Kesse Lippe, nur kein Arsch in der Hose

Kesse Lippe, nur kein Arsch in der Hose


Klamauk-Urgestein Jürgen von der Lippe (`Guten Morgen, liebe Sorgen´) hat sich gestern in der BILD am Sonntag zu Wort gemeldet.

Von Dr. Shanto Trdic

Der Meister schlüpfriger Altherrenwitze und harmlos-frecher Wortspielchen, deren Ergüsse schon zu Kaisers Zeiten in den entsprechenden Knallchargen auf recht ähnliche, also harmlose Weise zündeten, tritt mit einem ´Geständnis´ an uns heran. Kommt man in ein gewisses Alter, neigt man immer häufiger dazu. Das ist bekannt. Freilich: Musste es unbedingt ein solches sein?

Er würde nie, so von der Lippe, Witze über den Islam machen. Denn: “Da bin ich nicht genug eingelesen. Aber selbst, wenn ich das wäre, würde ich mich wohl nicht trauen.“ Fazit: „Da ist mir mein Leben wichtiger als ein guter Gag.“

Alles trefflich auf den Punkt gebracht, wie einer dieser Kalauer, die heute im Sekundentakt abgelassen werden, wie lauter kleine Fürze also, die schon etwas schneller kalt werden als der Fraß von vorgestern. Es stimmt. Der Entertainer gibt sich erstaunlich ehrlich, das bleibt anzuerkennen, aber er versaut sich´s anschließend doch noch so gründlich, dass einem gleich wieder schlecht werden will.

Politisch unkorrekte Witze, so von der Lippe, müsse ein Komödiant sehr wohl machen. „Political Correctness ist ja eine der großen Geißeln unserer Tage“.

Na herrlich. Das ist in etwa so, als ob ein Tierschützer Amok läuft gegen Walfang oder Nerzjagd, gleichzeitig aber dafür eintritt, Freiluftreservate in Wellness-Zoos umzuwandeln – mit vertraglich vereinbarten Abschussquoten nebst verlässlichen ´Ruhezeiten´. Morgens Streichelzoo, abends Vogel frei.

Abschließend beruft sich von der Lippe recht erklärend auf besagtes Alter. Der Meister feinsinniger Breitseiten und süffiger Satire-Saucen ist nämlich seines Amtes etwas müde geworden. Er hat keinen Bock mehr auf den hektischen Fernseh-Stress und sagt den Show-Formaten von einst lebe wohl: „Es ist befreiend. Ich ertrage diese Mechanismen nicht mehr.“

Klar, dass er hier schummelt. Mit ihm ist eben nicht mehr sehr viel Quote zu machen, sein Humor hat sich überlebt und vegetiert nur noch, als ewig Untoter sozusagen, im Reich der Fernsehwiederholung, regelmäßig und bis zum Überdruss, vom Silvesternachmittag bis in die jecke Zeit hinein. Das ist in der Tat befreiend. Es erspart den Sendern unnötige, allzu unsichere Investitionen, und das Konserven-Recycling funktioniert auch ohne lästigen Personalaufwand so schnöde wie verlässlich.

Dass die vom Blödel Oldie kritisierte politische Korrektheit so großartig funktioniert, liegt eben gerade daran: dass Typen wie er sie stets selektiv gebrauchen. Jeder kriegt eins drauf, die ganze versammelte Prominenz so gut wie der Beamte von Dienst oder die Schwester von der Schwerbehindertenstation: Wirklich alle – nur halt die Rechtgläubigen nicht. Ob die einen anderen Humor haben? Von der Lippe, der rein äußerlich dem dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard verblüffend ähnlich sieht, hat kein Problem damit. Eben darauf bauen die Eliten, das hören und lesen sie gern, da atmen die Gutmenschen erleichtert auf: So tut man keinem weh und verschleudert das Erbe von Generationen wie Nippes von der Discounter-Stange.

Erinnert: In den guten alten Gründerjahren, als unter der gestrengen Fuchtel Otto von Bismarcks das Reich der Deutschen zügig in einen unerbittlich richtenden Polizeistaat umgewandelt wurde, leistete sich die alles andere als freie, vielmehr ständig bedrohte Presse beinahe im Wochentakt Verrisse auf den eisernen Kanzler. Bismarck–Karikaturen hatten Hochkonjunktur. Wer sie fabrizierte, musste mit Festnahme und Festungshaft rechnen, mit Berufsverbot und endlosen Verhören. Es war die Zeit der Sozialistengesetze (Gesetz gegen gemeingefährliche Bestrebungen der Sozialdemokratie) usw. Die heutige Sozialdemokratie ist übrigens noch immer sehr aktiv in ihrem Kampf gegen gemeingefährliche Bestrebungen und wird nicht müde, entsprechende Auswüchse schon in den eigenen Reihen zu beschneiden, etwa in einem nunmehr dritten Ausschlussverfahren gegen den Herrn Sarrazin. Vorsicht was du sagst, alter Knabe! Der Herr von und zu Lippe, wiederum, hätte wohl zu Kaisers Zeiten – Adel verpflichtet – mit seinem trockenen Humor den vor Lachen feuchten Augen betagter Kurgäste geschmeichelt, aber gegen den ollen Bismarck wäre ihm kein lästig Sprüchlein von der kessen Lippe gerutscht, das hätte ihm nämlich umgehend die ganze Rente versaut. Die wäre dem Komiker mit der gemütlichen Stimme aber wichtiger gewesen als ein guter Gag. Das wissen wir jetzt.

Darauf eben bauen sehr verlässlich die Gegner der Freiheit. Ergebnis: Feigheit ohne Grenzen. Das garantiert wiederum der Staat. Er fordert uns sogar dazu auf, feige zu sein, und es bleibt bezeichnend, dass seine Funktionsträgers gerade dies mit gegenteiligen Beteuerungen umständlich zu verwischen trachten. Angela Merkel skandierte bereits in ihrer ersten Regierungserklärung: “Mehr Freiheit wagen!“ Dazu aber, so die Mutti damals, müsse man neue Wege gehen. Indem man, vermute ich, Grenzen öffnet und das freche Maul wieder schließt – etwa, wenn es um den friedlichen Islam geht. Der wird ständig beschworen, und immer verzweifelter, je unfriedlicher er jeweils in Erscheinung tritt, weshalb dem Jürgen das auch nicht geheuer ist. Er hat jetzt in der Rente Zeit genug, sich gründlich einzulesen: in das Buch aller Bücher. In aller Ruhe sozusagen. Ganz ohne unnötige Belästigungen.

 

Numeri 24 : 9


Autor: Dr. Nathan Warszawsk
Bild Quelle: © Raimond Spekking / via Wikimedia


Mittwoch, 09 Januar 2019









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