Nachhilfe für Merkel, Polenz und Lady Ashton: Schöner Wohnen in Gilo

Nachhilfe für Merkel, Polenz und Lady Ashton:

Schöner Wohnen in Gilo




von Claudio Casula

 

`Israel stößt sogar seine engsten Verbündeten vor den Kopf´, so der Tenor der Berichte und Kommentare (die Grenzen sind da ja längst fließend), als bekannt wurde, dass das Innenministerium in Jerusalem vor einigen Tagen den Bau von 1100 Wohneinheiten im Stadtteil Gilo genehmigte.

Fragt sich nur, worin dieser angebliche Affront bestehen soll. Schließlich ist nicht der Grundstein für eine Siedlung nahe Nablus gelegt worden, dann hätte man die künstliche Aufregung ja noch verstehen können, sondern ein Viertel innerhalb der Jerusalemer Stadtgrenzen, in dem jetzt schon bis zu 40.000 Israelis leben, wird ausgebaut.

Und jetzt kommen eben 1100 Wohnungen, also ein paar tausend Einwohner, hinzu. So what? Ein seit 1971 bestehender Stadtteil ist keine „Siedlung“, die irgendeinen Araber oder westlichen „Beobachter“ in Wallung bringen müsste. Der Punkt ist aber vor allem der: Gilo liegt nicht in „Ostjerusalem“, wie gern behauptet wird, sondern auf einem Hügel in der südwestlichen Ecke der Hauptstadt,.

Und zwar auf Grund und Boden, der schon vor dem Zweiten Weltkrieg von Juden käuflich erworben wurde. Sie hatten nur zwischen 1948 und 1967 keinen Zugang, weil Jordanien das Gelände besetzt hielt, und bekanntlich wurden alle Juden aus arabisch beherrschtem Gebiet ausgewiesen – der Grund, warum dem jüdischen Staat in herzlicher Abneigung zugetane Menschen vom „arabischen Ostjerusalem“ schwadronieren können. Judenrein war Ostjerusalem aber nur in genanntem Zeitraum, und heute sind die ehemals von Jordanien besetzten Teile der Stadt so arabisch wie ein Chili con Carne vegetarisch ist. Bibi Netanyahu trifft´s mit seinem Bonmot, dass Jerusalem genau so wenig „judaisiert“ werden muss wie Washington amerikanisiert und London anglisiert werden muss.

Der nahe Gilo gelegene Kibbuz Ramat Rachel wurde schon während des Araberaufstandes 1929 zerstört, in den 30er-Jahren wieder aufgebaut, war während des Unabhängigkeitskrieges hart umkämpft und verblieb letztlich auf israelischer Seite, während Har Gilo eben von der Jordanischen Legion besetzt blieb. Man muss sich immer wieder klarmachen, dass Waffenstillstandslinien das Resultat militärischer Kräfteverhältnisse sind, nicht mehr. Jordanien beging 1967 den Fehler, Ramat Rachel und andere jüdische Wohngebiete unter Artilleriebeschuss zu nehmen, und der Rest ist Geschichte.

Zwischen Har Gilo und dem palästinensischen Beit Jalla liegt ein Tal, eine natürliche Grenze gewissermaßen, und tatsächlich ist auch der PA klar, dass sie Gilo selbst im Rahmen eines Abkommens mit Israel nie und nimmer überantwortet bekommen wird. Der Wohnungsbau ist also mitnichten ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die einen Friedensprozess in Gang bringen wollen. Dessen sind im Gegenteil jene zu bezichtigen, die hier ohne Not ein Fass aufmachen. Für Verbündete Israels, auf die wirklich Verlass ist, kein Grund zur Beunruhigung. Je leerer die Tonne ist, desto lauter dröhnen die Schläge darauf, das ist alles.

 

Spirit of Entebbe

 

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Montag, 03 Oktober 2011