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Schon 2006: Schulen in Berlin werden `judenrein´ geprügelt

Schon 2006:

Schulen in Berlin werden `judenrein´ geprügelt


Schulen in Berlin werden `judenrein´ geprügelt

Der brutale Überfall arabischstämmiger Antisemiten auf einen Rabbiner im Berliner Stadtteil Schöneberg hat nicht nur deutschlandweit für Aufsehen und Empöhrung gesorgt. Doch dieser Überfall ist weder ein "Einzelfall", noch der Anfang. Bereits 2006 erschien nachfolgender Bericht über zunehmende antisemitische Gewalt an Berliner Schulen:

Antisemitismus ist auch in Deutschland nichts abstraktes, sondern ganz praktisch und eine reale Bedrohung – auch und gerade im Schulalltag für jüdische Jugendliche. Und genauso real ist die Ignoranz und Gleichgültigkeit großer Teile der Mehrheitsgesellschaft gegenüber dieser Bedrohung. Die Anfänge, denen man ausreichend und konsequent hätte wehren müssen, sind lange überschritten...

Auch die Medien reagieren auf die gewalttätigen antisemitischen Wellen eher verhalten. Immerhin schlagzeilte Spiegel-online am 7. Dezember diesen Jahres: "Antisemitische Welle an Schulen – Jüdische Schüler fliehen vor Nazis und aggressiven Muslimen". Ein Vorfall schaffte es sogar in den Lokalteil einer Berliner Tageszeitung: Eine 14-jährige Jugendliche, die auf eine Oberschule in Berlin-Kreuzberg ging, wurde mindestens neun Monate lang drangsaliert, beleidigt, gemobbt, angespuckt und mehrfach geschlagen – wegen ihrer Religionszugehörigkeit. Die körperlichen Übergriffe erfolgten stets aus einer Gruppe von Schülerinnen heraus. Erst als die jüdische Jugendliche unter Polizeischutz zur Schule ging, konnte die Täterin ermittelt und dingfest gemacht werden, es handelte sich um eine muslimische Mitschülerin. Die angegriffene Schülerin ist zwischenzeitlich auf die jüdische Oberschule in Berlin-Mitte gewechselt.

Das gleiche hat auch M. getan, der bis vor kurzem auf ein Gymnasium im Berliner Stadtteil Wedding ging. Dort wurde er mit massiven antisemitischen Pöbeleien konfrontiert. Als bei einer Klassenfahrt in ein ehemaliges KZ muslimische Mitschüler auf dem Gelände der Gedenkstätte sogar anfingen, Fußball zu spielen und Judenwitze zu reißen, schwiegen die anwesenden Lehrer, ließen M. alleine und übten sich im wegsehen und weghören.

Die beiden Fälle sind nur Beispiele, keine Einzelfälle. So berichtet Spiegel-online von einer Klasse der jüdischen Oberschule, die in der S-Bahn von einer anderen Schulklasse antisemitisch beleidigt und beschimpft wurde. Auch Lehrkräfte werden immer öfters als "Judenschweine" beschimpft. "Jude", aber auch "Schwuler", gehören zwischenzeitlich wieder zu den Modeschimpfwörtern auf deutschen Schulhöfen. Michael Rump-Räuber vom Landesinstitut für Schule und Medien bestätigt: Arabischstämmige Jugendliche werden durch die aggressiven Medien aus ihren Heimatländern, die auch in Deutschland zu empfangen sind, regelrecht angestachelt, gegen Juden vorzugehen. "Wir haben pro Klasse mindestens einen Schüler, der wegen antisemitischer Vorfälle zu uns gekommen ist" bestätigt die Schulleiterin der Jüdischen Oberschule Berlin.

Die Folgen, die solche Vorfälle bei ihren Opfern hinterlassen, sind noch nicht abzusehen. Eines jedoch ist schon jetzt bestürzende Realität: In Berlin gibt es wieder Schulen, die durch antisemitische Akte "judenrein" geworden sind. Und auch nach einem Wechsel auf die jüdische Oberschule verschwindet bei den Schülern die Angst und die Belastung nicht. Viele verstecken aus Angst vor Übergriffen ihre Kippa unter einer Mütze, sobald sie das Gebäude verlassen, das weniger einer Schule als einem Hochsicherheitstrakt gleicht – Sicherheitsschleuse und Polizeipräsenz vor dem Schulgebäude gehören zur alltäglichen Realität für die Schülerinnen und Schüler, für die Lehrerinnen und Lehrer der jüdischen Oberschule in Berlin.

"Zunehmend radikaler Antisemitismus"

In einer Meldung der Nachrichtenagentur AP vom 18. Dezember heißt es: "Vor einem zunehmend radikalen Antisemitismus haben Experten gewarnt. Der Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU-Berlin, Wolfgang Benz, sagte am Montag, die rechtsextremistische Szene wage sich in jüngster Zeit an immer eindeutigere Formulierungen. Er sprach auf der internationalen Konferenz «Der Holocaust im transnationalen Gedächtnis» in Berlin. Er sagte, die Inhalte und Methoden der Antisemiten seien zwar nicht neu, sie würden aber immer offener und offensiver propagiert."

In den vergangenen Wochen war es in Kleinstädten in Sachsen-Anhalt zu antisemitischen Vorfällen durch Neonazis gekommen, die bundesweit für Aufsehen sorgten. Einmal wurde öffentlich ein Exemplar des Tagebuchs der Anne Frank verbrannt, ein anderes Mal wurde ein Schüler gezwungen, während der Pause mit einem Schild um den Hals über den Schulhof zu gehen, auf dem der aus der Nazizeit stammende Hetzspruch stand: "Ich bin im ganzen Land das größte Schwein und lass´ mich nur mit Juden ein."

Weiter heißt es in dem Agenturbericht: "Die Rechtsextremisten machten sich dabei eine weit verbreitete, indirekte Judenfeindlichkeit in der deutschen Gesellschaft zu Nutze, erklärte Benz. Viele Menschen empfänden eine Abneigung gegen Juden, weil sie die Deutschen an ihre Verbrechen während des Nationalsozialismus erinnerten und sie daran hinderten, einen Schlussstrich zu ziehen, sagte Benz. Die Rechtsextremisten zielten auf diese Ermüdung vieler Menschen ab, die nichts mehr vom Holocaust hören wollten, und versprächen ihnen stattdessen eine Erlösung von Schuld und Scham." Benz warnte auch vor einer Trivialisierung und Verwässerung des Begriffes Holocaust, etwa durch Tierschützer wenn sie vom "Holocaust auf dem Teller" oder "Hühner-KZ´s" reden – oder wenn Abgeordnete der neonazistischen NPD vom "Bomben-Holocaust" sprächen.

Auch auf die besonderen Problematiken an Schulen ging Benz dem Bericht zufolge mit deutlichen Worten ein: "Benz appellierte außerdem an die Schulen, im Geschichtsunterricht keine Rücksicht auf muslimische Schüler zu nehmen. «Wenn sich Schüler weigern, am Unterricht teilzunehmen, weil der Holocaust Thema ist, ist das unter keinen Umständen hinzunehmen», sagte der Historiker. Wie in jeder Zuwanderungsgesellschaft gebe es in Deutschland eine «Erinnerungskonkurrenz». Trotz verschiedener Traditionen müsse jedoch ein gesellschaftlicher Konsens über die Verfassung und die Wahrung der Menschenrechte erreicht werden. «Dazu gehört, dass auch Schüler türkischer und arabischer Herkunft Kenntnis von bestimmten Fixpunkten deutscher Geschichte haben», forderte Benz."

 

Jörg Fischer-Aharon

 

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Autor: haolam.de
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Dienstag, 04 September 2012

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