Der nicht erklärte Krieg der deutschen Linken gegen Israel

Der nicht erklärte Krieg der deutschen Linken gegen Israel


Kommunisten im Osten und Linke im Westen waren aktive Feinde des jüdischen Staates

von Benjamin Weinhal, The Standard

 

Das fundierte neue Buch des Historikers Jeffery Herf zeigt, dass gegen Israel gerichteter, von Deutschen angeregter linker Terrorismus keine Taktik, sondern eher Teil einer auf einen langen Krieg angelegten Strategie zur Vernichtung des jüdischen Staates war. Akademische Studien und Journalismus zum heute nicht mehr bestehenden ostdeutschen kommunistischen Staat und radikalen westdeutschen Gruppen haben es bislang versäumt den fortgesetzten Krieg gegen Israel (und, kann man argumentieren, gegen die Vereinigten Staaten) zu erforschen.

 

Undeclared Wars with Israel: East Germany and the West German Far Left 1967-1989[1]ist der Titel von Herfs gewaltiger Studie. Um die Deutsche Demokratische Republik zu verstehen, muss man ihre Gegnerschaft zur Gründungsphilosophie des jüdischen Staates, nämlich dem Zionismus, verstehen. „Die ostdeutsche Diktatur war eine andere Art von Diktatur als die ihres Nazi-Vorgängers, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen wurde es die weite Diktatur, die den Zionismus als Feind betrachtete“, schreibt Herf.

 

Herf analysiert wiederholt die große Ironie in der leeren antifaschistischen Rhetorik der DDR und der radikalen Westdeutschen. Die Führer des Regimes, von denen viele gegen die Hitlerregierung kämpften, internalisierten den tödlichen Antisemitismus der Nazis, was unerbittlich zu ihrem Wunsch führte Israel zu demontieren. Die DDR bringt Theaterautor Bertholt Brechts berühmten Satz in Erinnerung: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“

Herf bietet ausführliche Beweise dafür, dass die DDR heimlich Militärmaterial an Israels Feinde im Nahen Osten lieferte – einschließlich dem kriegslustigen Regime von Hafez al-Assad in Syrien, das ein strategischer Partner Ostdeutschlands war.

 

Nehmen wir zum Beispiel den Zeitraum von 1970 bis 1974, in dem „Ostdeutschland etwa 580.000 Kalaschnikow-Sturmgewehre und Maschinengewehre an die Streitkräfte Ägyptens und Syriens lieferte, rund 125 ihrer MiG-Kampfflugzeuge reparierte und wartete und Millionen Kugeln lieferte, dazu viele tausend Panzerfäuste und Landminen und Millionen Patronen.“

 

Herf grub tief in den deutschen Archiven, um Informationen über den von der DDR gesponserten Terrorismus zu erlangen. Seine Betrachtung des mächtigen DDR-Verteidigungsministers General Heinz Hoffmann fängt die Allianz des Stalinismus nach DDR-Art mit den Diktatoren des Nahen Ostens in den frühen 1970-er Jahren säuberlich ein. Hoffmann sprach gegenüber seinen irakischen Gesprächspartnern von „den Gemeinsamkeiten in unserem Kampf gegen Imperialismus und Zionismus“.

 

Einer der vielen neuen Beiträge Herfs zu Ergründung des von der DDR gesponserten Staatsterrorismus ist sein Rahmenkonzept: Er nennt es „Ostdeutschlands eurozentrische Definition der Terrorbekämpfung“. Ein Element dieser Definition war eine Quid-pro-quo-Politik bezüglich der palästinensischen Terrororganisationen. Die DDR lieferte den Palästinensern Waffen und aufwändige Ausbildung in Tausch dafür, dass sie auf Terroranschläge in Westeuropa verzichteten. Mit anderen Worten: Die DDR beauftragte die Araber des Nahen Ostens weitgehend mit ihrem Krieg gegen die Juden.

 

Gleichwohl erlaubten die Ostdeutschen, wissentlich oder nicht, den Libyern 1986 in der Westberliner Diskothek La Belle eine Bombe zu zünden, die 3 Menschen, darunter zwei US-Soldaten, tötete und 229 weitere verletzte, einschließlich 79 US-Militärpersonal. Eine konkrete Verbindung zwischen der palästinensischen Gruppe Schwarzer September und der Ermordung von 11 israelischen Sportlern und einem deutschen Polizisten bei den Olympischen Spielen von München 1972 kann nicht aufgrund von Archivmaterial belegen. Vertreter von Stasi und weiteres DDR-Personal zerstörten enorme Mengen an Dokumenten, als 1989 die Berliner Mauer fiel.

 

Die westdeutsche Linksextreme Ulrike Meinhof von der Baader-Meinhof-Gruppe – vielleicht die berühmteste deutsche Terroristin der damaligen Zeit – war wegen des Massakers an den Israelis euphorisch. Herf beschrieb ihren Aufsatz, mit dem sie die Morde an israelischen Athleten feierte, als „eines der wichtigsten Dokumente in der Geschichte des Antisemitismus in Europa nach dem Holocaust“. Meinhof nannte den Anschlag des Schwarzen September als „antiimperialistisch, antifaschistisch und internationalistisch“. Der Anschlag von München richtete sich gegen „Israels Nazi-Faschismus“. Meinhof und Andreas Baader haben bei vielen Teilen der heutigen deutschen Linken immer noch eine Art Bonnie und Clyde-Promistatus.

 

Während die DDR-Waffenlieferungen an palästinensische Terroristen und arabische Staaten ein Schlaglicht auf die existenzielle Bedrohung Israels werfen, lässt Herf die westdeutsche Regierung nicht vom Haken. Ein selten behandeltes Thema in der modernen deutschen Geschichte ist Kanzler Willy Brandts Preisgabe Israels während des Yom Kippur-Krieges von 1973. Nach einem Überraschungsangriff mehrerer arabischer Armeen steckte Israel in der Klemme, benötigte dringend Waffen und Munition. Präsident Richard Nixon und Außenminister Henry Kissinger waren enorm frustrier, dass Brandt klammerte sich eisern an seine „neutrale Haltung hinsichtlich des Konflikts im Nahen Osten“. Die Nixon-Administration versuchte den Hafen von Bremerhaven zur Lieferung von Waffen an die Israelis zu nutzen. Nixon sagte damals: „Es darf nicht erlaubt werden, dass die Israelis verlieren.“

 

Herf zeigt die überaus offenkundige Kluft zwischen Rhetorik und Handeln Westdeutschlands; dazu schreibt er: „Westdeutschlands Neutralitätshaltung … lief auf eine einseitige Haltung zugunsten der arabischen Staaten hinaus, obwohl es die Araber waren, die die Verantwortung für den Krieg trugen.“

 

Brandts Scheinheiligkeit wurde von Herf so zusammengefasst: „Der Kanzler, der so berühmt in einem Akt der Sühne am Mahnmal für die im Warschauer Ghetto getöteten Juden niederkniete, erklärte sein Land in den schrecklichsten Tagen der Geschichte Israels seit 1948 für neutral.“

 

Die merkwürdige Besessenheit großer Teile der deutschen Eliten den Massenmord an Juden während der Schoah zu betrauern, während die Völkermorddrohungen des Iran, Israel auszulöschen, ignoriert oder heruntergespielt werden, ist eine Fortsetzung der Politik Brandts. Der aktuelle sozialdemokratische Außenminister Frank-Walter Steinmeier zum Beispiel, ein diensteifriger Unterstützer des Atomdeals mit dem Iran aus dem letzten Jahr, nannte die Kritik des israelischen Premierministers Netanyahu an der Vereinbarung „grobschlächtig“.

 

Während die extreme Linke in Westdeutschland nicht Teil des DDR-Staats war, profitierte sie von Ostdeutschlands Förderung palästinensischer Terroristen. Dieses Jahr bringt den vierzigsten Jahrestag der Entführung eines Air France-Flugzeugs durch ein Team aus deutschen und palästinensischen Terroristen. Israelische Kommandotruppen befreiten 1976 erfolgreich fast alle der mehr als 100 Geiseln auf dem Flughafen Entebbe. Die Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) und Wilfried Böse und Brigitte Kuhlmann von den westdeutschen Revolutionären Zellen führten die Entführung durch.

 

Herf schreibt, dass die Trennung der nichtjüdischen Passagiere von den jüdischen Passagieren der erste Selektionsprozess von Deutschen seit dem Holocaust war. Darüber hinaus „war es das erste und einzige Mal nach 1945, dass Deutsche – egal, ob West oder Ost – Maschinengewehre auf unbewaffnete Juden richteten und drohten sie zu töten“. Die Israelis eliminierten die deutschen Terroristen während der Rettung in Entebbe. Das Buch dokumentiert akribisch die linke Gewalt, die sich gegen israelische und jüdische Einrichtungen in Westdeutschland und im Ausland richtet.

 

Die Ursprünge der Bewegung Boykott, De-Investition und Sanktionen (BDS), die sich gegen Israel richtet und 2005 begann, kann annähernd bis 1967 zurückverfolgt werden. Die bis zur Vergasung wiederholten Angriffe der DDR, der Sowjetunion und westdeutscher Linker, die behaupten Israel sei eine neue Erscheinungsform der Hitlerbewegung, beginnt in diesem Zeitraum.

 

Das Buch rappelvoll mit neuen Erkenntnissen zur tödlich antisemitischen Außenpolitik der DDF und der tödlichen Sozialpsychologie der westdeutschen Radikalen. Leider sind die Lektionen aus Herfs Buch bei der deutschen Linken nicht durchgedrungen. Die Linkspartei, der Nachfolger der in der DDR herrschenden Sozialistischen Einheitspartei, ist heute die größte Oppositionspartei im Bundestag. Die Linkspartei setzt die Tradition der Angriffe auf Israel fort.

Kanzlerin Angela Merkels Koalitionspartner SPD hat eine „strategische Partnerschaft“ mit der palästinensischen Fatah-Organisation gebildet, die die Ermordung von Israelis begrüßt.

 

Dieses bahnbrechende Buch muss gelesen werden, weil es ein tieferes Verstehen der Zeit des Kalten Krieges und des linken Krieges gegen Israel fördert. Wenn es Deutschland ernst damit ist sich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, dann wird ein deutscher Verleger Herfs umfassende Studie zügig übersetzen.

 

 

[1] Nicht erklärte Kriege gegen Israel: Ostdeutschland und die westdeutsche extreme Linke 1967 – 1989

 

 

Übersetzt von Heplev - Foto: Screenshot von der Website des Kreisverbandes Duisburg (NRW) der Linkspartei


Freitag, 28 Oktober 2016





Ich kanns bald nicht mehr hören, das "Gejammere". Antisemitismus von Links, Rechts, Muselmanen sowieso und weiß der Henker noch von wen. Zieht EUER Ding einfach durch. Die Geschichte wird Euch recht geben! Oder kann einer von den oben genannten Berufsfanatikern so viele Kalendertage, immerhin über 3000 Jahre x 365, aufweisen? ☺ Glaub eher nicht.

Wenn man dem Artikelo folgt müssten die DDRler ungemein intelligent gewesen sein, das ist für mich eigentlich undenkbar, ich kann mir Erich oder Walter nicht als intelligente Menschen vorstellen. Auch die Schlussfolgerung die Linke würde "traditionell Angriffe auf Israel" fortsetzen ist nicht schlüssig, wenn im nächsten Satz die SPD damit in Zusammenhang gebracht wird. Und wenn ich es recht sehe ist Frau Groth ja nun auch kein Beispiel für Intelligenz. Da sehe ich den latenten Antisemitismus im heutigen Deutschland als viel gefährlicher an und der ist nicht auf Ostdeutschland beschränkt.

@2pp: moinpp. "...DDRler ungemein intelligent gewesen sein..." Was Allgemeinbildung angeht warn se das auch, bzw. sind se immer noch. Es waren nicht alle Eriche oder Watltere. Allerdings hat die Verblödung(durch wen dürfte bekannt sein), auch im Osten scön viele Treffer gelandet. Ausnahmen bestätigen die Regel.☺☺

@3 steve Moin Steve, weißt Du Steve es zeugt nicht von Klugheit wenn jeder nur daran denkt den besten Teil des Kuchens für sich zu haben und das war in der DDR leider in allen Etagen vorhanden. Ohne Beziehung keine Chance, das ist nicht die Erde auf der alle vorankommen, auch nicht die DDR. Übrigens denke ich, dass der unbedingte Wille ein Gegensatz zur BRD zu sein dazu geführt hat, dass die DDR immer weiter ins Abseits driftete, die dumme Sozi-Politik der Eliten hat ein Übriges getan. Wer 5jahrespläne aufstellt bei denen schon vorher feststeht wie sie enden, der endet dort wo er hingehört, auf dem Müll der Geschichte.

@4pp: Mein lieber pp, ich habe hier nicht von den Leuten geredet die 5Jahrpläne und solche Faxen aufgestellt haben.

@Steve. Sehe ich absolut genauso! Was haben wir spätestens bis heute im Jahr 2016 aus der Geschichte gelernt? --> "Schwach ist der der Schwach sein will." Alle anderen haben Atombomben, PR/Propaganda und "ihre Methoden". Was hat Israel? Was haben Juden in Deutschland? Was haben Deutsche in Deutschland? Na die haben wenigstens noch Pegida als außerparlamentarische Opposition. Was haben Juden in Deutschland? Nichts. Juden in Deutschland 2016 wählen besser AFD und so rechts wies nur geht. Sonst höre ich schon jetzt das klappern der Waggons gen Osten... Der Schaffner heißt dann aber net Klaus sondern Ali. Tjaja... Vermeintliche Paradoxien der Geschichte. Ich sage: Die meinsten haben keine Ahnung und glaube weiterhin an ihre Schulgeschichtsschreibung und Lehren auf Kinderniveau. Als Erwachsener stirbt man aber ganz schnell mit samt seiner Familie, wenn man sich darüber nicht hinausentwickelt. ;-)

@5+@6 Ihr seid schon witzig, ich habe auch nicht nur von denen geredet, die 5jP aufstellen sondern von denen die mitmachen. Denkt mal nach, wer hat sich denn von Helmut Kohl mit DM einfangen lassen? Der Aufstand in der DDR war schon eine gute Sache aber leider in der Mitte steckengeblieben, sozusagen die Platte für den Westen geputzt.