Stars aus Bollywood und China für Israel

Stars aus Bollywood und China für Israel


Als Bollywood-Star und Mode-Ikone Sonam Kapoor auf dem Cover der Juni-Juli-Ausgabe von Harpers Bazaar Bride, India, erschien, glnzte im Hintergrund die Altstadt von Jerusalem.

Zufall war das nicht, denn im Mai war Kapoor als Gast des Israelischen Tourismusministeriums im Land gewesen und hatte ihren Aufenthalt durch eine Flut von Snapchat-Selfies begleitet, die sie bei ihrem Besuch in der Altstadt von Jeruslaem, in Taxen auf dem Weg nach Tel Aviv oder ans Tote Meer zeigten. 

Im August startete das Tourismusministerium in Indien eine 1,5 Millionen US-Dollar teure Werbekampagne, die nicht nur auf Plakaten und in Printmedien, sondern auch im Fernsehen und in sozialen Medien für eine Reise nach Israel wirbt. 

Neu ist der Ansatz nicht: Indien ist nach China bereits der zweite asiatische Markt, den das Ministerium intensiver in den Blick genommen hat. 

2014, nur wenige Monate vor der Operation Schutzlinie, filmte ein chinesisches Filmteam am Toten Meer den chinesischen Blockbuster „Old Cinderella“. 130.000 Dollar hatte die israelische Regierung investiert und so sichergestellt, dass die Zuschauer nicht nur romantische Bilder der Protagonisten, sondern auch Ansichten von Israel zu sehen bekämen. 

Die Produzenten schrieben also das Land in die Handlung – und die Rechnung ging auf: Diese und andere Initiativen des Tourismusministeriums führten zu einer Steigerung der Besucherzahlen aus China um ganze 93% von Juni 2015 zum Juni dieses Jahres. Die chinesische Fluglinie Hainan Airlines fliegt mittlerweile dreimal wöchentlich von Beijing direkt nach Tel Aviv. 

Immerhin noch um 13% stieg die Zahl der indischen Reisenden, die nach Israel kommen – das erste offizielle israelische Tourismusbüro auf dem Subkontinent wurde im vergangenen Jahr in Mumbai eröffnet. 

Und die Branche tut viel, um den Bedürfnissen der asiatischen Besucher entgegenzukommen: Große Hotelketten bilden ihre Köche in chinesischer und indischer Küche aus, so wurden im November 2015 vier indische Promiköche und weitere vier Kollegen von ihnen aus China eingeflogen, um israelischen Hotelköchen den Geschmack ihrer Landsleute näher zu bringen. 

Das Tourismusministerium legt mit einem neuen Kurs für mandarin-sprachige Reiseführer nach. Beinahe 30 chinesische Immigranten – in der Regel Muttersprachler, die mit Israelis verheiratet sind – haben bereits ein Fremdenführerzertifikat erworben. 

„Die Nachfrage ist ungeheuerlich“, so Noam Porat, der die Kurse für die zukünftigen Fremdenführer koordiniert. „Meine Studenten arbeiten rund um die Uhr. Wenn man sie mit einem normalen israelischen Reiseführer vergleicht, der Englisch und vielleicht noch eine andere Sprache spricht, dann haben diese beinahe weniger zu tun [als ihre Chinesisch sprechenden Kollegen].“ 

Yang Cheng, eine 33-jährige Fremdenführerin, erklärt die wachsenden Touristenzahlen auch mit einer veränderten Wahrnehmung: „Die Wahrnehmung von Israel in Asien wandelt sich“, erklärt sie und weist auf einen Umstand hin, der auch dem Tourismusministerium bekannt ist: Israel ist vielleicht nicht die erste Wahl für asiatische Touristen, aber bei einer wachsenden Bevölkerungsgruppe, die schon mobil und auf der Suche nach neuen Reisezielen ist, taucht das Land aller Wahrscheinlichkeit nach irgendwann auf der Liste auf. 

„Die Chinesen kommen mit niedrigeren Erwartungen“, so Yang. „Das ist gut, weil man so nicht so leicht enttäuscht wird. Sie hören von Israel in den Nachrichten, sie werden neugierig, und wenn sie kommen, ist es friedlich und schön. So fahren sie wieder heim und erzählen ihren Freunden und Verwandten davon, und dann haben Sie auf einmal chinesische Touristen als Botschafter Israels.“ 

 

 


Times of Israel - Foto: Itamar Grinberg, Israeli Ministry of Touris


Samstag, 10 Dezember 2016