Von dem Antijudaismus, Antisemitismus und der neuen Appeasement-Politik

Von dem Antijudaismus, Antisemitismus und der neuen Appeasement-Politik


Die Verwerfung des Judentums, der Antijudaismus wurde theologisch noch durch die Kirchenvter in den Adversos-Iudaeus-Schriften, v.a. durch Johannes Chrysostomos (etwa 349407) und Augustinus (354430) formuliert.

Von Boris Altschüler, DAG e.V.

Aus dieser christlichen Perspektive führten die Böswilligkeit und die Blindheit der Juden, denen die Kreuzigung Jesu zugeschrieben wurde, zu ihrer Verwerfung als auserwähltes Volk Gottes. Durch das von den Juden selber verschuldete Elend wurden sie zu Zeugen des Anspruchs des christlichen Glaubens, die Wahrheit zu verkünden. Durch den christlichen Antijudaismus waren die Juden zwar ausgegrenzt, aber ohne vernichtet zu werden, da sie am Ende der Heilsgeschichte die Bekehrung erwartete.

Der eliminierende Antisemitismus wurde am Anfang des 15. Jahrhunderts während der Reformation von Martin Luther ausgerufen. Bildlich wurde diese Theologie durch das Figurenpaar Ecclesia und Synagoge dargestellt, das sich in vielen gotischen Domen des Mittelalters findet. Der spätere Judenhass des deutschen Reformators Luthers hatte Motive eingeschlossen, die weit über den traditionellen christlichen Antijudaismus hinausgingen. Besonders berüchtigt sind Luthers judenpolitischen Empfehlungen an Obrigkeiten und Pfarrherren des 16. Jahrhunderts, die er als Maßnahmen einer „scharffen barmherzigkeit“ bezeichnete: Zerstörung der Synagogen, Wohnhäuser und Schriften, Konfiskation von Geld und Besitz, Arbeitszwang, Verbot jüdischer Gottesdienste und als ultima ratio die Vertreibung der jüdischen Gemeinden aus Stadt und Land. In der NS-Zeit gab es ein bemerkenswertes Luther-Revival. All diese Maßnahmen und Vorschläge von Luther wurden im 20. Jahrhundert von den Nationalsozialisten in die Tat umgesetzt und kosteten das jüdische Volk einen Holocaust mit über sechs Millionen Ermordeten. Die Frühschrift von Karl Marx "Zur Judenfrage" aus dem Jahre 1843, die als richtungsgebend in der Fragen der Judenpolitik gilt, formulierte den bereits vorhandenen Traditionsantisemitismus der Linken und der Arbeiterbewegung. Trotz der Geschichte des Holocausts feiern der Antisemitismus und der Antijudaismus heute einen Hype. Die Regierung der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde wegen ihrer Entscheidung, seit 2015 mehr als 2 Millionen Einwanderer aus Syrien und dem Nahen Osten aufzunehmen, heftig wegen des Aufflammens des Antisemitismus im Lande und in Europa kritisiert. Neu in diesem Phänomen ist der weltweite Antiisraelismus, bei dem der Staat Israel zwangsläufig die Rolle des kollektiven Juden übernimmt.

Offensichtlich durch den Geist der amerikanischen Universitäten beeinflusst, die sich seit Ende der 20. Jahrhundert unter starken proislamischen Kurs befanden, organisierte Prof. Wolfgang Benz, Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin 2008, eine eintägige Konferenz zum „Verhältnis von Antisemitismus und Islamfeindlichkeit“. Daniel Goldhagen, Matthias Küntzel und Clemens Heni kritisierten den im Programm angekündigten Vergleich schon im Vorfeld als Gleichsetzung, um die qualitativen Unterschiede zwischen beiden Vorurteilsstrukturen zu verwischen und damit Gefahr zu laufen, die Besonderheiten des Holocausts einzuebnen. Benz’ These der Ähnlichkeit von Antisemitismus und Islamfeindlichkeit widersprachen unter anderem solche Forscher wie Julius H. Schoeps, Matti Bunzl und Monika Schwarz-Friesel, die jeweils historische und strukturelle Unterschiede in den Ursachen und Wirkungen des Antisemitismus gegenüber der Islamfeindlichkeit sehen. Besonders nach seiner Emeritierung im Oktober 2010 und seinem Ausscheiden bis März 2011 wurden die Ideen von Prof. Benz zunehmend zum Mainstream an den Universitäten und im deutschen Blätterwald.
Dazu kam noch, dass sich in NRW eine leidenschaftliche juristische Schule etablierte, die es sich zur Aufgabe machte, die Buben-Beschneidungen bei Juden und Muslimen zu verbieten. Das Urteil des LG Köln vom 07.05.2012 - 151 Ns 169/11 lehnte die Beschneidung der Buben ab, was eine breit angelegte Diskussion in Deutschland und in der Welt auslöste. Insbesondere in den skandinavischen Ländern, in Belgien, in den Niederlanden fand dieses Urteil ein großes Echo und breite Zustimmung. Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge waren 2007 30% der männlichen Weltbevölkerung beschnitten. Interessant ist, dass auch der UNO-Sonderberichterstatter für Religions- und Glaubensfreiheit, Heiner Bielefeldt, die Argumente des Kölner Gerichts als „groben Unsinn“ bezeichnete. Außerdem fänden sich im Urteil „bizarre Aussagen“. In jüdischen und muslimischen Familien sei die Beschneidung „eine ganz weit verbreitete Praxis“, sagte Bielefeldt. Übrigens haben beschnittene Männer nach gigantischen amerikanischen Statistiken ein nur halb so großes Risiko, sich mit dem tödlichen HI-Virus zu infizieren. Es gibt viele Juristen, die meinen, die Religionsfreiheit wiege höher und das Urteil von Köln sei falsch. Auch der Präsident der Bundesärztekammer sagte damals, er halte das Urteil für „falsch und kulturunsensibel“. Trotzdem sorgte nach 4000 Jahren das Kölner Gericht für ein Aufflammen des alten Kampfes gegen die Männerbeschneidungen. Die leidenschaftliche gesellschaftliche Diskussion in den deutschen Medien führte am Ende zu einem Kompromiss im Parlament und zur Glättung der Wellen.

Ein bekanntes Relief, das um 1300 an der Südfassade der Stadtkirche Wittenberg angebracht wurde, zeigt eine Sau, an deren Zitzen sich Menschen laben. Sie, wie auch ein Rabbiner, der dem Tier unter den Schwanz und in den After blickt, sollen Juden sein. Diese alte judenfeindliche Relief-Karikatur, die s.g. „Judensau“ an der Fassade der Kirche, wo einst Martin Luther predigte, sollte die Juden abschrecken sich in der Stadt niederzulassen. Ähnliche Spottplastiken finden sich an etwa 30 weiteren mittelalterlichen Kirchen in Deutschland und in Mitteleuropa. Die Stadtkirchengemeinde Wittenberg ließ 1988 eine Bodenplatte unterhalb des Reliefs anbringen. Die Inschrift auf der Platte nimmt Bezug auf den Völkermord an den Juden im Dritten Reich, die Plastik selbst findet jedoch im Text keine Erwähnung. Der Wittenberger Stadtrat sprach sich Mitte 2017 für den Erhalt der umstrittenen Plastik aus. Gemäß Auffassung des Landgerichts Dessau-Roßlau stellt diese keine Beleidigung dar. Dem Urteil zufolge, könne das bloße Vorhandensein der Plastik nicht als Missachtung gegenüber den in Deutschland lebenden Juden verstanden werden. Kläger Michael Düllmann ist Mitglied der jüdischen Gemeinde in Berlin und sieht sich dagegen durch die Plastik in seiner Ehre verletzt. Beim einzigen Verhandlungstermin Anfang April hatte er angekündigt, seine Klage notfalls bis vor den Europäischen Gerichtshof zu bringen.

Zeitlich aktuell ist auch die Geschichte der Nazi-Glocke mit Hakenkreuz in der St. Jakob Kirche im pfälzischen Herxheim am Berg. Eine ähnliche Glocke aus den 1930-er Jahren hängt in Berlin-Rudow, im sogenannten Glockenblumenviertel in der kleinen Philipp-Melanchton-Kapelle. Auch in Berlin-Spandau in der Wichern-Fachwerkkirche hing bis zum letzten Jahr eine Glocke mit Hakenkreuz. Nach dem Nazi-Glockenfund im pfälzischen Herxheim und dem anschließenden Presserummel schrieb die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg sämtliche Kirchengemeinden in Oberlausitz an: man möge nachschauen, ob nicht unter dem eigenen Kirchendach ähnliche Glocken hängen. Die „Hitler-Glocke“ mit einem Hakenkreuz und der Inschrift „Alles fuer's Vaterland - Adolf Hitler“ gehört der Ortsgemeinde im pfälzischen Herxheim und hängt dort seit 1934 im Kirchenturm. Die Evangelische Kirche der Pfalz hatte angeboten, die Kosten für die Demontage der alten und die Anschaffung einer neuen Glocke zu übernehmen. Doch dazu wird es nun nicht kommen. Das Gutachten einer Glockensachverständigen stellte fest, dass diese Glocke als Denkmal einzustufen sei und entweder in ein Museum gebracht oder im Kirchturm bleiben solle. Im Gutachten heißt es, eine „Entsorgung“ der Glocke sei „eine Flucht vor einer angemessenen und aufgeklärten Erinnerungskultur“. Die Mehrheit im Gemeinderat entschied, die Glocke hängen zu lassen, sie wieder in Betrieb zu nehmen und an der Kirche eine Gedenktafel anzubringen, die auf ihre Geschichte hinweist. Das Ergebnis wurde im Publikum mit Applaus aufgenommen.

Seit 2015 kamen Millionen muslimischer Flüchtlinge nach Europa, in erster Linie nach Deutschland, und brachten ihren gewohnten eliminierenden Antisemitismus der islamischen Welt mit. Der deutsch-französischer Designer Karl Lagerfeld sagte im November 2017 in einer Talkshow vor den Kameras des französischen Senders C8 seinen prophetischen Satz: „Selbst wenn Jahrzehnte dazwischenliegen, kann man nicht Millionen Juden töten und später dann Millionen ihrer schlimmsten Feinde holen“. Der Couturier erinnerte an den kleinen Jungen aus dem Märchen von Hans-Christian Andersen, der als Einziger den nackten König sah.

In der letzten Zeit wurden die Anhänger der Ideen von Professor Benz zunehmend lauter. Populär wurden solche Slogans, wie „Gegen jeden Antisemitismus“, obwohl sie den eigentlichen Sinn des Aufrufs völlig verwässerten. Der historische Begriff des Antisemitismus erschien zum ersten Mal im Februar 1879 in einer Broschüre von Wilhelm Marr, in seiner antisemitischen Hetzschrift „Der Sieg des Judenthums über das Germanenthum“, die bis zum Herbst des gleichen Jahres bereits zwölf Auflagen feierte und expliziert nur den Juden gewidmet war. Besonders nach dem 2. Weltkrieg wurde zunehmend versucht diesen Begriff „zu erweitern“ um neue bereitwillige „Semiten“ dorthin einzuführen, und ihnen auf diese Weise den Opferstatus zu besorgen. Die Sprachwissenschaftler, die Religionswissenschaftler, die Historiker, die Philosophen und die Politiker übten sich in vielen Vergleichen des Antiislamismus mit dem Antisemitismus. Offiziell wurden neu geschaffenen Stellen für Antisemitismusbeauftragten besetzt. Die Praxis der Anwendung der Ideen von Prof. Benz löste zahlreiche Proteste bei den jüdischen und nichtjüdischen Intellektuellen aus.

So verbreitet der Religionswissenschaftler und Antisemitismus-Beauftragte des Landes Baden-Württemberg, Michael Blume, wieder einmal seine Falschbehauptung, wonach auch nichtjüdische Menschen Opfer von Antisemitismus sein könnten. Felix Perrefort schreibt, dass für Blume „ist die Kritik am Islam, weil sie extremistisch sei, Teil eines uns aktuell alle bedrohenden Verschwörungsglaubens, der seine historischen Vorgänger unter anderem im „Gewaltregime der Nazis“ findet“. Weiterhin steht nach Perrefort am Ende auch die Behauptung, dass alle, die in der Tradition des „Semitismus“ stünden, die potenziellen Opfer des Antisemitismus seien. Aufgezählt werden unter anderem: „Freimaurer und Illuminaten“, „Marxisten, Humanisten, Sinti und Roma“, „Yeziden“, „US-Amerikaner und Kurden“, „Protestanten und Katholiken“, „Schiiten, Sunniten, Aleviten“, „Ärzte“ und „empirisch forschende Wissenschaften“ (sic!). Am 31. Januar 2019 kolportierte Blume in einem Interview seine Entdeckung, dass Antisemitismus vornehmlich ein rechtes Problem sei, was bereits am 26. April 2018 vom „faktenfinder“ des öffentlich-rechtlichen Fernsehens infrage gestellt wurde. Er bezog sich u.a. auf Sinti und Roma, die von den Nazis als Teil der jüdischen Weltverschwörung angesehen waren. Aber eine solche Angabe, wonach die Nazis Sinti und Roma als Teil der jüdischen Weltverschwörung angesehen waren, ist nur eine Erfindung des Antisemitismus-Beauftragten des Landes Baden-Württemberg, Herrn Blume.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung Felix Klein, - Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, sah neulich die Kippa-Träger in der deutschen Öffentlichkeit gefährdet. Für seine Empfehlung die Kippa in der Öffentlichkeit nicht zu tragen, gab es massive Kritik. Klein begründete dies mit der „zunehmenden gesellschaftlichen Enthemmung und Verrohung“, die einen fatalen Nährboden für Antisemitismus darstelle und behauptete auch, dass etwa 90 Prozent der Straftaten dem rechtsradikalen Umfeld zuzurechnen seien. Für 2017 wies die polizeiliche Kriminalstatistik einen Anstieg der Straftaten von Migranten aus, darunter waren rund 1500 antisemitische Straftaten. Justizministerin Katarina Barley (SPD) zeigte sich besorgt. „Die immer häufigeren Gewalttaten gegen Jüdinnen und Juden sind beschämend für unser Land“, sagte sie dem „Handelsblatt“. Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) widersprach Klein in einer Erklärung und ermutigte Juden zum Tragen der Kippa in der Öffentlichkeit: „Jeder kann und soll seine Kippa tragen, egal wo und egal wann er möchte.“ Der Publizist Michel Friedman fasste zusammen: „Wenn ein Beauftragter der Bundesregierung offiziell der jüdischen Gemeinschaft mitteilt, „ihr seid nicht überall in Deutschland vor Judenhass und Gewalt sicher“, dann ist das ein Armutszeugnis für den Rechtsstaat und die politische Realität in Deutschland.“ Später, rechtzeitig zur Al Quds-Tag-Demonstration in Berlin, erklärte Klein im Fernsehen beiläufig, seine Ausführungen seien als Weckruf zu verstehen...

Zuletzt, wie bereits schon in der Vergangenheit stand das Jüdische Museum in Berlin unter der Leitung von Professor Peter Schäfer wegen seiner Nähe zur BDS‐Bewegung, der Einladung eines hohen Vertreters des iranischen Regimes und der Jerusalem‐Ausstellung wiederholt massiv in der Kritik. Der Zentralrat der Juden hat Peter Schäfer indirekt vorgeworfen, seiner Aufgabe nicht mehr gewachsen zu sein. „Das Vertrauen der jüdischen Gemeinschaft hat die Leitung des Hauses verspielt“, sagte Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland Josef Schuster. „Das Maß ist voll. Das Jüdische Museum Berlin scheint gänzlich außer Kontrolle geraten zu sein.“ Unter diesen Umständen müsse man darüber nachdenken, ob die Bezeichnung „jüdisch“ noch angemessen sei, teilte Josef Schuster der Berliner „Tageszeitung (taz)“. Dies sei „nicht zwingend“, aber das Jüdische müsse im Haus „mehr Einfluss haben“. Am Ende war Schäfer nicht mehr tragbar und trat ab.
Da bieten sich bestimmte politische Vergleiche an. In der Vergangenheit war der deutsche Politiker Philipp Jenninger (CDU) von 1982 bis 1984 Staatsminister im Bundeskanzleramt und von 1984 bis 1988 Präsident des Deutschen Bundestages. Zu Beginn der Staatsaktes am 10. November 1988 erklang im Deutschen Bundestag, damals noch in Bonn das Ghetto-Lied des Mordechai Gebirtig „Es brennt!“ und Ida Ehre, die jüdische Schauspielerin aus Hamburg rezitierte „Die Todesfuge“ von Paul Celan. Dann trat Bundestagspräsident Philipp Jenninger (CDU) ans Rednerpult. Seine Rede zum 50. Jahrestag der Reichspogromnacht 1988 wurde von weiten Teilen der Öffentlichkeit, aber auch international als äußerst „missglücktes Gedenken“ gewertet und erzeugte einen Skandal, der zum sofortigen Rücktritt vom Amt des Bundestagspräsidenten führte. Ich habe damals das Geschehen im Fernsehen verfolgt und sah, wie Ida Ehre dieser Rede versteinert mit den Händen vor den Augen zuhörte. Eine nach den Novemberpogromen 1938 geplante Auswanderung ihrer Familie nach Chile schlug 1939 fehl, da das Schiff, auf dem sich das Ehepaar mit der Tochter Ruth befand, vor der chilenischen Küste wegen des Beginns des Zweiten Weltkriegs wieder nach Hamburg zurückbeordert wurde. Ida Ehre wurde später von der Gestapo verhaftet und war während der Krieges im KZ Fuhlsbüttel inhaftiert. Sie überlebte in der Hansestadt nur dank der „privilegierten Mischehe“, an der ihr Mann, der Arzt Bernhard Heyde, mit dem sie schon lange nicht mehr zusammenlebte, festgehalten hatte.
Jenninger machte in seiner Rede, die zunächst unabhängig vom Wortlaut durch geplante Zwischenrufen aus der Fraktion der Grünen gestört wurde, häufig direkten Gebrauch von merkwürdigen Stilmitteln: dabei benutzte er teilweise Diktion und Vokabular der Nazipropaganda. Besonders bemängelte man die rhetorische Art des Vortrags, die Jenninger nach eigenen Angaben „überhaupt nicht einstudiert“ und wie es scheint auch nicht verstanden hatte, und die darum als sehr misslungen angesehen wird. Äußerst scharf wurde kritisiert, dass der Bundestagspräsident ausführlich den Reichs-SS Führer Heinrich Himmler zitierte. Aus Protest verließen SPD und FDP Abgeordnete noch während der Rede den Plenarsaal. Das mediale Echo in Deutschland, bei dem es zu falschen Zitaten und unzulässigen Verkürzungen kam, war verheerend. Unter diesem Eindruck trat Jenninger bereits am darauffolgenden Tag vom Amt des Bundestagspräsidenten zurück. Heute wird diese missglückte Rede in der Linguistik herangezogen, um aufzuzeigen, in welchem Ausmaß Sprachgebrauch den Inhalt beeinflusst und was als transportierter Inhalt verstanden werden kann.

Zu Zeit ist es die deutsche Politikerin palästinensischer Abstammung Frau Sawsan Chebli (SPD), die immer wieder durch ihre rhetorische Irrungen und unglücklichen Vergleiche auffällt. Am 6. Dezember 2016, wenige Tage vor der Wiederwahl Michael Müllers zum Regierenden Bürgermeister von Berlin wurde bekannt, dass Chebli als Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund und Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales in die Senatskanzlei wechselt. Im Rahmen der Verhandlungen über eine erneute Große Koalition nach der Bundestagswahl 2017 wollte die SPD Chebli zur Antisemitismusbeauftragten und später zur Integrationsbeauftragten der Bundesregierung vorschlagen. Dagegen protestierten jüdische Organisationen und dieser Plan wurde nicht verwirklicht. Trotzdem versucht sich die diplomierte Politik-Wissenschaftlerin in diesem Metier immer wieder, und macht sich mit ihren Twitter-Meldungen über die aus ihrer Sicht Ähnlichkeiten von Antisemitismus und Antiislamismus immer wieder lächerlich. Zu Zeit wurde bekannt, dass Frau Chebli deutlich offensiver wurde und bis zu 30 Strafanzeigen pro Woche in eigener Sache erstellt!
Kai Wegner (CDU) und Erol Özkaraca (damals SPD) kritisierten die Aussagen Cheblis und zweifelten ihre Eignung für das Amt einer Staatssekretärin an.

Der seit Jahrtausenden erprobte Antisemitismus scheint als Heiliger Gral in der Gesellschaft zu bleiben, was ihn fast ein Dreivierteljahrhundert nach der Niederlage Deutschlands im 2. Weltkrieg noch sehr lebendig macht. Unterstützt wird dies auch von antizionistischen Juden, wie z.B. von den Mitgliedern der kleinen, aber sehr lauten Sekte „Naturei Karta“, die gegen den Staat Israel zusammen mit den Islamonazis am Al-Quds-Tag in geschlossenen Reihen demonstrieren. Neben den gottesfürchtigen jüdischen Fundamentalisten, die auf den Messias warten, möchten natürlich auch „die progressiven jüdischen Intellektuellen nicht aus dem Paradies ihrer Utopien vertrieben werden“ (Henrik M. Broder, 2012). Die Hilfslosigkeit der Behörden erinnert an den österreichischen k. u. k. Satiriker Alexander Roda Roda, der im Angesicht von jüdischen Verwirrungen sagte: "Aus dem Antisemitismus könnte schon was werden, wenn sich nur die Juden seiner annehmen würden."

In Internet-Beiträgen und bei Twitter wird eine für die Gegenwart und die Zukunft Deutschlands sehr wichtige Frage gestellt: Warum „versteckt“ sich die Politik hinter dem islamistischen Antisemitismus und macht auf ohnmächtig? Warum zeigt der Rechtsstaat keine klare Kante in der Öffentlichkeit, in der Schulen und der Justiz? Warum feiert man seit 30 Jahren den Al-Quds-Tag, der einst von einem schiitischen Fanatiker ausgerufen wurde? Es sind sehr wichtige Fragen, die immer noch auf ihren Antwort warten. Der israelisch-amerikanischer Autor, Regisseur und Theaterleiter Tuvia Tenenbom, seit Jahrzehnten in New York zu Hause, gilt als präziser Chronist der deutschen und jüdischen Befindlichkeiten. Tenenbom sagt, dass Deutschland Millionen von Euro an antisemitische Nichtregierungsorganisationen (NGO) zahlt, die auf arabischer Seite aktiv sind. Deutschland agiert also nach seiner Meinung mit doppeltem Boden. Der mediale Mainstream und die deutsche Politik klagen immer und immer wieder Israel an, geißeln und kritisieren dieses Land. Es gibt den Judenhass unter muslimischen Flüchtlingen, aber der hat nicht dieselbe Dimension wie der klassische europäische Antisemitismus. Tuvia Tenenbom sagt: „Die westliche Welt verstärkt den Antisemitismus von Moslems. Gehen Sie nach Israel, besuchen Sie die europäischen NGOs, die dort gegen Israel arbeiten und den Arabern beibringen, dass man Juden nicht trauen darf. Das Geld, mit dem sie arbeiten, kommt aus Deutschland.“

Der alte tausendjährige, nach der Aussage von Robert Leicht in der zeit online (2014) „kontinuierliche Antisemitismus“ ist noch sehr lebendig. Der „Antisemitismus ist insofern geschichtslos, als er zum Kontinuum unserer Geschichte gehört; er ist also immun sowohl gegen aufklärerische Argumente als auch gegenüber den schrecklichen Verbrechen, die in seinem Namen begangen wurden.“ Der Antisemitismus ist eine besondere komplizierte Leidenschaft und eine Obsession. Es gibt Psychiater, Psychologen und Psychoanalytiker, die dieses Phänomen gar als eine Art Schizophrenie betrachten. Es steht heute nicht gut mit der Aufarbeitung dieser Anomalie in Deutschland, besonders durch die hartnäckigen Versuche der Politiker, die Situation im Nahen Osten medientechnologisch mit der deutschen Innenpolitik zu verbinden. Viele Länder sind bemüht den Juden und dem Staat Israel mit erhobenen Zeigefinger und einer gehörigen Portion Doppelmoral die Leviten zu lesen, ähnlich zupackend wie es neulich im Jüdischen Museum in Berlin der Fall war.

 

Foto: Islamisten mit "Hitlergruß" beim "Al-Quds-Marsch" in Berlin


Autor: Redaktion
Bild Quelle: H. Raak / haOlam.de


Dienstag, 02 Juli 2019