AirBNB: Schießen Sie auf den Zionisten

AirBNB: Schießen Sie auf den Zionisten


Der Konzern AirBNB, auf dessen Internetplattform Nutzer ihre Wohnungen an Urlauber vermieten können, wird fortan keine Quartiere mehr anbieten, die Juden gehören, die in der sogenannten `Westbank´ leben.

Von Stefan Frank

Damit ist jener Teil des britischen Mandatsgebiets Palästina gemeint, der 1948 von Jordanien erobert und ethnisch gesäubert wurde, nach der gescheiterten jordanischen Invasion Israels im Juni 1967 aber an Israel verloren wurde und seither von Jordanien nicht mehr zurückverlangt, von der PLO aber – wie das gesamte Gebiet zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer – für sich reklamiert wird.

AirBNB hat keine Recherchen darüber angestellt, wer der rechtmäßige Besitzer des Landes ist: „Wir sind ganz sicher keine Experten, was den historischen Streit in der Region betrifft“, gibt AirBNB in einer am Montag veröffentlichten Presseerklärung zu. „Unser Team hat sich mit dieser Angelegenheit abgemüht und wir haben darum gekämpft, die richtige Herangehensweise zu finden. … Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir Angebote aus israelischen Siedlungen in der besetzten West Bank, die im Zentrum des Streits zwischen Israelis und Palästinensern stehen, entfernen sollten.“

Mit AirBNB nach Tibet und Nordzypern

Es gibt auf der Welt viele umstrittene oder von fremden Staaten besetzte Gegenden, man denke an Tibet oder die Westsahara – oder an Nordzypern, wo AirBNB bislang offenbar keinen Konflikt entdeckt hat. Seit die Türkei im Jahr 1974 in Zypern einfiel, ist der Nordteil der Insel unter Besatzung. Die Türkei führte eine ethnische Säuberung durch; die türkische Armee und Freischärler verübten Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung und vertrieben rund 200.000 griechische Zyprioten (ein Drittel der Bevölkerung) aus dem Norden der Insel. Ankara errichtete ein Marionettenregime und rief 1983 die „Türkische Republik Nordzypern“ aus, die von keinem Staat der Welt außer der Türkei anerkannt ist. Nikosia ist eine geteilte Stadt. Girne (Kyrenia) ist ein Ort mit 30.000 Einwohnern im Norden Zyperns. Auf diesem Territorium, das illegal von der Türkei besetzt gehalten wird, findet man viele AirBNB-Angebote, die sich an Touristen wenden: Da ist etwa „Mimi’s Studio 3“ für 17 Euro pro Nacht; eine „wunderschöne Familienvilla in Wohngebiet“ für 27 Euro oder die „Luxuswohnung mit wunderbarem Blick auf See und Berge“ für 40 Euro.

Weil nur Juden von der neuen Politik betroffen sind, wird AirBNB Antisemitismus vorgeworfen. „Das ist die reinste Form von Unternehmensantisemitismus, an die man sich in jüngerer Zeit erinnern kann“, schreibt Ben Shapiro auf dem amerikanischen Nachrichtenblog Daily Wire. Die Politik von AirBNB „richtet sich gegen Juden, weil sie in Gebieten leben, die international umstritten sind“.

Die Erklärung von AirBNB ist widersprüchlich; sie beginnt mit der Feststellung, dass das Anbieten von Wohnungen in der „West Bank“ nicht gegen US-Recht verstoße. Dann folgt das Eingeständnis, eigentlich keine Ahnung zu haben („wir sind ganz sicher keine Experten“), um dann aber doch zu der Unterstellung zu kommen, dass Urlaub bei Juden in „israelischen Siedlungen“ irgendwie nicht koscher sei. Bietet hingegen jemand mit einem arabisch klingenden Namen wie etwa Laila Hassan eine Wohnung in Hebron an, dann ist das legitim. AirBNB maßt sich an, Staatsgrenzen festzulegen und zu bestimmen, wo diese zu verlaufen haben. Und sollten die Anbieter von Wohnungen Juden sein, dann – aber nur dann – müssen sie auf der richtigen Seite der Waffenstillstandslinie von 1949 wohnen, sonst werden sie gesperrt.

Mehr noch: AirBNB hat einen Staat der „Palästinenser“ ausgerufen, der weit über die bisherigen Palästinensischen Autonomiegebiete hinaus geht. Aber würde man AirBNB dafür angreifen, würde sich das Unternehmen wohl auf die rhetorische Waffenstillstandslinie zurückziehen: „Wir sind ganz sicher keine Experten.“

Die Argumentation erinnert an die „Küchentisch“-Formulierung der soeben für die Demokraten ins Repräsentantenhaus gewählten Alexandria Occasio-Cortez, die von der „Besatzung Palästinas“ sprach und davon, dass Israel „Massaker“ verübe, um dann zuzugeben: „Ich bin keine Expertin für Geopolitik und für dieses Thema. Ich blicke nur durch eine Menschenrechtslinse und benutze vielleicht nicht die richtigen Worte. Nahostpolitik ist nicht exakt jeden Abend auf meinem Küchentisch.“

Im Fadenkreuz von BDS

Die Geschäftsführung von AirBNB und die „demokratische Sozialistin“ Occasio-Cortez haben etwas gemeinsam: Wenn sie schon nicht über den israelisch-arabischen Konflikt Bescheid wissen, so wissen sie doch genau, was von ihnen erwartet wird. Das ist für beide nicht schwer zu erraten. AirBNB ist seit Jahren im Fadenkreuz der „BDS“-Kampagne, deren Ziel das Verschwinden des jüdischen Staates ist. Es ist kein Zufall, dass die Erklärung von AirBNB zum „Siedlungs“-Boykott just einen Tag vor der Veröffentlichung eines Pamphlets erfolgte, in welchem Human Rights Watch (HRW) AirBNB vorwirft, „Bed and Breakfast auf gestohlenem Land“ anzubieten. Es war wohl das erste Mal, dass HRW einem einzelnen Unternehmen ein Dossier gewidmet hat, was zeigt, wie sehr die ehemalige Menschenrechtsorganisation zu einer BDS-Lobbygruppe geworden ist. AirBNB hat sich diesem Propagandadruck gebeugt, was HRW als „gute Menschenrechtsnachricht aus Israel und Palästina“ auskostete; zudem forderte HRW den Konkurrenten Booking.com auf, dem Beispiel zu folgen – weil ihm anderenfalls eine ähnliche Rufmordkampagne droht.

Auch andere antiisraelische Gruppen wie Jewish Voice for Peace und Codepink haben seit Jahren aggressive BDS-Kampagnen gegen AirBNB geführt, wie eine Dokumentation von NGO Monitor detailliert zeigt. Sobald die Pressemitteilung von AirBNB die Runde gemacht hatte, feierten diese BDS-Organisationen ihren Sieg. „Victory!“, titelte Jewish Voice for Peace. Die US Campaign for Palestinian Rights (USCPR) twitterte: „Ein weiterer Sieg für BDS!!! Nach einer gemeinsamen BDS-Kampagne von USCPR, AMP, CODEPINK, FOSNA, JVP, SumOfUs und USCPN sagt @Airbnb, es werde alle Angebote aus israelischen Siedlungen, die auf gestohlenem Land errichtet wurden, entfernen. Die Volksmacht wirkt!“

Ist AirBNB antisemitisch?

Ist AirBNB antisemitisch? Nein, sonst hätte es die betreffenden Feriendomizile ja gar nicht erst aufgenommen. Die BDS-Kampagne ist sicherlich bei weitem nicht das größte Problem von AirBNB. Für sein Geschäftsmodell ist AirBNB auf gute Beziehungen zu den Behörden in aller Welt angewiesen, und die sind seit Jahren angespannt. Kritiker werfen AirBNB vor, durch die Umwandlung von Mietwohnungen in Touristenunterkünfte die Wohnungsnot in bei Urlaubern beliebten Großstädten wie London, Paris, Barcelona oder Amsterdam zu verschärfen. Ein anderes großes Problem sind Beschwerden von Anwohnern über nächtliche Ruhestörungen durch Partytouristen, die in AirBNB-Wohnungen feiern. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) strahlte im Sommer eine 45-minütige Dokumentation aus, die hart mit dem Wohnungsvermittler ins Gericht ging, von „verärgerten Mietern“, „sterbenden Kulturvierteln“ und „hilflosen Stadtverwaltungen“ war da die Rede.

Die Kommunen reagieren; wie zuvor schon viele andere Metropolen hat die Stadt Wien kürzlich eine neue Bauordnung erlassen, die das Geschäft von AirBNB beschränken wird. Auch im wichtigsten Markt, den Vereinigten Staaten, ist das Geschäftsmodell von AirBNB bedroht. Die Stadt San Franscico, wo AirBNB seinen Hauptsitz hat, hat schon 2014 begonnen, die Möglichkeiten zur Vermietung von Wohnungen über AirBNB stark zu limitieren. Im Januar 2018 wurde die Regel verschärft, was dazu führte, dass AirBNB auf einen Schlag fast die Hälfte seiner Angebote in San Francisco löschen musste.

Eine Imagekampagne, die AirBNB bei Kommunalpolitikern in westlichen Metropolen wieder etwas beliebter macht, schien aus Sicht der Geschäftsführung nötig. Und gerade die für AirBNB so lukrativen westlichen Metropolen werden oft von Israelhassern regiert – man denke nur an Barcelona, Dublin oder Reykjavik. AirBNB ist nicht aus Überzeugung antisemitisch; das Unternehmen hat bloß ein Imageproblem und glaubt, es auf dem Rücken von Juden lösen zu können. Durch die Reaktionen muss sich die Geschäftsführung bestätigt sehen: Schon lange nicht mehr wurde AirBNB auf Twitter und Facebook von so vielen Leuten gefeiert. Die Geschäftsführung von AirBNB hat den heiligen Gral moderner PR entdeckt: Bist du unbeliebt? Die Leute schimpfen auf dich, drohen dir gar Sanktionen an? Verfasse eine Resolution gegen Israel, dann ist alle Welt dein Freund. Was Diktatoren auf aller Welt recht ist, ist AirBNB billig.

 

MENA Watch


Autor: MENA Watch
Bild Quelle:


Freitag, 23 November 2018