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ARD: Sie können es nicht lassen

ARD: Sie können es nicht lassen


Am 17. Februar 2020 lief in der ARD (in der Mediathek noch bis 18.03.2020 verfügbar) eine Dokumentation über das Fußball-Freundschaftsspiel der israelischen Nationalmannschaft gegen Borussia Mönchengladbach im Februar 1970 und welche politische Wirkung dieses Spiel hatte.

ARD: Sie können es nicht lassen

Diese 90 Minuten Fußball erreichten für die Verständigung und Normalisierung des Verhältnisses zwischen Deutschland und Israel mehr als die vielen Jahre vorheriger Diplomatie zusammen.

Ein sehenswerter Film – wegen der fußballerischen Hintergründe, der Lebenshintergründe der Trainier Weisweiler und Schaffer, der Beschreibung der sportlichen Entwicklung im Land usw. – der leider doch wieder geschichtsfälschende Elemente enthält, die dazu beitragen, dass Israel als böser Besatzer da steht, der den Palästinensern Unrecht tut. So erklärt der Historiker Wolfgang Kraushaar bei Minute 16.12, nachdem er die fast korrekte Begründung für den Präventivkrieg lieferte: „Dieser [Sechstage-] Krieg endete mit einem Gebietsverlust und zwar der Palästinenser.“

Was für ein Quatsch!

Die „Palästinenser“ konnten kein Gebiet verlieren, weil sie gar keins hatten!

„Gebiet verloren“ hatten Ägypten, Jordanien und Syrien. Das ist historische Tatsache. Alles andere ist Unsinn, ideologische Täuschung.

„Daraus“ – der Niederlage, dem Gebietsverlust – so Kraushaar, zogen bestimmte radikale Palästinenser den Schluss, man müsse auf eigene Weise etwas militärisch dagegen unternehmen müsse. Diese Konsequenzen könnten nicht darin bestehen Kommandoaktionen durchzuführen, weil man den Israelis militärisch hoffnungslos unterlegen sei, sondern man müsste Nervpunkte treffen und hat deshalb vorgeschlagen Flugzeuge zu entführen.

Alles auf dem Mist der Palästinenser und auch da nur dem von ungenannten „bestimmten Radikalen“ gewachsen? Kein Wort davon, dass die arabischen Staaten als Ganzes diesen Kurswechsel initiiert und getragen haben, daran beteiligt waren, mitmachten, z.B. dadurch, dass die entführten Flugzeuge in ihren Staaten gelandet werden konnten ohne die Täter anzutasten; dass die Terrorgruppen finanziert und angeleitet wurden; dass sie arabische Bevölkerung überall aufgehetzt wurde und die Terroristen bejubelte.

Was für eine verfälschende Darstellung wird hier geboten! Von einem Historiker, einem Wissenschaftler!

Ab Minute 21 geht es um den Anschlag auf das jüdische Seniorenwohnheim in München. Die Täter, sind unbekannt. Und der damalige Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel betont noch heute, man könne nicht wissen, ob es sich um linksextreme Täter handelte oder ob sie ausschließlich aus antisemitischen Beweggründen handelten. (Es gibt genug Hinweise, die belegen, dass es sich um linksextreme Terroristen handelte. Schlimm genug auch die Skandale, die heute die Ermittlungen und das Gedenken an den Anschlag überschatten.)

Es folgt eine „Ungenauigkeit“ (22:44): Am 21. Februar, zwei Tage vor dem geplanten Spiel in Tel Aviv, „explodiert eine Paketbombe im Frachtraum einer Austrian Airlines-Maschine… Der Pilot kann das Flugzeug in Frankfurt notlanden. ie Maschine war auf dem Weg nach Tel Aviv.“ Die Gepäck-Etiketten sagen etwas anderes: Die Maschine sollte von Frankfurt nach Wien fliegen. Was Sinn macht, denn die AUA hatte keine Verkehrsrecht von der Bundesrepublik Deutschland nach Tel Aviv. Eine Suchmaschinen-Anfrage bringt die Fakten: Das Paket hätte eigentlich in einem Flugzeug der El Al von Frankfurt nach Tel Aviv transportiert werden sollen (El Al lehnte den Transport des Pakets ab, weshalb es in einen Flieger nach Wien gesteckt wurde, um von dort nach Israel gebracht zu werden). Warum solche Fehlinformationen?

Das heutige „Narrativ“ bestimmt eindeutig die Schilderung der Nahost-geschichtlichen Aspekte dieser Sendung. Dabei wäre es unglaublich leicht die richtigen Fakten ohne Aufwand zu recherchieren und anzugeben. Aber das geht nicht, weil es nicht „passt“, weil auch Wissenschaftler nicht mehr nachfragen/nachforschen/recherchieren oder ihre Kenntnisse in Schieflage interpretieren und dem Bild damit eine Schieflage geben, das falsche Eindrücke schafft. Selbst wenn es nur „Kleinigkeiten“ unter nicht wenigen richtigen Aussagen sind.

Nachbemerkung:
Insgesamt ist die Dokumentation auch ein Loblied auf Willy Brandt, der mit Regierungsentscheidungen dafür sorgte, dass das Spiel überhaupt stattfinden konnte. Es wird immer wieder betont und herausgehoben, dass Brandt die Beziehungen zu Israel normalisieren wollte. Das stimmt zwar, aber was war 1973? Da handelte Brandt als Feind Israels, der den Amerikanern verbot die Entsatzlieferungen für Israel über Deutschland zu schicken. Nachdem er vorher schon Golda Meirs Bitte um Hilfe für Annäherung bzw. Entschärfung der Lage an die Araber unterschlug. Brandt wollte offensichtlich lediglich einen diplomatischen Fauxpas vermeiden und die offiziellen Beziehungen verbessern, aber er stand alles andere als auf Israels Seite. Das gehörte sicherlich nicht in diese Dokumentation, aber die einseitige Hochjubelei des ersten SPD-Bundeskanzlers ist für jemanden mit etwas Kenntnis der Geschichte doch etwas, sagen wir mal, „problematisch“.

 

Heplev

 


Autor: Heplev
Bild Quelle:


Mittwoch, 19 Februar 2020

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