SAMAR und Israel

SAMAR und Israel

von Christian Zimmermann

Was , wo , wer ist Samar? Samar ist ,glaube ich, eine Pfanze ; Samar ist ein Name ; Samar ist ein Ort; Samar ist ein Lebensraum; Samar ist eine Idee vom gemeinsamen Leben; Samar ist kreativ, Musik, Kunst, Ausstellungen, Feiern, Essen, trinken und rauchen. Und lieben, Spaß haben, Kinder haben, rumfahren,biken, wandern, reisen, schwimmen und arbeiten. Und miteinander reden, etwas zeigen und planen. Und Verantwortung haben und teilen. Sich einbringen, geben und nehmen, zufrieden sein.

Samar ist ein Kibbutz, in den 70igern gegründet vom Staat Israel. Der Staat entwickelt das Land , auch da , wo es lebensfeindlich war und ist. Im Negev , in der Arava, im arabischen Bruch, 30 km nördlich vom Golf von Akabar, an der Überlandroute mit der Nummer 90, umgeben von Gebirge, Geröll , Sand und Hitze , also Wüste.

Dort fand der Staat Israel Wasser und suchte junge Menschen, die bereit waren , das Leben an diesem Ort zu entwickeln. Sie bekamen Infrastruktur , eine Straße, Fertiggebäude , Ställe und Kühe, Arbeitsmaterial, 10Jahre Zeit und etwas Geld. Es war eine Chance für diese jungen Juden aus Europa und sonst wo her, allein oder in Beziehungen, zusammen-gewürfelt , gefunden und entdeckt. Jeder traf seine individuelle Entscheidung zu bleiben, warum auch immer. Leben und arbeiten um zu leben, etwas aufbauen, verantwortlich sein für sich und die anderen, aber auch für diesen jungen Staat , umgeben von Feinden und halben Freunden. Jordanien ist nur einen km entfernt.

So begann dieser Ort zu entstehen und wurde zu einer Oase , einem Ort über mehrere Qudratkilometer verteilt, Kuhställe für ca. 260 Milchkühe, 3km Dattelplantage mit 7000 Bäumen, einem Prototyp einer Gashybridstromproduktionsanlage, Werkstätten für Holz und Metall, Kindergarten, Wäscherei, Diningroom und knapp 300 Menschen. Nicht allein, sondern im Verbund mit weiteren 10 Kibbutzim in der Arava, einer prosperierenden modernen Region nördlich vom Roten Meer. Die südliche Spitze Israels, Elat mit einem Hafen und Airport mitten in der Stadt, Supermärkten, Läden, Restaurants, Hotels, Strand mit jährlich mehreren Millionen Touristen, Militär , Flugabwehrbasis , modernster Meerwasserentsalzungsanlage, einem Vogelpark, einer Unterwasserwelt mit Observatorium, einem Teil der Ben-Gurion-Universität of Negev mit Wasser - und Wüstenforschung.

Nach 35 Jahren des Starts im südlichen Negev gibt es modernes Leben in Elat und uter vielen anderen einen funktionierenden Kibbutz Samar.

David Ben-Gurions Vision ist aufgegangen.
Seit 101 Jahr gibts die Kibbutzbewegung, diese "kommunistischen Keimzellen" eines erst später entstehenden neuen Staates Israel, Orte für vielfälltiges experimentelles Zusammenleben. Kein Kibbutz ist wie der andere. Der Staat Israel wurde auf den Kibbutzim aufgebaut, auch wenn sie nicht gegründet wurden, einen Staat zu begründen, aber es war trotzdem so. Sie wollten nur sich und das Land entwickeln, auf dem sie lebten, aber sie waren trotzdem auch ein existenzieller Teil dieses neuen Staates , sie hingen an seiner Unterstützung und den finanziellen Zuschüssen von ausländischen und israelischen Stiftungen, aber sie belieferten ihn auch mit vielen lebensnotwendigen Gütern.

Sie setzten sich durch, sie erhielten sich und bildeten das Fundament von ihrem Israel. Heute , über 50 jahre nach der Staatsgründung sind sie nur noch ein Teil eines inzwischen modernen Staates, mit der Infrastruktur einer modernen und prosperierenden Industrie-, Dienstleistungs-, Kommunikations- und technolgisch/ökologischen Agrargesellschaft. Israel arbeitet an seiner Zukunft und unter dem Druck einer ständigen Bedrohung von Außen an modernen , effektiven und nachhaltigen Lösungen zur Bewältigung aller Bedürfnisse eines modernen Staates mit 7,5 Millonen Einwohnern. Das erwirtschaftete Bruttosozialprodukt wird zur Hälfte für militärische Sicherheit gebraucht, aber selbst dieser Teil der Gesellschaft hat einen vielfälltigen Nutzen. Soziales Zusammenleben, das Füreinander einstehen und miteinander Verteidigung entwickeln ist ein Ergebnis. Die Vielfallt der zusammengekommenen Menschen , Juden aud aller Welt , die Integration und das Leben mit den arabischen Mitbürgern und Nachbarn stellen eine ungeheure Herausforderung dar, der sich niemand entziehen kann. Regierungen, Gerichte, Militär, die Knesset und die Individuen selbst müssen immer wieder daran arbeiten. Die Bedrohungen von Außen, die Vernichtungsabsichten anderer Regime , die hasserfüllten Angriffe gegen die Individuen und den Staat kommen als besondere und ständige Lebenslage zum normalen Leben hinzu.

Im Kibbutz Samar bleiben die täglichen Aufgaben , die Planungen und die Lebensgeschichten auch nicht von diesen äußeren Umständen verschont. Söhne und Töchter sind beim Militär , im Einsatz in der Region um Gaza, die eigene Verteidigungsbereitschaft muß immer aufrecht erhalten bleiben, Waffen und Verteidigung geübt, die Zäune erneuert, das Licht anbleiben und das Tor geschlossen bleiben. Gleichzeitig sind Besucher da, Familienmitglieder, Verwandte und Freunde, Interessierte und Neugierige. Ein Fernsehteam dreht eine Soap , Journalisten berichten, Kunstinteressierte kommen und gehen, Dattelexperten treffen sich, Versammlungen finden statt, die Ernte muss einfahren und verpackt werden. Reperaturen fallen jeden Tag an, Strom und Wasser müssen bezahlt werden, Lebensmittel und Verbrauchsgüter für 300 Menschen müssen eingekauft, verwaltet und verarbeitet werden, Arbeitspläne entstehen und verändern sich, denn jeder hat auch individuelle Wünsche , Befindlichkeiten, auf alles wird Rücksicht genommen und trotzdem ist kein Management erkennbar, niemand herrscht und kommandiert in Samar . Es ist ein besonderer Ort, er hat schon Kultstatus, immer mehr junge Menschen wollen dort hin, dort leben, arbeiten , feiern und fröhlich sein. Der Kibbutz Samar ist sogar unter den Kibbutzim ein außergewöhnlicher Ort. Menschen kommen zu Besuch und bleiben 18 Jahre, gründen Familien und finden ihre Position in einem noch überschaubaren aber durchaus komplexen sozialem Gebilde, einer sozialen Plastik ala Josepf Beuys, an der alle arbeiteten und entwickeln, auch die von außen kommenden. Ideen und Projekte entstehen , Visionen treiben an, Geldknappheit oder - überschuss beflügelt oder bremst. Samar ist nicht fertig, vollkommen oder ideal, sondern ist eine sich ständig verändernder Prozeß unter dem Primat einer lebenswerten , zufrieden stellenden und glücklich machenden Lebenssituation. Vieles wird probiert und vieles wird wieder gelassen. Es geht nicht nur um wirtschaftlichen Erfolg, um Geldvermehrung , Fortschritt und Modernität , sondern zuerst um das gemeinschaftliche Leben an einem schönen Ort.

Im November ist es ein paradischer Ort, Palmen, Zitronen- und Pampelmusenbäume, Olivenhain, sommerlich warm, ab und zu ein Regenfall. Im Juni - September ist es unerträglich heiß, 46 Grad, Klimaanlagen fressen Strom, niemand kann arbeiten, nachts wird geerntet, verpackt und in Kühlhäuser gebracht, das Leben stöhnt unter der Wüste und der Hitze. Dann kommt der Herbst und der Winter, die angenehme Zeit, das ausruhen und reparieren,das Abrechnen und die Planungsphasen mit Sitzungen und Gesprächen.

Es gibt nur wenig Privateigentum, nur die persönlichen Dinge; die Häuser ,die Autos , die Einkommen und die Ausgaben sind vergesellschaftet. Jedes Mitglied ist abgesichert, bekommt ab 65 eine Rente vom Staat und vom Kibbutz, wird ärztlich versorgt. Doch niemand kann etwas vererben, niemand kann seine Mitgliedschaft weitergeben. Jedes neue Mitglied muss sich zwei Jahre bewähren und eine Abstimmung bestehen. Die Kinder gehen und kommen vielleicht wieder, Brüder und Schwestern kommen und bleiben oder gehen. Jeder hat seinen individuellen Ort, "sein" Haus umgebaut, erweitert , verschönert oder auch nicht. Jeder kann arbeiten, wo er will, Kühe melken, in der großen Metallwerkstatt werkeln, in der Holzabteilung schreinern, in der Wäscherei waschen, in der Gemeinschaftsküche kochen und abwaschen, Diningraum putzen, verwalten , ein- und verkaufen. Wie geht das alles zusammen ohne erkennbare Regeln und Mangementstruktur? ES GEHT... tatsächlich.

Und es ist kein Wunder , sondern tägliches Bemühen um sich selbst und um die Gemeinschaft. Aber es kann sich auch alles stark verändern. Auch Samar steht unter dem Einfluss von globalen Fragen, Geldstabilität und Marktfragen. Bricht die Nachfrage nach Datteln ein, z.B. Aufgrund der unsinnigen Boykottaufrufe, fallen die Preise, gibt es Krieg oder auch nur innenpolitische Entscheidungen. Kibbutz im wie Samar werden nicht mehr vom konservativen Staat unterstützt. Alles steht immer wieder auf dem Prüfstand. Sollen auf die Dächer der Kuhställe Solarkollektoren, soll der Kibbutz erweitert werden, gibt es andere lukrative Standbeine? Immer mehr Kibbutzmitglieder arbeiten außerhalb, als Lehrer, Krankenschwestern, in Läden, in der Medizin, in der Uni,... Der Kibbutz Samar lebt im Moment gut, weil er aus ein einer starken Mitgliedschaft getragen wird, aber wer ist die nächste Generation, wer wird sich einbringen, was denken und wollen die neuen Mitglieder? Mehr Fragen , mehr Diskussionen, mehr Lösungen.

Das alles soll auch mal den Staat Israel ausgemacht haben. Dieses mit- und füreinander , die gemeinsame Verteidigung, Einer für alle und alle für einen. Ein entführter Soldat wird gegen tausend Verbrecher ausgetauscht, welcher Staat schaft das. Jeder wird rausgeholt, jeder wird gerettet und versorgt. Doch die moderne Entwicklung in den prosperierenden Großstädten und Regionen überlagert mehr und mehr den Kibbutzgedanken, verändert auch diese zu Wirtschaftsunternehmen. Alles wird ökonomisiert, Ungerechtigkeiten entstehen, soziale Schieflagen führen zu Spannungen, wie im letzten Sommer . Können die orthodoxen Gläubigen mit ihrer Arbeitsverweigerung und steten Vermehrung noch von allen getragen werden? Die Diskussionen werden heftiger , die gesellschaftliche Entwicklung rauher, die Angriffe von Außen immer terroristischer , die Welt immer ungerechter und feindseliger. Auch im Kibbutz Samar wird das alles diskutiert, verändern sich die Einstellungen und es kommt zu Veränderungen. Diese Gesellschaft und die sie bildenden Menschen verändern sich wieder einmal und werden damit aber nicht ärmer, sondern reicher an Erfahrungen und Entwicklungen. Das ist der Reichtum dieses Landes , in der Wüste und am Meer.
ISRAEL

 

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26.11.2012