Kulturstaatsministerin restituiert NS-Raubkunst

Kulturstaatsministerin restituiert NS-Raubkunst


Grütters: `Wir müssen das Unrecht sichtbar machen´

Kulturstaatsministerin restituiert NS-Raubkunst

Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat heute im Bundeskanzleramt drei als NS-Raubkunst identifizierte Kunstwerke an die Erben Armand Dorvilles zurückgegeben. Das Aquarell „Dame im Abendkleid“ und das Ölgemälde „Porträt einer Dame“ von
Jean-Louis Forain entstammen dem Bestand Cornelius Gurlitts, die Zeichnung „Amazone mit aufbäumendem Pferd“ von Constantin Guys war zuletzt in Privatbesitz.

Der Besitzer dieses Werks, der anonym bleiben möchte, hatte es im Zuge des „Kunstfunds Gurlitt“ 2013 zur Beforschung der Provenienz zur Verfügung gestellt und zugesagt, es im Einklang mit den Washingtoner Prinzipien von 1998 zu behandeln und zurückzugeben. Da das Werk einst auch zum Kunstbestand Hildebrand Gurlitts gehörte, wurde es in das von der Kulturstaatsministerin finanzierte Forschungsprojekt „Provenienzrecherche Gurlitt" des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste aufgenommen, das es wie die beiden anderen Werke als NS-verfolgungsbedingt entzogen identifiziert hat.

Monika Grütters: „Die Bundesregierung arbeitet und handelt im Bewusstsein der immerwährenden historischen Verantwortung Deutschlands, die von den Nationalsozialisten verübten Menschheitsverbrechen aufzuarbeiten, die Erinnerung an die Opfer wach zu halten, und im Bewusstsein dieser Verantwortung mit aller Kraft gegen Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung vorzugehen. In diesem Sinne trägt die Restitution zur Aufarbeitung des NS-Kunstraubs in Deutschland bei.“

Die Nachkommen des 1941 verstorbenen französischen Kunstsammlers ließen die Bilder 1942 in Nizza versteigern. Es gelang ihnen zwar noch, die Werke in eine Versteigerung zu geben – der in der Zeit der Verfolgung bitter benötigte Erlös wurde ihnen aber vorenthalten. Die Versteigerung wurde durch einen Zwangsverwalter unter die Kontrolle der Vichy-Regierung gebracht, ein Teil der Familie wurde von den Nationalsozialisten ermordet.

„Das hinter der heutigen Rückgabe stehende Schicksal zeigt in besonderem Maße, wie perfide der NS-Kunstraubs organisiert war“, so Grütters weiter. „Das Leid und das Unrecht, das die Familie Dorville unter der Verfolgung durch die Nationalsozialisten erleiden musste, lassen sich nicht wiedergutmachen. Aber wir können und müssen es sichtbar machen. Ich empfinde es als wichtige und bedeutsame Geste, mit der Rückgabe wenigstens ein Stück weit zu historischer Gerechtigkeit beitragen zu können. Jede Restitution zählt - wie auch jede andere gerechte und faire Lösung nach den Washingtoner Prinzipien.“

Dr. Marcel Brülhart, Vertreter des Kantons Bern in der Dachstiftung Kunstmuseum Bern - Zentrum Paul Klee, erklärte: „Das Kunstmuseum Bern hatte sich nach reiflicher Überlegung für die Annahme der Erbschaft Cornelius Gurlitt entschieden, um einen Beitrag an die Aufarbeitung des NS-Kunstraubs und zur Milderung geschehenen Unrechts zu leisten. Entsprechend freuen wir uns über jede Rückgabe eines Werkes an die berechtigen Erben im Nachgang zu den aufwändigen Forschungsarbeiten. Entscheidend ist am Ende aber nicht die Menge der Restitutionen, sondern das ehrliche und engagierte Bemühen um die Klärung der Herkunft sämtlicher Werke des Kunstfundes Gurlitt“.

Das Kunstmuseum Bern ist Erbe Cornelius Gurlitts und damit des Kunstfunds Gurlitt. In einer Vereinbarung vom 24. November 2014 zwischen der Bundesrepublik Deutschland, dem Freistaat Bayern und der Stiftung Kunstmuseum Bern war beschlossen worden, dass die Provenienzen der über 1.500 Werke erforscht werden und der Bund NS-Raubkunst an die Opfer oder deren Nachkommen restituiert. Nach der heutigen Rückgabe sind nun im Zusammenhang mit dem Kunstfund Gurlitt 13 als Raubkunst identifizierte Werke an die rechtmäßigen Eigentümer restituiert worden.

Die Erben Armand Dorvilles werden durch die Genealogenkanzlei ADD Associés aus Paris vertreten.

Deren Teilhaber Antoine Djikpa und Antoine Delabre erklären: „Als Vertreter der Erben Armand Dorvilles danken wir Staatsministerin Monika Grütters und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die Art und Weise, wie mit dem sensiblen Thema umgegangen wurde und für ihr Engagement für Erinnerung und Gerechtigkeit.“


Autor: Bundesregierung
Bild Quelle: Olaf Kosinsky [CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)]


Mittwoch, 22 Januar 2020