Satire von Bluthilde:

Deutsche EU-Politik in ganz Europa immer beliebter!

Martin Klotthaus, Sprecher des Berliner Finanzministeriums, hat das Auseinanderbrechen der Mitte-Rechts-Regierung in den Niederlanden sowie die erste Runde der Präsidentschaftswahlen in Fronkreisch, Fronkreisch (wo ein wenig sparfreudiger Monsieur Hollande das Rennen gemacht hat) mit folgenden Worten kommentiert: „Die Zustimmung zu unseren Sparbeschlüssen wächst in ganz Europa“. Hurra!

Herr Klotthaus hat laut Agenturmeldungen darauf verzichtet, diese seine Wahrnehmung anhand empirischer Fakten zu belegen. Er fügte aber beim selben Redeanlass mit einer geradezu von Gerhard Schröder geborgt scheinenden „Langen Hand“ hinzu: „Wie sollten uns von Entwicklungen der Tagespolitik nicht aus dem Ruder werfen lassen“.

So eine Lappalie wie diese dumme Regierungskrise in den Niederlanden mag zwar ein Bad-hair-day für Königin Beatrix sein, aber letztlich sollen die Kaasköppe mal die Kirche im Dorf lassen, nicht wahr, Herr Klotthaus? Das ist eben auch nur eine abtrünnige Provinz des deutschen Kaisers, und wie wir mit den Sozialisten umgehen müssen, wissen wir seit dem Aufstand der Pariser Kommune?

Immerhin: Die Befindlichkeiten der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) hat der Sprecher des Bundesfinanzministeriums punktgenau getroffen.

DIHK-Präsident Heinrich Driftmann fordert nämlich von der deutschen Regierung jetzt auch ganz offiziell einen „härteren Sparkurs“. In Griechenland, Italien, Portugal und Spanien gibt es seit den Interventionen der austeritätspolitischen Hot Wheels rings um Wolfgang Schäuble eben nichts mehr zu holen, jetzt sind die Deutschinnen und Deutschen dran („Man muss die Kühe schlachten, solange sie fett sind“, weiß indes auch jeder Estanciero, der sein Salz wert ist).

Andererseits scheint eine Discounterquote im Lebensmitteleinzelhandel von um die 40% doch zu belegen, dass es zu viele Leute gibt, die immer noch Geld zu verschenken haben. So oder so ähnlich wird sich Herr Driftmann das wohl gedacht haben. Denn: „Wer lächelt, hat noch Ressourcen“, das weiß jeder deutsche Chef (m/w) und sicher auch DIHK-Driftmann, ideeller Gesamtchef der VEB Deutschland AG; ob ihm jemand den Weg zum nächsten Mitternachtsbus erklären wird, wenn den Letzten dereinst die Hunde beißen?

„Die Richtung stimmt – Europa hat seine Hausaufgaben gemacht“, tönt Herr Klotthaus vom Bundesfinanzministerium unverdrossen weiter, aber klingt es nun mehr wie das Pfeifen im Walde, oder wie die Stimmung im ZK der SED Anfang November 1989, oder beides?

Zahlen geben Herrn Klotthaus irgendwie recht, nur leider auf eine etwas andere Art, als er vermutet hätte: Während die USA 2012 ein moderates Wirtschaftswachstum ausweisen können, verläuft die Wachstumskurve in der EUdSSR im Jahr 2012 wieder statisch, in Form eines Nullwachstums; ein Phänomen, das man in entwickelten Volkswirtschaften auch unter dem unschönen Namen „Rezession“ kennt, bei einer gleichzeitig deutlichen Inflation von zwei bis drei Prozent.

Theoretisch-praktisch sind also die beiden wesentlichen Kriterien einer Stagflation heute schon gegeben: Nullwachstum bei gleichzeitig inflationärer Tendenz, was ein langanhaltender und nur schwierig zu verändernder Zustand sein kann.

Welch eine günstige Gelegenheit, um sich seitens des Bundefinanzministeriums auf die Schulter zu klopfen und zu behaupten, man habe seine „Hausaufgaben gemacht“ – nun ja, das hat man vielleicht, aber viele machen ihre Hausaufgaben und schreiben trotzdem eine Fünf.

Vor allem aber war es wohl Zeit seitens der DIHK zu fordern, dass noch viel mehr gespart wird. Denn wie soll das mit der Reproduktion der Produktivkräfte angesichts steigender Preise auch anders möglich bleiben, sofern man nicht den Kitt aus den Fenstern essen will? Oder auf weitaus unangenehmere, aus der deutschen Geschichte bekannte „Konfliktlösungs-“ und „Mediationsstrategien“ zurückgreifen will? Und mal wieder anfängt, andere Nationen zu überfallen, zu ermorden und auszuplündern?

Was man in den GIPS-Staaten seit nunmehr einem Jahr der Tendenz nach schon mal ausprobiert hat, mit der “KaltenLange Hand” aus Bruxelles.

Nachdem aber in der Peripherie des Euroraums nicht mehr „genug“ zu holen ist, sind nun die zentralen Länder dran. Freut Euch bloß nicht zu früh, liebe Schweizer, es geht nicht nur um den Euroraum. Spätestens, wenn Peer Steinbrück, der deutscheste aller Sozialdemokraten, im Flachland wieder den wilden Mann machen darf, müsst ihr mal ein paar Bankgeheimnisse über die Klinge CD springen lassen, tant pis.

Wer an Europa wirklich interessiert ist, sollte sich für einen Ausschluss Deutschlands aus der EU einsetzen. Da ein solches Ausmaß an Vernunft unwahrscheinlich ist, muss man sich darauf verlassen, dass die deutsche Exportwalze (billig gemacht durch eine Generation mit sinkenden Realeinkommen und ein Lohnniveau, das sich chinesischen Verhältnisse angleicht – wie schmecken eigentlich frittierte Hühnerfüße?) sich irgendwann totläuft.

Wenn nämlich – dank verschärfter Sparpolitik – keine/r mehr übriggeblieben sein wird, der sich den ganzen Krempel kaufen kann, den die VEB Deutschland AG produziert. Immerhin werden die gravierenden makroökonomischen Ungleichgewichte innerhalb der EUdSSR dann korrigiert werden können; aus deutscher Sicht allerdings nach unten, was keinen optimistisch stimmen sollte, denn: Wehe, wenn sie losgelassen…

Aber noch ist kein Grund zur Sorge: Wenn die Deutschen ihre EU erfolgreich kaputtgespart haben, und keine/r mehr da ist, der ihnen ihre Exporte abnehmen kann, bleibt Berlin immer noch die Achse Moskau, Peking, Teheran (mit Kurswagen nach Pjöngjang für unsere „Klasse des Bewusstseins“, nur dritter Klasse).

 

Verbreite diese Botschaft zur Befreiung der Arbeiterklasse!

 

Steinzeitmarxist vom Autor_innenkollektiv Bluthilde

 

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