Mutti: Deutschlands beliebteste Antideutsche

Mutti:

Deutschlands beliebteste Antideutsche




Nachdem Signor Draghi der neue Schäuble geworden ist und er von Mutti (a.k.a. Dr. Angela Merkel, von Beruf Bundeskanzlerin) die Lizenz zum Gelddrucken bekommt, damit seine EZB die Löcher in den Staatshaushalten der Pleitestaaten stopfen kann, kommt die Abschaffung des sogenannten Geldes in “Europa” zügig voran.

In der Eurozone wird “Geld” drucken immer sinnvoller, als für Beschäftigungöglichkeiten zu sorgen, zumal “Arbeit” sich zunhemend dem wirtschaftlichen Zweck entzieht. Immerhin kommt schon heute für die Mehrheit der Erwerbskarrieren eine Rente unterhalb des Sozialhilfesatzes heraus. Dann schon besser die sofortige Umstellung auf Transferwirtschaft im Hier und Jetzt, oder?

Ein Legitimitätproblem

In der “Integration Europas” unter deutscher Führung deutet sich die Fortsetzung des “rheinischen Kapitalismus” mit anderen Mitteln an: Eine staatlich-korporatistische Klüngelwirtschaft, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus vielen Gründen nicht wieder als schicksalhaft-”schaffende” Volksgemeinschaft, sondern als “freie Marktwirtschaft” unter Hinzufügung einer Prise “sozialer Gerechtigkeit” inszeniert werden musste, nun aber von Berlin aus via Brüssel nach der Weltmacht greifen soll – meint zumindest George Soros.

Unter dem Markenzeichen der “sozialen Marktwirtschaft” hat vom “Wirtschaftswunder” bis zur “Wiedervereinigung” alles bestens geklappt mit der Überflüssigmachung der Konkurrenz von “Made in Germany”, und der Ausgliederung breiter Bevölkerungsschichten aus dem rentablen Teil des Produktionsprozesses, angefangen von den ersten Automatisierungen in den 60ern und 70ern bis hin zu jeder weiteren Modernisierungswelle.

All dies geschah in Deutschland, und dort zumindest an der Oberfläche, bei nur minimalen sozialen Verwerfungen und einem “politisch” ganz und gar beherrschbaren finanziellen Aufwand. Anfang der 90er hatte dann auch noch die Treuhand ihre große Stunde: Die DDR wurde abgewickelt, dauerhaft deindustrialisiert und aus dem Markt entfernt.

Der Abschaffung des “Standorts Ost” war aus immanenter Sachzwang-Logik kaum etwas Venünftiges entgegenzusetzen, und seit die Industrieproduktion dort nur noch ein Schatten ihrer selbst geworden ist, scheint sogar das Kohl-Wort von den “blühenden Landschaften” erfüllt; wählt vielleicht deshalb im Osten kaum einer “grün”, weil es dort mit der CDU schon eine erfolgreiche Umweltschutzpartei gibt?

Was für Deutschland richtig war, ist für die Eurozone billig: Konzentration der Wirtschaftsleistung auf rentable Kerne durch Prekarisierung der Peripherie und Ausschaltung der Konkurrenz? Gesagt, getan! Das ist die “europäische Integration”, das “Projekt Europa” unter deutscher Führung: Die Sieger im ökonomischen Wettbewerb finanzieren Staatspleiten, um selbst bis in ein biblisches Alter arbeiten gehen zu “dürfen”; ein Schelm, wer diesem Gesellschaftsvertrag ein Legitimitätsproblem unterstellt.

Mit der Überflüssigmachung der europäischen Konkurrenz scheint man sich derzeit nicht etwa schwer zu tun, sondern sich finanziel verhoben zu haben. Aktuell sind Spanien und Griechenland die beiden Staaten mit der höchsten Arbeitslosigekit – auf der ganzen Welt; zumindest dort, wo entsprechende Daten erfasst werden. Bei Menschen unter 26 Jahren erreicht die Arbeitslosigkeit in beiden Ländern bis zu 50%.* Da soll mal einer behaupten, die gemeinsame Währung hätte keine greifbaren Ergebnisse produziert...
* http://www.welt.de/wirtschaft/article109116112/Spanien-hat-die-hoechste-Arbeitslosenquote-der-Welt.html

Ex oriente lux!

Der Mensch wächst mit den Aufgaben: Während Revolutionäre und Antideutsche alter Schule über 150 Jahre mehr oder weniger erfolglos, aber ausgesprochen diszipliniert, auf eine Weltrevolution gewartet haben, die dann doch nicht kam, reicht der “Eurozone” eine unkonventionelle Pfarrerstochter aus dem liebenswerten Mecklenburg, um das Ende des Geldes, wie wir es kennen (oder: wie wir es vielleicht ganz gerne mal kennen gelernt haben würden), vorläufig zu besiegeln.

Denn nun darf “Geld” gedruckt werden, bis die Schwarte kracht. Solange, bis all die Zahlen auf dem ideellen Gesamt-Sparkonto, das im deutschen Fall ein Betrag mit unvorstellbar vielen Nullen hat, nicht mal mehr das Papier wert sein werden, auf dem dieser Betrag geschrieben steht.

Das macht es sehr billig für Staaten, sich nominell zu entschulden; selbstverständlich nicht allein im Süden. Vor allem im Norden der fabulösen Eurozone wird es möglich sein, eine Elbphilharmonie oder einen Willy-Brandt-Flughafen zum Preis eines Butterbrotes zu bezahlen.

Es ist dem idealistisch-leeren “Europa”-Gedröhne dabei vollkommen angemessen, von der schnöden, geldmäßig verfassten Wirklichkeit namens “Euro” eingeholt zu werden. So ähnlich, wie die einst recht komfortabel gepolsterten Bezieher (m/w) staatlicher Transferleistungen von Agenda 2010 und Hartz IV eingeholt worden sind.

Was im Fall des deutschen Mittelstandes vielleicht mit etwas mehr zeitlicher Verzögerung und etwas weniger dramatischen Folgen für die Existenz ihrer Partei geschehen wird, als das bei der SPD und iher Ex-Klientel der Fall gewesen ist, aber geschehen wird es, liebe CDU.

Doch während die Ideologie der Antideutschen wenigstens noch für das eine oder andere Bonmot gut gewesen ist, angefangen mit dem richtungweisendem Diktum “Deutschland? Nie wieder!”, bis hin zu manchen Kolumnen des Herrn Gremliza, hielt sich diese “politische” Richtung nie lange genug mit den Anstrengungen der Ebene auf, um gesellschaftlich wirksam zu werden.

Ganz anders Mutti: Die lebt und stirbt für jene “politische” Praxis, die der “Linken” stets verdächtig war, weil sie völlig zu recht befürchten musste, an ihr zu scheitern. Und darin besteht der maßgebliche Unterschied zwischen der sozialen Bedeutungslosigkeit der sogenannten Linken und der “politischen” Effektivität einer Frau Dr. Merkel aus der Mitte der Gesellschaft: Ihr nicht immer sinnvoller, gerade deshalb aber stets zweckmäßiger Bezug zur Wirklichkeit macht sie zur Gewinnerin.

Besuchen Sie Europa (solange es noch steht)

Mit der “Rettung” jener Eurozone, die nun vollends zum Synonym für eine staatlich gelenkte Förderungs-”Politik” für die deutsche Exportwirtschaft geworden ist, hat Frau Dr. Merkel nolens-volens, und eben deshalb nachhaltig und effektiv, das erzielt, was die Umstände von ihr aus radikal-kritischer Sicht “immer schon” verlangt hätten: die Abschaffung des Geldes durch das Ende seiner wertförmigen Verwertungsmöglichkeit.

Mit der Verwertung des Wertes wird es schwierig, wenn an die Stelle der “Politik” die Geldpolitik tritt und an die Stelle der Geldpolitik eine EZB, die nach Belieben die Geldpresse anwerfen darf, und sei es auch nur, um jene Zinsen zu senken, zu denen sich die Bankrott-Staaten der Eurozone (und das werden irgendwann einmal alle sein) billig refinanzieren können; wer haut eigentlich die Deutschen raus, wenn erstmal alle pleite sind?

Die ganze Eurozone passiert von nun mit noch weniger Aussicht auf einen realistischen Bezug zu jener finanziellen Wirklichkeit, die außerhalb des gemeinsamen Währungsraumes stattfindet, als es bisher bereits der Fall gewesen ist. Genau darum scheint es zu gehen: die Errichtung eines finanziellen Paralleluniversums im Zeichen der EZB – damit der Wahnsinn endlich Methode bekommt?

Nicht umsonst wird von den Freunden der gemeinsamen Währung eine staatliche Rating-Agentur verlangt: um die Refinanzierung maroder Staatshaushalte noch schöner zu rechnen, als das allein mit Gelddrucken möglich ist. Die Epoche des Postmodernismus findet ihre Krönung mit dem Postgeld, das die EZB produziert. Mal sehen, wessen Selbstreferenz besser funktioniert?

An die Stelle des “Politik” ist das Bedürfnisse der Pleitestaaten nach billigen Krediten getreten - klingt so gemütlich wie jenes Italien, wo man auch für die großen Geldscheine immer nur eine kleine Kugel Eis bekam, nicht wahr?

Beides, Geld und Politik, wäre ab jetzt nur noch in Anführungsstrichen zu schreiben, wenn man kein Verbrechen an der Wahrheit begehen will. Weder mit “Geld” noch mit “Politik”, wie man sie bisher zu kennen glaubte, wird das, was in der Eurozone passiert, auch nur entfernt zu verwechseln sein; mit Demokratie schon gar nicht.

Die Ideologie der “Alternativlosigkeit”

Eine Folge der richtungsweisenden Entscheidung von Mutti und ihrem neuen Schäuble wird es sein, dass das idealistisch-leere Gedröhne der offiziellen deutschen “Europa”-Politik von der Wirklichkeit eingeholt wird – wenn auch anders, als erwartet, und selbstverständlich erst dann, wenn sich keiner mehr erinnert, warum es so kommen musste, wie es dann gekommen sein wird.

Gemach: Das alles geschieht selbstverständlich nur, um das “Projekt Europa” und andere phantastische Hirnchimären zu alimentieren, die der post-politischen Öffentlichkeit erfolgreich als die Erfüllung ihres historischen Auftrags verkauft worden sind. Wobei es in Staaten, die aus gutem Grund nicht beim Euro mitmachen, keinem wirklich schlechter zu gehen scheint, als den Leuten in der Eurozone, sondern eher etwas besser.

Indes: um die fanatabulöse “europäischen Integration”, welche die detsche Kanzlerin beschwört, als ginge es dabei um die Geister ihrer Ahnen, wäre es besser bestellt, wenn die EU sich endlich zu einer ernst gemeinten Demokratie entwickeln würde, und man die “Politik” der Brüsseler Beamtendktatur nicht mit dem bewährten Diktum “no taxation without representaion” quittieren müsste.

Während diese fadenscheinig legitimierte EU einem die Gurken- und Glühbirnenpolizei ins Haus schicken will, wird Europa im gleichen Maße etwas griechischer, spanischer, italienischer werden – nicht, dass wir uns das nicht immer gewünscht hätten, sehr verehrte Leserinnen und Leser, aber doch wohl auch bei deutlich schönerem Wetter und besserer Verpflegung, bitteschön. Wenn schon, denn schon - Mezzogiorno für alle!

Aber was stattdessen aus dem Mittleren Europe wird, dürfte wohl eher so etwas wie Terry Gilliams “Brazil” ähnlich sehen: ein außer Rand und Band geratener Nannystate, eine freundlich-besorgte, sozialtherapeutische Diktatur im Zeichen von Friede, Freude, Eierkuchen, in der jeder in die Harmoniehütte gesperrt wird, der nicht in den Pluralismus der Einheitsmeinung passt.

 

Gerrit Liskow

 

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Montag, 10 September 2012