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Seit zwei Jahren auf Sendung: Ein Radio für unverheiratete marokkanische Mütter

Seit zwei Jahren auf Sendung: Ein Radio für unverheiratete marokkanische Mütter


Ein marokkanischer Radiosender, der sich an unverheiratete Mütter richtet: Seit zwei Jahren ist Radio Mères en ligne zu hören - über das Internet, denn private Radiosender sind in Marokko verboten.

Von Stefan Frank

Ohne Trauschein ein Kind auf die Welt zu bringen, gilt in dem nordafrikanischen Land, wie überall in der islamischen Welt, als Schande. Unverheiratete Mütter werden in Marokko als Prostituierte betrachtet, gesellschaftlich ausgegrenzt und oft von ihren Familien verstoßen. Sexuelle Beziehungen außerhalb der Ehe sind nach Paragraf 490 des marokkanischen Strafgesetzbuchs verboten und können mit Haftstrafen zwischen einem Monat und einem Jahr bestraft werden.

Während die Frau für die Schwangerschaft verantwortlich gemacht wird – auch dann, wenn sie Opfer einer Vergewaltigung ist –, sind die biologischen Väter oft nur sehr schwer zur Verantwortung zu ziehen. Uneheliche Kinder haben nach marokkanischem Recht keinen Vater und sind quasi illegal. Sie haben keinen Familiennamen, keine Papiere und keine Rechte. Davor, auf juristischem Weg ihre Kinder anerkennen und in ihre Rechte einsetzen zu lassen, schrecken viele Mütter zurück, aus begründeter Angst, selbst bestraft zu werden.

Viele unverheiratete Mütter wissen sich nicht anders zu helfen, als ihre Neugeborenen auszusetzen. 80 Prozent aller in Marokko verlassen aufgefundenen Säuglinge sind Schätzungen zufolge unehelich geboren. Auf ärztliche Hilfe während der Schwangerschaft und nach der Geburt müssen die Mütter oft verzichten, weil viele Ärzte sich weigern, unverheiratete Mütter zu beraten und zu behandeln.

Um sich und anderen in ähnlicher Situation Gehör zu verschaffen, haben zehn unverheiratete Mütter 2015 den Radiosender Mères en Ligne („Mütter online“) gegründet, der nach zweijähriger Vorbereitungszeit am 18. Mai 2017 von Tanger aus seine erste Sendung ausstrahlte. Unterstützt wird Mères en Ligne von der marokkanischen Mütterhilfsorganisation 100% Mamans („100 % Mamas“) und der italienischen NGO Soleterre. Die EU förderte das Projekt über drei Jahre, von 2015 bis 2018, mit insgesamt 300.000 Euro. „Wir von 100% Mamans kämpfen für die Würde, die Staatsbürgerschaft und die Menschenrechte von Singlemüttern und ihren Kindern und somit gegen Ausgrenzung und Prekarisierung”, sagt Sara Lamjamri, die Sprecherin der Organisation 100 % Mamans. Zudem klärt der Verein über HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten auf und versucht, Singlemütter durch Schulungsmaßnahmen in die Berufstätigkeit zu helfen.

Zwei Sendungen von Mères en ligne seien besonders populär, sagt Lamjamri. In der Sendung „Zeugnis“, berichten alleinerziehende Mütter von ihrem Leben. „Diese Sendung“, sagt sie, „wird von den Hörern sehr geschätzt, die sehr neugierig auf diese Geschichten sind und vor allem darauf, zu hören, wie diese alleinstehenden Mütter ihr Leben wieder selbst in die Hand genommen haben.“ Sehr beliebt sei auch die Sendung „Rechtsberatung“, in der juristische Probleme unverheirateter Mütter besprochen und juristische Ratschläge gegeben werden. In einer anderen Sendung mit dem Titel „Iftah Kalbak“ („Öffne dein Herz“) werden im Beisein einer Psychologin alltägliche Situationen alleinerziehender Mütter erörtert, wie die Beziehung zu ihrem Kind sowie der Umgang mit der Familie und der Gesellschaft. Es gibt ferner eine Sendung zum Thema Gesundheit, eine zur Sexualität sowie eine wöchentliche Diskussionsrunde zu verschiedenen Themen, dazu jeweils eine Sendung, in der Neuigkeiten über die Arbeit von 100% Mamans und anderen Mütterhilfsinitiativen berichtet wird. Musik war von Anfang an ein fester Bestandteil des Programms.

Mit dem Radiosender habe sich die Organisation das Ziel gesetzt, „freie Meinungsäußerung“ zu ermöglichen und die Rechte allein erziehender Mütter in Marokko zu verbessern, so Lamjamri. „Ich denke, wir haben es geschafft, die gesetzten Ziele zu erreichen. Die alleinerziehenden Mütter, die von unserem Verein profitieren, haben keine Angst mehr, zu sprechen, über ihr Leben zu reden und ihre Rechte und die ihrer Kinder geltend zu machen. Aufgrund dieses Internetradios wenden sich Vertreter nationaler und internationaler Medien an unsere Moderatorinnen, die keine Scheu haben, von ihrer eigenen rechtlichen, sozialen und wirtschaftlichen Situation zu erzählen. Wir können heute sagen, dass es uns gelungen ist, die Stimme alleinerziehender Mütter in Marokko zu befreien.“

Zu gesellschaftlichen Zuständen, in denen unverheiratete Mütter und ihre Kinder nicht mehr geächtet sind und Mütter die Möglichkeit haben, von den biologischen Vätern Unterhalt einzuklagen, ist es indessen noch ein weiter Weg. Letztes Jahr rief 100% Mamans zu einer Internetpetition auf, die fordert, den DNA-Test zur Bestimmung der Vaterschaft rechtlich anzuerkennen und im Gesetz zu verankern. Hintergrund war der Fall einer Mutter, der im Januar 2017 vor einem Gericht in Tanger aufgrund eines DNA-Tests zunächst Unterhaltsansprüche zuerkannt worden war. Ein Berufungsgericht aber hob das Urteil im Oktober 2017 auf. Obwohl die biologische Vaterschaft des Beklagten außer Zweifel ist, braucht er keinen Unterhalt zu zahlen, weil er und die Mutter nicht verheiratet sind und es somit nach geltendem marokkanischem Recht keinerlei Verbindung zwischen ihm und seinem Kind gibt.

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Autor: Stefan Frank
Bild Quelle:


Mittwoch, 15 Mai 2019









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