Jüdische DIA-Vereinsvorsitzende schon wieder am Pranger

Jüdische DIA-Vereinsvorsitzende schon wieder am Pranger


Von den Medien wird keine Gelegenheit versäumt, versteckte oder offene Attacken gegen Israel und seine Gönner zu reiten. Und wenn es um liberale Juden geht, die nicht nur den staatstragenden Parteien und dem Zentralrat der Juden huldigen, wird von den Medien besonders gerne „zugeschlagen“.

Jüdische DIA-Vereinsvorsitzende schon wieder am Pranger

Von Albrecht Künstle und Ulla Steiner

- Presse: „Mitbegründerin der Gruppe ‚Juden in der AfD‘ bleibt Vorsitzende

- Stört die Presse mehr die Jüdin oder ihre Kurz-Mitgliedschaft bei der AfD?

 

Von den Medien wird keine Gelegenheit versäumt, versteckte oder offene Attacken gegen Israel und seine Gönner zu reiten. Und wenn es um liberale Juden geht, die nicht nur den staatstragenden Parteien und dem Zentralrat der Juden huldigen, wird von den Medien besonders gerne „zugeschlagen“.

 

So wieder einmal geschehen nach einer Jahreshauptversammlung des Vereins „Deutsch-Israelischer-Arbeitskreis Südlicher Oberrhein e.V. (DIA)“, der sich einer steigenden Mitgliederzahl erfreut. Über diese berichteten sowohl die Badische Zeitung (BZ) als auch das Lokalblatt Lahrer Zeitung (LZ). Die Schlagzeilen lauteten „Die Mitbegründerin der Gruppe ‚Juden in der AfD‘ bleibt Vorsitzende.“ (BZ) und „Gegenkandidat hat keine Chance“ (LZ). Autor der Berichte ist der sehr „freie“ Journalist Michael M., der sich eher freihändig als freischaffend gebärdet. Seinen ganz und gar nicht objektiven Bericht lieferte er auch dem Ettenheimer Heimatbote (BZ), der ihn mit gleichlautendem Titel ebenfalls veröffentlichte. Und man fragt sich, ob es die Zeitungen inzwischen mit jedem treiben.

 

Ein eigener Rückblick: Der Verein kümmerte sich seit der Gründung schwerpunktmäßig um das Schicksal der Juden im Dritten Reich. Das ist unstreitig geboten, was auch allseits gelobt wird – von wenigen Ignoranten abgesehen. Der langjährige Vorsitzende und Gründer des Vereins und seine Mitstreiter pflegen bis heute die Gedenkkultur für im Dritten Reich ermordete Juden und halten Kontakt zu Holocaust-Überlebenden und Zeitzeugen.

 

Robert Krais hatte im Jahr 1972 mit lebenden Juden ein prägendes Erlebnis. Er war in München sportlicher Betreuer der jungen Olympiamannschaft Israels. Wie wir wissen, verließen viele von ihnen unser Land nicht lebend, sondern wurden Opfer eines palästinensischen Anschlags. Das war für ihn ein Mitgrund für die Vereinsgründung.

 

Vor etwas mehr als zwei Jahren wurde man sich im DIA bewusst, dass sechs der acht Satzungsaufgaben eigentlich Israel betreffen – wie der Vereinsname verrät – was bis dahin zu kurz kam. Die beiden anderen genannten Aufgaben „Kontaktpflege zu den Familien ehemaliger jüdischer Bürger“ und „die Aufarbeitung und Bewahrung deutsch-jüdischer Geschichte“ bildeten so gut wie den alleinigen Schwerpunkt der Vereinsaktivitäten. Das erschien nun doch zu einseitig. Die ergänzende Neuorientierung des Vereins, sich mehr um Israel zu kümmern, ist auch für ihn geboten.

 

Mit dem Stabwechsel des Vorsitzes an die deutsch-israelische Jüdin Schermann im Mai 2018 sollte das geschehen. Die Hinwendung zu Israel sah eine Handvoll Mitglieder des Vereins nicht so gerne. Im Oktober 2018 trat Simone Schermann der neu gegründeten „Juden in der AfD“ bei, weil sie „sehen wollte, wovor die Bundesregierung mich schützen möchte.“ Seither wird sie von der Handvoll aus dem DIA Ausgetretenen mit Unterstützung der Lokalzeitungen massiv öffentlich angegriffen. Obwohl sie nur zwei Monate bei der AfD war, weil sie zu dieser nicht passte. Aber, selbst wenn sie noch dabei wäre, wollen wir Juden schon wieder vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben?

 

Dieses, auch von Juden für sich in Anspruch genommene Recht auf politische Betätigung und das satzungsgemäße Eintreten für Israel war jener Handvoll DIA-Mitglieder Anlass für den Versuch, Israel aus dem Vereinsnamen zu streichen. Als sie damit an der großen Mehrheit scheiterten, traten sie aus dem Verein aus. Begründung: „das Beleuchten der Nah-Ost-Politik aus israelischer Sicht‘ ist problematisch.“ Aber einer blieb – Bernhard P. – der seither unentwegt, oft auch mit unlauteren Mitteln, versucht, die Jüdin Simone Schermann aus ihrem Amt zu drängen, weil sie als deutsche und israelische Staatsbürgerin zu beiden Staaten loyal ist. Nicht überraschend erklärte Bernhard P. daher in der Wahlversammlung am 25.09.2020 seine Kampfkandidatur, zu der er sich mangels Unterstützung selbst vorschlug. Doch die amtierende Vorsitzende Schermann wurde wiedergewählt mit nur einer Gegenstimme von ihm.

 

Was machten die Zeitungen daraus? Sie gaben diesem Außenseiter mit keinen fünf Prozent der (eigenen!) Stimmenzahl exakt ein Drittel des Berichtsumfangs. Und der Rest war tendenziös kommentierend und sogar falsch, noch nicht einmal die Wahlen des Restvorstandes sind in der Presse korrekt zu lesen – als ob der vom Journalisten eisern getragene Mundschutz seine Sinne getrübt hätte, oder was sonst könnte wohl die Ursache für die fehlerhafte Berichterstattung gewesen sein? Die Hälfte der Teilnehmer die ihm nahe kamen, stellte einen anderen Grund fest.

 

Und dem Gastreferenten, Völkerrechtler Thorsten Kraft wurde die Aussage unterstellt, die EU sei nicht demokratisch legitimiert, wofür er heftigen Applaus geerntet habe. Er sagte aber, die EU sei „nicht für alles was sie tut“ legitimiert. Er gab auch zu bedenken, „Du bist solange ein guter Jude, solange du israelkritisch bist“. Und schließlich reichte er dem erklärten Gegner der Vorsitzende Schermann symbolisch die Hand mit dem Satz, „wir feiern ab Morgenabend Jom Kippur, unser Fest der Versöhnung, wollen wir das nicht mit Leben erfüllen.“ Es war leider eine Fehlbitte.

 

Was wurde der Vorsitzenden von dem Abweichler noch vorgeworfen? Einmal, dass sie bei der Wahl im Mai 2018 zur Vorsitzenden des DIA ihre AfD-Mitgliedschaft verschwiegen habe und sich auch nicht dafür entschuldigt hat. Allerdings war sie zum Zeitpunkt dieser Wahl ja noch gar nicht Mitglied der AfD gewesen, konnte also nichts verschwiegen haben. Überhaupt: Zu Sowjetzeiten mussten sich Angeschwärzte in langen Schauprozessen selbst anklagen. Unter Mao war die Selbstbezichtigung ebenfalls Usus, es wurde nur kurzer Prozess gemacht. Aber muss sich auch eine Jüdin im heutigen Deutschland selbst demütigen?

 

Scharf kritisierte der „Spaltpilz“ dann noch Schermanns Teilnahme an einer Info-Veranstaltung von Pax Europa im Oktober 2019 in Lahr, auf der Michael Stürzenberger, den Bernhard P. als „Volksverhetzer“ verunglimpfte, über den politischen Islam aufgeklärte. Simone Schermann legte sich als Zuhörerin kurzentschlossen eine Israelfahne um die Schultern und unterstützte Michael Stürzenberger spontan, indem sie als Historikerin dessen Ausführungen zum Pakt zwischen Hitler und dem Obermufti von Jerusalem bestätigte und näher ausführte.

 

Dafür wurde sie nicht nur von Gegendemonstranten und Gutmenschen verbal angegriffen, sondern besonders heftig auch von dem DIA-Mitglied Bernhard P. und dessen Freunden, die bereits aus dem DIA ausgetreten waren. Nach deren Auffassung soll Simone Schermann bei der Kundgebung für die „falsche Seite“ gesprochen haben und forderten (als Nichtmitglieder!) vehement ihren Rücktritt vom Vorstandsposten im DIA. Warum greift er nicht mich an, der ich in Lahr ebenfalls das Wort ergriff und Bernhard P. verriet, dass ich sogar Mitglied von Pax Europa bin. Traut er sich bei mir nicht, weil ich kein Jude bin? Warum ist gerade SIE sein Feindbild?

 

Bernhard P.‘s Angriff gipfelte darin, der Verein müsse von Schermanns schändlichem Verhalten bereinigt“ werden. Und die Presse beteiligte sich emsig an dem Kesseltreiben.

 

Der bei der Vorstandswahl unterlegene Gegenkandidat Bernhard P. sprach auch von einer „schweigenden Mehrheit“ des Vereins, die nicht zu seiner Unterstützung zur Versammlung erschienen sei. Auf die Idee, dass ihn niemand aus dem Verein unterstützen mochte, nachdem er erst vor einem Monat ohne Wissen des Vorstandes der Presse in vereinsschädigender Weise ein Interview gegeben hatte, genau wie schon vor ein paar Monaten, kam er anscheinend nicht.

 

Außerdem: Warum gründen die ehemaligen DIA-Mitglieder nicht einfach einen eigenen, judenfreien Verein, wenn sie mit Israels Juden nichts zu tun haben wollen? Bernhard Pilz könnte so doch noch zu seinem Vorstandsposten kommen. Allerdings müsste der neue Verein bei null anfangen, wohingegen die Vereinskasse des DIA bereits gut gefüllt ist.

 

Was reitet die Presse eigentlich, eine Schlagzeile wie “Die Mitbegründerin der Gruppe ‚Juden in der AfD‘ Simone Schermann bleibt Vorsitzende“ zu verfassen? Hätten die Redakteure nach der letzten Bundestagswahl sich auch getraut zu titeln „Die FDJ-Funktionärin Angela Merkel bleibt Bundeskanzlerin“. Undenkbar. „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“, lautet Art.3 Grundgesetz. Das sollte nicht nur für „Menschen“, sondern auch für die Medien unseres Landes gelten, oder nicht?

 

Das öffentliche Kesseltreiben und der offen zu Tage tretende Antisemitismus gehen nicht nur Simone Schermann an die Nieren. So wie viele Juden in Deutschland denkt auch sie hin und wieder schon einmal darüber nach, eventuell zu ihren Verwandten nach Israel auszuwandern. Nicht nur für mich stellt sich daher die Frage, werden Juden in Deutschland angesichts der salonfähig gewordenen Israelfeindlichkeit erst dann geschätzt, wenn sie nicht mehr da oder (mund)tot sind?

 

Bis vor Kurzem teilten wir die Behauptung nicht, der Antisemitismus habe zugenommen (in unserem Umfeld kennen wir nur eine Handvoll solcher Leute). Inzwischen sehen wir das jedoch mit anderen Augen.


Autor: Albrecht Künstle
Bild Quelle:


Donnerstag, 08 Oktober 2020

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