Der Weg eines Geschosssplitters: Eine nebensächliche Geschichte, die keine Schlagzeilen machte

Der Weg eines Geschosssplitters:

Eine nebensächliche Geschichte, die keine Schlagzeilen machte


Am späten Montagabend (12.11.) zerstörte eine Rakete das Haus einer Familie in der Stadt Netivot in Südisrael. Dies ist nicht diese Story.

Von David Horovitz, The Times of Israel

 

Am späten Montagabend, dem Höhepunkt der jüngsten Runde wahllosen Raketenfeuers der Hamas und anderer islamistischer Terrorgruppen im benachbarten Gazastreifen nach Israel hinein, schaffte es eine Rakete durch Israels bemerkenswertes Verteidigungssystem Eiserne Kuppel und landete direkt auf einem Haus in der Arbeiterstadt Netivot im Süden.

Wie Reporter Mosche Nussbaum und sein Kamerateam von Hadashot TV News dokumentierten, verursachte die Rakete frappante Schäden. Sie ließ die Decke in den Schlafzimmern einstürzen, schlug ein großes Loch in eine Außenwand, verwüstete das Wohnzimmer, zerstörte Möbel, verletzte den Familienhund, dessen Blut immer noch auf dem Boden war, als das Fernsehteam herein kam.

Die Story spielte Montagabend in israelischen Fernsehnachrichten eine wichtige Rolle, obwohl sie international – nicht überraschend – wenig Wirkung hatte, weil glücklicherweise niemand getötet wurde.

[an dieser Stelle zeigt der Originalartikel den Fernsehbericht]

Obwohl Netivot kaum 25km von der Mitte Gazas entfernt liegt und damit ein Hauptziel für Hamas-Raketenfeuer ist, hat dieses Viertel der Stadt, berichtete Nussbaum, keine städtischen Bunker. Und genau diese Häuser wurden gebaut, bevor vorgeschrieben wurde einen armierten „versiegelten Raum“ in Wohnhäuser einzubauen, in den Israelis in den Sekunden nach dem Heulen der Sirenen eilen können, um vor Raketenangriffen Zuflucht zu suchen.

Für die Familie in Netivot,deren Haus bei diesem Angriff zerstört wurde, wie auch für viele andere wie sie, besteht daher die einzige Option darin, wenn die Sirenen heulten „sich auf den Boden zu legen, ihre Hände über den Kopf zu legen und um ein Wunder zu beten und zu hoffen“, berichtete Nussbaum. „Das ist heute hier geschehen: ein Wunder.“ Ihr Haus wurde zerstört, aber die Familie, abgesehen vom Hunde, kam unversehrt davon.

Das hier ist aber nicht die Geschichte über dieses Haus.

Später am Montagabend begaben sich Nussbaum und sein Team an eine andere Stelle – die des Nachbarhauses, nur 20 oder 30 Meter weiter.

Dieses Haus wurde nicht direkt getroffen. Vielmehr flog ein Stück der Rakete, die das andere Haus zerstörte, weg und traf dieses Haus, in der die Familie Edri lebt – Eltern und ihre zwei kleinen Kinder.

Nussbaum fand,  es sei es wert israelischen Zuschauern zu zeigen, als Teil einer besonderen Mini-Kriegsnachrichten-Sendung, die Hadashot um 23 Uhr sendete: den Weg eines einzelnen Stücks eines Geschosses, um zu unterstreichen, wie viel Zerstörung die Raketen aus dem Gazastreifen anrichten können.

Hadashot TV-Reporter Mosche Nussbaum zeigt, wo der Geschosssplitter einer von der Hamas gefeuerten Rakete die Wand eines Hauses in Netivot durchschlug; 12. November 2018 (Hadashot TV News)

Wie er es zeigte und schilderte, drang dieses einzelne Stück Geschoss über die Ecke ihres Schlafzimmers in das Haus der Edris ein, hinterließ ein kleines Loch in der Wand bei einem Hochzeitsfoto, das dort hängt.

Es flog direkt durch den Raum, an einem kleinen, weißen Kinderbettchen vorbei, in dem ihre acht Monate alte Tochter auf ihrem Minnie-Maus-Kissen schläft und durch die Wand in die Küche.

Es krachte von hinten in ihren Kühlschrank und vorne wieder heraus, quer durch die Küche und in den Ofen. Dort ging ihm dann endlich die Puste aus.

Kein direkter Treffer. Ein einzelnes Stück Geschosssplitter.

Wie ihre Nachbarn haben auch die Edris keinen versiegelten Raum. Normalerweise bleiben auch sie Zuhause und hoffen und beten, wenn die Raketenwarnung kommt. Montagabend flohen sie; Nussbaum sagte nicht, wohin. „Das hat sie offensichtlich gerettet“, merkte er zum Ende an.

[im Originalartikel befindet sich hier das Video des Berichts]

Dieser kurze Bericht (auf Hebräisch) über den Weg eines Geschlosssplitters dauerte kaum 70 Sekunden. Er wurde in den Hauptnachrichten des Senders nicht wiederholt. Er verdiente sich keine eigene Story auf der Internetseite von Hadashot und er wurde von anderen hebräischen Medien nicht aufgegriffen.

Und man kann das durchaus verstehen; es handelt sich um einen nebensächlichen Bericht; niemand wurde verletzt, es gibt nicht viel zu sehen, gehen Sie weiter.

Dafür grub ein Mitarbeiter von Hadashot mir freundlicherweise das Video am Dienstagnachmittag aus, damit ich es zeigen und für jeden– heißt: fast jedermann – darüber schreiben konnte, der es Montagabend im Fernsehen nicht sah.

Warum? Nun, wie der unerschütterliche Nussbaum vermerkte: „um das Ausmaß des Schadens deutlich zu machen“, den sogar ein einziger Splitter einer Rakete anrichten kann.

 

Übersetzt von Heplev - Titelfoto: Hadashot TV-Reporter Mosche Nussbaum in einem Haus in Netivot, das von einem Geschosssplitter einer von der Hamas geschossenen Rakete getroffen wurde; 12. November 2018 (Hadashot TV News)

 


Autor: Heplev
Bild Quelle:


Sonntag, 25 November 2018