Linker Antisemitismus: Der boshafte Antizionismus der französischen Trotzkisten

Linker Antisemitismus:

Der boshafte Antizionismus der französischen Trotzkisten




Manfred Gerstenfeld interviewt Simon Epstein

Viele Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Kommunisten die wichtigsten Förderer des Antizionismus in Frankreich. Ihr Niedergang in den letzten 20 Jahren verlief parallel zum erstaunlichen Wählerwachstum einer weiteren wichtigen antizionistischen Kraft, den Trotzkisten. Trotz ihrer Spaltung sind sie heute die wichtigste Komponente der französischen extremen Linken.

Französische Trotzkisten fördern einen Antizionismus, der aus den 1920-er Jahren stammt. Er wurde nicht von einer proisraelischen Phase gezügelt wie der, die die Kommunisten 1947 und 1948 durchliefen und sie haben Israels Existenz nie akzeptiert. Aus denselben Gründen wie die Kommunisten versuchen sie – mit allen Mitteln – die arabischen und muslimischen Teile der französischen Gesellschaft zu verführen. Ihr Ziel ist klar. Sie wollen, dass diese Teile die traditionelle französischen Arbeiterklasse ersetzen, die aus soziologischen und anderen Gründen als ihre hauptsächliche Wähler- und politische Basis schwindet. Diese Strategie hat einen boshaften Antizionismus zur Folge, der den der Kommunisten oft übertrifft.

Simon Epstein

Simon Epstein lehrt an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Er ist ehemaliger Direktor des Vidal Sassoon International Center for the Study of anti-Semitism. Seit 1982 hat Epstein mehrere Bücher und Artikel zu Antisemitismus und Rassismus veröffentlicht.

Es gibt einen Grundfaktor, der die Kommunisten von den Trotzkisten und anderen Teilender französischen Linksextremen trennt. Er betrifft ihr Verhältnis zum Zweiten Weltkrieg und der Schoah. Die Kommunisten bleiben einem historischen Narrativ verbunden, das im Wesentlichen anti-nationalsozialistisch ist. Dieses Narrativ schweigt über die beiden Jahre zwischen dem Hitler-Stalin-Pakt (August 1939) und dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion (Juni 1941). Es spricht auch oft allgemein von „Opfern des Faschismus“, ohne die Juden besonders zu erwähnen. Doch bleibt Antinazismus in all seinen Facetten Teil des ideologischen und kulturellen Erbes der kommunistischen Partei Frankreichs. Zum Beispiel war das Gesetz, das Holocaustleugnung verbietet, eine Initiative des kommunistischen Parlamentsabgeordneten Jean-Claude Gayssot aus dem Jahr 1990.

Die Haltung der Trotzkisten ist radikal anders. Sie bleiben dem Prinzip der Neutralität treu, das ihre Vorgänger während des Zweiten Weltkriegs übernahmen. Sie erklärten, dass das Proletariat nicht an dem Kampf zwischen zwei Titanen teilnehmen sollte, den zwei gleichermaßen widerwärtige Kräfte ausfochten: der deutsche Imperialismus und der anglo-amerikanische Imperialismus. Zur alliierten Landung in der Normandie am 6. Juni 1944 titelte das wichtigste französisch-trotzkistische Untergrundjournal über die Alliierten und die deutschen Besatzer Frankreichs: „Sie sind dasselbe.“ Diese Haltung führte die große Mehrheit der Trotzkisten dazu, jegliches Vorgehen gegen die deutschen Besatzer abzulehnen. Einige nicht jüdische Trotzkisten kollaborierten sogar mit den Nazis. Die Memoiren eines ehemaligen Trotzkisten, des jüdischen Mathematikers Laurent Schwartz, bestätigen, dass die Trotzkisten dem Schicksal der Juden im besetzten Europa völlig gleichgültig gegenüber waren.

Nach dem Ende des Krieges ließen die Trotzkisten weiterhin die Schoah außer Acht. Das war das Ergebnis der Tatsache, dass bis in die 1980-er Jahre hinein eine große Zahl der Trotzkistenführer Juden waren. Sie versuchten ihre Herkunft zu verbergen, indem sie französisch klingende Namen annahmen, obwohl weithin bekannt war, dass sie jüdisch waren. Sie erwähnten die Schoah nie und hofften, damit ihre Herkunftsidentität tarnen und als authentisch internationale Militante posieren zu können. Dennoch entstammte die Ignorierung der Schoah in erster Linie einem ideologischen Faktor. Da Auschwitz dem trotzkistischen Postulat, die beiden im Zweiten Weltkrieg einander bekämpfenden Imperialismen sein „gleich“, Schaden zufügte, bestand die Lösung darin, Auschwitz einfach aus ihrem kollektiven politischen Gedächtnis zu streichen. Man muss sich in Erinnerung rufen, dass einige der Holocaustleugner ihre Herkunft in der extremen Linken hatten und dass es falsch war Holocaustleugnung als exklusive rechtsextremes Phänomen anzusehen.

Wo immer es politisch vorteilhaft ist, ist die extreme Linke Frankreichs bereit die Schoah in ihren Diskurs und öffentliche Kampagnen einzubringen. Das machte sie, als Jean Marie Le Pens Nationale Front 1984 wegen ihres Kampfs gegen die Einwanderung ihren ersten Wahlerfolg feierte. Um die öffentliche Meinung gegen Le Pen zu mobilisieren begannen einige Intellektuelle sich plötzlich an den Völkermord an den Juden zu erinnern. Nach ihrer Meinung hatte das Massaker an den Juden endlich seine politische Verwendbarkeit gefunden. Das wurde wichtig, denn es half die Araber und Muslime vor den Angriffen der französischen rechtsextremistischen Bewegung zu schützen. Wir sollten uns auch daran erinnern, dass die linken Militanten die Schoah während der ersten und noch mehr während der zweiten Intifada ausgruben. Diesmal machten sie es, um ihrem radikalen Antizionismus Ausdruck zu verleihen; sie behaupteten Israelis würden den Palästinensern antun, was die Nazis den Juden antaten. Auf diese Weise erfüllten die deutschen Verbrechen eine neue historische Funktion. Sie ermöglichten es den Trotzkisten die Schoah gegen die Juden zu verwenden und die Israelis zu dämonisieren, indem sie ein völlig verzerrtes Bild des Nahost-Konflikts förderten.

Epstein schließt: In beiden Fällen ist das Leiden der Juden ein Instrument einer linksextremen Strategie geworden, mit der man die arabische und muslimische Bevölkerung in Frankreich ködern, rekrutieren und mobilisieren kann.

 

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war. - Quelle: Heplev - Foto: Goebbels-Sprech: Trotzkistische Linksextremisten lügen Verteidigung in einen "Angriff" um

 

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Dienstag, 05 März 2013







Ist schon irgendwie Eigenartig.Mir scheint es gibt mehr Bücher über Antisemitismus, als über das Judentum an sich.

Shalom