Eine Matze Mitleid bitte: LAK Shalom definiert Antisemitismus als `Geisteskrankheit´

Eine Matze Mitleid bitte:

LAK Shalom definiert Antisemitismus als `Geisteskrankheit´




In einer bemerkenswerten Selbstauskunft in eigener Sache erklärt der LAK Shalom aus Bayern dem Publikum der Ruhbraone.de, was es auf sich hat mit Antisemitismus im Allgemeinen und mit dem der sogenannten Linken im Besonderen.

 

von Gerrit Liskow

 

Der LAK Shalom bemüht sich in seinem Elaborat auffallend deutlich um eine Metaphorik individueller Pathologie, die dazu angelegt scheint, diese angebliche – vermeintliche? – „Geisteskrankheit“, diesen „Wahn“, als persönliche Macke zu beschreiben.

 

Wenn aber Theodor Wiesengrund-Adorno von wahnhafter Verblendung schrieb, war immer klar, worum es sich in diesem Zusammenhang handelte: um einen Zustand, der nur auf gesellschaftlicher Ebene ansprechbar ist, wenn bei seiner Analyse mehr als Apologetik herauskommen soll.

Es läuft der Ansatz des LAK Shalom nämlich durchaus Gefahr, Antisemiten, Antisemitinnen von der Verantwortung für ihr Tun frei zu sprechen und sie für ihren „Zustand“ zu entschuldigen; sie können – als Opfer einer „Geisteskrankheit“ scheinbar nichts dafür.

 

In ihrer Funktion als „arme Irre“ jedoch können die Antisemiten, Antisemitinnen, sehr zweckdienlich sein, und der LAK Shalom macht von diesen Diensten offenbar gerne Gebrauch.

 

Wird der Erklärungsansatz vom Wahn, von der Verblendung, ins Individualpsychologische gewendet, kommt dabei nicht mehr als eine Parallele zur Faschismus-„Analyse“ Golo Manns heraus; übrigens immer noch – also vermutlich nicht ohne Grund – die in Deutschland meistverbreitete „Analyse“ zu ihrem Thema.

 

Wo es bei Golo Mann manchmal so aussieht, als wolle er das historische Nazi-Deutschland als ein von quasi-außerirdischen, „fremden Mächten“, namentlich von den historischen Nazis, kontrolliertes Kollektiv präsentieren, um sich und sein Publikum auf ebenso wohlmeinende wie selbstgefällige Art und Weise von der Verantwortung für die deutsche Geschichte auszunehmen, konstruiert der LAK Shalom eine von sinisteren Mächten und geheimen Kräften scheinbar verhexte und besessene Person, die von etwas außerhalb ihrer Macht Stehendem, einer „Geisteskrankheit“, dazu veranlasst, oder sogar manipuliert und getrieben, wird, etwas zu tun, das sie anderenfalls gar nicht getan haben würde - nämlich, wenn sie bei Sinnen und bei Verstand gewesen wäre.

 

In Golo Mann einschlägigen Werk wirkt es manchmal so, als ob etwas oder jemand quasi von oben oder doch zumindest von außen zu Deutschland hinzugekommen wäre, das sich Nationalsozialismus nannte und barbarisch, vor allem aber gegen den Willen aufrechter Deutschinnen und Deutscher, die Macht an sich riss (nachdem die Nazis ihre Reichsflugscheiben in den Kellern des Reichstags verstaut hatten) um sodann das - an sich und als solches aber doch bitteschön völlig untadelige! - „deutsche Volk“ auszutricksen; kein Wunder, dass Golo Manns selbstgefällige Lesart laut Bestsellerliste noch immer die beliebteste, weil emotional eingängigste, deutsche Faschismus-„Analyse“ ist.

 

À la Golo Mann kommt nun also der LAK Shalom in seinem Gastbeitrag auf Ruhrbarone.de daher und führt der interessierten Öffentlichkeit ein „Links“-Individuum vor, das von Motiven bedrängt und unter Beschlag genommen wird, die „irgendwie“ von unten und von innen kommen; „irgendwie“ aus dem Ur-Grund seiner Seele zu entspringen scheinen um ungebeten und unabwendbar die Kontrolle im geistigen Oberstübchen zu übernehmen.

 

Also dort, wo nicht der „Führer und Reichskanzler“, sondern das Freudsche Über-Ich, das rationale Individuum, das autonome Subjekt, zumindest aber der freie Wille und die Vernunft zuhause sein sollten, damit die Person jederzeit und vollumfänglich Herr oder Dame der Lage ist – vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun?

Dass beide Konstruktionen, die von Golo Mann und LAK Shalom, strukturell parallel konstruiert sind zu „jüdischer Weltverschwörung“, die ja auch als „von außen“ kommende den an sich „gesunden“ ideellen Gesamtkörper „befällt“ und „manipuliert“, indem sie jedes seiner Bevölkerungsglieder und deren ideelle Gesamtheit „korrumpiert“, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt; nach oberflächlicher Analyse beider „Erklärungs“-Ansätze ist dies nämlich vollkommen evident.

 

Man mag diese - freiwillig-unfreiwillige? – Immanenz symptomatisch halten für „Analysen“, die begrifflich durchgängig nicht auf der Höhe ihrer Gegenstände ist, und sich deshalb zu nicht mehr, aber auch nicht viel weniger als zur Befriedigung des Bedürfnisses nach Regression und Apologetik anbiedern; oder auch als (Re-)Produktionen genau jenes „Wahns“, den diese vermeintlichen Kritiken bekämpfen möchten – das aber bitte nur zum Schein.

Im Falle des LAK Shalom als Wohlfühlveranstaltung für die „guten“ Linken, der die Sympathie mit dem Bedränger, dem Volks-Genossen von Pseudo-Links, stets eingeschrieben bleibt, denn genau den muss sie mit ihrem pseudo-kritischen Treiben am Leben erhalten, sonst macht sie sich vermutlich zwar nicht arbeitslos, aber zumindest doch sehr überflüssig.

 

Es taugt die regressive Apologetik des LAK Shalom darüber hinaus zu einer Selbst-Inszenierung, die es gut mit sich zu meinen vermeint, indem sie sich als Opfer inner-parteilicher „Umstände“ und „Verfolgung“ halluziniert; und das, obwohl der „Erklärungs“-Ansatz des LAK Shalom in höchstem Maße kompatibel mit dem sozialen Wahn ist, der ihn umgibt.

 

Nämlich als Einäugiger, der unter den Blinden König sein möchte, obwohl er ebenso blind oder einäugig ist, wie die von ihm selbstzweckhaft „kritisierte“ Peer-group; in dieser Hinsicht ist der LAK Shalom also nichts für die Allgemeinheit Besonderes, sondern nur etwas besonders Typisches.

 

Ich könnte es deshalb verstehen, wenn die „Links“-Partei sich nicht blenden lassen wollte von Königs-Aspiranten, die zweckdienlich von sich als „GenossInnen“ tönen; dass die „Links“-Partei dem LAK Shalom also genau so wenig den Gefallen tun würde, sich an den weißen Stock seiner „Kritik“ nehmen zu lassen, wie der Rest der deutschen Öffentlichkeit es tut .

 

Den „Zustand“, den der LAK Shalom selbstgefällig kritisiert, ohne die Immanenz des vermeintlich Kritisierten jemals zu durchbrechen, und sie im Ergebnis also nolens-volens nicht nur zu affirmieren, sondern zu exkulpieren, könnte man auch aus dem Zusammenhang von Gesellschaftsform und Denkform erklären.

 

Denn relevant wäre es allemal, was denn die „Betroffenen“ von ihrer „Geisteskrankheit“ haben, gesellschaftlich und privat: Eine selbstgefällige Erklärung dafür, warum es mit dem „richtigen Leben im Falschen“ (Adorno) nicht recht klappt; eine handliche Formel um die Mediokrität der individuellen und sozialen Existenz auf das Wirken esoterischer „Kräfte“ und „Mächte“ zurückzuführen.

Und auf (selbst-)zweckhaft herbei halluzinierte „Manipulationen“, die mal aus dem unergründlichen „Ur-Grund der Seele“, mal aus „Wall-Street“, mal vom „zionistischen Gebilde“ ausgehend gewähnt werden, in jedem Fall aber mit einer gewissen Naturgesetzlichkeit in Kauf genommen werden müssen, wenn man sich als vermeintlicher Kritiker, Kritikerin, überflüssig machen möchte.

 

Vor allem aber, um sich als „ohnmächtiges“ – aber wütendes! – „Opfer“ den moralischen Persil-Schein auszustellen. Also genau die Art von Freifahrtkarte, die bis zur „Dritten Intifada“ reicht, gedeckt durch die pseudo-moralische Vorneverteidigung, die das „Opfer“ per se von jeder ethischen Haftung für sein Tun freizusprechen versucht.

 

Das, lieber LAK Shalom, tritt indes nur dann ein, wenn dieser – für deutsche Gemüter anscheinend so beneidenswerte, anstrebenswerte Opfer-Staus – auch seine Begründung in der Wirklichkeit hat; und zwar in der empirischen, und nicht in der kognitiven Realität.

Für alle, die sich selbstzweckhaft und in diese Rolle erst mühsam hinein konstruieren möchten, gilt das Diktum von Friedrich Luft: Man erkennt die Absicht und ist verstimmt.

 

Der tatsächliche Zweck des antisemtischen Wahns scheint mir nach dem, was dazu in letzter Zeit gesagt worden ist, (insbesondere sei hier Joachim Bruhns einschlägiger Beitrag gewürdigt), doch ausreichend rationale Nutzen zu bieten, um im sozialen Zusammenhang gar nicht mal so irrational und unvernünftig zu wirken, wie der LAK Shalom ihn gerne hätte.

 

Zumindest nicht so „geisteskrank“, wie man ihn sich beim LAK Shalom– anscheinend im besten eigenen Interesse – gerne denken würde, indem man der „Linken“ in aller sozialtherapeutischen Absicht ein „Problem“ erfindet, für das man sich dann auch gleich noch als die Lösung anbieten will.

 

Ich glaube, es waren die Lever Brothers, die sagten, erfolgreiches Marketing bestünde darin, nur solche Probleme zu erfinden, von denen die Konsumenten noch gar nicht wüssten, dass sie sie hätten.

 

Sogar von dieser Binsenweisheit seid ist der LAK Shalom Lichtjahre entfernt: Die deutsche Linke indes weiß von ihrem „Problem“, und sie bestätigt es in ihrer Abwehrgeste, denn sie hat es nötig: Die Geste, die Abwehr, und das „Problem“.

 

Insbesondere sie „Links“-Partei wird ihr „Problem“ auch weiterhin bitter nötig haben, um sich angesichts von Wahlen gesellschaftlich interessant und relevant zu machen.

 

Es bleibt nach wie vor die Frage, mit welcher Auffassung von Demokratie die deutsche „Linke“ und ihre „Partei“ kompatibel sein soll, aber ihrem gesellschaftlichen Erfolg habt Ihr, werter LAK Shalom, mit eurer freiwillig-unfreiwilligen Selbstauskunft einen nützlichen Beitrag geliefert.

 

Lesen Sie hierzu auch:

 

 


Autor: haolam.de
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Montag, 16 Mai 2011






Antisemitismus ist eine wahnhafte Ideologie, da er auf gestörter Wahrnehmung basiert. Ist die Wahrnehmung gestört, ist der Geist nicht gesund. Wer sich daran stört, dass Antisemitismus als Geisteskrankheit bezeichnet wird, müsste sich die Frage stellen lassen, ob er denn Antisemitismus nicht für eine wahnhafte Ideologie halte, hätte er nicht im gleichen Text seinerseits den Antisemitismus als Wahn bezeichnet. Wahn ist Wahn, ob sein "tatsächlicher Zweck rationale Nutzen bietet" (Adorno und Co. würden sich schämen, gemeinsam mit solchem Kauderwelsch in einem Text zu stehen) oder nicht. Und als solchen haben wir ihn bezeichnet. 

Wie Gerrit Liskow auf die Idee kommt, Geisteskrankheiten würden Menschen von sinistren Mächten angehext, ist vollends unverständlich. Sollte da jemand im Geifer des Augenblicks vergessen haben, dass wir nicht mehr im Mittelalter leben? 

Davon ferner, dass im gesamten Artikel der AK Shalom sich kein einziges Mal als Opfer darstellt, kann sich jeder Leser leicht überzeugen. 

All das Namedropping kann nicht verschleiern, dass der Verfasser hier nur ein Bauchgefühl verewigt hat. Glücklicherweise ist es offensichtlich genug, um, sagen wir, die rationalen Nutzen seines Zweckes weit zu unterbieten.



Lesen bildet, Herr Liskow. Empfehlenswert:

Antisemitismus als Geisteskrankheit?  vgl:  Karpel Lippe, Symptome der antisemitischen Geisteskrankheit, Jassy: H. Goldner 1887  

Vom Phantom zur Psychopathologie: Der Judenhass und die Juden Constantin Brunner/Leo Wertheimer (Auszug: http://www.antisemitismus.net/klassiker/judenhass/02.htm)  

Konstellationen des Antisemitismus: Antisemitismusforschung und sozialpädagogische Praxis Wolfram Stender, Guido Follert, Mihri Özdogan Auszug: http://books.google.de/books?id=rGYywwev6QEC&pg=PA41&lpg=PA41&dq=antisemitismus+geisteskrankheit&source=bl&ots=mEFkbDaAkS&sig=2Yq-Ov0f8ufKGhvmKKwuPGbgatI&hl=de&ei=vvrRTeS4MI_AswaB4JWaCQ&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=10&ved=0CFcQ6AEwCTgK#v=onepage&q=antisemitismus%20geisteskrankheit&f=false  

Der antisemitische Wahn  Aktuelle Ansätze zur Psychoanalyse einer sozialen Pathologie1  Rolf Pohl   Projektion und Wahn. Adorno und die Sozialpsychologie des Antisemitismus, in: Perels, Joachim (Hrsg.)



Zur Begrifflichkeit „Geisteskrankheit“ 

Der Terminus „Geisteskrankheit“ wird im umgangssprachlichen Bereich i.d.R. für  eine Psychose oder einen psychotischen Schub verwandt. Psychose ist eine schwere psychische Störung, die mit einem zeitweiligen weitgehenden Verlust des Realitätsbezugs einhergeht.  Der Begriff wird üblicherweise in Abgrenzung zum Begriff Neurose verwendet, und zwar für psychische Störungen, die schwer sind, sich nicht oder zumindest nicht alleine durch Psychotherapie beeinflussen lassen und sich nicht ohne weiteres aus einem lebensgeschichtlichen Kontext heraus ableiten lassen.Symptome sind z.B. Wahnvorstellungen, Halluzinationen 

Nach Karl Jaspers ist der Wahn an drei Kriterien zu erkennen: unvergleichliche subjektive Gewissheit Unkorrigierbarkeit (Unbeeinflussbarkeit durch Erfahrungen und zwingende Schlüsse) Unmöglichkeit des Inhalts 

Außenstehende nehmen Wahnüberzeugungen teilweise als ausgefeilte und umfassende „Wahngebäude“ wahr, in die Betroffene ihr alltägliches Erleben einbeziehen und umdeuten (z. B. „das parkende Auto da draußen dient nur dazu, eine Abhöranlage zu tarnen“). Psychiater sprechen dann auch von systematisiertem Wahn. Manchmal beschränkt sich die Wahnsymptomatik aber auch auf ein einziges und scharf umgrenztes Gebiet („Frau X ist ein böser Schlangendämon“), und Außenstehende empfinden die Betroffenen von diesem einen Punkt abgesehen als durchaus realitätsbezogen. Bei einer anhaltenden wahnhaften Störung treten in der Regel Wahninhalte auf, die Außenstehende als in sich relativ schlüssig und nicht bizarr empfinden. Reale Ereignisse werden dabei in den Wahninhalt einbezogen. Eine anhaltende wahnhafte Störung gilt als chronisch und kaum behandelbar. Komplexe, in sich geschlossene „Wahnsysteme“ nennt man auch Paranoia. In diesem Fall wird nicht von einer schizophrenen Psychose gesprochen, da bei den Betroffenen keine sonst für die Schizophrenie typischen Symptome (Ich-Störungen, formale Denkstörungen, Halluzinationen usw.) festgestellt werden. Als „Paranoiker“ werden Menschen bezeichnet, die Psychiater als geordnet, logisch und bis auf den Wahn psychisch völlig unauffällig wahrnehmen. Als typisch paranoisch gilt z. B. eine Überzeugung, dass andere Menschen sich gegen die betroffene Person verschwören, hinter dem Rücken über sie reden und Komplotte schmieden. Dies alles wird mit Argumenten ausgebaut, denen Psychiater einen logischen und realistischen Gehalt zusprechen. (Siehe Wikipedia) 

 

Den Antisemitismus nun anhand dieser Definitionen als Wahngebilde, ergo Geisteskrankheit zu bezeichnen, fällt mir nicht schwer.



Studie: Antisemiten in der Linkspartei

 

"„Diejenigen, die in unserer Partei die israelfeindlichen Äußerungen unserer Mitglieder bekämpfen, müssen zahlreicher und lauter werden.“ Das gelte auch für die Chefs: „Ich wünsche mir, dass sich die Spitzen von Partei und Fraktion schneller und deutlicher von solchen Dingen distanzieren.“

http://www.fr-online.de/politik/antisemiten-in-der-linkspartei/-/1472596/8464158/-/index.html



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