Die Krimkrise kommt zur Unzeit

Die Krimkrise kommt zur Unzeit




von Dr. Nathan Warszawski

Würde die Weltgemeinschaft gleiche Maßstäbe an die Krim wie an das Kosovo anlegen, so hätte sie eher die Krim als Teil Russlands, als das Kosovo als selbstständigen Staat anerkannt. Der Westen griff seinerzeit die Serben an, um einem Genozid an den Kosovo-Albanern zuvor zu kommen. Ein eigenständiger Staat für die verfolgten Kosovo-Albaner war nicht vorgesehen. Er wurde erst dann realisiert, als die muslimischen Kosovo-Albaner die christlichen Serben und Kroaten unter den Augen der Europäer aus dem Kosovo vertrieben. Es wäre jedoch unschicklich, von Politikern Gerechtigkeit und Moral oder Logik zu erwarten.

Weder Serbien, noch die Ukraine sind mit der Abtrennung des Kosovo oder der Krim einverstanden. Das Kosovo ist von den meisten Staaten der Erde anerkannt, weil die USA und die EU darauf gedrängt haben. Und Kosovo ein sunnitischer Staat ist, den alle muslimischen Staaten mit Ausnahme der schiitischen anerkannt haben. Konsequenterweise müssten die christlich orthodoxen Staaten die Annexion der Krim durch Russland anerkennen, was jedoch dadurch erschwert wird, dass einige dieser Staaten Teil der EU und der NATO sind. Diese beiden mächtigen Organisationen wissen einen solchen Schritt zu vermeiden.

Doch auch ohne diese philosophischen Komplikationen kommt für die westliche Welt die Einnahme der Krim durch Russland 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkrieges zur Unzeit. Der Westen hat nach dem Zusammenbruch und dem geografischen Verschwinden der Sowjetunion das Zeitalter der westlichen Vernunft eingeläutet. Es gibt keine Kriege, sämtliche Krisen werden durch Diplomatie und wirtschaftlichen Druck gelöst. Keine Armee verteidigt die nationalen Interessen, da es nur höherwertige multinationale demokratische Werte gibt. Die westlichen Armeen sind verkleinert und für die Kriegsführung untauglich gemacht worden. Deutschland, welches seit dem verlorenen Zweiten Weltkrieg darauf besteht, eine Armee des Volkes zu haben, schafft die Wehrpflicht ab und erschafft eine Berufsarmee, die diesen Namen nicht verdient. Die wichtigsten Themen der Bundeswehr sind der Babyurlaub der männlichen Soldaten und das fehlende Make-Up der Verteidigungsministerin.

Und nun marschiert Putin in die Krim ein und stört den gerechten Vernunftstraum der deutschen Pazifisten. Hätte Putin nicht bis nach den EU-Wahlen warten können? Ganz ohne Armee, nur mit der Macht des Geldes und der billigen Produkte, hätte Deutschland alle Führungspositionen innerhalb der EU einnehmen können. Hat denn Deutschland nicht beide Augen fest gekniffen, als die Milliarden an den Südeuropäern vorbei in die Taschen der dortigen Oligarchen geflossen sind? Hat der Oligarchen-Chef Putin das große Entgegenkommen übersehen?

Plötzlich spricht ein deutscher Politiker stahlharte, glasklare Worte aus, die seit Jahrzehnten aus seinem Mund nicht erwartet worden sind. Putin wird mit Hitler verglichen! Noch will die große Mehrheit des Wahlvolkes keinen Militärschlag gegen Putins Russland. Auch ist die Mehrheit gegen wirtschaftliche Sanktionen. Seit der gelungenen Energiewende will niemand im Winter, den es bald wegen Klimawandel nicht mehr geben wird, frieren, weil Putin vergessen hat, den Gashahn zu öffnen. Das Angebot der USA, Fracking-Gas zu liefern, wird als Drohung verstanden.

Das Gute ist, dass die euroskeptischen Parteien, die eine Gefahr für die Regierenden in der EU bedeuten, ebenfalls kalt erwischt werden. Auch für sie kommt die Krimkrise zur Unzeit. Selbst der nationalste und antieuropäischste Wähler weiß, dass der einzelne EU-Staat keine Chance hat, den Forderungen Putins zu widerstehen. EU und NATO erobern sich ihre Notwendigkeit zurück. Dank Putin.

 

Erstveröffentlicht in The Huffington Post Deutschland - Zweitveröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors / Foto: Halbinsel Krim vom Weltall aus (Foto: NASA)

 

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Autor: fischerde
Bild Quelle:


Sonntag, 06 April 2014






Wenn der Vergleich Krim/Kosovo schon gezogen werden soll, dann gibt es den Vergleich Milosevic/Putin, dann wird ein Schuh draus. Bei der Behandlung politischer Gegner oder der Pressefreiheit sind beide sehr verwandt und so wenig wie die Krim als Einzeltat Putins gesehen werden kann ist das Kosovo-Drama ein Einzelding in Jugoslawien denn dort begann es mit Slowenien und danach Kroatien. Ohne die kriegerischen Glanztaten der Serben wäre die Nato-Reaktion im Kosovo wahrscheinlich eine andere gewesen aber "das gebrannte Kind scheut das Feuer", unsere Niederländischen "Blauhelmhelden" sind zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich noch nicht vergessen gewesen.