Die teuerste Reise der Welt: 200 000 Dollar für vier Stunden

Die teuerste Reise der Welt: 200 000 Dollar für vier Stunden


Sie soll noch in diesem Jahr stattfinden - die teuerste Reise der Welt. Sie dauert nur etwa vier Stunden und kostet 200 000 Dollar - pro Passagier.

Die teuerste Reise der Welt:  200 000 Dollar für vier Stunden

Von Wolfgang Will

Das entsprechende Flugzeug kann lediglich sechs Personen befördern. 700 Personen haben bereits einen Flug gebucht – und jeder dieser Möchtegern-Passagiere leistete eine Anzahlung von 20 000 Dollar.

Die Initiatoren und ihr Unternehmen Virgin Galactic haben soeben noch einmal versichert – Erststart mit Passagieren 2020.

Die Technologie:

Das Fluggerät besteht aus zwei Teilen. Ein Doppelrumpfflugzeug  (White Knight Two) trägt die Passagiermaschine (Space Ship Two) in eine Höhe von etwa 16 Kilometer. Dort wird die zwischen den beiden Rümpfen des Transporters hängende Passagierkapsel abgetrennt und fliegt mit ihrem Raketenmotor bis zur sogenannten Karman-Linie. Die verläuft in einer Höhe von 100 Kilometer und gilt als „Eingang“ zum eigentlichen Weltraum.

Diese Höhe wird durch das eigene Raketentriebwerk erreicht, das innerhalb von 30 Sekunden die Geschwindigkeit von Mach3 entwickelt. Die Passagiere werden dabei der dreifachen Erdbeschleunigung ausgesetzt. Nach etwa zwei Minuten und bei einer Geschwindigkeit von 4 200km/h schaltet das Triebwerk ab – das „Segeln“ beginnt. Was folgt, ist ein vier bis fünf Minuten dauernder schwereloser Flug, wobei Space Ship Two auf einer Höhe von etwa 110 Kilometer über der Erdoberfläche fliegt – in der Thermosphäre. In dieser Höhe „segelt“ das Raumschiff mit seinen Passagieren und seinem Piloten etwa sechs Minuten lang.

Während dieser Zeit können sich die Passagiere abschnallen, um das Schweben in der Schwerelosigkeit zu genießen – wie es etwa immer wieder die Bilder der Astronauten und Kosmonauten von der Internationalen Raumstation ISS zeigen. Die Bullaugen der Kabine sind zwischen 33 und 43 Zentimeter groß (Durchmesser) und ermöglichen einen Blick auch auf die Erde. Die Rückkehr zur Erde wird durch ein zweiminütiges Bremsen eingeleitet. Nach 25, spätestens 50 Minuten landet der Transporter auf seinem Heimatflughafen in der Mojawe Wüste von New Mexico.

Das Doppelrumpfträgerflugzeug ist 23,77 Meter lang und hat eine Flügelspannweite von 42,67 Meter. Seine vier Turbofanwerke kommen von Pratt&Whitney. Die angehängte Passagiermaschine ist etwas kleiner, aber auch noch 18,3 Meter lang.

Für Start und Landung dieses ersten Unternehmens für einen Weltraumtourismus wurde im Süden des US-Bundesstaates New Mexico der Raumfahrtflugplatz „Spaceport America“ gebaut. Kostenpunkt: Rund 200 Millionen Dollar. Eröffnung: Oktober 2011. Die ersten Testflüge gab es im selben Jahr. Es folgten Dutzende weitere, auch mit Unfällen, bei denen drei Personen ums Leben kamen.

Bemerkenswert ist bei diesem und vergleichbaren Unternehmen die Tatsache, dass sie privat finanziert werden. Das scheint ein Trend bei luftfahrttechnischen „Abenteuern“ zu sein – NASA und ESA etwa, also „der Staat“, halten sich auf diesem Sektor zurück.

Die Kombination von Space Ship Two und White Knight Two basiert auf der Konstruktion des amerikanischen Ingenieurs und Unternehmers Burt Rutan, der letztlich auch den britischen Entrepreneur Richard Branson mit ins Boot holte. Letzterer hat allein mit seiner PC-Firma, die vor allem Computerspiele herstellt und vermarktet, Milliarden verdient. 

Diese beiden Exzentriker sind sich augenblicklich absolut sicher: Sie befördern noch in diesem Jahr die ersten Passagiere ins Weltall.  -

Wolfgang Will arbeite jahrelang als Auslandskorrospodent für den Axel-Springer-Verlag und als Chefredakteur u.a. in New York


Autor: Wolfgang Will
Bild Quelle: Dirk Vorderstraße / CC BY (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)


Sonntag, 17 Mai 2020

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