sache gar nicht sein. Allzu oft werden ja vermeintliche Tatsachen gegeneinander ausgetauscht oder schlicht beiseitegeschoben, aber richtig merken tut das niemand mehr, weil alles so rasend schnell geschieht; in ubiquitärer Beiläufigkeit. Bescheidener und zugleich undankbarer bleibt die Aufgabe, der ich mich stelle: bezeichnende, allzu reflexartige Verhaltensmuster und Reaktionen meinungsbildender Eliten aufzuzeigen. Jene vor allem, die Verbrechen solcher Art zum Anlass nehmen, um einmal mehr liebgewonnene Weltbilder zu zementieren. Politiker und Journalisten, Verbandsfunktionäre und Prominente neigen aus Instinkt und mit Berechnung dazu, wohlfeile, über alle Verdachtsmomente erhabene Bekenntnisse abzulegen, also: zu belehren, zu moralisieren – zu relativieren. Es bleibt ein Leichtes, das auch mir vorzuwerfen, aber wenn die publizistische Waagschale bedrohlich in eine Richtung zu kippen droht, dann hat man, finde ich, auch einseitig die andere Seite zu beschweren. Nur so ist Ausgleich möglich. Eine ziemliche Drecksarbeit, zugegeben. Aber sie muss getan werden. Sie darf nicht den Klowänden zweifelhafter Blogs überlassen werden, die wohl noch tagelang mit anonymen Beiträgen beschmiert werden, bevor der nächste Anlass niedere Instinkte weckt.

Fangen wir mit Christchurch an. Natürlich fällt sofort auf, wie schnell die üblichen Verdächtigen sich zu Wort meldeten. Sonst eher abwartend und ausweichend, geht es um Missetaten chronisch Beleidigter, konnte nun befreit drauflos gepredigt werden. Am schnellsten und besten via Twitter. Steffen Seibert: „Ich trauere mit den Neuseeländern um ihre Mitbürger, die friedlich betend in ihren Moscheen überfallen und aus rassistischem Hass ermordet wurden.“ Frage: woher wusste der Herr Seibert eigentlich auf Anhieb, ob in dieser Moschee das friedliche Gebet justierend bzw. im Mittelpunkt sakraler Praxis stand? Dominierten in den letzten Monaten eindeutig Meldungen über exorbitante Zunahmen von Hasspredigten und Radikalisierungen in heimischen Moscheen, darf eine ´muslimische Kirche´ im Anschluss an den Kolossalmord offenbar aus Gründen reinen Anstandes allerorten nur noch als Hort der Ruhe und Kontemplation gelten. Beides aber gehört, geht es um den Islam, in den Kontext bzw. zum Verdachtsmoment: stille Einkehr und geifernde Aufwiegelung. Seibert weiß so wenig wie nur irgendeiner von uns, was im Innern dieser Moschee tatsächlich auf der Agenda stand oder steht. Folglich hätte er über den begleitenden Sachverhalt besser ganz geschwiegen – statt sich mit dem üblichen Allgemeinplatz ´gemein zu machen´.

Angela Merkel reagierte dieses Mal in Rekordgeschwindigkeit. Statt mit der üblichen, taktisch wohlgesonnenen Verzögerung. Sie wissen schon: Anis Amri und die Folgen. Der Berliner Breitscheidplatz lag und liegt im Unterschied zum fernen Neuseeland gleich bei ihr um die Ecke, dennoch schwieg sie damals eisern und kondolierte erst mit über einem Jahr Verspätung. Das aktuelle Attentat entlockte ihr sofort die passenden Worte. „Das ist ein Anschlag,“ erklärte die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland „der gegen Muslime gerichtet ist. Er ist damit auch ein Anschlag auf die neuseeländische Demokratie und auf die offene und tolerante Gesellschaft. Wir teilen diese Werte mit Neuseeland. Und damit teilen wir auch das Entsetzen und die Verurteilung dieser schrecklichen Tat.“ Nehmen wir die Kanzlerin strikt beim Wort. Ein Anschlag gegen Muslime verletzt automatisch die offene, die tolerante Gesellschaft. Das berührt oder betrifft neben den Befürworter derselben auch jene, die ihr feindlich gegenüber stehen. Wie steht nun die Mehrzahl zugewanderter Muslime selbst zur offenen, multitoleranten Gesellschaft, die auch und gerade dann nahezu selbstgerecht beschworen wird, wenn aus deren Mitte Mord und Totschlag um sich greifen? Umfragen der letzten Jahre und Jahrzehnte ergaben in erdrückender Eindeutigkeit dass die meisten von Ihnen weder freizügig noch tolerant eingestellt sind. Zwecks Durchsetzung dezidiert eigener Überzeugungen und Rigorismen beschwören auch sie unablässig die Notwendigkeit von Demokratie und Menschenrecht, aber erstere zielen eher auf Ausschluss und Abschottung, deutlicher: Sie schaffen Freiheit und Freizügigkeit, die ihnen als Steilvorlage dienen, langfristig ganz ab. Wozu also, im Schatten eines solch widerwärtigen Anschlages, die Erwähnung heiliger Kühe, die sich der hedonistische Westen ohnehin nur leistet, solange sie nichts kosten? In Wahrheit, so übel das in diesem Kontext auch klingen mag, war der Massenmord ein Anschlag innerhalb der freien Welt auf einen spät importierten, keineswegs integralen ethnisch-kulturellen Bestandteil dieser Welt, der die viel besungenen Freiheit nahezu aufs Äußerste reizt. Das ändert nichts am Verbrechen selbst, das abscheulich bleibt.

SPD-Chefin Andrea Nahles schrieb: „Wer Muslime angreift, greift uns alle an.“ Sie fordert: „Dieser Hass darf niemals einen Platz bei uns haben – weder in Neuseeland, noch woanders.“ Es ist und bleibt aber ein Hass, der sich seinen Platz auch bei uns längst behauptet hat und von der ´Gegenseite´ geschürt wurde. Und seltsam: Jetzt wird wieder mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass es Muslime sind, die getötet wurden. Als habe man darauf warten müssen, dass nach dem Massenmord des Herrn Breivik auch dies möglich ist und bleibt. Wenn Muslime ihrerseits morden und metzeln, werden sie aber nur noch als Islamisten oder psychisch Kranke bezeichnet, letzteres vor allem im Blick auf vermeintliche Flüchtlinge, die Frauen schänden und töten oder aus Frust mit dem Messer herumfuchteln. Hier wird dann der allgemein-muslimische Hintergrund, den man jetzt betont, komplett ausgehegt und die Tat zur bedauerlichen Ausnahme erklärt, die sich soziopathologisch irgendwie ausreimen lässt. Man macht also eine Krankenakte draus oder den bekannten Ismus – der Attentäter von Christchurch freilich ist und bleibt ein ´weißer Rassist´. Ich habe im Prinzip gar nichts dagegen. Beim nächsten Anschlag gegen ungläubige Zivilisten soll dann aber bitte nicht unterschlagen werden, dass es ein Moslem war, der so tat.

Gerade jetzt, wo die Parallelen erdrückend sind, wagt keiner den direkten Vergleich. Das, was der 28jährige Australier da angerichtet hat, erlebt die Welt seit Jahrzehnten – in und außerhalb muslimischer Kulturkreise. Und zwar: von Muslimen gegen Muslime, Christen, Andersgläubige. Darf das aus Gründen der Kulanz nicht einmal erwähnt werden? Kaum einer traut sich im Anschluss an eine solche Tat, den wechselseitigen Zusammenhang auch nur anzudeuten. Gerät man automatisch in den Verdacht, Straftaten gegeneinander auszuspielen, wenn man darauf hinweist, dass bei ´islamistisch´ motivierten Gräueltaten, die auch weiterhin überwiegen, dieselben Muster zutage treten? Auch und gerade dann werden Zivilisten zu Opfern: Alte und Junge, Mann und Weib. Grenzt es an Zynismus darauf hinzuweisen, dass Anschläge dieser Art mehrheitlich von Muslimen begangen werden? In diesen Kontext gehört die Tat von Christchurch, sie hat damit zu tun, hängt damit irgendwie zusammen – warum wird das jetzt so eisern totgeschwiegen? Aus Rücksicht auf die Opfer? Man hat auch auf die Angehörigen der Freiburger Studentin, die ein afghanischer ´Flüchtling´ zu Tode quälte, keine Rücksicht genommen, als tags darauf achselzuckend erwähnt wurde: schon tragisch, aber das hätte der auch mit einem deutschen Triebtäter passieren können. Hier kam der Vergleich übrigens rasend schnell, ganz gezielt – taktisch eiskalt. Ich hab`s nicht vergessen.

Immer diese lästigen Bezüge. Noch einer gefällig? Wenn die neuseeländische Premierministerin recht zügig ein ´starkes Zeichen´ setzte und sich demonstrativ mit einem Kopftuch (a la Iran) zeigte, dann stellt sich doch für mich sofort die Frage, ob die vielbeachtete Geste, pünktlich zum nächsten islamistisch motivierten Massenmord, von einer ranghohen Muslima (falls es sie gibt) deckungsgleich erwidert werden wird: indem die dann einfach mal ihren Kopflappen ablegt. Mir ist bis heute kein einziger Fall bekannt, wo das der Fall gewesen wäre. Hier hört nämlich der bis zum Erbrechen bemühte Vorsatz des Entgegenkommens sofort wieder auf. Der Vorschlag stieße umgehend auf Empörung und würde von den ´Andern´ als Bevormundung, Demütigung oder Rassismus verstanden. Die Macht moralischer Empörung: Jacinda Ardern weiß, wie man damit hausiert. Etwa, wenn sie versicherte, den Namen des Attentäters auf ewig nicht öffentlich aussprechen zu werden. Donnerwetter! Was die sich traut. So weit ging nicht einmal weiland Roland Freisler, seines Zeichens Scharfrichter vor dem deutschen Volksgerichtshof, als er den Attentätern zwar attestierte, dass sie auf ewig ehrlos wären, ihre Namen aber bis zuletzt respektierte und entsprechend aussprach. Freilich vermied es dieser böse Mensch, den strikt säkularen Raum seines ´Reiches´ in irgendeiner Weise sakral zu überhöhen. Frage: ist ein muslimisches Gebet – egal, zu welchem Zweck – in einem demokratisch justierten Parlament juristisch überhaupt zulässig? Keiner protestierte. Premierministerin Ardern begann ihre eigene Rede mit der arabischen Grußformel „Salam aleikum“. Wann immer in den letzten zwanzig Jahren Ungläubige mittels Anschlag massakriert wurden: Nie, aber auch nicht ein einziges Mal sah sich irgendein muslimisches Parlament genötigt, Anleihen christlicher Glaubenssätze nachzuäffen. Und im Traum wäre niemand im Westen auf die Idee gekommen, denen einen solchen Vorschlag auch nur zu unterbreiten.

So funktioniert politische Superkorrektheit. Aufschlussreich bleibt, wie die Protagonisten reagieren, schert doch mal einer aus – den kann man so ganz schnell ins Abseits drängen. Auch hier handelt es sich beiderseits um die üblichen Verdächtigen. Harald Laatsch (AFD Berlin) besaß den Schneid, via Twitter darauf hinzuweisen, dass der Mörder seine Tat mit Überbevölkerung und Klimaschutz rechtfertigte. Daraus folgerte er: „Die Klimapanikverbreiter tragen Mitverantwortung für diese Entwicklung.“ Der Vergleich als solcher bleibt legitim, schließlich kann sich der Täter auf Vertreter dieser Bewegungen beziehen. Deren Aussagen lassen nichts zu wünschen übrig. Natürlich ist die Wortwahl des Herrn Laatsch polemisch, und über einen direkten Vergleich kann und soll man streiten. Ich persönlich halte den Vorwurf in der Form für geschmacklos, aber noch geschmackloser ist es zu behaupten, der Mann rechtfertige damit das Attentat – das grenzt an üble Nachrede. Die wird denn auch tatsächlich von der ´Gegenseite´ praktiziert; etwa, wenn ein Herr Daud Noorzai auf BILD mittels Schlagzeile festzustellen vorgab: „Die Welt trauert nicht um Muslime.“ Die ganze Welt – darunter macht er`s nicht. Gemeint sind aber wir: ´der Westen´. In Deutschland, wenn ich mich nicht täusche, werden Übergriffe rechtsextremer Gewalttäter oder Brandstifter umgehend registriert und ausgeschlachtet, da wird dann auch ganz ähnlich argumentiert, aber jene, die so tun, sind ja nicht solche, die der Herr Noorzai damit meinte.

Den Herrn Erdogan erwähne ich an dieser Stelle als Vertreter einer Elite, die den eigenen Terror schon seit Jahren perfektioniert und sich ohnedies über sämtliche Zweifel erhaben weiß, weil das Wort des Alleineinzigen sie ständig schirmt. Der Vielfachmord von Neuseeland sei das Ergebnis weltweiter – westlich dominierter – Hetze gegen Muslime, meint der. Freilich äußerte sich Erdogan bislang nie, töteten Muslime Menschen christlicher Konfession. Ein Ergebnis nämlicher Hetze, natürlich.

Verweilen wir noch kurz bei unseren türkischstämmigen MitbürgerInnen. Denen, die sich anmaßen, ihre ´Community´ zu vertreten. Auch Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, brachte es in einem Interview fertig, über terroristische Gewalt zu dozieren, ohne auch nur mit einer einzigen Silbe den überwältigen Anteil derer zu erwähnen, die seiner eigenen Glaubensrichtung angehören. Immer wieder aber – das fällt auf – erwähnte er den Namen der Stadt, in der das Massaker stattfand: Christchurch. Und hielt fest:“ Wir dürfen nicht so tun, als läge Christchurch am anderen Ende der Welt. Christchurch liegt mitten unter uns.“ Was soll uns das sagen? Man könnte entgegnen, dass der Berliner Breitscheidplatz mitten im Herkunftsland des Täters läge, da hat es seinerzeit täglich gekracht, aber das fällt nur denen ein, die damit Taten wie diese zu relativieren gedenken. Den weiteren Ausführungen des Verbandsfunktionärs entnehmen wir, dass in Deutschland schon jetzt kein Moslem mehr seines Lebens sicher sein kann. Muslime, die in Deutschland leben, so Mazyek, „fühlen sich oft allein gelassen von den Sicherheitsbehörden.“ Das klingt ziemlich weinerlich – und ist grundfalsch. Jenseits der Rundumbetreuung durch zivile rechtsstaatliche Behörden und Ämter in jeder Gemeinde bleibt ein nicht unbeträchtlicher, mittlerweile total überforderter Anteil des für Sicherheit und Ordnung zuständigen Personals mit nichts anderem mehr beschäftigt: Muslime nur nicht allein zu lassen, sie ständig im Blick zu behalten, denn ständig passiert was – alle Nase lang. Durch Straftaten unterschiedlichster Art, vor allem bei den fast durchweg scheiternden Abschiebungen geraten die von Mazyek gescholtenen Sicherheitsbehörden andauernd selbst in Gefahr, hier sind sie nämlich chronisch im Dauereinsatz; laufen sie auf dem wund gewetzten Zahnfleisch. Hat einer von den Schutzbefohlenen eine ganze Latte ungeahndet gebliebener Straftaten hinter sich gebracht, gilt er als ´auffällig´ geworden, so einen darf und soll man also beobachten, aber trotzdem kann es schon mal vorkommen, dass er sich ´von den Sicherheitsbehörden allein gelassen fühlt´, und wenn das tatsächlich – nicht nur gefühlt! – der Fall ist, dann kann jemand wie der Anis Amri schon mal voll zuschlagen. Mit etwas ´Glück´ hätte er es im Gesundbrunnen-Center getan – mit etlichen hundert Toten mehr als auf dem Weihnachtsmarkt.

Es wurde viel über das Pamphlet des Attentäters aus Australien schwadroniert, freilich: ohne es komplett frei zu gegeben. Warum eigentlich? Aus Angst, den Täter damit aufzuwerten? In einer offenen Gesellschaft traut man dem allseits transparent gewordenen Bürger offenbar nicht mehr zu, die ganze Wahrheit selbst zu verdauen. Folglich wird ihm häppchenweise ´vorgekaut´, was als Dünnfraß gerade noch dem Magen schmeichelt. Das gesprochene, geschriebene oder getippte Wort sei uns angeblich heilig: im Sinne jener Pressefreiheit, die wir ständig anmahnen. Wenn stimmt, was über den Schrieb kursiert, dürfte doch eigentlich der letzte Depp begreifen, dass mit dem Täter ´etwas´ nicht stimmt – es sei denn, man rechnet mit noch größeren Deppen. Für die man wohl auch uns verkaufen will. Die Tat des Australiers ist und bleibt der unverrückbare Kommentar zum Text, und damit hat sich dieser, als Rechtfertigung, ohnehin erledigt. Egal, was drin steht oder nicht.

Im Blick auf das Massaker von Christchurch möchte ich noch einen Journalisten von der Leitmedienzunft heranziehen, stellvertretend für den Rest derer, die das Verbrechen schnöde instrumentalisieren. Matthias Bungeroth von der Neue Westfälischen aus Bielefeld nutzte die Tat, um bei dieser Gelegenheit Satz für Satz in ermüdender Litanei die schier erdrückende Konkurrenz aus dem Netz an den Pranger zu stellen. Im Internet toben sich, so der Redakteur, „rechte Verschwörungstheoretiker“ aus. Das Netz fungiere „als Multiplikator krudester Ideen.“ Fazit: „Mit Polizeipräsenz im öffentlichen Raum allein wird dieses Phänomen nicht wirkungsvoll zu bekämpfen sein.“ Wonach riecht das, verdächtig und beinahe unverblümt? Was wünscht sich der Herr Zeitungsredakteur? Der kaum ausgesprochene, umso inniger herbeigesehnte Ruf nach einem Überwachungsstaat, der so die unliebsame Konkurrenz aus dem Wege räumt, hat natürlich das gute Gewissen ganz auf seiner Seite: „Denn diesen Kreisen sind tolerante Lebensmodelle offenbar ein Gräuel. So werden politisch, religiös und kulturell auf Vielfalt ausgerichtete Gemeinwesen im wahrsten Sinne des Wortes bis aufs Blut bekämpft.“ Noch einmal, auch wenn`s weh tut: Ist eine Moschee, in der rechtgläubig verhüllte und strikt von den Männern getrennte Frauen der Scharia genügen, auf kulturelle Vielfalt ausgerichtet? Sie ist allerdings offen politisch, strikt religiös – ein kulturelles Gemeinwesen, das auf Ausschluss, nicht auf Integration zielt. Auch seine Zeitung schließt sich dieser ´Haltung´an. Dort bewegt man sich nämlich in den ´richtigen´ Kreisen.

Utrecht. Das Blut der Opfer war noch nicht ganz trocken, da geisterte bereits die Mär von der ´Beziehungstat´ durch den Gazettenwald. Der Täter, ein Türke, zwang also zufällig anwesende Passanten dazu, in blutige Beziehung zu ihm treten, genauer: zum Frust, der ihn offenbar ritt. Wir wissen, dass vermeintliche Beziehungstaten zwecks Relativierung vor Gericht stets strafmindernd wirken. Auch bei einem Intensivtäter wie dem 37jährigen Gökman Tanis, der in dieser Hinsicht nichts ausgelassen hatte und jetzt einfach noch einen drauf setzte, darf davon auszugehen sein. Doch konnte, wir wissen es längst, der ´Verdacht´ nicht lange aufrechterhalten werden. Vor dem Hintergrund neuer Erkenntnisse wirkt die Behauptung nunmehr hanebüchen, nahezu lächerlich. Dennoch, so steht zu fürchten, werden die Meinungsmacher auch in Zukunft vorauseilend das ihnen genehme Segment aus dem Täterprofil herausgreifen und absolut setzen; um so die Herkunft und das begleitende Motivgeflecht einschließlich bereits begangener Straftaten in den Hintergrund rücken zu können. Ne Beziehungskiste – klingt fast so, als könnte das im Prinzip jedem passieren.

Auch geht es in Fällen wie diesen um die Beseitigung lästiger Spuren. Nicht einzig der Christchurch-Attentäter hinterließ eine Erklärung. Auch Gökman Tanis hat sich vorher passendes zusammengereimt. Wurden die ´Glaubenssätze´ des ersteren sofort selektiv durchzitiert, hielt man das wirre Schreiben des Türken ganz zurück. Umso eiliger ordnete der Staatsanwalt ein psychiatrisches Gutachten an. Ganz klar: der muss einen an der Klatsche haben. Das muss rüber kommen. In den Vordergrund gerückt werden. Im kroatischen Fernsehen wurde der Täter mit den Worten zitiert, er habe es für Allah und für seinen Präsidenten getan. Hier in Deutschland weiß man nur, dass er es getan habe. Schon seltsam, nicht?

Das in meinen Augen schlimmste, gottlob vereitelte Verbrechen wurde von der ARD nicht einmal im Videotext erwähnt. Um es vorwegzunehmen: Die Tat ´des italienischen Staatsbürgers mit senegalesischen Wurzeln´ übertrifft nahezu alles, was an abgrundtief bösen Taten schlechthin vorstellbar ist, aber sie hat es nur als Randnotiz in die Abendnachrichten geschafft, wurde und wird jetzt schmählich totgeschwiegen, als sei einem irgendwie nur peinlich, was da passiert ist. Was ist passiert? Ein eingewanderter Senegalese, der nach einschlägigen Einschätzungen üblicher Verdächtiger vorzüglich in das Profil eines rundum integrierten Bürgers mit Migrationshintergrund passt, hat einen Bus voller Schulkinder, für deren sichere Beförderung er die Verantwortung trug, in voller Absicht, uneingeschränkt vorsätzlich, angezündet: Um eben diese Kinder (51 an der Zahl) qualvoll vom Leben in den Tod zu schaffen. Die Begründung des Ungeheuers, zwecks Legitimierung der Tat: bleibt unerträglich. Er wollte, meinte er, auf das Schicksal der Mittelmeerflüchtlinge aufmerksam machen. Denn dort habe er auch eigene Kinder verloren. Keiner von denen, deren Kinder er zu meucheln beabsichtigte, hat ihn und seinesgleichen dazu gezwungen, die gefährliche Überfahrt zu wagen. Keiner rief ihn zu sich ins Land. Er kam trotzdem. Und etliche mehr, die wie er ticken.

Niemand ist mehr sicher – nirgends. Das haben sie geschafft. Und alle von denen, deren eigene Kinder mit dem Schulbus in die Penne gebracht werden, müssen ab sofort Angst um diese haben; sich zumindest fragen: Hat der Fahrer den berüchtigten Migrationshintergrund? Von den doofen Deutschen ist ein solcher Fall bislang nicht publik geworden. Das wäre dann auch entsprechend ausgeschlachtet worden – weißer Rassist plant Wahnsinnstat! Oder so ähnlich. Aber dieser ´Anschlag´ ist auch historisch betrachtet unerhört. Von den vor allem um die Jahrhundertwende zu zehntausenden Richtung Amerika ausgewanderten europäischen Migranten ist doch kein einziger je auf die verrückte Idee gekommen, kleine Kinder zu morden. Wohlgemerkt: Man pferchte diese Menschen wie Vieh unter Deck zusammen, viele starben an Unterernährung und kamen nie lebend an im gelobten Land. Infolge hygienischer Mangelbedingungen, die aus heutiger Sicht unsäglich scheinen, reduzierte sich ganz erheblich der Anteil derer, die vom Elend getrieben alles zu ertragen bereit waren. Den Angehörigen dieser Opfer wäre dennoch nicht im Traum eingefallen, dafür das Aufnahmeland verantwortlich zu machen, um dann blutig zur Tat zu schreiten.

Der Kalif vom Bosporus kündigt solche Bluttaten schon recht unverhohlen an. Auch er weiß zwecks dessen die Geschichte zu erinnern. Den Australiern mit antimuslimischer Gesinnung drohte Erdogan dasselbe Schicksal an, wie es den Truppen der Entente-Mächte aus Großbritannien und Empire-Ländern wie Australien und Neuseeland im Ersten Weltkrieg bei der Schlacht von Gallipoli gegen die osmanische Streitmacht widerfuhr. Zwischen Februar 1915 und Januar 1916 starben mehr als 8.000 Australier und noch einmal mehr als 2.000 Neuseeländer. Dagegen freilich nehmen sich die drei Toten von Lüttich wie Peanuts aus. Zu denen sich der stramme Osmane denn auch nicht weiter äußerte (s.o.). Immerhin lässt aufhorchen, was ihm noch zum Täter von Christchurch einfiel. Er forderte die Todesstrafe für diesen, obwohl dieselbe in Neuseeland längst abgeschafft ist. Erdogan wörtlich: „Wenn Neuseeland ihn nicht zur Rechenschaft zieht, werden wir dies tun – auf eine andere Weise.“

 

Numeri 24 : 9 - Foto: Islamistischer LKW-Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz


Autor: Dr. Nathan Warszawsk
Bild Quelle: Emilio Esbardo [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]


Montag, 25 März 2019






Absolut unerträglich ist die Haltung unserer Medien und Politiker, die bei einem Attentat auf Muslime am amderem Emde der Erde "Staatstrauer" ausrufen, bei einem Attentat in nächster Nähe auf die eigene Bevölkerung aber "lautlos" bleiben. Beide Attentate sind verwerflich, verwerflicher aber ist der unterschiedliche Umgang damit.




Aufruf an Freitagsdemonstranten!

Aufruf an Freitagsdemonstranten!

Man kann der Aachener Zeitung AZ nicht vorwerfen, nicht ausreichend israelkritisch zu sein. Seitdem Aachen von Ernst zu nehmenden Statistikern zur muslimischen Clanstadt erkoren worden ist, erkaltet die Liebe zum Islam, Muslimen und Flüchtlingen in der Kaiser- und Bischofsstadt. Vielleicht erklärt dies den beabsichtigten „Fauxpas“ der Zeitungsredaktion.

[weiterlesen >>]

Gemeinnütziger Verein zur Verbreitung überholter Ideen

Gemeinnütziger Verein zur Verbreitung überholter Ideen

ASUNYA ist eine deutsche Gesellschaft, die sich als gemeinnütziger, Steuer begünstigter Verein für den Erhalt des Osmanischen Kulturerbe einsetzt, nach ihren eignen Worten: mit dem Osmanischen Kulturerbe auseinandersetzt. Mit dieser Arbeit soll der internationale Kulturaustausch gefördert und ein harmonisches Zusammenleben erreicht werden. In­schal­lah.

[weiterlesen >>]

werden uns auf neue Religionskriege einstellen

werden uns auf neue Religionskriege einstellen

Liest man sich in die drei bekannten monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam ein, so bemerkt man bald, dass der jeweilige einzige Gott nicht mit den beiden anderen kompatibel ist.

[weiterlesen >>]

Muslimischer Antisemitismus als Folge der` Islamfeindlichkeit´

Muslimischer Antisemitismus als Folge der` Islamfeindlichkeit´

Antisemitismus unter jungen Muslimen in Deutschland ist das Ergebnis der zunehmenden Islamfeindlichkeit in der Gesamtgesellschaft, behauptet die Abschlussdokumentation eines Schulprojekts der Bundeszentrale für politische Bildung.

[weiterlesen >>]

Die neue islamische Gemeinschaft in NRW

Die neue islamische Gemeinschaft in NRW

Der Theologe aus Münster, Prof. Mouhanad Khorchide (Sunnit), und die NRW-Integrations-Staatssekretärin Serap Güler (CDU) haben eine weitere islamische Organisation gegründet.

[weiterlesen >>]

Der Kampf gegen oder für Windmühlen ist sinnlos (Miguel de Cervantes)

Der Kampf gegen oder für Windmühlen ist sinnlos (Miguel de Cervantes)

Religion und Wissenschaft schließen sich nicht gegenseitig aus. Am Anfang der Tora erschafft der Schöpfergott zunächst das Universum bis er schließlich als letzte Handlung der Schöpfung den Menschen hervorbringt.

[weiterlesen >>]