Chefankläger Karim Khan suspendiert: Der Strafgerichtshof versinkt in der eigenen KriseChefankläger Karim Khan suspendiert: Der Strafgerichtshof versinkt in der eigenen Krise
Gegen ICC-Chefankläger Karim Khan stehen schwere Vorwürfe im Raum. Ausgerechnet der Mann, der internationale Strafjustiz verkörpert, wird nun selbst zum Belastungsfall für Den Haag.

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Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hat seinen Chefankläger Karim Khan suspendiert. Der Schritt folgt auf eine lange Untersuchung zu Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens. Khan weist die Anschuldigungen entschieden zurück. Seine Anwälte sprechen von einer rechtswidrigen, unfairen und nicht durch Beweise getragenen Entscheidung. Doch die Führung des Gerichtshofs hat den Fall nun an die Vertragsstaaten weitergeleitet. Sie sollen in einer Sondersitzung über seine Zukunft entscheiden.
Nach Angaben aus diplomatischen Kreisen kam das zuständige Exekutivbüro nach einer rund 18 Monate dauernden Prüfung zu dem Schluss, Khan habe schweres Fehlverhalten begangen. Im Raum steht der Vorwurf nicht einvernehmlicher sexueller Kontakte mit einer Juristin aus seinem Büro. Das Gremium soll nach diesen Angaben empfohlen haben, Khan aus dem Amt zu entfernen. Offiziell bleibt der Gerichtshof knapper: Man habe eine Entscheidung im Disziplinarverfahren getroffen, die Unterlagen blieben vertraulich.
Gerade diese Mischung aus schwerem Vorwurf, vertraulichem Verfahren und politisch hoch belastetem Amt macht den Fall so brisant. Khan ist nicht irgendein Beamter des internationalen Rechtsbetriebs. Er ist das Gesicht der Anklagebehörde des ICC. Unter seiner Führung rückte der Gerichtshof in mehreren großen Verfahren ins Zentrum internationaler Konflikte, darunter auch durch die umstrittenen Schritte gegen israelische Verantwortliche. Seine Suspendierung hebt diese Verfahren nicht automatisch auf. Aber sie beschädigt die Autorität der Person, die sie maßgeblich vorangetrieben hat.
Juristisch bleibt Vorsicht geboten. Khan ist nicht verurteilt. Er bestreitet jedes Fehlverhalten. Berichte über die bisherigen Prüfungen zeichnen zudem ein widersprüchliches Bild: Ermittler sollen eine Tatsachengrundlage für die Vorwürfe gesehen haben, während eine spätere Bewertung dreier Richter die Beweislage offenbar nicht als ausreichend ansah, um die Anschuldigungen nach einem besonders hohen Beweismaßstab festzustellen. Genau deshalb ist der Fall noch nicht abgeschlossen. Aber politisch ist der Schaden bereits erheblich.
Für den ICC kommt diese Krise zur denkbar schlechtesten Zeit. Der Gerichtshof steht ohnehin unter Druck. Er wird von manchen Staaten als unverzichtbares Instrument gegen Straflosigkeit verteidigt, von anderen als politisch selektiv und machtanfällig kritisiert. Hinzu kommen amerikanische Sanktionen und die Debatte über Verfahren, die tief in laufende Kriege und geopolitische Konflikte hineinreichen. Wenn nun die Spitze der Anklagebehörde selbst wegen schwerer Vorwürfe aus dem Amt gedrängt werden könnte, trifft das den Kern der Glaubwürdigkeit.
Ein Gericht, das Staatschefs, Minister, Generäle und Militärs anklagt, muss im eigenen Haus besonders hohe Maßstäbe anlegen. Es reicht nicht, anderen Transparenz, Verantwortung und Integrität abzuverlangen, wenn die eigene Führung in einer solchen Krise nur mit knappen Verfahrensformeln reagiert. Der ICC muss nun zeigen, dass seine Standards auch nach innen gelten.
Für IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen ist die Entwicklung besonders aufmerksam zu verfolgen. Khan war eine zentrale Figur der ICC-Linie gegenüber JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen. Dass er nun suspendiert wurde, beweist nicht, dass diese Linie juristisch falsch war. Aber es verschärft den Eindruck eines Gerichtshofs, der nicht nur über andere richtet, sondern selbst in einer schweren Vertrauenskrise steckt. Genau deshalb wird jede weitere Entscheidung aus Den Haag künftig noch genauer darauf geprüft werden, ob sie sauber begründet, frei von politischer Schlagseite und institutionell glaubwürdig ist.
Am Ende geht es nicht nur um Karim Khan. Es geht um den Internationalen Strafgerichtshof selbst. Wenn das Gericht seine Autorität bewahren will, darf es diesen Fall nicht hinter Vertraulichkeit verstecken. Es muss rechtsstaatlich, gründlich und nachvollziehbar handeln. Denn internationale Justiz lebt nicht allein von großen Worten. Sie lebt vom Vertrauen, dass diejenigen, die Recht sprechen und Anklagen erheben, selbst an Recht und Verantwortung gebunden sind.
Der Fall Khan ist deshalb mehr als eine Personalie. Er ist ein Belastungstest für Den Haag.
Autor: Redaktion
Dienstag, 09 Juni 2026