Israels Kritiker wollen es vernichten – nicht verbessern

Israels Kritiker wollen es vernichten – nicht verbessern


Obwohl Annexion in der Luft zu liegen scheint, nimmt eine der erwarteten Folgen der Annexion bereits Formen an: eine Vertrauenskrise bei denen, deren zionistischer Glaube an die Legitimität eines jüdischen Staates davon abhängt, dass es zumindest die Möglichkeit einer letztlichen Zweistaatenlösung gibt, die aber jetzt sehen, wie diese Chance sich vor ihren Augen verflüchtigt.

Israels Kritiker wollen es vernichten – nicht verbessern

Guardian-Journalist Jonathan Freeland beginnt sein aktuelles Op-Ed im Jewish Chronicle („Was kommt als nächstes, wenn der Traum von zwei Staaten tot ist?“) mit:

Obwohl Annexion in der Luft zu liegen scheint, nimmt eine der erwarteten Folgen der Annexion bereits Formen an: eine Vertrauenskrise bei denen, deren zionistischer Glaube an die Legitimität eines jüdischen Staates davon abhängt, dass es zumindest die Möglichkeit einer letztlichen Zweistaatenlösung gibt, die aber jetzt sehen, wie diese Chance sich vor ihren Augen verflüchtigt.

Freelands Op-Ed bezog sich auf einen 7.000 Worte langen Text von Peter Beinart, der die Juden zu einer Einstaaten-, nicht zionistischen Zukunft aufrief, was in Jewish Currents ub einer kürzeren Version dessen, was die New York Times publizierte, veröffentlicht wurde.

Hier können Sie CAMERAs Antwort auf Beinarts Aufruf zum Ende eines jüdischen Staates lesen, aber Freelands Formulierung der Krise ist interessant, da sie – korrekterweise – den (ehemaligen) Zionismus Beinarts und seiner Verbündeten als an ein bestimmtes politisches Ergebnis mit den Palästinenser gebunden zeigt. Dieser bedingte Zionismus legt nahe, dass die eigentliche Legitimität Israels nicht, wie bei allen anderen Ländern, wie Abba Eban es formulierte, „axiomatisch und uneingeschränkt“ ist – nein, dauerhaft „hängt sie in der Luft“ und wartet auf die moralische Genehmigung durch andere.

Bedingter Zionismus negiert und löscht die Tatsache, dass Israel nach jedem objektiven Maßstab ein dynamischer, erfolgreicher und demokratischer Staat ist; und fordert als Voraussetzung für politische und internationale Legitimität, dass er die Schaffung eines Palästinenserstaates fördert. Im Gegenzug scheint diese politische Rechnung zu dem Schluss zu kommen, dass den Palästinensern keine moralischen Forderungen dafür gestellt werden sollten, dass ihnen das Recht auf Eigenstaatlichkeit und Legitimität gewährt wird.

Während israelische Führungspolitiker Annexion zurückweisen und ständig daran arbeiten müssen die Zweistaatenlösung am Leben zu erhalten, um nicht ihr Existenzrecht zu verwirken, wird von den Palästinenserführern überhaupt nichts verlangt. Sie werden nicht aufgefordert, wie es bei den Zionistenführern in den Jahrzehnten vor 1948 der Fall war, den Apparat für die Eigenstaatlichkeit aufzubauen – gesunde, protostaatliche politische und zivile Institutionen, die den Glauben beflügeln können, dass Palästina kein Failed State sein wird.

Von ihnen wird nicht gefordert innerhalb der palästinensischen Gesellschaft für eine Friedenskultur zu werben, auch nicht die Gewalt und den Antisemitismus propagierende Kultur der PA sowie zu Terror anreizende Programm wie „Geld für Mord“ zu beseitigen – Maßnahmen, die israelisches Vertrauen wecken würden, dass Palästina nicht, wie der Gazastreifen, zu einem Terrorstaat werden würde.

Sie werden nicht aufgefordert sich zu Friedensgesprächen mit Israel ohne Vorbedingungen zu verpflichten – der einzig vorstellbare Weg vorwärts, wenn es eine Hoffnung für zwei Staaten geben soll.

Daniel Gordis twitterte, dass Beinart Palästinenserführer nicht einmal minimal verantwortlich hält:

 

Beinart legt Daniel Shapiro gegenüber nahe, dass alle Last bei Israel liegen sollte. Von den Palästinensern wird nichts gefordert. Wie ich gestern schrieb, ist das Teil des Problems bei Beinarts Analyse – er schreibt, als hätten die Palästinenser keine Vertretung oder Verantwortung.

Beinarts Antwort ist aufschlussreich:

 

„Sie gewähren den Palästinensern keine Vertretung“ ist Hasbara für „Sie machen die Palästinenser nicht für ihre Unterdrückung verantwortlich“.

Der Tweet fasst bedingten Zionismus perfekt zusammen: eine manichäische Betrachtungsweise des Konflikts, in der die Palästinenser die Unterdrückten und die Israelis die Unterdrücker sind – Punkt. Aus dieser binären Darstellung wird nicht nur die palästinensische Vertretung abstrakt gestrichen, sondern auch die spezifische, tatsächliche Geschichte arabischer und palästinensischer Kriegsführung, Terror, Intifadas, Verweigerungshaltung und Judenhass, die den Konflikt antreiben (und weiterhin antreiben) und die die Israelis den Absichten der Palästinenser gegenüber skeptischer gemacht haben.

Es ist zwar wichtig Beinarts Einfluss nicht zu übertreiben, besonders angesichts dessen, dass Meinungsumfragen weiterhin seine Voraussagen zur schwindenden Unterstützung Israels in der jüdischen Gemeinschaft Lügen strafen; aber auch unbestreitbar ist, dass die radikalen ideologischen Strömungen, die seine Ansicht prägen, im Aufstieg begriffen sind. Beinart versucht den Juden eine Art Abbruchkultur zu verkaufen, wie sie im Buche geschrieben steht.

Obwohl Gordis zurecht zu dem Schluss kommt, dass ein solch „uneingeschränktes Streben nach Selbstverbrennung … kultureller Erschöpfung … und williger Vergessenheit von Konsequenzen“ die Israelis nicht in Versuchung gebracht hat, hat die Geschichte demonstriert, dass die Verführungskraft von Bewegungen, die nichts als die fundamentale Veränderung der Gesellschaft anstreben, nach der „sich alles geändert haben wird“, nicht unterschätzt werden sollte.


Autor: Heplev
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Donnerstag, 23 Juli 2020

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