Die VW-Connection: Terror, Kohle und `Das Auto´

Die VW-Connection:

Terror, Kohle und `Das Auto´

Meet the “Peace”-maker: Hier ist Hamas äh: Hamad bin Jassim bin Jaber Al Thani, seines Zeichens Premierminister, Außenminister und fünfter Sohn des ersten Hakim, also Chefs, von Qatar, besser bekannt als “Seine Exzellenz”.

Seine Exzellenz ist, seit er seine Ämter als Staatschef und Besitzer der Qatar Investement Authority angetreten hat, ein großer Freund des “Friedens”; doch dazu später mehr.

Fürs erste genügt es festzustellen, dass Hamad bin Jassim bin Jaber Al Thani eine großer Freund von Hamastan ist, das er mit 250 Millionen Dollar sponsort. Es ist einfach zuviel Geld da, in Gaza-City, liebe “Palästinasolidarität”. Aber don´t be shocked: Seine Exzellenz hat den selben Betrag, nämlich noch mal 250 Millionen Dollar, in eine schicke Yacht investiert und ich glaube nicht, dass er damit lediglich seine abgelaufenen Ohrentropfen nach Gaza-City transportiert.

Natürlich kann Seine Exzellenz mit seiner Kohle machen, was er will, und genau das macht er ja auch – genau, wie andere Leute auch. Sofern sie nicht zu der einen Milliarde Menschen gehören, die nicht genug zu essen hat. (Ja, ganz genau, das ist ein knappes Sechstel der Menschheit).

Seine Exzellenz versteht aber nicht nur was vom Ausgeben, sondern auch vom Einnehmen und ist von daher immer auf der Suche nach einem smarten Renditeobjekt, das die Bilanzen seiner Holding, Qatar Investment Authority (QIA), verbessern hilft.

QIA hält ofiziell etwa 60 Milliarden Dollar in Anlagevermögen, was etwas weniger als die Hälfte von Procter & Gambles Assets ist oder etwa einem Drittel der jährlichen Wirtschaftsleistung des Emirats Qatars entspricht.

QIA ist kein ganz kleiner Fisch und wie gesagt immer auf der Suche nach einer guten Investition; das ist im Allgemeinen Sinn und und Nutzen einer jeden Holding. Deshalb wollte seine Exzellenz auch so gerne Manchester United, den Fußballclub, kaufen. Zumindest solange, bis ihm die Familie Glazer in unzweideutigen Worten mitteilen ließ, man stünde nicht zum Verkauf, und schon gar nicht für ihn.
Beim F.C. Aston Villa ist man für Seine Exzellenz angeblich schon seit Jahren nicht mehr zu sprechen; warum QIA ausgerechnet dieser Club interessant erschien, ist unklar, dürfte seine Fanbasis, “Heroes and Villains”, doch ziemlich inkompatibel mit dem neuen Management aus Doha, Qatar sein.

Immerhin bildet man sich beim F.C. Aston Villa ziemlich viel drauf ein, “zu 98% weiß” zu sein; zumindest, wenn man den Worten seines ehemaligen Geschäftsführers, Richard Fitzgerald, glauben darf.

Doch zurück zum Thema, “Friedens”-Emir Al-Thani. Dem gehören seit einigen Jahren, das ist allgemein bekannt, über seine Holding QIA (die in diesem Zusammenhang als Qatar Holding LLC firmiert) auch 16,4% aller Aktien der VW Gruppe, also dem gesamten VW-Markenkosmos vom Lupo bis zum Bentley, von Suzuki bis Ducati, von Scania bis MAN; Jahresumsatz 160 Milliarden Euro.
Der Gewinn der VW Gruppe belief sich im zurückliegenden Geschäftsjahr auf 15,4 Milliarden Euro, und 16,4% davon sind rund 240 Millionen Euro; also knapp 300 Millionen Dollar. Und 250 Millionen hat der Emir in Hamastan investiert. Dollar, versteht sich, denn den Euro wollen sie dort (noch) nicht.
Es tut sSeiner Exzellenz also nicht besonders weh, wenn die IDF dies Investment jetzt zu Klump geschossen haben, denn morgen, spätestens im nächsten Jahr, ist die selbe Summe wieder da.
Bemerkenswert ist selbstverständlich nicht, dass dieser allgemein bekannte Umstand in Deutschland nicht gerne öffentlich thematisiert gesehen wird: Der “investigativen” Journaille gefällt die Rechnung nicht schlecht, die sie an VW für reichlich Auto-Werbung auf ihren Print-Seiten schreiben darf, und die bürgerliche Presse geht derartig am Tropf, dass sie ohne Rücksprache mit dem Controlling nicht mal husten darf.

In gewissen Public Relations Agenturen in Hamburg und anderswo zittern Mann und Maus bereits bei dem Gedanken, man könnte irgendwie dafür verantwortlich gemacht werden, dass die VW Connection nach Hamastan aus dem Windschatten der veröffentlichten Meinung kommt, und der raison d´être des Landes Niedersachsens ist, wie man weiß, aufs engste verzahnt mit dem Kursverlauf der Aktie VW (und nicht etwa seiner “Goldenen”); dessen wird sich auch Mr McAllister äußerst bewusst sein.
Bemerkenswert ist jedoch, dass es seiner Exzellenz, dem Emir, gelungen ist, sich auf internationalem diplomatischen Parkett erfolgreich als großer Friedensfürst zu inszenieren; es hilft, wenn man auch Premierminister jenes Landes ist, das einem über seine Holding sowieso schon so gut wie gehört.
Und so darf “Friedens”-Emir Al-Thani nun im Beisein von Mrs Clinton, Mr Hague und den Herren Mursi und Erdogan seine Kekschen verknuspern – oder ist es umgekehrt, backt Mrs Clinton kleine Plätzchen, damit sie bei Seiner Exzellenz vorgelassen wird?

Die Diversifikation in andere Geschäftsfelder ist ihm indes geglückt: Harrod´s und Sainsbury gehören ihm (mir hat Tesco immer schon besser gefallen), und auch im Geschäft mit verflüssigtem Erdgas ist seine QIA erfolgreich aktiv. Da fehlt noch ein wenig Renomée in der “politischen” Welt, denn sonst wirkt doch das ganze Leben, als wär´s aus Papier, nicht wahr, liebe Leserinnen und Leser?

Eben – und was könnte nobler sein, als die Sache des “Friedens”. Was könnte heroischer sein, als für ihn zu kämpfen (als Bookie würde ich Wetten darüber anehmen, wann der Emir den Friedensnobelpreis erhält, zusammen mit MdB “Frauendeck”-Höger, wenn´s geht).

Und auf welchem empirischen Befund ist der hehre Anspruch seiner Exzellenz begründet? Nun, der Emir hat bereits im Jahr 2007 versucht, den Libanon zu befrieden, und obwohl ihm kurz danach das halbe Land wieder um die Ohren geflogen ist, gilt die Intervention seiner Exzellenz noch immer als voller Erfolg (zumindest in seiner Pressestelle).

Aber wirklich auf ihren Punkt gebracht wurde die “Friedens”-Arbeit seiner Exzellenz in der Darfur-Krise: Dort gibt es nämlich seit 2006 auch einen “Peace Process”, der immer wieder vollmundige Erklärungen und Vereinbarungen produzierte, zuletzt unter der Shirmherrschaft seiner Exzellenz in Doha, während der Krieg in Darfur weiter ging und für die Zivilbevölkerung kein Ende ihres Leidens in Sicht war; die plausibelsten Schätzungen gehen von 300.000 Toten in der Zivilbevölkerung aus, das sind 5% der Einwohner.

Wenn das das Beste sein soll, was die arabische Welt in Sachen “Peace-Process” anzubieten hat, dann kann man sich in etwa denken, was das Schlechteste wäre – voilà, Hamastan, das Sponsorprojekt seiner Exzellenz.

Das klingt doch wirklich nach einem Vorbild für “Die Region”, wie es immer so neunmalklug in den Medien heißt. Und ist es vor diesem Hintergrund nicht nur zu offensichtlich, warum seine Exzellenz auch beim “Friedens”-Prozess im Nahen Osten mitmischen darf?

Sehen Sie, verehrte Leserinnen und Leser, das ist doch das Schöne an der Globalisierung: Dass es uns Deutschinnen und Deutschen viel bequemmer gemacht wird, für die “Weltverbesserung” zu sein. Man muss auch nicht mehr mit Waffengewalt nach dem Ural! Es genügt, wenn man ganz in Ruhe zuhause arbeiten und konsumieren geht; bei VW ackert und seinen Caddy mit Erdgas betankt – kommt fast schon dasselbe dabei heraus.

 

Gerrit Liskow

 

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21.11.2012