Haltungsjournalismus vom Feinsten: Angebliche Mehrheit für Aufnahme von Flüchtlingen aus Moria

Haltungsjournalismus vom Feinsten:

Angebliche Mehrheit für Aufnahme von Flüchtlingen aus Moria


Nach dem heißen Abriss von Moria, wie ein Moderatorer von mdr-Kultur gestern den Brand im griechischen Flüchtlingslager in einem Interview zutreffend genannt hat, melden sich die üblichen Verdächtigen mit Forderungen, sofort die obdachlos gewordenen Migranten aufzunehmen.

Angebliche Mehrheit für Aufnahme von Flüchtlingen aus Moria

Von Dr. Wolfgang Hintze und Vera Lengsfeld

Dass es ein verheerendes Signal wäre, wenn terroristische Akte die Wirtschaftsmigration nach Europa befördern würden, wird unter einem humanitären Wortschwall zugedeckt. Obwohl unsere Land noch längst nicht die 2015 ausgelöste Einwanderungswelle verkraftet hat, machen sich unsere Bessermenschen stark, weitere Einwanderungswellen zu begünstigen. Allerdings sind die Befürworter unbegrenzter Einwanderung eher nicht dafür bekannt, dass sie unbegrenzt Flüchtlinge in ihre komfortablen Häuser aufgenommen hätten.

Deutsche Städt haben sich gemeldet und um Aufnahme von Migranten gebeten. Wer sind in diesem Fall die Städte, ihre Bürgermeister und Kommunalpolitiker oder die Bewohner?

Um dieser brisanten Frage den Wind aus den Segeln zu nehmen, hat ntv am heutigen Freitag eine Blitzumfrage veröffentlichet. Allerdings täuscht da schon die Überschrift:  “Mehrheit für Aufnahme von Flüchtlingen aus Moria”.

Der Text beginnt so:
“Sollte Deutschland Flüchtlinge aus dem abgebrannten Lager Moria aufnehmen? Und wenn ja, unter welchen Bedingungen? Die Politiker diskutieren, aber was denken die Menschen im Land? Eine Blitzumfrage im Auftrag von ntv zeigt eine große Offenheit für die Aufnahme.“
Die Mehrheit der Deutschen wäre demnach für eine Aufnahme von Migranten aus Moria.

Aber stimmt das überhaupt?

Die Antwort lautet: aus der Umfrage geht es nicht hervor, denn nach der Meinung zur Aussage „Deutschland sollte Flüchtlinge von Moria aufnehmen“ wurde gar nicht gefragt!
Tatsächlich lautete die Frage:
„Sollte Deutschland gemeinsam mit anderen willigen EU-Staaten Flüchtlinge von Moria aufnehmen?“
Hier haben 50% zugestimmt. Aber 50% sind keine Mehrheit.
Außerdem merken wir den feinen aber entscheidenen Unterschied, „gemeinsam mit anderen willigen EU-Staaten“.
Aus den Antworten zwei und drei der im Artikel aufgeführten Tabelle ergibt sich jedenfalls, dass es 49% der Befragten definitiv ablehnen, Flüchtlinge ohne EU-Beteiligung aufzunehmen.
Man darf vermuten, dass die Frage ohne Bedingung von weniger als 50% positiv beantwortet worden wäre (hat man sie vielleicht deshalb nicht so gestellt?), also wäre die korrekte Überschrift der Blitzumfrage zu Moria-Migranten :

Keine Mehrheit für Aufnahme von Flüchtlingen.

 

Vera Lengsfeld, Publizistin, war eine der prominentesten Vertreterinnen der demokratischen Bürgerrechtsbewegung gegen die "DDR"-Diktatur, sie gehörte 15 Jahre dem Deutschen Bundestag als Abgeordnete der CDU an. Sie publiziert u.a. in der Achse des Guten und in der Jüdischen Rundschau.


Autor: Vera Lengsfeld
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Sonntag, 13 September 2020

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