Linker Antisemitismus: Wer anderen eine Grube gräbt…

Linker Antisemitismus:

Wer anderen eine Grube gräbt…


Wer anderen eine Grube gräbt…

Wäre alles so gelaufen, wie die Schwarzen Ratten/Tupamaros Westberlin es sich vorgestellt hatten, dann wäre am 9. November 1969, dem 31. Jahrestag der Pogromnacht von 1938, im jüdischen Gemeindezentrum Westberlins eine Bombe detoniert. Doch dummerweise versagte der Zünder, weshalb der Sprengsatz keinen Schaden anrichtete – jedenfalls keinen materiellen. Das Bekennerschreiben der Stadtguerilleros wurde ungeachtet dessen veröffentlicht. In ihm hieß es, „die Kristallnacht“ werde „heute täglich von den Zionisten in den besetzten Gebieten“ an den Palästinensern „wiederholt“; aus den „vom Faschismus vertriebenen Juden“ seien „selbst Faschisten geworden, die in Kollaboration mit dem amerikanischen Kapital das palästinensische Volk ausradieren wollen“. Antisemitisch war das natürlich nicht, sondern bloß judenkritisch, so, wie die Beteiligung von Politikern der Linkspartei an Schiffsflotten zum Zwecke der Unterstützung von Hamas & Co. nicht antisemitisch ist, sondern lediglich israelkritisch. Schließlich ist ein linker Antisemitismus „unmöglich“, wie der (linke und deshalb zu einem Urteil besonders berufene) Schriftsteller Gerhard Zwerenz schon 1976 wusste.

Gegen Juden (respektive ihre Einrichtungen) gerichtete, militante linksradikale Aktivitäten wie jene der Berliner Freiheitskämpfer vor 42 Jahren sind hierzulande zwar etwas aus der Mode gekommen – nicht zuletzt deshalb, weil sich die Zionisten und ihre deutschen Helfershelfer, darunter manch linker Abweichler, mit der Antisemitismuskeule bewaffnet haben und blindlings auf alles eindreschen, was sich nicht sofort unterwirft. Doch es gibt sie noch, die Aufrechten und Unbeugsamen, beispielsweise in Hamburg. Dort versammeln sie sich am – jawohl! – 9. November dieses Jahres in einem Etablissement mit dem schönen Namen Kaffeewelt, um über die „Antisemitismus-Falle“ zu diskutieren, genauer: über „die Funktion eines ungeheuerlichen Vorwurfs innerhalb der Partei Die Linke und gegen sie“. Und das Podium ist fürwahr hochkarätig besetzt: Arnold Schölzel, der Chefredakteur der stets widerständischen Tageszeitung junge Welt, wird es genauso bereichern wie Susann Witt-Stahl, eine Journalistin, die vor allem zwei Arten von Faschismus bekämpft: den Fleischkonsum und die Parteinahme für Israel. Moderiert wird der Abend vom allzeit wackeren Thomas Immanuel Steinberg, der auf seiner Heimatseite unter anderem eine Selektion in „Kriegsjuden“ und „Friedensjuden“ vornimmt und sich im Übrigen durchaus vorstellen kann, dass die Bezeichnung „Antisemit“ einmal zu einem „Ehrentitel“ wird.

Außerdem: Ist nicht auch die SA damals, am 9. November 1938, in die Antisemitismus-Falle getappt – aufgestellt von Juden, die absichtlich tatenlos zusahen, wie ihre Synagogen, Geschäfte und Wohnhäuser abgefackelt wurden, weil sie wussten, dass es bald einen jüdischen Staat geben würde, und sich deshalb schon einmal moralisch bewaffneten, um später ungestraft das palästinensische Volk ausradieren zu können? Das wird man doch wohl noch fragen dürfen! Den Schölzel, den Steinberg und die Witt-Stahl zum Beispiel. Darüber hinaus könnte man ihnen in der Kaffeewelt gleich noch ein paar Vorschläge für weitere Veranstaltungen unterbreiten: Warum nicht bevorzugt am 27. Januar darüber debattieren, dass Auschwitz zwar befreit wurde, die Palästinenser dafür jedoch im aktuell größten KZ der Welt dahinvegetieren müssen? Und warum nicht gerade am 8. Mai darüber räsonieren, dass die deutschen Nazis zwar kapituliert haben, die israelischen aber weiterhin ihren Vernichtungskrieg gegen die Palästinenser führen können? Ungeheuerlich ist schließlich nur der Vorwurf an die Linke, antisemitisch zu sein – denn sie zeigt äußerstenfalls „zu viel Leidenschaft bei der Kritik an Israel“. Das hat übrigens Gregor Gysi gesagt. Ob der deshalb ein Kriegs- oder ein Friedensjude ist, kann Thomas Immanuel Steinberg gewiss gewohnt kompetent einschätzen.

 

Lizas Welt

 


Autor: haolam.de
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Montag, 31 Oktober 2011

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