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Raw Frand zu Parschat Pinchas: Auf Nummer sicher gehen, indem man die Gebote der Torah befolgt

Raw Frand zu Parschat Pinchas:

Auf Nummer sicher gehen, indem man die Gebote der Torah befolgt


n diesem Shabbat lesen wir die Parascha Pinchas aus der Torah. Raw Frand erläutert Aspekte dieser Parascha und ihrer Bedeutung. Heute lesen Sie den ersten Kommentar.

In Parschat Pinchas wird Mosche Rabbejnu befohlen, in den Krieg zu ziehen um an den Midjanitern Rache zu nehmen. Die Midjaniter schlossen sich mit den Moabitern zusammen und brachten die jüdischen Männer leider mit Erfolg dazu, der Sünde verbotener Beziehungen mit den Töchtern Midjans und Moaws zu erliegen. Mosche Rabbejnu wurde befohlen, all jene auszurotten, die sich daran beteiligt hatten. Der Midrasch kommentiert, dass es schlimmer ist, einen Menschen zur Sünde zu verleiten, als ihn zu töten - denn wenn ein Mensch getötet wird, verliert er sein Leben in dieser Welt, aber wird noch immer ein ewiges Leben in der kommenden Welt haben. Wenn ein Mensch jedoch sündigt, verliert er sein Leben in beiden Welten. Da die kommende Welt immerwährend und unvergleichlich genüsslicher ist als die hiesige, ist die Verleitung eines Menschen zur Sünde schlimmer als Mord.

Als Beweis zu dieser Abgrenzung, benennt der Midrasch einen Kontrast zwischen zwei Nationen, die das jüdische Volk physisch beeinträchtigt haben und zwei anderen Nationen, die uns spirituell geschadet haben. Die Ägypter und die Edomiter haben uns physisch bekämpft. Die Moawiter und Ammoniter verleiteten uns zur Sünde. Über die Edomiter, die uns "nur" zu töten versucht haben, sagt die Torah [Dewarim 23:8]: "Verabscheue keinen Edomiter" (Lo tesa‘ew Edomi), doch über die Ammoniter und Moawiter, die uns zur Sünde verleitet haben, werden wir belehrt [Dewarim 23:4]: "Ein Ammoniter und ein Moawiter dürfen nicht in die Gemeinde G-ttes aufgenommen werden (ein Proselyt aus ihrem Volk darf kein jüdisches Mädchen heiraten)." Sie werden abgelehnt, jegliche Verbindung mit Klal Jisrael (dem Volk Israel) zu haben, weil sie etwas viel schlimmeres getan haben, als uns anzugreifen - sie haben uns zur Sünde verleitet.

Der Midrasch sagt weiterhin, dass wer versucht, zu den Ammonitern und Moawitern nett zu sein, letzten Endes einen furchtbaren Preis zahlen wird. Dies geschah mit König David. Als Nachasch, der König von Ammon starb, sendete König David (aus Dankbarkeit für einige Gefälligkeiten des verstorbenen Königs) eine Delegation, um ihm zu huldigen und seinem Sohn - dessen Name Chanun, der Ammoniter war - Kondolenzen zu überbringen. Es heisst im Buch Schmuel [2, 10:3-4], dass die Delegation beschuldigt wurde, für den König Israels spioniert zu haben - und dass sie erniedrigt wurden, indem man ihnen die Hälfte ihrer Bärte rasierte und die Hälfte ihrer Kleider abschnitt und sie in diesem Zustand nach Jerusalem zurückschickte. Nachasch heuerte ausserdem Söldner an und bekämpfte das jüdische Volk.

Der Midrasch lehrt, dass dies König David widerfuhr, weil er versucht hatte, "klüger, religiöser und barmherziger als die Torah" zu sein, die verbietet zu den Ammonitern freundlich zu sein, wie es heisst [Dewarim 23:7]: "Du sollst nie ihren Frieden noch ihr Bestes suchen dein Leben lang". Der Midrasch verweist als Referenz auf den Vers: "Al tehi Zaddik harbe we‘al titchakem joter - sei nicht übermässig rechtschaffend oder übermässig weise…" [Kohelet 7:16].

Bevor Rabbi Mosche Feinstein nach Amerika kam, führte er eine kleine Gemeinde in Osteuropa. Es gab einen Mosser (Kollaborateur mit dem Feind) in der Stadt - ein Individuum, das es sich zur Gewohnheit machte, jüdische Mitmenschen an das kommunistische Regime zu verraten. Ein Mosser war üblicherweise die nieder- trächtigste Person überhaupt. Der Mann hinterliess einen Abschiedsbrief und ein Testament: "Ich war zu meinen Lebzeiten eine so schreckliche Person, dass ich nach meinem Tod Teschuwa (Umkehr) tun will. Daher möchte ich, dass meine Leiche geschändet wird, wie es mit dem Kadaver eines Esels geschehen könnte! Ich möchte ausserhalb des jüdischen Abschnitts des Friedhofs begraben werden - und all dies möge eine Wiedergutmachung für meine Sünden und allem Unheil sein, das ich der jüdischen Gemeinde zu meinen Lebzeiten angerichtet habe."

Die Chewra Kadischa (rituelle Bestattungs- gesellschaft) kam zu ihrem Raw, zeigte ihm den letzten Willen des Mannes und fragte um Rat, wie sie damit umgehen sollte. Rabbi Mosche Feinstein entschied: "Ihr müsst ihn so begraben, wie Ihr jeden anderen Juden begraben würdet - mit Respekt und Würde. Er erklärte, dass ein Mensch nach seinem Tod keine Kontrolle über seinen eigenen Körper habe und die Halacha (das jüdische Religionsgesetz) es verbietet, eine Leiche zu schänden. Die Chewra Kadischa wandte jedoch ein: "Aber sehen Sie, er sagte doch, dass er Teschuwa machen wollte. Dies wäre seine Sühne!" Rabbi Mosche antwortete: "Gesetz ist Gesetz. Wir können unsere eigenen Gedanken und Emotionen nicht darüber stellen!" Die Chewra Kadischa hörte widerwillig auf ihren Rabbi und beerdigte diesen Juden wie alle anderen Gemeindemitglieder.

Drei Wochen später kam eine Regierungsdelegation und präsentierte eine Anordnung der Regierung an den Friedhofswärter, die Leiche zu exhumieren. Sie exhumierten die Leiche, indem sie die Erde aushoben, den Sarg öffneten, die Gebeine untersuchten und schliesslich sahen, dass der Leichnam nicht geschändet worden war. Sie stellten auch fest, dass er im regulären Teil des jüdischen Friedhofs beerdigt worden war. Anschliessend beerdigten sie die Leiche wieder.

Der Friedhofswärter fragte, was der Hintergrund dieser ganzen Untersuchung gewesen sei. Sie erklärten, dass dieser Mann vor seinem Tod einen Brief an die russische Regierung geschickt hatte. Darin hiess es, dass die Juden die Regierung hassen und jeden schlecht behandeln, der mit der Regierung in Beziehung steht. Er behauptete, dass er diesen Vorwurf durch seine "Vorhersage" beweisen würde, dass die Juden seinen Leichnam entweihen und in einem separaten Teil des Friedhofs begraben würden! In anderen Worten, waren Umkehr und Sühne nicht im Geringsten im Sinne dieses Mannes. Er beabsichtigte, der Gemeinde noch aus dem Grab heraus einen finalen Dolchstoss zu versetzen und sie in eine Falle zu locken, indem sie ein verfängliches "Verbrechen" und eine "Beleidigung" gegen die Regierung ausführen würden.

Jeder, der diese Geschichte hört, sagt, dass Rabbi Mosche Feinstein geradezu Ruach HaKodesch (eine Art prophetisches Sehvermögen; wörtlich: "heiligen Geist") hatte. Wie auch sonst wäre er in der Lage gewesen, diese Finte zu riechen? Rabbi Mosche Feinstein mag ganz gewiss Ruach HaKodesch gehabt haben, aber diese Geschichte ist kein Beleg dafür. In dieser Geschichte geht es nicht um Rabbi Mosche Feinstein, dem Inhaber "g-ttlicher" Intuition. Diese Geschichte handelt viel mehr von Rabbi Mosche Feinstein, dem Possek (Dezisor). Aufgrund seiner Lehnstreue zur Halacha, rettete er sich selbst und seine Gemeinde vor unbeschreiblichem Unheil.

 

Rav Frand, Copyright © 2008 by Rav Frand und Project Genesis, Inc und Verein Lema´an Achai / Jüfo-Zentrum.


Autor: Raw Frand
Bild Quelle:


Freitag, 26 Juli 2019